Herrn Pastor sien Kauh

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Bronzeskulptur Pastor sine Koh in Emsbüren
Brunnen Herrn Pastorn sin Kauh auf dem Schlachtermarkt in Schwerin

Herrn Pastor sien Kauh ist ein niederdeutscher Rundgesang, von dem viele Norddeutsche wenigstens einige Strophen kennen. Es wird brauchtümlich bei Festen und Trinkgesellschaften angestimmt. Einzelsänger geben hierbei je eine Strophe vor, der Refrain danach ist eingängig und wird von allen mitgesungen. Es hört auf, wenn keiner mehr eine neue Strophe weiß.

Inhaltlich geht es um des Pastors Kuh (Kauh), die zu Pfingsten (Pingsten) geschlachtet wird, und von der in jeder Strophe jemand im Dorf (Dörp) etwas abbekommt, zugleich auch verspottet wird. Ausgangs bekommen auch Schleswig-Holstein, Mecklenburg usw. noch ihre Seitenhiebe. Volkskundlich bildet es herkömmliche joking relationships ab.

Zur Melodie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Glockenspiel des Schweriner Rathauses hat den Anfang der Melodie übernommen.

Neue Vertonung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es existiert ein sechsstimmiger Chorsatz von Fritz Bultmann aus dem Jahr 2012.

Aus dem Text[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Lied werden mehr als hundert Strophen nachgesagt, einige beispielhafte folgen. Es gibt auch zahlreiche Textvarianten.

  1. Kennt ji all dat nige Leed, nige Leed, nige Leed,
    Wat dat ganze Dörp all weet, von Herrn Pastor sien Kauh?
    (Stets wiederholter Refrain:)
    Sing man tau, sing man tau,
    von Herrn Pastor sien Kauh, jau, jau.
    Sing man tau, sing man tau, von Herrn Pastor sien Kauh!
  2. Ostern weer se dick un drall, dick un drall, dick un drall,
    Pingsten leeg se dod in’n Stall, den Herrn Pastor sien Kauh!
  3. As se weer in Stücken sneeden, Stücken sneeden, Stücken sneeden,
    het dat ganze Dörp wat kreegen, von Herrn Pastor sien Kauh!
  4. Un de Köster Dümelang, Dümelang, Dümelang
    kreeg den Stert as Klockenstrang, von Herrn Pastor sien Kauh!
  5. Un de ole Neihkatrin, Neihkatrin, Neihkatrin
    kreeg den Kopp as Neihmaschin vun Herrn Pastor sien Kauh!
  6. Ond de Jongfer Edeltraud, Edeltraud, Edeltraud,
    kreeg een nieget Jongfernhaut, vun Herrn Pastor sien Kauh!
  7. De malle Moler Seidelbast, Seidelbast, Seidelbast
    kreeg ’n niegen Molerquast, vun Herrn Pastor sien Kauh!
  8. Un de ole Dörpkapell, Dörpkapell, Dörpkapell
    kreeg en nieget Trummelfell, von Herrn Pastor sien Kauh!
  9. Un uns niege Füerwehr, Füerwehr, Füerwehr
    kreeg en Pott voll Wagensmeer, von Herrn Pastor sien Kauh!
  10. Un de ole Inglisch-Miss, Inglisch-Miss, Inglisch-Miss,
    kreeg een nieget Teihngebiss, von Herrn Pastor sien Kauh!
    Das Wappen von Mecklenburg-Vorpommern zeigt heute noch zwei Stierköpfe, worauf angespielt wird.
  11. Trina pett mit ehre Hacken, ehre Hacken, ehre Hacken
    in een groten Dunnerkacken, vun Herrn Pastor sien Kauh!
  12. Sleswig-Holsteen meerumslungen, meerumslungen, meerumslungen,
    hannelt nu mit Ossentungen, vun Herrn Pastor sien Kauh!
  13. De Mekelnbörger leits nich slapen, leits nich slapen, leits nich slapen,
    se sett den Kopp in’t Lanneswappen, vun Herrn Pastor sien Kauh! [siehe Abb.]
  14. Inne Slacht vun Waterloo, Waterloo, Waterloo
    fing Napolium eenen Floh, vun Herrn Pastor sien Kauh!
  15. De Seel de steigt in heven tau, heven tau, heven tau ,
    s wör joa ne Pastornkau, uns Herrn Pastor sien Kauh!
  16. (Abschlussstrophe)
    Doch dat Leed, dat is ers half, is man half, is man half,
    denn in’n Stall dor steiht een Kalf, vun Herrn Pastor sien Kauh!
  17. (altern. Abschlussstrophe)
    Un wer dat Leed nich wieterkann, wieterkann, wieterkann,
    der fängt nu tau flaaten an, vun Herrn Pastor sien Kauh! (Refrain nur gepfiffen)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Exemplarische Werke zur Entstehung des Liedes und einzelner der einhundert Strophen:

  • K. Wehrhan: Das niederdeutsche Volkslied „van Herrn Pastor siene Koh“. Leipzig 1922.
  • Adolf Lange: Die merk-würdige Geschichte von Pastor siene Koh. Warendorf o.J. (um 1974).
  • Wilhelm Fangmeyer: Dat Lied van Pastor siene Kouh. St. Michael 1982.
  • Peter Eggers: Dat Leed vun de Herr Pastor sien Koh. Heide 1982.
  • Heike Müns (Hg.): Ein paar hundert ausgewählte alte und neue Strophen von Herrn Pasturn sien Kauh. Rostock 2001.
  • Frank Schmitz: Das plattdeutsche Lied „van Pastor siene Koh“. Ist es tatsächlich in Emsbüren entstanden? Eine Spurensuche. Lingen (Ems) 2007.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]