Herxheim am Berg

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Herxheim am Berg
Herxheim am Berg
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Herxheim am Berg hervorgehoben
Koordinaten: 49° 31′ N, 8° 11′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Bad Dürkheim
Verbandsgemeinde: Freinsheim
Höhe: 137 m ü. NHN
Fläche: 4,35 km2
Einwohner: 736 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 169 Einwohner je km2
Postleitzahl: 67273
Vorwahl: 06353
Kfz-Kennzeichen: DÜW
Gemeindeschlüssel: 07 3 32 026
Adresse der Verbandsverwaltung: Bahnhofstraße 12
67251 Freinsheim
Webpräsenz: www.herxheimamberg.de
Ortsbürgermeister: Georg Welker (parteilos)
Lage der Ortsgemeinde Herxheim am Berg im Landkreis Bad Dürkheim
Bad DürkheimGrünstadtGrünstadtHaßlochMeckenheim (Pfalz)Niederkirchen bei DeidesheimRuppertsbergForst an der WeinstraßeDeidesheimWattenheimHettenleidelheimTiefenthal (Pfalz)Carlsberg (Pfalz)AltleiningenEllerstadtGönnheimFriedelsheimWachenheim an der WeinstraßeElmsteinWeidenthalNeidenfelsLindenberg (Pfalz)Lambrecht (Pfalz)FrankeneckEsthalKindenheimBockenheim an der WeinstraßeQuirnheimMertesheimEbertsheimObrigheim (Pfalz)ObersülzenDirmsteinGerolsheimLaumersheimGroßkarlbachBissersheimKirchheim an der WeinstraßeKleinkarlbachNeuleiningenBattenberg (Pfalz)NeuleiningenKirchheim an der WeinstraßeWeisenheim am SandWeisenheim am SandWeisenheim am SandErpolzheimBobenheim am BergBobenheim am BergDackenheimDackenheimFreinsheimFreinsheimHerxheim am BergHerxheim am BergHerxheim am BergKallstadtKallstadtWeisenheim am BergWeisenheim am BergLandkreis Alzey-WormsWormsLudwigshafen am RheinFrankenthal (Pfalz)Rhein-Pfalz-KreisLandkreis GermersheimNeustadt an der WeinstraßeLandkreis Südliche WeinstraßeLandau in der PfalzKaiserslauternLandkreis KaiserslauternDonnersbergkreisKaiserslauternLandkreis SüdwestpfalzKarte
Über dieses Bild

Herxheim am Berg ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Freinsheim an. Herxheim am Berg ist ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort.[2]

2017/18 wurde wegen der andauernden Verwendung einer Adolf Hitler gewidmeten Glocke aus der Zeit des Nationalsozialismus bundesweit über das Dorf berichtet.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt in der Pfalz an der Deutschen Weinstraße.

Die Gemarkung zerfällt in drei Teile. Der Ort Herxheim am Berg bildet mit den umgebenden Feldern und Weinbergen den Schwerpunkt der Gemeinde, westlich im Pfälzerwald liegen zwei Waldexklaven – südlich von Hertlingshausen und am Weilerskopf –, die bei der Aufteilung der ab 1400 nachweisbaren Großen oder Freinsheimer Ganerbschaft aus den Gemeinden Freinsheim, Herxheim am Berg, Kallstadt, Leistadt und Weisenheim am Sand 1820 der Gemeinde zugesprochen wurden.[3]

Südwestlich des Ortes liegt in der Bruchzone des Oberrheingrabens das Naturschutzgebiet Felsenberg-Berntal mit dem Naturdenkmal Herxheimer Karsthöhle, das für archäologische und biologische Funde bekannt ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde während der fränkischen Landnahme gegründet. Südwestlich des Ortes findet sich ein merowingerzeitlicher Friedhof des 5. bis 8. Jahrhunderts. 774 wurde der Ort als Heriesheim erstmals in einem Besitzverzeichnis des Klosters Weißenburg erwähnt, das hier ein Hofgut und Weinberge besaß. Das Kloster Weißenburg vergab das Dorf als Lehen an die Grafen von Leiningen, bei denen es bis 1793 verblieb.

Weitere kirchliche Grundbesitzer in Herxheim waren unter anderem das Kloster Höningen (ab 1209 nachweisbar), das ab 1241 auch die Patronatsrechte über die Kirche hatte, das Kloster Werschweiler (ab 1371) und der Deutsche Orden (ab 1414).

1461 wurde das kurz zuvor befestigte Dorf in einer Fehde zwischen Kurfürst Friedrich I. und Graf Emich III. von Leiningen-Hardenburg zerstört. Der Neuaufbau erfolgte als „Herxheim am Sand“ östlich des bisherigen Ortes und unterhalb der Hangkante. Die neue Siedlung wurde aber bald aufgegeben und der Ort auf dem ursprünglichen Platz wieder errichtet. Nochmals niedergebrannt wurde der Ort im Dreißigjährigen Krieg.

Ab dem späten 17. Jahrhundert erwarb die Familie von Reineck umfangreichen Grundbesitz im Ort und wurde zum größten Grundbesitzer. Sie verkaufte ihren Besitz 1788 an das Speyerer Domkapitel.

Nach der französischen Revolution wurde Herxheim am Berg am 10. Mai 1794 erstmals von französischen Truppen besetzt. Mit der Gründung des Départements du Mont-Tonnerre 1798 wurde es dem Kanton Dürkheim im Arrondissement Speyer zugeordnet. Alle kirchlichen Besitzungen wurden verstaatlicht und als Nationalgut versteigert.

1816 fiel der Ort wie die gesamte Pfalz an das Königreich Bayern. Seit 1946 gehört er zum Land Rheinland-Pfalz.[4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 2014 war Heinrich Hartung (SPD) Ortsbürgermeister. Sein Nachfolger Ronald Becker (FWG) erklärte am 6. September 2017 seinen Rücktritt, nachdem seine Äußerungen über den Nationalsozialismus im Zusammenhang mit der „Hitler-Glocke“ in der evangelischen Kirche kritisiert worden waren.[5]

In der Stichwahl vom 17. Dezember 2017 setzte sich der parteilose Georg Welker mit 172 Stimmen gegen den SPD-Kandidaten Markus Krauß (143 Stimmen) durch.

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Herxheim besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[6]

Wahl SPD CDU FDP FWG Gesamt
2014 4 3 2 3 12 Sitze
2009 5 3 2 2 12 Sitze
2004 4 3 3 2 12 Sitze

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wappenbeschreibung lautet: „In Rot auf grünem Dreiberg eine aufgerichtete silberne Hacke mit goldenem Stiel“.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahrzeichen des Ortes ist die etwa 1000 Jahre alte evangelische Jakobskirche. Der in den Untergeschossen romanische Chorturm und die anschließende Apsis sind mit Seccomalereien des 14. Jahrhunderts geschmückt. Das barocke Langhaus von 1729 wurde 1934 durch einen Brand zerstört und anschließend rekonstruiert.[7] Im Kirchturm befindet sich eine ebenfalls aus dem Jahr 1934 stammende Polizeiglocke, die Adolf Hitler gewidmet und mit einem Hakenkreuz versehen ist und wegen ihrer fortdauernden Nutzung bis 2017 für bundesweite Aufmerksamkeit sorgte.[8] Der Gemeinderat als Eigentümer der Glocke beschloss im März 2018, dass die Glocke als „Mahnmal gegen Gewalt und Unrecht“ im Kirchturm verbleiben und wieder geläutet werden soll.[9] Das Presbyterium der Kirchengemeinde, der das Gebäude und das Läuterecht gehören, entschied jedoch kurz darauf, dass die Glocke bis auf weiteres nicht geläutet wird. Vor einer endgültigen Entscheidung über Nutzung und Verbleib der Glocke soll geprüft werden, wer Eigentümer des Kirchturms ist.[10]

Der Schlossgarten nördlich der Kirche war Standort des Rheineckschen Schlösschens, das nach der französischen Revolution abgebrochen wurde. Der Park mit seinem geschützten Baumbestand gilt wegen der Aussicht über die Rheinebene als „Balkon der Pfalz“.[11]

In unmittelbarer Nachbarschaft der Kirche liegt der Pfaffenhof, dessen denkmalgeschützte Weinkeller aus dem 18. Jahrhundert bis heute genutzt werden. Der 1209 erstmals erwähnte Pfaffenhof war ursprünglich im Besitz des Klosters Höningen, von dem er an die Grafen von Leiningen überging. Ab 1788 war das Speyerer Domkapitel Besitzer des Hofes. Nach der französischen Revolution wurde das Anwesen als Nationalgut an Privatleute verkauft.[12]

Den nördlichen Abschluss der Straße Pfaffenhof bildet das Pfaffenhoftor aus dem 17. oder 18. Jahrhundert, eines der wenigen erhaltenen barocken Ortstore in der Pfalz. Im angrenzenden Spitzhäuschen hatte der Maler Werner Holz sein Atelier.[12]

In der Hauptstraße liegt der ehemalige Lehenshof der Grafen von Leiningen, dessen spätbarockes Haupthaus 1719 errichtet wurde. Auf dem 1724 mit dem benachbarten Werschweiler Klostergut vereinigten Anwesen befindet sich ein Wachhäuschen aus Sandstein, das vermutlich vom Schloss Dürkheim stammt.[13]

Telekommunikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Weilerskopf wurde 1969 von der Deutschen Bundespost ein 130 Meter hoher Fernmeldeturm aus Stahlbeton errichtet. Den Typenturm nutzt heute die Deutsche Telekom nur noch für Mobil- und Richtfunk.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Herxheim am Berg – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2016 (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Regionaldaten. In: rlp.de, abgerufen am 3. September 2017.
  3. Helmut Naumann: Das Rechtswort Ganerbe. In: Mitteilung des Historischen Vereins der Pfalz. Band 71. Speyer 1974, S. 59–153 (mgh-bibliothek.de [PDF]).
  4. Janina Kühner: Herxheim am Berg. Geschichte. Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz, abgerufen am 5. März 2018.
  5. Herxheimer Ortsbürgermeister tritt zurück. In: Südwestrundfunk. Abgerufen am 6. September 2017.
  6. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen. In: rlp.de, abgerufen am 3. September 2017.
  7. Die Herxheimer St. Jakobskirche im Strom der Zeit…! In: herxheimamberg.de, abgerufen am 5. März 2018.
  8. Manuel Schmidgall, Die Glocke mit dem Hakenkreuz, FAS Nr. 9/2018 vom 4. März 2018, S. 5
  9. Hitler-Glocke bleibt im Kirchturm in Herxheim. In: Süddeutsche Zeitung. 12. März 2018, abgerufen am 13. März 2018.
  10. Hitler-Glocke bleibt vorerst stumm. In: swr.de. 16. März 2018, abgerufen am 5. April 2018.
  11. Willkommen in Herxheim am Berg! Ortsgemeinde Herxheim am Berg, abgerufen am 5. März 2018.
  12. a b Janina Kühner: Das ehemalige „Große Hofgut“ und das mittelalterliche Pfaffenhoftor. Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz, 22. August 2013, abgerufen am 5. März 2018.
  13. Hauptstraße 38 und 40. Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz, abgerufen am 5. März 2018.