Heskem

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Heskem
Koordinaten: 50° 44′ 38″ N, 8° 50′ 6″ O
Höhe: 213 (207–230) m ü. NHN
Fläche: 7 km²[1]
Einwohner: 840[2]
Bevölkerungsdichte: 120 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 35085
Vorwahl: 06424
Bild von Heskem

Heskem ist ein Ortsteil der Gemeinde Ebsdorfergrund im Osten des mittelhessischen Landkreises Marburg-Biedenkopf. Zu Heskem gehört der südöstlich gelegene Weiler Mölln .

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heskem liegt zwischen den Lahnbergen und den Ausläufern des Vogelsberges. Durch den Ort verlaufen die Landesstraßen 3048 und 3125.

Beltershausen Wittelsberg
Nachbargemeinden
Ebsdorf Mölln

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wehrkirche

Der Ort wurde urkundlich um das Jahr 850 erstmals unter dem Ortsnamen Heistingenheim erwähnt.[1] Der heutige Name des Dorfes setzte sich erst im 18. Jahrhundert durch. Der Ortsname Mölln wird von der Mühle abgeleitet. Der frühere Name des Weilers lautet auch Mulen. Eine Mühle wurde schon 1150 erwähnt. Sie existiert heute noch, jedoch ohne Mühlengraben und Mühlrad.

Am 31. Dezember 1971 wurde Heskem im Rahmen der Gebietsreform in Hessen in die neu gegründete Gemeinde Ebsdorfergrund eingegliedert.[3]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Heskem unterstand im Überblick:[4][1]

Gerichte seit 1821[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. Der Kreis Marburg war für die Verwaltung und das Landgericht Marburg war als Gericht in erster Instanz für Heskem zuständig. 1850 wurde das Landgericht in Justizamt Marburg umbenannt. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[8] Mit dem Gesetz über die Neugliederung von Untergerichtsbezirken vom 13. Juli 1833[9] wurde Heskem dem Justizamt Treis an der Lumda zugewiesen.

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde durch einen Gebietstausch Treis an das Großherzogtum Hessen abgetreten, Heskem wurde dem Justizamt Marburg zugeschlagen das jetzt zum königlich Preußischen Amtsgericht Marburg wurde. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[10] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Marburg. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[11]

Auch mit dem in Kraft treten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen. In der Bundesrepublik Deutschland sind die Übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[1]

1467: 25 Hausgesesse
1577: 39 Hausgesesse
1630: 16 Hausgesesse (7 vierspännige, 7 dreispännige, 1 zweispännige, 2 einspännige Ackerleute, 28 Einläuftige).
1681: 32 hausgesessene Mannschaften
1747: 46 Haushalte (Folgende Angaben mit Ortsteil Mölln)
1774: 311 Einwohner (mit Mölln).
1775: Erwerbspersonen: 1 Müller, 4 Schmiede, 9 Schneider, 1 Wagner, 11 Leineweber, 6 Tagelöhner(-innen)
1838: 418 Einwohner (45 nutzungsberechtigte, 23 nicht nutzungsberechtigte Ortabürger, 14 Beisassen). Familien: 41 Ackerbau, 17 Gewerbe, 22 Tagelöhner.
1861: 546 evangelisch-lutherisch Einwohner, 10 Mitglieder abweichender Sekten
1961: 572 evangelisch, 56 römisch-katholisch Einwohner. Erwerbspersonen: 148 Land- und Forstwirtschaft, 93 Produzierendes Gewerbe, 30 Handel und Verkehr, 40 Dienstleistungen und Sonstiges.
Heskem: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
470
1840
  
500
1846
  
503
1852
  
533
1858
  
552
1864
  
576
1871
  
534
1875
  
501
1885
  
499
1895
  
534
1905
  
548
1910
  
547
1925
  
552
1939
  
533
1946
  
780
1950
  
791
1956
  
715
1961
  
635
1967
  
611
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • evangelische Wehrkirche der Gemeinde der Ev. Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW). Der Turm datiert aus dem 13. Jahrhundert.
  • evangelische Fachwerkkirche der Gemeinde der Selbständig Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK).

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heskem hatte einen Bahnhof, der durch die Marburger Kreisbahn bedient wurde. Heute stehen dort mehrere Getreidesilos, die nach dem letzten Ausbau 2011 eine Kapazität von 7.500 Tonnen haben.[12]

Im Ort gibt es

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Heskem, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 18. Januar 2017)
  2. Der Ortsteil im Internetauftritt der Gemeinde Ebsdorfergrund, abgerufen im August 2015
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 403.
  4. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  5. Georg Landau: Beschreibung des kurfürstenthums Hessen. T. Fischer, Kassel 1842, S. 387 (online bei HathiTrust’s digital library).
  6. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 121–123 (online bei Google Books).
  7. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August., (kurhessGS 1821) S. 223–224
  8. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  9. KurhessGesSamml. 1833, S. 129 (online)
  10. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  11. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224)
  12. Getreideannahme wird deutlich schneller Oberhessische Presse

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]