Hessische Erstaufnahmeeinrichtung

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Die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge, abgekürzt HEAE, befindet sich in Gießen südwestlich des Bahnhofs. Vormals war die Bezeichnung (Not-)Aufnahmelager Gießen geläufig. Zuständig ist die Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber, deren vorläufige Unterbringung, Versorgung und Zuweisung an hessische Städte und Gemeinden. Sie ist dem Regierungspräsidium Gießen zugeordnet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baumaßnahmen im Durchgangslager Gießen (1950), Bundesarchiv, Prof. Arntz
Lageplan des Notaufnahmelagers (1977)

Infolge des Zweiten Weltkrieges wurde das „Regierungsdurchgangslager“ im Jahre 1946 als Flüchtlingslager für sogenannte Displaced Persons gegründet, später hieß es „Zonenlager“. Das Notaufnahmegesetz machte das Gießener „Notaufnahmelager“ ab dem 1. September 1950 – neben den Aufnahmelagern Marienfelde und Uelzen-Bohldamm – zur zentralen Anlaufstelle für alle Flüchtlinge aus der Deutschen Demokratischen Republik, die insbesondere nach dem gescheiterten Aufstand am 17. Juni 1953 in großen Zahlen kamen. Nach dem Mauerbau 1961 und der Schließung der beiden anderen Notaufnahmelager blieb Gießen als das kleinste der drei bestehen.[1]

Bis zur deutschen Wiedervereinigung wurde die Einrichtung von 900.000 Flüchtlingen und Übersiedlern aus der DDR in Anspruch genommen. Im Juni 1990 schloss das Bundesnotaufnahmelager in Gießen.

1993 erfolgte die Umbenennung in „Hessische Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Gießen“, wodurch sich die Aufgabenstellung für die neu errichtete Dienststelle änderte. Seitdem nimmt die Erstaufnahmeeinrichtung neben Spätaussiedlern auch alle Personen auf, die einen Asylantrag stellen wollen. Bereits einige Monate zuvor wurde auf dem Gelände eine Außenstelle des Bundesamtes für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge (BAFl), heute Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) eröffnet, bei dem die Asylverfahren der hier aufgenommenen Personen durchgeführt werden. Die Dauer der Unterbringung in der HEAE soll so kurz wie möglich ausfallen. In der Regel sind die Betroffenen nicht länger als vier bis sechs Wochen in der Erstaufnahme untergebracht, bevor sie durch das Regierungspräsidium Darmstadt in die Landkreise weitergeleitet werden. Dort warten sie den Ausgang des Asylverfahrens ab. Die Entscheidung über den Asylantrag trifft das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).[2]

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Die Einrichtung im Meisenbornweg bietet 500 feste Unterkunftsplätze.[2] Im Mai 2012 befanden sich 434 Menschen im Erstaufnahmelager, die seitdem steigende Zahl von Flüchtlingen erforderte die Einrichtung von weiteren festen und temporären Außenstellen: Im Mai 2015 waren es in allen Teilen der Einrichtung 5499 Flüchtlinge, im Juli 2015 mehr als 7900, im August 2015 über 10.000[3], Anfang September 2015 über 12.000[4], Mitte September knapp 16.000[5], Ende September knapp 19.000 (davon 5.500 in Gießen)[6]. In Summe gab es 2014 knapp 31.000 neue Flüchtlinge in Hessen, diese Zahl wurde Ende Juni 2015 bereits erreicht.[7][8] Folgende Einrichtungen gehören derzeit zur HEAE:[6]

Erstaufnahmeeinrichtungen:

Außenstellen mit festen Unterkünften:

Notunterkünfte:

Die Außenstellen wurden teils in ehemals genutzten Gebäuden wie Kasernen, teils in leer geräumten Hallen sowie eigens errichteten Zeltstädten eingerichtet. Bis zum Jahresende sollen weitere feste Unterkünfte, unter anderem in Niederzwehren dazu kommen.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Durchgangslager Gießen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. kw: DDR-Bürger nicht immer willkommen. In: Gießener Allgemeine Zeitung, 1. September 2015
  2. a b c Hess. Erstaufnahmeeinrichtung. In: rp-giessen.hessen.de. Regierungspräsidium Giessen, abgerufen am 28. Juli 2015.
  3. dpa: Erstmals über 10.000 Flüchtlinge im Erstaufnahmelager in Gießen. In: http://www.giessener-anzeiger.de/. 17. August 2015, abgerufen am 22. August 2015.
  4. Vaupel fordert kleinere Wohneinheiten für Camp. In: Oberhessische Presse, 28. August 2015
  5. Fünf weitere Außenstellen. In: Gießener Anzeiger, 16. September 2015
  6. a b Christian Stang: Eine enorme Kraftanstrengung. In: Gießener Anzeiger, 25. September 2015
  7. Martin Lugauer: Hessen schiebt schneller ab. RP Gießen setzt Vorgaben aus Wiesbaden um. In: mittelhessen.de. 25. Juni 2015, abgerufen am 28. Juli 2015.
  8. dpa/lhe: Hessen stellt weitere Zelte für Asylsuchende auf. In: mittelhessen.de. 21. Juli 2015, abgerufen am 28. Juli 2015.
  9. Wirbel um Flüchtlinge in THW-Halle. In: Gießener Allgemeine, 16. September 2015
  10. Neue Unterkunft. In: Frankfurter Rundschau, 5. August 2015, Seite F15

Koordinaten: 50° 34′ 43,1″ N, 8° 39′ 31,1″ O