Herzogtum Preußen

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Das Herzogtum Preußen 1576: Herzogtum und königlich polnisches Preußen farblich nicht unterschieden (Flächenfarbe für das Herzogtum ist Nachbearbeitung), Pommerellen nicht zu Preußen gerechnet.

Das Herzogtum Preußen war ein von 1525 bis 1701 bestehendes Staatswesen, das den östlichen, im Zuge der Reformation säkularisierten Teil des 1466 aufgeteilten Deutschordensstaates umfasste. Das Herzogtum war zunächst ein Lehen der polnischen Krone. Es wurde 1618 in Personalunion mit der Mark Brandenburg vereinigt, erlangte 1657 die Souveränität und wurde 1701 zum Königreich Preußen erhoben. Seine Hauptstadt war Königsberg i. Pr..

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der nach dem Dreizehnjährigen Krieg (1454–1466) übriggebliebene Deutschordensstaat wurde mit dem Zweiten Frieden von Thorn 1466 ein Lehen der Krone Polen. Letzter Hochmeister des Deutschen Ordens in Preußen war der 1511 wegen seiner engen verwandtschaftlichen Beziehungen zu den polnischen Herrschern gewählte Albrecht I. von Brandenburg-Ansbach aus dem Haus Hohenzollern.[1] Um wie vorherige Hochmeister dem polnischen König den Lehnseid verweigern zu können, hätte Albrecht die Unterstützung des Römisch-deutschen Kaisers benötigt. Kaiser Maximilian I. jedoch schloss im Jahre 1515 auf dem Wiener Fürstentag Verteidigungs- und Heiratsbündnisse mit den Jagiellonen und erklärte, dass er den Deutschen Orden in Preußen nicht länger unterstützen werde.

Nach vierjährigem erfolglosen Krieg ging Albrecht auf Distanz zum Reich: Er schloss Frieden mit Polen, führte 1525 die Reformation ein und wandelte den Ordensstaat in das weltliche Herzogtum Preußen um.[2] Die erbliche Herzogswürde in Preußen ließ er sich unter Anerkennung der polnischen Lehenshoheit von seinem Onkel, dem polnischen König Sigismund I., bestätigen. Zu den Lehensverpflichtungen Albrechts gegenüber dem polnischen König gehörte auch die Ausdehnung der im Königlichen Preußen begonnenen Münzreform auf das Herzogliche Preußen. In den anschließenden Währungsverhandlungen, an denen als Vertreter des Königlichen Preußen Nikolaus Kopernikus teilnahm, setzte sich schließlich überwiegend der Unterhändler Polens durch. Ergebnis war ein einheitliches Währungsgebiet, das beide Preußen, Polen und Litauen umfasste.

Kaiser und Reich erkannten die Säkularisierung nicht an: Der Deutsche Orden setzte als neuen Deutschmeister Walther von Cronberg ein, der in Preußen tatsächlich jedoch keinerlei Regierungsgewalt ausüben konnte und seinen Sitz nicht in Königsberg, sondern in Mergentheim nahm. Seit 1526 hatte das Amt des Hochmeisters im Reich den gleichen Rang wie das eines Fürstbistums. 1527 erhielt Cronberg vom Kaiser die Berechtigung, sich „Administrator des Hochmeistertums“ zu nennen. Auf dem Reichstag zu Augsburg im Jahre 1530 belehnte ihn der Kaiser – formal und ohne jede praktische Auswirkung – mit den Regalien des Deutschen Ordens und dem Lande Preußen. 1532/34 verhängte der Kaiser über Albrecht die Reichsacht, die ihm freilich als protestantischem Herrscher außerhalb des Reiches nichts ausmachen konnte. Noch der Sohn Kaisers Maximilians II. trug bis 1618 den Titel „Administrator Preußens“; danach nannte man das Amt „Hoch- und Deutschmeister“.

1544 gründete Herzog Albrecht die Universität in Königsberg. Die kulturellen Leistungen in seiner Amtszeit waren die Prutenischen Tafeln (ein aktualisierter astronomischer Atlas) und die Erstellung preußischer Landkarten sowie eine Münzreform unter der Leitung von Kopernikus. In diese Zeit fielen auch die Aufnahme evangelischer Flüchtlinge und besonders die Ausbildung von Pastoren und erstmaligen Übersetzungen religiöser Schriften in die verschiedenen Sprachen seiner Untertanen und benachbarten Völker. Nach dem Tode Herzog Albrechts im Jahre 1568 erstrebte Kurfürst Joachim II. Hektor von Brandenburg, Sohn von Albrechts Cousin Joachim I. Nestor, als Miterbe des Herzogtums Preußen anerkannt zu werden. Da das Herzogtum Preußen ein polnisches Lehen war, galt es beim polnischen König Sigismund II. August unter dem damals üblichen finanziellen Aufwand die Mitbelehnung zu erreichen. Dies gelang, 1569 belehnte der König, zugleich Schwager Joachims II., ihn und die Berliner Hohenzollern als erbberechtigt im Herzogtum Preußen.

Im Herzogtum war dem verstorbenen Herzog Albrecht dessen fünfzehnjähriger Sohn Albrecht II. Friedrich gefolgt; dessen Geisteskrankheit bedingte, dass das Land seit 1577 an seiner Stelle durch Georg Friedrich I. aus der Ansbacher Linie der Hohenzollern verwaltet wurde und nach dessen Tod durch die brandenburgische Linie. 1618 endete die fränkisch-preußische Linie der Hohenzollern, als Albrecht II. starb.

Herzogliche Regierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Statue von Herzog Albrecht in der Ordensburg Marienburg

Nach der Verfassung des Herzogstaates und des späteren Königreichs führten vier Oberräte die Regierung: Oberburggraf, Obermarschall, Landhofmeister und Kanzler. Sie bildeten die sog. Oberratsstube, die bis 1804 als Etatsministerium bestand. Die Obermarschallei war auf dem Burgkirchenplatz, die Kanzlei in der Junkergasse, die Landhofmeisterei in der Landhofmeisterstraße von Königsberg.[3] Später wurden die Würden zu Titeln, die an hervorragende Beamte verliehen wurden. Der Titel Kanzler in Preußen wurde bei den Reformen nach dem Frieden von Tilsit auf den Präsidenten des Oberlandesgerichts Königsberg übertragen und hielt sich bis ins 20. Jahrhundert hinein. Letzter „Kanzler des Königreichs Preußen“ war bis 1918 der OLG-Präsident Karl Ludwig von Plehwe.[4] Der Oberburggraf wohnte im Königsberger Schloss. Kanzler, Landhofmeister, Obermarschall und Oberburggraf des Königreichs saßen bis 1918 im Preußischen Herrenhaus.

Brandenburg-Preußen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Brandenburg-Preußen wird in der Geschichtswissenschaft für den Zeitabschnitt von 1618 bis 1701 verwendet, in dem die von den Hohenzollern beherrschten Länder Kurbrandenburg und Preußen zu einem Staat zusammenwuchsen. Die Bezeichnung war aber auch noch bis in die Zeit der Regierung König Friedrichs II. gebräuchlich.

Ab 1577 bis zu seinem Tod im Jahre 1603 übte der Hohenzoller Markgraf Georg Friedrich von Ansbach auf Geheiß des polnischen Königs die Regentschaft über das Herzogtum Preußen für den regierungsunfähigen zweiten Herzog Albrecht Friedrich aus. Als Regent folgte ihm der brandenburgische Kurfürst Joachim Friedrich, der das Amt 1605 seinem Sohn Johann Sigismund übergab, der selbst seit 1594 mit Anna von Preußen verheiratet war, einer Tochter Herzog Albrecht Friedrichs und seiner Frau Marie Eleonores. 1608 erbte Johann Sigismund die Regierung der Kurmark von seinem Vater und wurde nach Albert Friedrichs Tod 1618 auch regulärer preußischer Herzog. Auf diese Weise waren Brandenburg und Preußen seit 1618 in einer Personalunion verbunden, wobei der brandenburgische Kurfürst in seiner Funktion als preußischer Herzog dem polnischen König zunächst noch zur Vasallentreue verpflichtet blieb. Dieses Belehnungsverhältnis endete 1657 mit dem Vertrag von Wehlau, durch den die volle Souveränität über das Gebiet des Herzogtums vom König von Polen an den Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg und dessen leibliche Erben überging. Damit erlangten die brandenburgischen Kurfürsten endgültig die Stellung souveräner Herzöge in Preußen, und die Union zwischen Brandenburg und Preußen nahm den Charakter eines einheitlichen Staatsgebildes an. Das Herzogtum Preußen wurde in dieser Zeit auch als Fürstentum bezeichnet (so in Kirchenbüchern vor 1700). Um den Verlust dieser Einheit durch mögliche Erbteilungen zu verhindern, ließ sich Kurfürst Friedrich III. schließlich 1701 mit Zustimmung des deutschen Kaisers zum König in Preußen erheben. Etwa seit der Mitte des 18. Jahrhunderts spricht man in der Geschichtswissenschaft vom Staat Preußen, der die verschiedenen Besitzungen des preußischen Königs vereint. Über das Gebiet des ehemals herzoglichen Preußens hinaus umfasste das Königreich Preußen allerdings erst im Jahr 1772 nach der Annexion des bis dahin noch bei der polnischen Krone verbliebenen königlichen (polnischen) Anteils des früheren Ordensstaates tatsächlich ganz Preußen und wurde wie der Staat nunmehr vom Konig von Preußen regiert.

Herzöge in Preußen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Königsberg residierten
1525–1568 Albrecht (Preußen)
1568–1573 Albrecht Friedrich (Preußen)
Zeitweise in Königsberg residierten
1577–1603 Markgraf Georg Friedrich I. (Brandenburg-Ansbach-Kulmbach), Administrator
1603–1608 Kurfürst Joachim Friedrich (Brandenburg), Regent
1608–1619 Kurfürst Johann Sigismund (Brandenburg), Mitregent
1619–1640 Kurfürst Georg Wilhelm (Brandenburg)[5]
1640–1688 Friedrich Wilhelm (Brandenburg), der Große Kurfürst
1688–1701 Kurfürst Friedrich I. (Preußen)

Königreich Preußen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Königreich Preußen

Am 18. Januar 1701 krönte sich Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg zum „König in Preußen“, nachdem Kaiser Leopold I. vertraglich zugesichert hatte, ihn inner- und außerhalb des Reiches als einen König anzuerkennen. Damit erreichte er die Standesgleichheit mit den Nachbarherrschern Brandenburg-Preußens, dem Kurfürsten von Sachsen, der in Personalunion König von Polen-Litauen war, dem Kurfürsten von Hannover, dem zukünftigen König von England und dem König von Schweden.

Als nach der ersten Teilung Polens 1772 westliche Teile Preußens (Preußen Königlichen Anteils) Friedrich II. huldigten, ordnete der König am 31. Januar 1773 an, die Neuerwerbungen als Westpreußen und das bisherige Herzogtum Preußen als Ostpreußen zu bezeichnen.

Die beiden Provinzen wurden ab 1824 in Personalunion, ab 1829 in Realunion zur Provinz Preußen vereinigt, 1878 aber wieder getrennt. Der Vertrag von Versailles trennte dann 1919 den Großteil von Westpreußen als Polnischen Korridor endgültig ab. 1947 wurde Preußen von den Alliierten aufgelöst, nachdem die deutsche Bevölkerung aus den Ostgebieten jenseits der Oder vertrieben worden war.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hartmut Boockmann: Ostpreußen und Westpreußen. (= Deutsche Geschichte im Osten Europas). Siedler, Berlin 1992, ISBN 3-88680-212-4
  • Richard Dethlefsen: Das schöne Ostpreußen. Piper, München 1916 (Das schöne Ostpreussen)
  • Yorck Deutschler: Die Aestii – Bezeichnung für die heutigen Esten Estlands oder die untergegangenen Pruzzen Ostpreußens, in: Y. Deutschler, „Die Singende Revolution“ – Chronik der Estnischen Freiheitsbewegung (1987–1991), S. 196–198, Ingelheim, März 1998/Juni 2000, ISBN 3-88758-077-X
  • Andreas Ehrhard (Fotos), Bernhard Pollmann (Text): Ostpreußen. Bruckmann, München 2004, ISBN 3-7654-3877-4 (Länderportrait, aktuelle Bilder aus dem ehemaligen Ostpreußen)
  • Walter Frevert: Rominten. BLV, Bonn u. a. 1957 (1. Teil der so genannten „Ostpreußen-Trilogie“)
  • August Karl von Holsche: Geographie und Statistik von West-, Süd- und Neu-Ostpreußen. Nebst einer kurzen Geschichte des Königreichs Polen bis zu dessen Zertheilung. 2 Bände. Berlin 1800 und 1804 (Digitalisat)
  • Andreas Kossert: Ostpreußen. Geschichte und Mythos. Siedler, München 2005, ISBN 3-88680-808-4
  • Hans Kramer: Elchwald. Der Elchwald als Quell und Hort ostpreußischer Jagd. 2. Auflage. Jagd- und Kulturverlag, Sulzberg im Allgäu 1985, ISBN 3-925456-00-7 (3. Teil der so genannten „Ostpreußen-Trilogie“)
  • Karl Templin: Unsere masurische Heimat. Zum einhundertjährigen Bestehen des Kreises Sensburg 1818–1918. Selbstverlag des Kreises Sensburg, 2. Auflage 1926. Aufgrund der umfassenden Darstellung ist dies Werk auch für weitere ostpreußische Gebiete aufschlussreich.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Maike Sach: Hochmeister und Großfürst: Die Beziehungen Zwischen dem Deutschen Orden in Preußen und dem Moskauer Staat um die Wende zur Neuzeit, Dissertation Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, 2002 Franz Steiner Verlag, ISBN 3-515-08047-3, S. 171; bei Google Books
  2. Janusz Małłek: Die Ständerepräsentation im Deutschordensstaat (1466–1525) und im Herzogtum Preußen (1525–1566/68). In: Hartmut Boockmann: Die Anfänge der ständischen Vertretungen in Preußen und seinen Nachbarländern. Verlag Oldenbourg, München 1992, ISBN 3-486-55840-4, S. 101–115, hier: S. 101.
  3. Herbert Meinhard Mühlpfordt: Königsberg von A bis Z – ein Stadtlexikon. Leer 1972
  4. Robert Albinus: Königsberg Lexikon. Würzburg 2002, ISBN 3-88189-441-1
  5. Als einziger Herzog wurde Georg Wilhelm in Königsberg begraben