Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen

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Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen
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Trägerschaft Krankenhausbetriebsgesellschaft Bad Oeynhausen mbH[1]
Ort Bad Oeynhausen
Bundesland Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Koordinaten 52° 11′ 30″ N, 8° 47′ 41″ O
Geschäftsführerin zum 1. Juni 2015
Karin Overlack[1]
Betten 500 Planbetten[2]
Mitarbeiter mehr als 2.200[2]
Gründung 1980 (Inbetriebnahme: 1984)[1]
Website www.hdz-nrw.de
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Haupteingang

Das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW) in Bad Oeynhausen – 1980 gegründet und seit 1989 Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum[1] – dient mit 500 Betten der Behandlung von Patienten mit Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen. Bekannt ist die Einrichtung auch als Europas größtes Herztransplantationszentrum (über 2.300 Herztransplantationen seit 1989)[3]. Das Zentrum bietet mit vier kooperierenden Kliniken, drei Universitätsinstituten und zahlreichen weiteren Einrichtungen sowohl stationäre als auch ambulante Versorgung. Im September 2012 wurde ein Erweiterungsbau eröffnet, in dem zwei sogenannte „Komfort-Pflegestationen“ und ein Operationsbereich mit acht Sälen auf einer Ebene einschl. Hybrid-OP bereitgehalten werden. 2015 ging ein weiterer Neubau in Betrieb, der eine Station für Patienten mit künstlicher Herzunterstützung, eine herzchirurgische Intensivstation und einen Physiotherapie-Bereich in modernster Ausstattung bereithält.

Das Herz- und Diabeteszentrum NRW befindet sich unter der Trägerschaft der Krankenhausbetriebsgesellschaft Bad Oeynhausen mbH. Die Gesellschaftsanteile liegen zu jeweils 50 Prozent beim Land Nordrhein-Westfalen und der privaten Betreibergesellschaft Sana Holding Bad Oeynhausen mbH. Aufsichtsratsvorsitzender ist Staatssekretär Edmund Heller.[4]

Kooperationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben zahlreichen regionalen Kooperationen und enger Zusammenarbeit mit den Kliniken und Instituten der Ruhr-Universität Bochum ist das Herz- und Diabeteszentrum NRW mit nationalen und internationalen Einrichtungen über Austausch- und Forschungsprojekte verbunden. Internationale Kooperationen bestehen mit:[5]

  • Hôpital de la Pitié-Salpêtrière, Paris, Frankreich
  • Universitätsklinik Lyon, Frankreich
  • Toyama Universitätsklinik, Japan
  • Gunma Universitätsklinik, Japan
  • Saitama Medical School, Universität Saitama, Japan
  • Nihon-Universität Tokio, Japan
  • Universitätsklinik Salzburg, Österreich
  • Texas Heart Institute, Houston/Texas, USA
  • Universitätsklinikum Pécs, Ungarn
  • JSC "National Research Center for Cardiac Surgery", Astana, Kasachstan
  • Universität Cluj-Napoca, Rumänien
  • International Prevention Organization, IPO
  • TEDA International Cardiovascular Hospital, Tianjin, China
  • Unternehmensgruppe Jiangyin Mould & Plastic, China

Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie werden sämtliche herzchirurgischen Operationsverfahren einschließlich minimalinvasiver herzchirurgischer Verfahren, jährlich rund 3.500 Operationen am Herzen und den herznahen Gefäßen. 2016 wurden dort 82 Herztransplantationen vorgenommen.[6] Mehr als 1.400 Patienten pro Jahr werden in Bad Oeynhausen an der Herzklappe operiert. Mehr als 1.000 Patienten erhalten hier pro Jahr einen Herzschrittmacher oder Defibrillator. Zu den Schwerpunkten der Klinik zählen neben den minimalinvasiven Operationsverfahren auch Bypassoperationen am schlagenden Herzen, kombinierte Eingriffe, Kunstherzoperationen sowie Hybridverfahren, die in enger Zusammenarbeit mit der Klinik für Kardiologie durchgeführt werden.

Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie/Angiologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Klinik behandelt die koronare Herzkrankheit, Herzklappenfehler und Herzmuskelerkrankungen. Insgesamt 250.000 Herzkatheteruntersuchungen dokumentieren die Erfahrung der Bad Oeynhausener Kardiologen. Alle modernen Kathetertechniken und diagnostischen Verfahren der Echokardiographie bis zu intrakoronarem/-kardialem Ultraschall sind verfügbar. Hinzu kommen bildgebende Verfahren. Neben zwei Tageskliniken für die apparative Behandlung betreut die allgemeine kardiologische Ambulanz jährlich rund 9.000 Patienten. Dabei gibt es unter anderem Ambulanzen für angeborene Herzfehler, für sonstige Herzklappenerkrankungen, für Kardiomyopathien, für arterielle Hypertonie und für Gefäßkrankheiten bis zur pAVK sowie eine Lipid-Ambulanz und eine Einheit für Sportmedizin. Des Weiteren steht eine Intensivstation mit Kreislaufunterstützungssystemen und eigenem Herzkatheterlabor zur Verfügung. Auch ein Schlaflabor zur Diagnostik und Behandlung zentraler und obstruktiver schlafbezogener Ventilationsstörungen ist vorhanden.

Klinik für Elektrophysiologie/Rhythmologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Klinik für Elektrophysiologie/Rhythmologie des HDZ NRW unter der Leitung von Philipp Sommer ist spezialisiert auf die Behandlung von Herzrhythmusstörungen mit einem Leistungsspektrum von rd. 1000 Ablationen jährlich. In der Klinik werden elektrophysiologische Untersuchungen und intrakoronarer Ultraschall mittels modernster, strahlungsarmer Technologie zur Behandlung von Rhythmusstörungen durchgeführt.

Kinderherzzentrum/Zentrum für angeborene Herzfehler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Spezialklinik wurde 1986 als Erweiterung des damaligen Herzzentrums NRW in Betrieb genommen und gehört heute zu den führenden Zentren für Kinderkardiologie und Kinderherzchirurgie. Die Klinik für angeborene Herzfehler/Kinderkardiologie umfasst zwei Stationen sowie eine Kinderintensivstation. Neben Diagnose und Therapie von angeborenen Herzfehlern zählt in Zusammenarbeit mit der Herzchirurgie die interdisziplinäre Betreuung von Jugendlichen und Erwachsenen zu den wichtigsten Aufgaben der Klinik. Ein eigenes Kinder-Herzkatheterlabor (500 Verfahren pro Jahr), moderne Ultraschalldiagnostik und eine Lungenfunktions-Messeinrichtung in der Herzambulanz stehen zur Verfügung. Zum Versorgungsprogramm der Klinik zählen die gemeinsame Unterbringung von Mutter und Kind und das Elternhaus der McDonald’s Kinderhilfe. In der Klinik für Kinderherzchirurgie und angeborene Herzfehler werden pro Jahr rund 500 Operationen angeborener Herzfehler durchgeführt. Das Spektrum der operierten Fehlbildungen reicht vom Atriumseptumdefekt oder Ventrikelseptumdefekt bis zu komplexen Herzfehlern wie Fehlbildungen des gesamten Herzens und der angrenzenden Gefäße.

Diabeteszentrum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hier werden Menschen jeden Alters mit Diabetes mellitus und seinen Folgeerkrankungen einschließlich endokrinologischer und gastroenterologischer Erkrankungen behandelt. Besondere Schwerpunkte bilden die kardiovaskuläre Risikoabschätzung und Behandlung von Herz- und Gefäßerkrankungen sowie die Behandlung von Nervenschäden und Durchblutungsstörungen, dazu gehört auch die Wundheilung bei Diabetischem Fußsyndrom.

Institute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Institute ergänzen das Angebot des Herz- und Diabeteszentrums NRW:

Institut für Anästhesiologie und Schmerztherapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwerpunkt im Institut für Anästhesiologie und Schmerztherapie (Leitung: Vera von Dossow) sind Narkosen bei schwer herzkranken Patienten vom Frühgeborenen bis zum über 90-Jährigen. 2013 wurden 6.400 Narkosen durchgeführt. Das Institut ist beteiligt an der studentischen Lehre an der Ruhr-Universität Bochum und führt Fortbildungen für perioperatives Herzecho mit Simulatorsystemen durch. Im Institut sind 23 Anästhesisten mit Facharztstatus sowie 28 erfahrene Anästhesiepflegekräfte (23 Vollkräfte), davon 13 Fachpflegekräfte, beschäftigt.

Institut für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Institut für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin (Leitung: Cornelius Knabbe) ist Referenzinstitut der Bundesärztekammer für die Durchführung von Ringversuchen. Eine weitere wesentliche Zielsetzung des Universitätsinstituts sind Forschung und Lehre. Der Bereich Laboratoriumsmedizin bietet den Kliniken des Zentrums und anderen Krankenhäusern der Region ein umfassendes Programm laborärztlicher Untersuchungen. Mit über 500 verschiedenen Methoden werden pro Jahr mehr als 5,9 Mio. Analysenergebnisse erstellt. Hierbei finden molekularbiologische Verfahren zur Gendiagnostik und zum Nachweis von Infektionserregern Anwendung. Das Institut ist Referenzinstitut der Bundesärztekammer und organisiert in Zusammenarbeit mit dem Referenzinstitut für Bioanalytik in Bonn die Durchführung der immunhämatologischen und durchflusszytometrischen Ringversuche.

Institut für Radiologie, Nuklearmedizin und molekulare Bildgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Institut (Leitung: Wolfgang Burchert) unterstützt nicht nur das Herz- und Diabeteszentrum NRW, sondern auch andere Kliniken. Ein Arbeits- und Forschungsschwerpunkt ist dabei, die ionisierende Strahlung der medizintechnischen Großgeräte für Patienten und Mitarbeiter zu reduzieren. Das Institut arbeitet mit modernen Untersuchungsmethoden (SPECT/CT, PET, MRT) unter Berücksichtigung internationaler Standards sowohl bei der Diagnostik von stationären Patienten mit Herz- oder Stoffwechselerkrankungen als auch im ambulanten Bereich, beispielsweise bei nuklearmedizinischen Verfahren zur Behandlung von Tumoren oder Schilddrüsenerkrankungen.

Weitere Institute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Institut für angewandte Telemedizin
  • Herzklappen- und Gewebebank
  • Zentrum für Arbeitsmedizin, Umweltmedizin und Sicherheitstechnik
  • Erich und Hanna Klessmann Institut für kardiovaskuläre Forschung und Entwicklung

Zertifikate (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Herz- und Diabeteszentrum NRW ist neben den gesetzlich geforderten Prüfverfahren verschiedentlich zertifiziert:

  • KTQ Zertifikat für Kooperation, Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen[7]
  • Überregionales Zentrum zur Behandlung Erwachsener mit angeborenem Herzfehler (EMAH)[8]
  • zertifiziertes Brustschmerz-Zentrum (Chest Pain Unit)[9]
  • Europäisches Exzellenz-Zentrum zur Behandlung von Bluthochdruck[10]
  • Zertifiziertes Hypertonie-Zentrum DHL (Deutsche Hochdruckliga)[10]
  • Zertifizierte Behandlungseinrichtung für Typ 1 und Typ 2 Diabetiker (DDG)[11]
  • ambulante/stationäre Fußbehandlungseinrichtung (DDG)[12]
  • Zertifikat „Ausgezeichnet. Für Kinder.“[13]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen geriet im Jahr 2000 in die öffentliche Kritik, als dort und in anderen Kliniken einer türkischsprachigen Patientin, die der deutschen Sprache nicht mächtig war, eine Herztransplantation verweigert wurde.[14][15][16][17] Die Compliance der Patientin für die jahrelange Nachsorge wurde aufgrund der mangelnden Sprachkenntnisse als unzureichend eingeschätzt. Die Patientin wurde am Universitätsklinikum Münster transplantiert, zur Nachsorge hatte sich die Universitätsklinik Gießen bereiterklärt. Neun Tage nach der Operation verstarb die 56-jährige Kranke an einer akuten Abstoßungsreaktion.[18]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Gesellschafter/Aufsichtsrat. (Nicht mehr online verfügbar.) HDZ NRW, archiviert vom Original am 9. März 2016; abgerufen am 9. März 2016. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hdz-nrw.de
  2. a b Zahlen & Fakten (einzelne Kliniken summiert). (Nicht mehr online verfügbar.) HDZ NRW, archiviert vom Original am 9. März 2016; abgerufen am 9. März 2016. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hdz-nrw.de
  3. Imagebroschüre. (PDF 2,0 MB) (Nicht mehr online verfügbar.) HDZ NRW, 2016, archiviert vom Original am 24. Januar 2017; abgerufen am 24. Januar 2017. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hdz-nrw.de
  4. Gesellschafter/Aufsichtsrat
  5. Eigenangabe: Internationale Kooperationen (Memento des Originals vom 18. Februar 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hdz-nrw.de
  6. Quellen: Eurotransplant 2017, Eigen-Auskunft
  7. Krankenhäuser: Zertifizierte Einrichtungen und Qualitätsberichte
  8. Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung, Überregionale EMAH-Zentren
  9. Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V.: Zertifizierte CPUs
  10. a b Mitteilung des Universitätsklinikums der RUB
  11. Deutsche Diabetes-Gesellschaft: Zertifizierte Arztpraxen/Kliniken
  12. Arbeitsgemeinschaft Diabetischer Fuß: Zertifizierte Einrichtungen
  13. Liste zertifizierter Kinder- und Jugendkliniken
  14. Dunja Lautenschläger: Der Status ausländischer Personen im deutschen Transplantationssystem. In: Recht & Medizin. Band 93. Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 3-631-58281-1, S. 173–174 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  15. Herztransplantationen: Sprachkenntnisse als Kontraindikation? Dtsch Arztebl 2000; 97(42): A-2744 / B-2338 / C-2194
  16. Ausländer im OP: Keine Operation bei „Nix verstehen“?, Spiegel Online am 21. August 2000
  17. Die Herzattacke. Wie eine renommierte Klinik in den Verdacht geriet, ausländerfeindlich zu sein., Die Welt am 25. August 2000
  18. Pressemitteilung der Universität Münster vom 8. Januar 2001 (Memento vom 31. Mai 2014 im Webarchiv archive.today)