Herrschaft Oberbronn

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Die Herrschaft Oberbronn war ein unselbständiges Territorium, das verschiedenen Adelsgeschlechtern gehörte und in deren Herrschaftsgebiet wie ein Amt eingegliedert war.

Ochsenstein
Zweibrücken-Bitsch
Leiningen-Westerburg

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelm von Born, Besitzer der Wasenburg, wird 1232 auch als Besitzer von Oberbronn genannt. Beides, Oberbronn und die Wasenburg waren seit dem Ende des 13. Jahrhunderts ein Lehen des Bistums Straßburg an die Herren von Lichtenberg.[1]

Ochsenstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Folge war das Gebiet der Herrschaft Oberbronn Bestandteil der Herrschaft Ochsenstein. Zu diesem ältesten Bestand gehörtendie Dörfer Breitenwasen, Eckartsweiler, Eckwersheim, Oberbronn (einschließlich der Burg), Weinburg und Wildenguth.

Nach der vernichtenden Niederlage der verbündeten Herren von Ochsenstein und der Grafen von Leiningen in der Schlacht bei Reichshofen 1451 versuchten die Herren von Lichtenberg, hier Fuß zu fassen, was aber nur in geringem Umfang gelang: In einem Tauschgeschäft mit dem Grafen von Lützelstein erhielten die Lichtenberger deren Rechte in Oberbronn.[2] Soweit einzelne Dörfer in der Herrschaft Oberbronn aber Lehen des Bischofs von Metz waren, verweigerte dieser seine Zustimmung, sie den Lichtenbergern zu übertragen.[3]

Zweibrücken-Bitsch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elisabeth von Lichtenberg (* 1444; † 1495) war als Tochter von Ludwig V. von Lichtenberg (* 1417; † 1474) eine von zwei Erbtöchtern mit Ansprüchen auf die Herrschaft Lichtenberg. Sie heiratete Simon IV. Wecker von Zweibrücken-Bitsch. Nach dem Tod des letzten Lichtenbergers, Jakob von Lichtenberg, eines Onkels von Elisabeth, erbten sie und die Erben ihrer vorverstorbenen Schwester, Anna von Lichtenberg, 1480 die Herrschaft Lichtenberg je zur Hälfte. Die Herrschaft wurde geteilt und das Amt Ingweiler dem Teil des Erbes zugeschlagen, der an Zweibrücken-Bitsch fiel[4], das Amt Pfaffenhofen dagegen Anna und ihr Mann, Philipp I., der Ältere, von Hanau-Babenhausen (* 1417; † 1480).

Als Georg von Ochsenstein als Letzter seines Geschlechts 1485 verstarb, fiel das Erbe – und damit auch die Herrschaft Oberbronn – an die Grafen von Zweibrücken-Bitsch, da Georg mit einer Frau aus diesem Haus verheiratet war und seine einzige Schwester, Kunigunde, einen Grafen von Zweibrücken-Bitsch, Heinrich, geheiratet hatte.[5] Die Grafen von Zweibrücken-Bitsch gliederten einige Orte aus dem Amt Ingweiler aus und in die Herrschaft Oberbronn ein. Das waren: Rothbach, Sparsbach und Zittersheim.

Ebenfalls in die Herrschaft Oberbronn kamen eine Reihe von Orten, die bisher in das Amt Pfaffenhofen gehört hatten, nämlich: Merzweiler, Niefern, Schweighausen, Uhrweiler und Zinsweiler. Die Auseinandersetzung um die verflochtenen Rechte führte zu einem Streit zwischen den Grafen von Hanau Lichtenberg einerseits und den Rechtsnachfolgern der Grafen von Zweibrücken-Bitsch in der Herrschaft Oberbronn andererseits, der erst 1709 beigelegt wurde.[6]

Leiningen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hessen-Homburg (nach 1736)
Sinclair (Wappen ohne Vorlage)

Von Zweibrücken-Bitsch gelangte die Herrschaft Oberbonn durch die Heirat von Amelie von Zweibrücken-Bitsch mit Philipp I. von Leiningen-Westerburg 1551 als Mitgift dorthin und gehörte in der folgenden Zeit zur Grafschaft Leiningen.[7]

Innerhalb des Hauses Leiningen gelangte die Herrschaft Oberbronn an den Familienzweig der Grafen von Leiningen-Westerburg. Nach dem Tod des letzten Leininger Inhabers, Johann Ludwig von Leiningen-Westerburg, 1665, erben dessen beide Töchter, Esther Juliana, verheiratet mit dem schwedischen Freiherrn Ludwig von Sinclair, und Sophie Sibylle (1656–1724), verheiratet mit Friedrich II. von Hessen-Homburg (Heinrich von Kleist’sPrinz Friedrich von Homburg“), die Herrschaft. Es war ihre zweite und seine dritte Ehe. Der Erbteil der Sinclair betrug etwa 1/3, der von Hessen-Homburg 2/3 der Herrschaft.[8]

Hessen-Homburg und Sinclair[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlässlich der Heirat von Landgräfin Sophia Friderica von Hessen-Homburg mit Karl Philipp Franz zu Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein 1727 war der hessen-homburgische Teil der Herrschaft Oberbronn Teil der Mitgift.

Hohenlohe, Sinclair und Lewenhaupt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein
Lewenhaupt

Sophie Friederike vererbt die Herrschaft Oberbronn an ihren Sohn, Ludwig Leopold von Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein, der die hoch verschuldete Herrschaft aber an seinen Bruder, Josef Christian Franz von Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein, Domherr in Straßburg abtrat. Dieser vererbte die Herrschaft Oberbronn an seinen Neffen, Karl Joseph von Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein (1766–1838), den letzten Herren von Oberbronn.[9] Nach einer anderen Darstellung errichtete Sophie Friederica eine Sekundogenitur für ihren Enkel Karl Joseph von Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein (1766–1838).[10]

Der Anteil der Familie Sinclair ging Mitte des 18. Jahrhunderts durch Heirat und Erbschaft an die ebenfalls schwedische Familie derer von Lewenhaupt über.[11]

1764 verkaufen die Hohenloher einen Teil ihrer Rechte, darunter Zinsweiler mit seiner Hammerschmiede, an die Industriellenfamilie De Dietrich.[12]

Auflösung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hohenlohe musste die Herrschaft 1793 an Frankreich abtreten und wurde dafür mit Gebieten des säkularisierten Bistums Würzburg abgefunden.[13] In den Verwaltungsreformen in Folge der Französischen Revolution wurde die Herrschaft Oberbronn aufgelöst.

Bestandteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ort[14] Status Anmerkung
Breitenwasen Weiler heute: Ortsteil von Oberbronn
Eckartsweiler Dorf
Eckwersheim Dorf Nach der verlorenen Fehde der Ochsensteiner versuchten die Lichtenberger 1451 in den Besitz des Dorfes zu gelangen, was aber der Lehensherr, der Bischof von Metz verhinderte.[15]
Groß-Arnsberg Burg Hierbei handelte es sich wohl um einen Anteil an der Burg, da die Herren von Lichtenberg die Hauptlehensnehmer dieses Reichslehens waren.
Gumbrechtshofen Dorf je zur Hälfte: 1.) Zweibrücken-Bitsch --> Leiningen-Westerburg --> Hessen-Homburg; 2.) Lichtenberg --> Hanau-Lichtenberg --> Hessen-Homburg
Merzweiler Dorf Das Dorf gehörte ursprünglich zum Amt Pfaffenhofen der Herrschaft Lichtenberg. Im Umfeld des nach 1456 zwischen Zweibrücken-Bitsch und der Grafschaft Hanau-Lichtenberg geteilten Lichtenberger Erbes kam das Dorf an Zweibrücken-Bitsch, wo es der Herrschaft Oberbronn zugeschlagen wurde. Spätestens seit 1551 gehört das Dorf nicht mehr zum Hanau-Lichtenberger Einflussgebiet.[16]
Oberbronn Burg
Oberbronn Dorf
Niefern Gehört heute zu Uhrweiler. Das Dorf gehörte ursprünglich zum Amt Pfaffenhofen der Herrschaft Lichtenberg. Im Umfeld des nach 1456 zwischen Zweibrücken-Bitsch und der Grafschaft Hanau-Lichtenberg geteilten Lichtenberger Erbes kam das Dorf an Zweibrücken-Bitsch, wo es der Herrschaft Oberbronn zugeschlagen wurde. Spätestens seit 1551 gehört das Dorf nicht mehr zum Hanau-Lichtenberger Einflussgebiet.[17]
Rothbach Dorf Das Dorf gehörte ursprünglich zum Amt Ingweiler der Herrschaft Lichtenberg. Durch die Erbteilung von 1456 zwischen Zweibrücken-Bitsch und Hanau-Lichtenberg kam das Amt Ingweiler und das Dorf an Zweibrücken-Bitsch, wo es der Herrschaft Oberbronn zugeschlagen wurde.
Schweighausen Dorf Das Dorf gehörte ursprünglich zum Amt Pfaffenhofen der Herrschaft Lichtenberg. Im Umfeld des nach 1456 zwischen Zweibrücken-Bitsch und der Grafschaft Hanau-Lichtenberg geteilten Lichtenberger Erbes kam das Dorf an Zweibrücken-Bitsch, wo es der Herrschaft Oberbronn zugeschlagen wurde. Spätestens seit 1551 gehört das Dorf nicht mehr zum Hanau-Lichtenberger Einflussgebiet.[18]
Sparsbach Dorf Das Dorf gehörte ursprünglich zum Amt Ingweiler der Herrschaft Lichtenberg. Durch die Erbteilung von 1456 zwischen Zweibrücken-Bitsch und Hanau-Lichtenberg kam das Amt Ingweiler und das Dorf an Zweibrücken-Bitsch, wo es der Herrschaft Oberbronn zugeschlagen wurde.
Uhrweiler Dorf Das Dorf gehörte ursprünglich zum Amt Pfaffenhofen der Herrschaft Lichtenberg. Im Umfeld des nach 1456 zwischen Zweibrücken-Bitsch und der Grafschaft Hanau-Lichtenberg geteilten Lichtenberger Erbes kam das Dorf an Zweibrücken-Bitsch, wo es der Herrschaft Oberbronn zugeschlagen wurde. Spätestens seit 1551 gehört das Dorf nicht mehr zum Hanau-Lichtenberger Einflussgebiet.[19]
Weinburg Dorf
Wildenguth Dorf heute: Gemeinde Reipertswiller
Zinsweiler Dorf Das Dorf gehörte ursprünglich zum Amt Pfaffenhofen der Herrschaft Lichtenberg. Im Umfeld des nach 1456 zwischen Zweibrücken-Bitsch und der Grafschaft Hanau-Lichtenberg geteilten Lichtenberger Erbes kam das Dorf an Zweibrücken-Bitsch, wo es der Herrschaft Oberbronn zugeschlagen wurde. Spätestens seit 1551 gehört das Dorf nicht mehr zum Hanau-Lichtenberger Einflussgebiet.[20] 1764 wurde das Dorf mit seiner Hammerschmiede an die Industriellenfamilie De Dietrich verkauft.[21]
Zittersheim Dorf Das Dorf gehörte ursprünglich zum Amt Ingweiler der Herrschaft Lichtenberg. Durch die Erbteilung von 1456 zwischen Zweibrücken-Bitsch und Hanau-Lichtenberg kam das Amt Ingweiler und das Dorf an Zweibrücken-Bitsch, wo es der Herrschaft Oberbronn zugeschlagen wurde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Eyer: Das Territorium der Herren von Lichtenberg 1202–1480. Untersuchungen über den Besitz, die Herrschaft und die Hausmachtpolitik eines oberrheinischen Herrengeschlechts = Schriften der Erwin von Steinbach-Stiftung 10. 2. Aufl. Bad Neustadt an der Saale 1985 [Nachdruck des Werks von 1938]. ISBN 3-922923-31-3
  • Freddy Gutbub und Ernst Hallenberger: Rothbach – Histoire d'un village des Vosges du Nord / Geschichte eines Dorfes in den Nordvogesen. 1991. ISBN 2-9505842-0-9 (Bilingual: in französischer und deutscher Sprache)
  • Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 7. Auflage. München 2007. ISBN 978 3 406 54986 1. S. 481: Stichwort: Oberbronn (Herrschaft).
  • Alfred Matt: Bailliages, prévôté et fiefs ayant fait partie de la Seigneurie de Lichtenberg, du Comté de Hanau-Lichtenberg, du Landgraviat de Hesse-Darmstadt. In: Société d’Histoire et d’Archaeologie de Saverne et Environs (Hrsg.): Cinquième centenaire de la création du Comté de Hanau-Lichtenberg 1480 – 1980 = Pays d’Alsace 111/112 (2, 3 / 1980), S. 7–9
  • Peter Karl Weber: Lichtenberg. Eine elsässische Herrschaft auf dem Weg zum Territorialstaat. Soziale Kosten politischer Innovation. Heidelberg 1993.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eyer, S. 148.
  2. Eyer, S. 75
  3. Eyer, S. 74
  4. Jean-Claude Brumm: Quelques dates importantes dans l’histoire …. In: Société d’Histoire et d’Archaeologie de Saverne et Environs (Hrsg.): Cinquième centenaire de la création du Comté de Hanau-Lichtenberg 1480 – 1980 = Pays d’Alsace 111/112 (2, 3 / 1980), S. S. 11.
  5. Frank Baron Freytag von Loringhoven: Europäische Stammtafeln III. Marburg 1976, Tafel 92.
  6. Waltz und Rudolph.
  7. Gutbub, S. 45.
  8. Waltz und Rudolph.
  9. Waltz und Rudolph.
  10. Hansmartin Schwarzmaier, Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg (Hrsg.): Handbuch der baden-württembergischen Geschichte: Die Territorien im Alten Reich. 1995, S. 385.
  11. Waltz und Rudolph.
  12. Waltz und Rudolph.
  13. Köbler.
  14. Angaben nach Weber, S. 37, Anm. 50.
  15. Eyer, S. 74
  16. Matt, S. 7.
  17. Matt, S. 7.
  18. Matt, S. 7.
  19. Matt, S. 7.
  20. Matt, S. 7.
  21. Waltz und Rudolph.