Herrensohr

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Katholische Kirche St. Marien, Expressionismus
Evangelischen Kreuzkirche, Neogotik

Herrensohr ist ein Stadtteil von Saarbrücken innerhalb des Stadtbezirks Dudweiler (siehe Liste der Stadtteile Saarbrückens). Unmittelbare Nachbarorte sind Dudweiler und Jägersfreude. Der Ort liegt am rechten Ufer des Sulzbaches, einem Nebenfluss der Saar.

Herrensohr wird im Volksmund auch „Kaltnaggisch“ genannt. Der Zweitname des Ortes komme – so die Volksetymologie – von der kahlen Rodungsfläche, auf der er erbaut wurde. Der Ort wurde ab 1856 als Bergmannskolonie planmäßig auf einer ehemaligen Waldfläche errichtet. Der Volkskundler Nikolaus Fox bezeichnet allerdings den volkstümlichen Ortsnamen von Herrensohr „Kaltnaggisch“ als sprachliche Tautologie aus der ursprünglichen keltischen Örtlichkeitsbezeichnung „gall/gallt“ (lat. collis; dt. Hügel) und der späteren althochdeutschen Worthinzufügung „nak“ (Spitze). Der ursprüngliche Gewann-Name würde demnach heute einfach „Hügel“ oder „Anhöhe“ heißen.[1]

Der Knappschaftsverein Saarbrücken hatte zum Zweck der Errichtung einer Bergmannskolonie durch Tausch vom Forstfiskus drei Walddistrikte mit den Namen „Herresohr“ (sic!), „Bärendick“ und „Felsenborn“ erworben, die unter dem Namen „Herresohr“ (sic!) im Dudweiler Grundbuch eingetragen waren. Der Name Herrensohr, ursprünglich Herresohr, bedeutet „Herrenjagd“, da das Waldstück den Grafen von Saarbrücken zu Jagdzwecken gedient hatte. Eine Eingabe der Einwohner, man solle ihren Ort nach einem der beiden anderen Walddistrikte – Felsenborn oder Bärendick – benennen, wurde von der zuständigen Behörde abgelehnt.[2]

Am 30. April 2014 hatte der Ort 2.113 Einwohner.[3]

Bis 1973 gehörte Herrensohr zur Stadt Dudweiler, bei der saarländischen Gebietsreform von 1974 wurde Dudweiler nach Saarbrücken eingemeindet.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dieter Hartwich (Hrsg.): Dehemm in Kaltnaggisch – 1856–2006, 150 Jahre Herrensohr. Herrensohr 2006
  • Heidelinde Jüngst-Kipper/Karl Ludwig Jüngst: Herrensohr im 19. Jahrhundert, Saarbrücken 2006
  • Dieter Hartwig: Herrensohr in der Zeitgeschichte, 2016
  • Werner Arend: Johann Maes, ein Mann aus Herrensohr, Historische Beiträge der Dudweiler Geschichtswerkstatt, Band 8, Seite 136 – 142, Dudweiler 2004
  • Karl Heinz Ruth: Bergmannskolonie Herrensohr, Historische Beiträge der Dudweiler Geschichtswerkstatt, Band 4, Seite 6 – 23, Dudweiler 1996
  • Ralf Hoffmann: Herrensohrer Bergmannswelt um die Jahrhundertwende, Dudweiler Geschichtswerkstatt, Band 1, Seite 27 – 30, Dudweiler 1989
  • Dieter Hartwich/Sylvia Schwindt: Kaltnaggisch, das isses, Herrensohr und seine Autoren, OIV Herrensohr,
  • Joachim Heinz: Zur Geschichte des Friedrich-Ebert-Denkmals in Herrensohr, Band 2. Dudweiler Geschichtswerkstatt, 1991
  • Werner Arend: Die Lichtspieltheater von Dudweiler, Herrensohr und Scheidt, Band 7, Dudweiler Geschichtswerkstatt, 2002
  • Karl Ludwig Jüngst: Geißediewels – Ein Hauch von Schinderhannes in Kaltnaggisch, Band 9, Dudweiler Geschichtswerkstatt, 2006

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Herrensohr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nikolaus Fox: Saarländische Volkskunde, Saarbrücken 1979, Unveränderter Nachdruck der Ausgabe von 1927, mit einem Vorwort von Mathias Zender, S. 8–9.
  2. http://www.saarlandbilder.net/orte/saarbruecken/herrensohr.html, abgerufen am 5. März 2019.
  3. Landeshauptstadt Saarbrücken - Zahlen, Daten und Fakten. abgerufen 21. Mai 2014
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 803.

Koordinaten: 49° 16′ N, 7° 1′ O