Herrnsberg

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Herrnsberg
Stadt Greding
Koordinaten: 49° 4′ 44″ N, 11° 22′ 14″ O
Höhe: 516 m ü. NHN
Einwohner: 333 (7. Dez. 2018)
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 91171
Vorwahl: 08463
Herrnsberg
Herrnsberg

Herrnsberg ist ein Ortsteil der Stadt Greding im mittelfränkischen Landkreis Roth in Bayern.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kirchdorf liegt auf der Hochfläche der südlichen Frankenalb im Naturpark Altmühltal auf 516 m ü. NHN nördlich des Gemeindesitzes, der Stadt Greding, über dem Tal des Agbachs, der unmittelbar östlich von Herrnsberg in zwei Quellen entspringt und in südlicher Richtung der Altmühl zufließt.

Ortsnamensdeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl Kugler deutet den Ortsnamen als „Berge mit dem Feldstall des Hero (Kosename von Heribert)“.[1] Nach anderer Deutung liegt dem Ortsnamen der im 8. Jahrhundert bezeugte Personenname „Herrin“ zugrunde.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem Waldstück „Boleitn“ (= Bachleite) nahe bei Herrnsberg befinden sich die Grundmauernreste einer stattlichen Burg des Mittelalters, die noch im frühen 15. Jahrhundert bestanden hat.[3]

In der Auseinandersetzung des Bischofs von Eichstätt Johann I. mit den bayerischen Herzögen Rudolf und Ludwig um das Erbe der Grafen von Hirschberg 1305 wurde „Herrensperch“ mit Leuten, Gütern und Gerichte dem Bischof zugesprochen.[4] 1323 verkaufte der erste Pfarrer von Burggriesbach, namens Steinhauser, sein Gut zu Herrnsberg an den Amtsknecht von Plankstetten.[5] 1383 verglich sich Berta von Stein mit dem Eichstätter Domkapitel wegen des Zehents unter anderem in Herrnsberg; 1398 verkaufte Sweiker von Gundelfingen den Zehent an den Eichstätter Bischof Friedrich IV. Graf von Oettingen. 1394 stiftete Konrad Reiter von Herrnsberg eine Samstagwochenmesse bei St. Jakob in Greding.[6] 1419 wurde Leonhard der Absberger auf Burg Rumburg mit den Tafern- (Schankrecht) und Kirchtagsrechten (Marktrecht) in Röckenhofen und Herrnsberg sowie mit der Schmiedstatt von Herrnsberg belehnt; die Lehen besaßen noch 1555 die Erben des Erasmus Absberger.[7] 1447 sind Herrnsberg und Röckenhofen im Salbbuch des hochstiftischen Richteramtes Greding und im Zinsbuch des bischöflichen Oberamtes Hirschberg verzeichnet.[8] Das Salbuch der Herrschaft Jettenhofen von 1491 verzeichnet Lehen bzw. Zinspflichtige unter anderem ebenfalls in Herrnsberg und Röckenhofen.[9] Der 1507 gestorbene Eichstätter Hofmeister Hieronymus von Rosenberg, der auf Schloss Jettenhofen saß, vermachte dem Hochstift „etliche Zinse“ in Greding, Herrnsberg und Röckenhofen, war also dort begütert.[10] 1520 erwarb der Eichstätter Bischof Gabriel von Eyb Güter und Leute des Hans Roßthalers zu Staufersbuch in Herrnsberg und Röckenhofen mit Vogtei und Gericht.[11] 1595 brannten 16 Häuser und die Kirche des Ortes ab; die Kirche wurde vom fürstbischöflichen Richteramt in Greding wiederaufgebaut.[12]

Am Ende des Alten Reiches bestand Herrnsberg aus 32 Untertanen-Anwesen und einer Kirche als Filiale von Greding; die meisten Anwesen, 21, gehörten grundherrschaftlich dem hochstiftischen Richteramt Greding, sechs Anwesen dem hochstiftischen Kastenamt Jettenhofen, ein Anwesen dem Propstamt Berching, ein Halbhof und ein Höfl dem Spital Eichstätt (vogtei- und steuermäßig dem Richteramt Greding unterstehend), ein Hof dem Lazarett (Hospitium) Berching (ebenfalls vogtei- und steuermäßig dem Richteramt Greding unterstehend), schließlich ein Gütl dem hochstiftischen Kastenamt Hilpoltstein. Die Hochgerichtsbarkeit und die Dorf- und Gemeindeherrschaft waren Rechte des Richteramtes Greding.[13]

Nachdem im Zuge der Säkularisation in Bayern das Hochstift Eichstätt aufgelöst wurde, kam die Gemeinde Herrnsberg, die nur aus dem Ort Herrnsberg bestand, mit dem ehemaligen Hochstift 1802 an Großherzog Erzherzog Ferdinand III. von Toskana und 1806 an das neue Königreich Bayern und dort in das Landgericht Beilngries. Hier wurde Herrnsberg 1809 dem Steuerdistrikt Röckenhofen zugeordnet, der 1811 zur Ruralgemeinde Röckenhofen wurde. Mit dem Gemeindeedikt von 1818 wurde Herrnsberg aus der Gemeinde Röckenhofen herausgelöst und bildete wieder eine eigene Gemeinde im Landgericht Beilngries, ab 1857 im näher liegenden Landgericht Greding.[14]

1846 bestand Herrnsberg aus 43 Häusern mit ebenso vielen Familien mit insgesamt 170 „Seelen“. Im Dorf waren außer den Bauern ein Wirt, ein Schmied und ein Schuster tätig.[15] 1875 wurden bei 186 Bewohnern 20 Pferde, 171 Stück Rindvieh, 123 Schafe und 77 Schweine gezählt. Die Kinder gingen um diese Zeit nach Greding zur katholischen Schule.[16]

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern schloss sich Herrnsberg am 1. Januar 1972 der Stadt Greding im Landkreis Roth an.

Wasserversorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wasserversorgung im Jura und insbesondere auf der Albhochfläche war jahrhundertelang problematisch. In Herrnsberg wurde das Wasser für das Vieh aus Zisternen, in denen das Regenwasser von den Dächern gesammelt wurde, gewonnen. Ergänzend gab es „Hüllen“, die das Oberflächenwasser sammelten. Das Trinkwasser für die Dorfbewohner und das Kleinvieh wurde mittels Zubern und Fässern auf Gespannen vom Agbachtal geholt. 1869 errichtete man eine zentrale Wasserversorgung für das Dorf; die Wasserreserve wurde ab 1880 mittels eines hydraulischen Widders von der Agbachquelle her gespeist. Ab 1926 erfolgte die Wasserversorgung durch zwei gefasste Quellen in der Flur „Brunnenberg“ mit Hochbehälter und Rohrleitungen ins Dorf. Der Widder wurde 1941 durch einen Dieselmotor im Pumpenhaus an der Agbachquelle ersetzt. Nachdem 1942 das Dorf an das Stromnetz angebunden worden war, wurde eine Elektropumpe im Pumpenhaus installiert. 1980 gab das Dorf die eigene Wasserversorgung auf und schloss sich am 17. November der „Jura-Schwarzach-Thalach-Gruppe“ an.[17]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1830: 159 (33 Anwesen)[18]
  • 1846: 170 (43 Häuser, 43 Familien)[19]
  • 1875: 186 (122 Gebäude, 40 Wohngebäude)[20]
  • 1938: 213[21]
  • 1950: 219 (37 Anwesen)[22]
  • 1987: 229 (63 Wohngebäude, 70 Wohnungen)[23]
  • 2012: 196[24]
Filialkirche St. Pankratius
Feldkapelle

Katholische Filialkirche St. Pankratius[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1355 ist für Herrnsberg eine Kirche genannt.[25] 1598 wurde die Kirche gemäß dem Wappenstein, der unterhalb der Turmuhr von 1986 eingemauert ist, neu gebaut; das Schiff hat die Maße 14,9 × 7,3 Meter. Die Untergeschosses des Turmes (mit Satteldach und Treppengiebeln) gehören der Gotik an.[26] 1839 kam die von einem Herrnsberger Bauern aus der evangelischen Kirche von Schwimbach erworbene, spätgotische Mondsichelmadonna (um 1470) auf den linken Seitenaltar.[27] 1900 erhielt der Turm ein neues Geläute, gegossen von Kopfmüller in Eichstätt. 1938 stand in der Kirche eine 6-Register-Orgel von Steinmeyer in Öttingen.[28] Herrnsberg wurde 1922/23 mit Röckenhofen als Pfarrei Röckenhofen aus Greding ausgepfarrt und ist seitdem Filiale zu Röckenhofen.[29] Sie besitzt einen eigenen Friedhof. Als Organist fungierte um 1937 der Lehrer von Röckenhofen, während den Mesnerdienst ein Landwirt vom Ort gegen Nutzung der „Mesnerfelder“ versah.[30]

1727 wurde eine Feldkapelle erbaut, die 1909 durch Josef Glaßner neu erbaut wurde und am Südrand des Ortes steht.[31]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baudenkmäler sind die Filialkirche, die Feldkapelle und ein Bildstock mit dem Geißelchristus am westlichen Ortsrand.

Siehe auch Liste der Baudenkmäler in Greding#Herrnsberg

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Herrnsberg führen Ortsverbindungsstraßen von Litterzofen, Röckenhofen und aus südlicher Richtung von der Kreisstraße RH 28 her.

Wanderwege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt einen Rundwanderweg No. 1 Greding-Herrnsberg.[32] Außerdem liegt Herrnsberg am Gredinger „Quellenwanderweg“.[33]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Freiwillige Feuerwehr Herrnsberg
  • Deutsche Jugendkraft (DJK) / Sportverein (SV) Herrnsberg

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Felix Mader (Bearb.): Die Kunstdenkmäler von Bayern. Regierungsbezirk Mittelfranken. III. Bezirksamt Hilpoltstein, München 1929, Nachdruck München/Wien 1983, S. 152
  • Gerhard Hirschmann: Historischer Atlas von Bayern. Teil Franken. Reihe I, Heft 6. Eichstätt. Beilngries-Eichstätt-Greding. München 1959
  • Franz Xaver Buchner: Das Bistum Eichstätt. I. Band: Eichstätt 1937, II. Band: Eichstätt 1938

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Herrnsberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl Kugler: Erklärung von tausend Ortsnamen der Altmühlalp und ihres Umkreises. Ein Versuch. Eichstätt 1873: Verlag der Krüll’schen Buchhandlung, S. 121
  2. Sammelblatt des Histor. Vereins Eichstätt 46/47 (1931/32), S. 4
  3. Stadt Greding: Bürgerbroschüre, SPM-Verlag 2015, S. 14
  4. Franz Heidingsfelder (Bearb.): Die Regesten der Bischöfe von Eichstätt, Erlangen: Palm & Enke 1938, S. 418 (Nr. 1346)
  5. Buchner I, S. 123
  6. Buchner I, S. 393
  7. Sammelblatt des Histor. Vereins Eichstätt 76 (1983), S. 25
  8. Sammelblatt des Histor. Vereins Eichstätt 92/93 (1999/2000) S. 136
  9. Felix Mader: Geschichte der südlichen Seglau. (Ehem. Eichstättisches Amt Jettenhofen) (Pfarrei Burggriesbach).In: Sammelblatt des Historischen Vereins Eichstätt 53 (1937), S. 93
  10. Sammelblatt des Histor. Vereins Eichstätt 13 (1898), S. 70, Anmerkung „m“.
  11. Hirschmann, S. 30
  12. Buchner II, S. 455
  13. Hirschmann, S. 112
  14. Hirschmann, S. 182, 226
  15. Eduard Vetter: Statistisches Hand- und Addreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Ansbach 1846, S. 52
  16. Kgl. Statistisches Bureau in München (Bearb.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Koenigreichs Bayern, München 1876, Spalte 1166
  17. Informationstafeln am Quellen-Wanderweg; [1] Quellenwanderweg auf kulturwanderungen.de
  18. Hirschmann, S. 226
  19. Eduard Vetter: Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken. Ansbach 1846, S. 52
  20. Kgl. Statistisches Bureau in München (Bearb.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Koenigreichs Bayern, München 1876, Spalte 1162
  21. Buchner II, S. 456
  22. Hirschmann, S. 226
  23. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987, München 1991, S. 347
  24. Müllers Großes Deutsches Ortsbuch 2012, Berlin/Boston 2012, S. 576
  25. Buchner I, S. 393
  26. Mader, S. 162
  27. Gemeinsam unterwegs. Kirchen und Pfarreien im Landkreis Roth und in der Stadt Schwabach, Schwabach/Roth o. J. [2000], S. 83
  28. Buchner II, S. 455, 457
  29. Buchner I, S. 400
  30. Buchner II, S. 457
  31. Buchner II, S. 455
  32. Archivlink (Memento des Originals vom 18. Dezember 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wanderkompass.de Wanderweg-Beschreibung
  33. [2] Wegbeschreibung