Hertie School

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Hertie School
Motto Understand today. Shape tomorrow.
Gründung 2003
Trägerschaft privat
Ort Berlin
Bundesland Berlin Berlin
Land Deutschland Deutschland
Leitung Cornelia Woll,
Axel Baisch
Studierende 834 (WS 2021/2022)[1]
Professoren 36
Website www.hertie-school.org

Die Hertie School (ehemals Hertie School of Governance) ist eine staatlich anerkannte private Hochschule mit Promotionsrecht[2] in Berlin. Sie wurde im Dezember 2003 von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung als gemeinnützige GmbH gegründet. Angeboten werden drei Master-Studiengänge: der Master of Public Policy, der Master of International Affairs und der Master of Data Science for Public Policy. Außerdem werden für Berufserfahrene ein Abschluss als Executive Master of Public Administration sowie einzelne Weiterbildungsseminare angeboten. Unterrichtssprache ist Englisch.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2003 wurde die Hertie School of Governance gegründet.[3] Seit 2008 befindet sie sich im Quartier 110-Gebäude in der Berliner Friedrichstraße.[4] Sie wurde 2008 staatlich akkreditiert und erhielt 2012 auf fünf Jahre befristet das Promotionsrecht, welches 2017 um weitere fünf Jahre verlängert wurde.[5] 2019 wurde der Name von Hertie School of Governance auf Hertie School verkürzt.

Als erstes Studienprogramm wurde der Master of Public Policy (MPP) angeboten. 2015 kam der Master of International Affairs (MIA) hinzu. Seit 2021 wird der Master of Data eingerichtet.

Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hertie School in der Berliner Friedrichstraße

Der Abschluss Master of Public Policy wird nach einem zweijährigen Master-Studiengang erworben. Dieser kann sowohl konsekutiv nach Abschluss eines Bachelors als auch postgradual absolviert werden. Der inhaltliche Schwerpunkt ist „Gutes Regieren im 21. Jahrhundert“, beschränkt sich aber nicht auf die klassischen Regierungsämter. Mikroökonomie, Makroökonomie und Verhandlungsführung gehören ebenso zum Curriculum wie Politisches Management und Entwicklung moderner Formen der Governance. Praxiskenntnisse sollen in Fallstudien, in einem achtwöchigen Praktikum und in der Abschlussarbeit erworben werden.

Der zweijährige Studiengang Master of International Affairs (MIA) vermittelt Fachkenntnisse im Bereich der internationalen Beziehungen und bereitet auf die besonderen Herausforderungen modernen Regierens in einer global vernetzten Welt vor.

Das Executive Master of Public Administration-Programm richtet sich an Berufserfahrene, welche an der Schnittstelle von Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft arbeiten. Jeder Studierende des EMPA-Programms wählt einen von drei Schwerpunktbereiche Management and Leadership, Economics, Finances and Methods oder Intersectoral Management.[6] Das Programm kann im Vollzeitstudium über ein Jahr oder berufsbegleitend über zwei Jahre absolviert werden.

Seit 2008 gibt es ein Doktorandenprogramm der Berlin Graduate School for Transnational Studies (BTS), einem Gemeinschaftsprojekt der Hertie School mit der Freien Universität Berlin und dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Seit 2012 bietet die Hertie School ein eigenes, dreijähriges, strukturiertes Promotionsprogramm in Public Policy an, das wahlweise zum PhD in Governance oder Dr. rer. pol. führt.[7]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einrichtung wird durch ein Kuratorium sowie einen Aufsichtsrat unterstützt. Die Mitglieder des Kuratoriums prägen die Gesamtentwicklung der Hochschule. Der Aufsichtsrat unterstützt und überwacht die wirtschaftlichen Prozesse der Hertie School.

Standort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Abschluss der 2019 begonnenen Sanierung des Robert-Koch-Forums soll die Hochschule in den denkmalgeschützten Bau umziehen.[8] Aufgrund von Asbestfunden sowie den Wünschen neuer potenzieller Mieter verschiebt sich die Fertigstellung und damit auch der Einzug der Hertie School bis mindestens 2024.[9]

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Università Commerciale Luigi Bocconi

Die Bildungseinrichtung verfügt über institutionelle Partnerschaften u. a. mit Sciences Po in Paris, der London School of Economics and Political Science, der Columbia University in New York und der Wirtschaftsuniversität Luigi Bocconi in Mailand, welche Auslandsaufenthalte von einem oder zwei Semestern im zweiten Jahr des Master of Public Policy ermöglichen. Daneben besteht für einige Studenten die Möglichkeit ein Doppeldiplom (dual degree) an einer der Partnerinstitutionen zu erlangen.

Seit 2011 besteht eine Kooperation mit der ESCP Europe Wirtschaftshochschule Berlin. Die Zusammenarbeit umfasst ein Austauschprogramm der berufsbegleitenden Managementstudiengänge für Führungskräfte beider Hochschulen. Seit Anfang 2011 können die Teilnehmer des „European Executive MBA-Programms“ der ESCP Europe und des „Executive Master of Public Administration“ der Hertie School an einzelnen Wahlkursen der jeweils anderen Partnerhochschule teilnehmen. Die erworbenen Leistungen und Credits werden wechselseitig anerkannt. Ein ähnlich aufgebautes Austauschprogramm besteht mit der Copenhagen Business School und der Universität Bern.[10]

Absolventen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 2007 bis 2016 verließen mehr als 1100 Absolventen die Hochschule mit einem Master-Abschluss. Sie stammten aus 80 Ländern, rund die Hälfte aus Deutschland.

Kontroverse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Initiative Her.Tietz, die von fast 150 aktuellen und ehemaligen Studierenden der Hertie School ins Leben gerufen wurde, warf der Hochschule seit 2018 vor sich der Aufarbeitung des geschichtlichen Erbes der Hertie Stiftung zu verweigern. Der Namen des ursprünglichen Unternehmens wurde zugunsten der Abkürzung "Hertie" getilgt. "Hertie" ist die Zusammensetzung der Vor- und Nachnamen Hermann und Tietz. Hermann Tietz finanzierte seinem Neffen Oscar Tietz 1882 ein Textilgeschäft, woraus der Konzern erwuchs. Die jüdische Unternehmerfamilie Tietz wurde später aus dem Unternehmen gedrängt. Der nach der "Arisierung" eingesetzte Manager Georg Karg führte die Geschäfte auch nach dem Krieg weiter.[11]

Die Initiative Her.Tietz versuchte den Vorstand der Hertie-Stiftung von „einem offenen Umgang und einer wissenschaftlichen Aufarbeitung ihrer Geschichte zu überzeugen“. Auf den Internetseiten der Hertie School und Hertie-Stiftung fänden sich kaum Informationen zur Herkunft des Namens „Hertie School“, auch fände dies keine Erwähnung im Curriculum. Nach mehrjährigem Drängen der Initiative sei eine historische Info-Tafel in der Cafeteria der Hertie School in Berlin angebracht worden.[11][12] Im November 2020 gab die Hertie-Stiftung bekannt, dass sie für die wissenschaftliche Aufarbeitung ihrer Vorgeschichte die Gesellschaft für Unternehmensgeschichte beauftragt habe.[13][14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Weiler: Die Erfindung einer privaten Hochschule für öffentliches Handeln. Inventing a Private School of Public Policy. Berlin 2014.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hertie School – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Facts and figures. In: hertie-school.org. Abgerufen am 15. März 2022 (englisch).
  2. Stellungnahme zur Akkreditierung (Promotionsrecht) der Hertie School of Governance, Berlin (Drs. 1637-11), November 2011. In: Wissenschaftsrat. 11. November 2011, abgerufen am 19. Juli 2022.
  3. Hans N. Weiler: Die Erfindung einer privaten Hochschule für öffentliches Handeln. Hrsg.: Hertie School of Governance. Berlin 2014, ISBN 978-3-938732-03-8.
  4. Hertie School of Governance eröffnet ihre neuen Räume im Quartier 110. In: Presseportal. 4. September 2008, abgerufen am 19. Juli 2022.
  5. Stellungnahme zur Reakkreditierung (Promotionsrecht) der Hertie School of Governance, Berlin (Drs. 6648-17), Oktober 2017. In: Wissenschaftsrat. 20. Oktober 2017, abgerufen am 19. Juli 2022.
  6. Electives – Areas of Concentration | Hertie School. In: www.hertie-school.org. Archiviert vom Original am 30. Oktober 2016; abgerufen am 30. Oktober 2016.
  7. Hertie School startet im Herbst Promotionsprogramm „PhD in Governance“ (Memento vom 6. Dezember 2012 im Internet Archive), vom 6. März 2012 auf www.hertie-school.org
  8. Armory Burchard: Neuer Sitz für Berliner Hertie School. Regierungshochschule an geschichtsträchtiger Stätte. In: Der Tagesspiegel/Tagesspiegel Online. Verlag Der Tagesspiegel GmbH, 17. Dezember 2018, abgerufen am 18. Dezember 2018.
  9. Gerhard Lehrke: 87 Millionen Euro: Sanierung des Robert-Koch-Forums wird teurer. In: Berliner Zeitung. 4. Dezember 2020, abgerufen am 19. Juli 2022.
  10. Partners & Exchanges | Hertie School. In: www.hertie-school.org. Abgerufen am 17. Oktober 2016.
  11. a b Thorsten Schmitz: Hertie und die Hitler-Diktatur – War da was? In: Sueddeutsche.de. 16. Oktober 2020, abgerufen am 4. Dezember 2020.
  12. Christoph David Piorkowski: Im Namen von Hermann Tietz: „Arisierungs“-Geschichte holt Hertie-School ein. In: Tagesspiegel.de. 13. November 2020, abgerufen am 4. Dezember 2020.
  13. Christoph David Pirokowski: Hertie-Stiftung stellt sich „Arisierungs“-Geschichte. In: Tagesspiegel.de. 30. November 2020, abgerufen am 4. Dezember 2020.
  14. Hubert Spiegel: Auf in die Archive! In: FAZ.net. 30. November 2020, abgerufen am 4. Dezember 2020.

Koordinaten: 52° 30′ 46,2″ N, 13° 23′ 21,4″ O