Herzogsägmühle

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Koordinaten: 47° 49′ 3,2″ N, 10° 56′ 22,1″ O

Reliefkarte: Deutschland
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Herzogsägmühle
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Deutschland

Herzogsägmühle ist der Name einer 1894 gegründeten Arbeiterkolonie, die heute eine soziale Einrichtung der Diakonie ist. Diese Einrichtung ist zugleich Ortsteil des Marktes Peiting und liegt ca. 80 km südwestlich von München im Pfaffenwinkel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der in Schongau residierende Herzog Christoph der Starke (1450–1493) betrieb eine Sägemühle im jetzigen Ortszentrum Unterobland sowie Oberobland. Entstanden aus fünf Bauernhöfen, wurde hier von Adolph von Kahl ab 1894 die zweite bayerische „Arbeiterkolonie“ für heimat- und wohnungslose Männer eingerichtet. Der Verein für Arbeiterkolonien in Bayern erwarb von 1894 bis 1905 die Anwesen Herzogsägmühle. Im Dritten Reich mussten die Insassen Zwangsarbeit leisten; von diesen starben 376 Männer an Unterversorgung, sieben begingen Selbstmord, 30 starben an ungeklärter Ursache und 14 starben im KZ Dachau, nachdem sie dorthin überstellt wurden.[1] Seit 1946 wird die Herzogsägmühle vom Verein Innere Mission München – Diakonie in München und Oberbayern e.V. getragen. Heute leben dort etwa 900 Menschen. Direktor ist Wilfried Knorr.

Ortsbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Diakonie-Dorf unterscheidet sich heute kaum von den meisten anderen Ortschaften dieser Gegend. Neben einem kleinen, gewachsenen Kern ist das weiträumige Ortsbild gekennzeichnet durch eine bunte Mischung aus Wohnhäusern, Werkstätten, Läden und dem Ortszentrum am Dorfplatz, wo sich Kirche, Maibaum, Mehrzweckhalle sowie das „Cafe und Wirtshaus Herzog“ befinden. Sport- und Freizeitanlagen sowie weite Felder und Wälder umsäumen das Dorf.

Heute wohnen in Herzogsägmühle 900 Einwohner auf einer Fläche von 350 ha Land, wovon ein Teil landwirtschaftlich genutzt wird. Hilfen für heimat- und wohnungslos gewordene Menschen („Menschen in besonderen Lebenslagen“) sind auch heute noch ein wesentlicher Teil des Hilfeangebotes. Andere Schwerpunkte bilden „Menschen mit Behinderung“, „Menschen mit seelischer Erkrankung“, „Menschen mit Suchtproblemen“ sowie „Kinder, Jugendliche und Familien“, für die es Ausbildungs- und Schulangebote gibt.

Zeitschrift[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dreimal jährlich erscheint in einer Auflage von 35.000 Exemplaren die Zeitschrift Herzogsägmühle aktuell für Mitarbeitende, Bewohner, ehrenamtliche Helfer, Spender und Multiplikatoren.

Einrichtung der Diakonie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Trägerverein von Herzogsägmühle, der Inneren Mission München, ist Herzogsägmühle Mitglied im Diakonischen Werk Bayern.

Sonderbriefmarke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1994 ehrte die Deutsche Bundespost Herzogsägmühle mit der Herausgabe des 100-Pfennig-Sonderpostwertzeichens 100 Jahre Herzogsägmühle (Erstausgabetag 16. Juni 1994, Auflage 24.665.000 Stück, Michel-Nummer 1740), das ein Ortsschild mit dem Emblem der diakonischen Einrichtung und dem Motto „Ort zum Leben“ zeigt. Damit wurde insbesondere der gesellschaftliche Stellenwert von Herzogsägmühle gewürdigt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Herzogsägmühle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. vgl. Annette Eberle: Herzogsägmühle in der Zeit des Nationalsozialismus, Peiting 1994; vgl. Wolfgang Ayaß: "Asoziale" im Nationalsozialismus, Stuttgart 1995, S. 47–56.