Herrnhuter Stern

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Herrnhuter Sterne auf dem 571. Dresdner Striezelmarkt
Herrnhuter Sterne in Remscheid
Ein halbfertiger Herrnhuter Stern

Als Herrnhuter Stern bezeichnet man einen beleuchteten Advents- oder Weihnachtsstern einer bestimmten geometrischen Bauart, der den Stern von Betlehem symbolisiert. Namensgeber, traditioneller Hersteller und Inhaber der Wortmarke ist die Herrnhuter Brüdergemeine[1].

Geschichte[Bearbeiten]

Benannt ist der Stern nach der Herrnhuter Brüdergemeine, die ihren Stammsitz in Herrnhut in der Oberlausitz hat, einem von den Nachfahren der Evangelischen Brüderunität Mähren am 17. Juni 1722 gegründeten Ort. Viele Eltern gingen als Missionare in die Welt, die Kinder kamen in Internate. Dort entstanden die ersten Herrnhuter Sterne.

Als man 1821 in der Unitäts-Knabenanstalt in Niesky ein Fest zum fünfzigsten Jahrestag der Anstalt feierte, schwebte im Hof ein beleuchteter Stern mit 110 Zacken. Er hing auch nicht zur Adventszeit, denn die Jubiläumsfeier fand vom 4. bis 6. Januar statt, also zum Dreikönigsfest. Während andere Kirchen Weihnachtskrippen zeigten, passte dieser Stern von Bethlehem in die schlichten, weißen Säle der Brüdergemeine. Später wurde der Stern auch in den Internaten der Herrnhuter Unität in Niesky, Neuwied, Königsfeld im Schwarzwald und Kleinwelka gebastelt und zum ersten Advent aufgehängt.

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts begannen manufakturmäßige Herstellung und Vertrieb der Original Herrnhuter Sterne. Die zur industriellen Fertigung besonders geeignete Version mit 25 Zacken lieferte ab den 1920er Jahren die Sterngesellschaft mbH in Herrnhut. Selbst in der DDR führte der VEB Stern die Produktion fort, wenn auch unter den Bedingungen des Sozialismus mit staatlich festgelegten Rahmenbedingungen. Ab 1968 wurden die Sterne in einem Betrieb hergestellt, der eigentlich Elektroanlagenzubehör herstellte.

Heute produziert die Herrnhuter Sterne GmbH mit 60 Arbeitskräften ein Sortiment von über 60 verschiedenen Sternen nebst Zubehör für die Beleuchtung. Unterstützt wird der Betrieb durch mehrere Behindertenwerkstätten der Region, aus denen 30 Personen einfache Komponenten zuliefern. Der Produktionsumfang beläuft sich auf ca. 240.000 Stück pro Jahr (Stand Mai 2011). Anfang Mai 2011 weihte die Herrnhuter Sterne GmbH in Herrnhut ihre neue Manufaktur ein.[2]

In vielen Missionsorten der Herrnhuter Brüdergemeine wie beispielsweise in Genadendal und Elim in Südafrika werden Herrnhuter Sterne heute noch zur Ausschmückung während der Adventszeit in Handarbeit hergestellt.

In vielen, nicht nur protestantischen Kirchen hängen ein oder mehrere Herrnhuter Sterne, teilweise stammen sie noch aus der Anfangszeit der Produktion und sind bis zu 80 Jahre alt. Viele evangelische Gemeinden kauften die Sterne, um die Herrnhuter Brüdergemeine zu unterstützen und deren Missionsarbeit zu fördern. Meistens jedoch, weil dieser Adventsschmuck nicht überladen und bunt, sondern von schlichter Schönheit ist.

Aussehen und Arten[Bearbeiten]

Herrnhuter Sterne sind mathematische Sternkörper, die aus einem Rhombenkuboktaeder als Grundkörper mit aufgesetzten Pyramiden bestehen. Beim kommerziellen Stern fehlt die oberste Zacke, die es zum wirklichen Sternkörper machen würde – dort ist die Aufhängung angebracht.

Der Stern wird zerlegt erworben. Der Herrnhuter Advents- und Weihnachtsstern besteht aus einem (kleinen) Rhombenkuboktaeder mit 26 Flächen, 17 viereckigen und 8 dreieckigen Zacken. In der Packung befinden sich außerdem Montageklammern, ein Aufhängesteg und zwei Reservezacken.

Es gibt Herrnhuter Sterne aus Papier und Kunststoff, sowie als Lichterkette mit zwölf kleinen Kunststoffsternen. Papiersterne gibt es in den Durchmessern 40 cm, 60 cm, 70 cm und 80 cm. Den Kunststoffstern für den Außenbereich gibt es in den Durchmessern 13 cm, 40 cm, 68 cm und 130 cm.

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dorothee Theile: …und leuchtet in die ganze Welt. Der Herrnhuter Stern und seine Geschichte. Comenius-Buchhandlung, Herrnhut 2008, ISBN 978-3-9812139-1-1.
  • Christine Lost: An Sternen lernen. Zur Geschichte von „Fröbelstern“ und „Hernnhuter Stern“. In: Pädagogisches Forum 30/6 (2002), S. 414–418.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Herrnhuter Stern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutsches Patent- und Markenamt: Wortmarke: Herrnhuter Stern
  2. Ines Igney: Herrnhuter Sterne ziehen um. Sächsische Zeitung (Ausgabe Pirna) vom 7./8. Mai 2011