Naturschutzzentrum Bergstraße

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Naturschutzzentrum Bergstraße
Naturschutzzentrum Bergstraße.JPG
Daten
Ort Bensheim
Architekt Heinz Frassine
Baujahr 2002–2004
Koordinaten 49° 39′ 31,8″ N, 8° 35′ 42,2″ OKoordinaten: 49° 39′ 31,8″ N, 8° 35′ 42,2″ O

Das Naturschutzzentrum Bergstraße (NZB) ist eine Einrichtung für Umweltbildung und -erleben an der Hessischen Bergstraße.

Sitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Naturschutzzentrum mit Außengelände liegt an der Erlache bei Bensheim am Rand einer Senke, die durch den prähistorischen Altneckar entstanden ist. In der Nachbarschaft befindet sich eine Kiesgrube, in der die Sedimente des ehemaligen Flusssystems abgebaut werden. Der renaturierte Teil der Kiesgrube und der angrenzende Altneckararm sind Naturschutzgebiet und EU-Vogelschutzgebiet (Vogelschutzgebiet „Hessische Altneckarschlingen“).

Das Gebäude wurde ausgezeichnet am „Tag der Architektur“ 2005. Am Gebäude sind zukunftsweisende Techniken und Materialien zu besichtigen: Holzpelletheizung, Solarthermie, Dachbegrünung, Unterschlupf für Tiere am Haus, regionale Baustoffe, Baustoffrecycling und anderes mehr.

Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Naturschutzzentrum Bergstraße liegt im Bereich eines ehemaligen Flusssystems des nacheiszeitlichen Neckarlaufs, der entlang des östlichen Randes der Rheinebene mäandrierte, etwa auf der Höhe von Pfungstadt nach Nordwesten abbog und bei Trebur in den Rhein mündete.

Hessische Altneckarschlingen
Lage Hessen, Deutschland
WDPA-ID 555537746
Natura-2000-ID [https://www.bfn.de/themen/natura-2000/natura-2000-gebiete/steckbriefe/natura/gebiete/show/spa/DE6217403.html 6217-403 6217-403]
Vogelschutzgebiet 27,93 km²
Geographische Lage Mehrere Teilgebiete
Einrichtungsdatum 2007
f6
f4

Wegen seiner Bedeutung für die Vogelwelt wurde dieses Gebiet durch das Land Hessen im Umfang von etwa 2.800 ha als europäisches VogelschutzgebietHessische Altneckarschlingen“ an die EU-Kommission gemeldet.[1] Es ist heute landesweit das beste Brutgebiet für den Weißstorch und den Teichrohrsänger und gehört zu den fünf besten Brutgebieten für Blaukehlchen, Rohrweihe, Schwarzmilan, Brachvogel, Pirol, Rohrammer, Schwarzkehlchen und andere.[2] Auch für rastende Vogelarten ist das Gebiet hessenweit bedeutsam. Es ist unter den fünf besten Rastgebieten feuchtlandgebundener Vogelarten wie Bekassine, Flussregenpfeifer, Flussuferläufer, Grünschenkel, Krickente, Rotschenkel, Sichelstrandläufer, Stockente, Waldwasserläufer und Zwergtaucher.

Im Umfeld des Naturschutzzentrum brüten bedrohte Arten wie Rot- und Schwarzmilan, Rohrweihe, Baumfalke und Wanderfalke, Neuntöter, Pirol, Eisvogel, Haubentaucher und viele andere.

Erlache bei Bensheim

IUCN-Kategorie IV – Habitat-/Species Management Area

Lage Hessen, Deutschland
Fläche 49 ha
Kennung 1431031
WDPA-ID 318361
Geographische Lage 49° 39′ N, 8° 35′ O
Einrichtungsdatum 2000
f4

Im Dezember 2000 wurden ca. 48 ha in der Umgebung als NaturschutzgebietErlache bei Bensheim“ ausgewiesen.[3] Mit der Unterschutzstellung sollen Erlenbruchwälder und Weidenbestände, Grünland, Röhrichte und Wasserpflanzengesellschaften mit den dort vorkommenden Tier- und Pflanzenarten geschützt werden.[3] Seit Herbst 2017 werden Teile des Gebietes mit Wasserbüffeln beweidet.[4][5]

Über die Aktivitäten des Naturschutzzentrums soll auch der Schutz dieser Gebiete verbessert werden. Dabei wurden hier z. B. sechs Amphibienarten nachgewiesen und seltene Insektenarten wie der Körnerbock (Megopis scabricornis), einer vom Aussterben bedrohten Käferart der Roten Liste. Auch die Population der Zauneidechse hat sich seit Bestehen des Naturschutzzentrums stark vergrößert. Der Wanderfalke wurde im Gebiet durch die Schutzbemühungen des Naturschutzzentrums zusammen mit der Stadt Bensheim, dem NABU Hessen und der DB AG überhaupt erst angesiedelt.

Das Gebäude selbst wurde so konstruiert, dass es nicht nur den Vorgaben einer energiesparenden Bauweise entspricht, sondern auch Tieren einen Lebensraum bietet. Am Gebäude selbst brüten Hausrotschwanz, Bachstelze, Kohlmeise, Star und Haussperling. Die Hohlräume unter der Bretterverkleidung werden alljährlich von Rauhautfledermäusen als Paarungsquartier genutzt.

Profil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Naturschutzzentrum befindet sich eine Ausstellung mit wechselnden Schwerpunkten, eine Umweltbibliothek, ein Werkraum und ein Medienraum. Die Ausstellung wurde unterstützt mit Mitteln der Stiftung Hessischer Naturschutz.

Im Außengelände befinden sich Erlebnisbereiche wie Kräuterspirale, Feuerstelle, eine Geologische Wand mit Gesteinen aus dem kristallinen Odenwald, Froschteich zum eigenständigen Forschen, ein Bauerngarten, mehrere Bienenvölker, eine Trockenmauer, ein Steinbackofen, Summstein und anderes.

Die beiden umweltpädagogischen Standbeine des NZB sind einerseits Fachvorträge, Exkursionen und Ausstellungen für speziell Interessierte, andererseits unmittelbare Naturerfahrung für Kinder und Familien. Denn Menschen frühzeitig an die Natur heranzuführen und zu begeistern, ist eine der Grundideen der Einrichtung.

Als außerschulischer Lernort ist das Naturschutzzentrum Bergstraße seit 2005 Beratungsstelle für die Umweltschulen im Kreis Bergstraße und Odenwald. Seine Veranstaltungen bietet das NZB über ein Jahresprogramm an, das neben festen Terminen auch frei buchbare Angebote für Gruppen enthält. Daneben kann man sich hier auch eigenständig mit der Natur beschäftigen.

Das NZB wurde anlässlich des Hessentags in Heppenheim im Juni 2004 eröffnet und hat die Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH. Das NZB ist auch umweltpädagogische Station des Geo-Naturparks Bergstraße Odenwald.

Gesellschafter sind der Kreis Bergstraße, die Stadt Bensheim und die Marketing- und Entwicklungsgesellschaft Bensheim (MEGB).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Naturschutzzentrum Bergstraße – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Naturschutzgebiet Erlache bei Bensheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Vogelschutzgebiet Hessische Altneckarschlingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • G. Eppler, V. Lindmayer: Neues Naturschutzzentrum an der Bergstraße feiert ersten Geburtstag. In: Jahrbuch Naturschutz in Hessen. Jg. 9, 2005, S. 247–250.
  • G. Eppler, V. Lindmayer: Naturschutzzentrum Bergstraße – Erfahrungen aus sechsjähriger Arbeit einer Umweltbildungs-Einrichtung in Südhessen. In: Jahrbuch Naturschutz in Hessen. Jg. 13, 2010, S. 98–101.
  • Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUELV 2010): NATURA 2000 praktisch in Hessen. Artenschutz in Vogelschutzgebieten. 416 S.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hessisches Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz (HMULV 2008): Verordnung über die NATURA 2000-Gebiete in Hessen vom 16. Januar 2008. http://natura2000-verordnung.hessen.de/verordnungstext.htm
  2. Planungsgruppe für Natur und Landschaft (2006): Grunddatenerhebung für das EU-Vogelschutzgebiet „Hessische Altneckarschlingen“ (6217-403). Unveröff. Gutachten im Auftrag des RP Darmstadt.
  3. a b Höhere Naturschutzbehörde: Verordnung über das Naturschutzgebiet „Erlache bei Bensheim“ vom 25. Dezember 2000. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 2000 Nr. 52, S. 5379, Punkt 1081 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 11,9 MB]).
  4. Claus Kropp: „Wasserbüffel an der Erlache.“ Webseite des Förderkreises Große Pflanzenfresser im Kreis Bergstraße e.V., Presse-News, 21. Oktober 2017. Abgerufen am 19. Februar 2018.
  5. Hans-Jürgen Brunnengräber: „Die Skepsis ist verflogen.“ Lampertheimer Zeitung, 24. Januar 2018. Abgerufen am 19. Februar 2018.