Herz-Jesu-Kirche (Bregenz)

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Herz-Jesu-Kirche Portal
Herz-Jesu-Kirche Rückseite

Die römisch-katholische Kirche Herz-Jesu, eigentlich Pfarrkirche zum Heiligsten Herzen Jesu in der Stadt Bregenz am östlichen Ufer des Bodensees im österreichischen Bundesland Vorarlberg gehört der Diözese Feldkirch an. Das Patrozinium dieser Kirche ist das Hochfest Heiligstes Herz Jesu am dritten Sonntag nach Pfingsten.

Kirchenbau[Bearbeiten]

Grundriss

Am 16. Juni 1896, dem 100. Jahrestag der Tiroler Landesweihe dem Herzen Jesu, wurden alle Gemeinden des Landes Vorarlberg feierlich dem göttlichen Herzen Jesu geweiht. Zu diesem Jubiläum beschlossen die Bregenzer Bürger, einen Fonds zum Bau einer Herz-Jesu-Kirche einzurichten. Somit wurde am 13. Juli 1896 das Herz-Jesu-Kirchenbaufonds-Komitee mit Karl Bernhard Schwärzler (1844–1912) als Vorstand gegründet. Ein unbekannter Wohltäter machte im Jahre 1900 den Bau dieser Kirche erst möglich, da mit seiner Spende von 28.000 Kronen der Bauplatz gekauft werden konnte. Im Jahre 1901 folgte dann die Gründung des Herz-Jesu-Kirchenbau-Vereins in Bregenz mit ebenfalls Karl Bernhard Schwärzler als erstem Obmann.

Im Jahre 1902 legte der Stuttgarter Architekt Joseph Cades (1855–1943) die Bauplanentwürfe vor. Auf einem kreuzförmigen Grundriss sollte eine dreischiffige Basilika mit zwei 62 m hohen Türmen im neugotischen Stil aus Backstein entstehen, die Doppelturmfassade erinnert an die normannische Baukunst. Kirchenbau und Innenausstattung wurden fast ausschließlich aus Opfern der Bregenzer Bürger finanziert. Das wichtigste Erkennungsmerkmal der Basilika ist der Obergaden, der fast doppelt so hoch wie die Seitenschiffe ist. Von dreiteiligen Fenstern wird durch den Obergaden beiderseits das Mittelschiff belichtet.

Am 1. Mai 1905 wurden die Kirchenbauarbeiten begonnen, und in knapp einem Jahr waren die Fundamentierungsarbeiten abgeschlossen, so dass anschließend gleich mit dem Hochbau begonnen werden konnte. Schon am 21. Oktober 1906 konnte das Richtfest gefeiert werden.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurden die ebenfalls im neugotischen Stil gebauten Altäre fertiggestellt. Am Hochaltar zeigen verschiedene Plastiken und Reliefs unter anderem Christi Geburt, das Abendmahl, Christus als Opferpriester, das Opferlamm, Christus am Ölberg und Christi Himmelfahrt. Mit den vier Flügelaltären werden der Gute Hirte und die heiligen Maria, Josef und Aloisius verehrt.

In den Jahren 1939 bis 1941 wurde die Kanzel errichtet. Der Taufstein im linken Querschiff wurde aus Treuchtlinger Marmor in moderner Baukunst gefertigt. Auch die Kreuzwegstationen, beginnend im Seitenschiff rechts vorn mit dem Judaskuss und gegenüber endend mit dem Engel, der die Auferstehung verkündet, sind moderner Baukunst. In der Vorhalle der Basilika steht eine vom Bregenzer Bildhauer Emil Gehrer (1913/14?–1992) in Steinguss gehauene Statue des heiligen Antonius von Padua mit Jesuskind.

Behmann-Orgel[Bearbeiten]

Prospekt der Behmann-Orgel
Spieltisch der Behmann-Orgel

Die Orgel wurde 1930/31 von dem Orgelbauer Josef Behmann (Schwarzach) erbaut, 1953 überholt und 1992–1994 von Orgelbau Kuhn (Männedorf/CH) restauriert. Das Kegelladen-Instrument hat heute 61 Register auf 3 Manualen und Pedal. Das Pfeifenwerk in allen Manualwerken ist für die Superoktavkoppeln bis zum a4 ausgebaut. Das Instrument hat insgesamt 4.650 Pfeifen. Die Spieltrakturen sind elektropneumatisch, die Registertrakturen sind pneumatisch.[1]

I Hauptwerk C–a3
1. Prinzipal major 16′
2. Flauto amabile 16′
3. Prinzipal primo 8′
4. Grossgedeckt 8′
5. Viola di Gamba 8′
6. Flöte harmonique 8′
7. Gemshorn 8′
8. Dolce
9. Quinte 51/3
10. Oktave 4′
11. Hohlflöte 4′
12. Quinte 22/3
13. Superoktave 2′
14. Septime 11/7
15. Kornett IV-V 8′
16. Prim-Mixtur VI 22/3
17. Trompete 8′
18. Clairon 4′
II Schwellpositiv C–a3
19. Bordun 16′
20. Prinzipal secundo 8′
21. Tibia 8′
22. Viola baritona 8′
23. Gedeckt 8′
24. Quintatön 8′
25. Salicional 8′
26. Aeoline 8′
27. Vox cölestis 8′
28. Geigenprinzipal 4′
29. Traversflöte 4′
30. Viola d'amour 4′
31. Piccolo 2′
32. Secund-Mixtur IV-V 22/3
33. Trompete harmonique 8′
34. Klarinette 8′
III Schwellwerk C–a3
35. Quintatön 16′
36. Geigenprinzipal 8′
37. Bordun 8′
38. Viola alta 8′
39. Konzertflöte 8′
40. Unda maris 8′
41. Dulciana 8′
42. Fugara 4′
43. Rohrflöte 4′
44. Flageolet 2′
45. Terzflöte 13/5
46. Kornett III-IV 4′
47. Oboe 8′
48. Vox humana 8′
Tremulant
Pedalwerk C–f1
49. Untersatz 32′
50. Prinzipalbass 16′
51. Subbass 16′
52. Violonbass 16′
53. Harmonikabass 16′
54. Zartbass (aus II) 16′
55. Quintbass 102/3
56. Oktavbass 8′
57. Cello 8′
58. Choralbass 4′
59. Mixturbass IV 51/3
60. Posaune 16′
61. Trompetbass 8′
  • Koppeln
    • Normalkoppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
    • Suboktavkoppeln: II/I, III/I, II/II, III/II, III/III
    • Superoktavkoppeln: I/I, II/I, III/I, II/II, III/II, I/P, II/P, III/P
    • Melodiekoppel: I/II
  • Spielhilfen: Festkombinationen (pp, p, mf, f ff, pleno, tutti), Auslöser, drei freie Kombinationen, Generaltutti, Registercrescendo, diverse Absteller

Weihe und Segnung[Bearbeiten]

Der Grundstein am linken Pfeiler des Querschiffs zum Altarhaus wurde am 24. Mai 1906 vom Abt Eugen Notz (1857–1917), 6. Abt der gefreiten Abtei Wettingen-Mehrerau (Zisterzienserkloster), geweiht. Die Benediktion wurde am 21. November 1908 durch den Bregenzer Stadtpfarrer und Dekan Georg Prutscher (1835–1916) vorgenommen. Die Konsekration wurde 1912 vorgenommen. Nach knapp 50 Jahren, am 11. Oktober 1958, erfolgte eine weitere Konsekration der Kirche durch Generalvikar und Weihbischof Dr. Bruno Wechner (1908–1999), erster Bischof der Diözese Feldkirch. Am 13. Oktober wurden die Glocken mit dem Salve-Regina-Glockenspiel geweiht.

Jüngere Geschichte[Bearbeiten]

Mitten im Ersten Weltkrieg, im Jahre 1916, mussten das Kupfer der Turmbedachung und die kleinere der beiden Glocken zur Materialbeschaffung abgeliefert werden. Mit der Löfflerglocke und der Heidenglocke als Spende der St. Gallus-Pfarrkirche in Bregenz konnte 1950 ein harmonisches Geläut, das Salve-Regina-Glockenspiel, hergestellt werden. Da zwei weitere Glocken gesprungen waren, hatte man 1963 das gesamte Geläut mit fünf neuen Glocken ersetzt.

Im Jahre 1940 wurde das Pfarrvikariat Herz-Jesu errichtet und 1958, zum 50. Jahrestag der Kirche, erfolgte nach einer umfassenden Renovierung die Erhebung der Kirche zur selbstständigen Pfarrei.

Im Jahre 1969 wurde der Kirchenvorplatz mitsamt den Treppen renoviert, und 1994 wurde die Orgelrestaurierung fertiggestellt. Außerdem erhielt die Kirche Anfang der 1990er Jahre eine Bodenheizung.

Im Jahre 2008 wurde das 100-jährige Bestehen der Kirche, bzw. der 50. Jahrestag als Pfarrkirche, gefeiert, am 23. November 2008 wurde dazu der 100-Jahr-Jubiläums-Festgottesdienst abgehalten.

Kapellen[Bearbeiten]

Zur Pfarrei der Herz-Jesu-Kirche Bregenz gehören die Kapelle des heiligen Johannes Nepomuk, der Martinsturm und die Martinskapelle.

Kapelle des heiligen Johannes Nepomuk[Bearbeiten]

Nepomuk-Kapelle

Die Kapelle des heiligen Johannes Nepomuk befindet sich nahe dem Kornmarktplatz in Bregenz. Wie es für eine Grabkapelle typisch ist, stellt der überkuppelte Zentralbau eine reine Rotunde dar. Die Kapelle wird im Volksmund auch Haasenkapelle genannt, da sie von Dr. Franz Wilhelm Haas (1685–1764) gestiftet wurde. Um 1757 wurde sie erbaut, und sieben Jahre darauf wurde Haas vor dem Hochaltar begraben. Namensgebend für diese Kapelle erhebt sich eine Statue des heiligen Nepomuk aus Sandstein über dem Rundbogen-Portal. Das Innere ist durch Malerei im Rokoko-Stil verziert, an den Seitenwänden stehen Barockstatuen, links St. Joachim und rechts St. Anna Selbdritt.

Martinsturm und Martinskapelle[Bearbeiten]

Ein Wahrzeichen Bregenz' stellt der Martinsturm mit Martinskapelle dar. Im Jahre 1601 wurde er als Beobachtungswarte von Benedetto Prato (Benedikt Wiese) aus Roveredo über einen Getreidespeicher im ersten Hof zum Grafen von Bregenz, dem damaligen Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation Rudolf II., erbaut. Seine Turmzwiebel soll die größte Europas sein. Bis in die 1920er Jahre wurde er zur Feuerwacht genutzt. Die Kapelle zu Ehren der heiligen Martin, Oswald und Alexius wurde 1361 von Wilhelm III., Graf von Montfort-Bregenz (1330?–1373), in das obere Stockwerk des Getreidespeichers gestiftet. Das untere Geschoss wurde erst im 15. Jahrhundert in die Kapelle eingegliedert. Um ein Teil des Hausanbaus wurde die Kapelle im Jahre 1701 erneut erweitert. Die beiden Seitenaltäre aus dem Jahre 1781 verehren die heiligen Anna und Oswald mit den Raben, St. Vitus und St. Alexius. Als bei der letzten Renovierung im Jahre 1950 die Barockaltäre entfernt wurden, wurden in der steinernen Mensa Reliquien des heiligen Martin von Tours (316/317–397) gefunden.

Heute wird die Kapelle für Gottesdienste kleinerer Gemeinschaften und Hochzeiten verwendet. In der Abenddämmerung wird am Sonntag nach dem 11. November, dem Martinstag, ab hier der traditionelle Martinsritt begonnen, mit St. Martin hoch zu Ross, einer Musikkapelle, Bettlern und Kindern mit Laternen.

Weitere Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Rusch, K. Spahr: Herz-Jesu Bregenz. (= Kleine Kunstführer; 1157). Schnell & Steiner, München und Zürich 1981.
  • Österreichisches Jahrbuch 1984. Nach amtlichen Quellen. (Bd. 56) Verlag der österreichischen Staatsdruckerei, Wien 1985.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Informationen zur Orgel bei rganindex.de

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Herz-Jesu-Kirche (Bregenz) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

47.5022222222229.7502777777778Koordinaten: 47° 30′ 8″ N, 9° 45′ 1″ O