Hessische Staatsweingüter Kloster Eberbach

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Hessische Staatsweingüter GmbH Kloster Eberbach
Rechtsform GmbH
Gründung 2003
Sitz Eltville am Rhein, Deutschland

Leitung

  • Dieter Greiner (Geschäftsführer)
  • Staatsminister Dr. Thomas Schäfer (Aufsichtsratsvorsitzender)
Mitarbeiter 74 (2011)[1]
Umsatz 9,8 Mio. EUR (2011)[1]
Branche Nahrungsmittelindustrie
Website www.weingut-kloster-eberbach.de
Domäne auf dem Steinberg:
Blick vom Ausschank Schwarzen Häuschen zum Tor
Weinkeller mit Weinfässern

Die Hessischen Staatsweingüter Kloster Eberbach sind ein Weingut, das sich über Anbauflächen im Rheingau und der Hessischen Bergstraße erstreckt. Mit 200 Hektar Anbaufläche ist es das größte Weingut Deutschlands. Es gehört dem Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter an. Eigentümer ist das Land Hessen, der Hauptsitz ist Eltville am Rhein.

Anbaugebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das rund 200 Hektar große Anbaugebiet erstreckt sich über sechs Domänen:

Im Rheingau:

An der hessischen Bergstraße:

  • Bensheim (Lagen: Heppenheimer Centgericht, Heppenheimer Steinkopf, Bensheimer Streichling, Bensheimer Kalkgasse, Schönberger Herrenwingert und kleine Hänge, insgesamt 32,6 ha).

Weine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Staatsweingütern wird hauptsächlich Riesling angebaut, die Domäne Assmannshausen ist für ihren in Steilhängen produzierten Spätburgunder bekannt. Lediglich kleinere Anbauflächen werden mit Reben für Weißburgunder, Grauburgunder und Chardonnay bepflanzt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Ursprung der Staatsweingüter bildet das Kloster Eberbach, das 1136 von Bernhard von Clairvaux als Niederlassung der Zisterzienser gegründet wurde. Die aus Frankreich entsandten Mönche begannen alsbald mit dem Weinbau in der Nähe ihres Klosters, ursprünglich um Messwein herzustellen. Der in den Lagen der Mönche gekelterte Wein erwies sich jedoch recht bald als gefragtes Handelsgut. Die Eberbacher Weinwirtschaft expandierte und betrieb zur Blütezeit 205 Außenstellen von Köln bis Worms. Die dem Kloster gehörende Anbaufläche wurde dabei stetig vergrößert.

1803 wurde das Kloster durch den Reichsdeputationshauptschluss säkularisiert, wodurch zwar die klösterliche, nicht aber die Weinbautradition unterging. Der Grundbesitz des Klosters fiel dem Fürstentum Nassau-Usingen und danach dem Herzogtum Nassau zu, wem die Erträge zufielen, ob dem Herzog oder dem Staat, war bis zum Ende umstritten. Schließlich ließ der Herzog bei seiner Flucht vor den Preußen 1866 den Inhalt der Keller mitgehen, umgerechnet etwa 150.000 Liter Rheingauer Wein.

Die Domänengüter wurden sodann Eigentum Preußens. Die Domänenverwaltung machte aus der Königlich-Preußischen Staatsdomäne Wiesbaden Kloster Eberbach einen Musterbetrieb und kaufte weitere Lagen hinzu, vor allem in der Domäne Rauenthal. Der Aufstieg begann mit der Bestellung des gebürtigen Ungarn Andreas Czéh, der die Leitung der Domäne 1880 von dem noch in nassauischer Zeit berufenen Weinbau- und Keller-Inspector Theodor Victor übernahm und bis 1918 zunächst als Inspektor, dann als Königl.-Preußischer Domanial-Weinbaudirektor amtierte. Auf seine Initiative gehen die Kellerei- und Verwaltungsgebäude in Eltville und Rüdesheim zurück. Um 1900 erzielten die Spitzenweine der Eberbacher Domäne internationale Spitzpreise. Bei öffentlichen Versteigerungen von Fasswein konnten seinerzeit für ein Stück Eberbacher Wein ohne weiteres 20.000 bis 30.000 Mark erlöst werden. [2][3]

1945 ging das Weingut in den Besitz des Landes Hessen über. 1951 wurde die Sektproduktion aufgenommen, um eine Überproduktion von Wein zu verwerten. Damit war das Land Hessen neben der Sowjetunion der einzige sektproduzierende Staat der Welt.[4] 1966 nahm der gebürtige Siebenbürger Sachse Hans Ambrosi die Berufung zum Weinbaudirektor der Hessischen Staatsweingüter an, die er bis 1990 leitete. Mit einem erfolgreichen Vermarktungskonzept erwirtschaftete er für die Staatsweingüter beachtliche Gewinne. Geschickt verband er Weinkultur mit künstlerischen Aktivitäten und öffnete das Kloster Eberbach in großem Stil für entsprechende Veranstaltungen. Er setzte sich sehr für die inzwischen weitgehend abgeschlossene Sanierung des Klosters ein. Das Rheingau Musik Festival fand hier durch seine Förderung, besonders in der eine besondere Akustik bietenden Basilika, eine wichtige Spielstätte. Durch seinen Anstoß hat sich das Kloster zu einem Wein-, Musik- und Kulturzentrum von europäischem Rang entwickelt, das auch zur Bühne für Staatsbesuche und internationale Konferenzen wurde.[5]

Umsatzerlöse nach Geschäftsfeldern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschäftsfeld 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
Flaschenwein und Perlwein 5.890 6.150 6.266 6.778 7.450 8.164 8.764
Sekt 524 530 606 677 702 820 944
Fasswein, Most und Trauben 97 47 49 59 53 62 35
Veranstaltungen und Führungen 61 62 58 93 123 126 129
Sonstige Umsätze, abzügl. Erlösminderungen −21 −26 −37 −79 −126 −196 −113

Umstrukturierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Steinbergkeller des Architekten Reinhard Moster aus Neustadt an der Weinstraße

Im Bereich des Betriebshofes der Domäne Steinberg, an der Straße zwischen Hattenheim und Kloster Eberbach gelegen, entstand im Jahr 2008 ein weitestgehend unterirdischer Weinkeller als zentrale Kellerei der Staatsweingüter. Damit ist die Betriebszentrale der Staatsweingüter von der Kernstadt Eltville an den Steinberg verlegt worden und die Domänengebäude außer an den Standorten Assmannshausen, Rauenthal und Bergstraße waren entbehrlich und wurden veräußert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hildemarie Grünewald (Red.): Staatsweingüter Kloster Eberbach Zeitzeugen und Dokumente 1945 bis 2000. Rheingau-Echo-Verlag, Geisenheim 2002, ISBN 3-9808438-1-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hessische Staatsweingüter Kloster Eberbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jahresabschluss zum 31. Dezember 2011
  2. Mit einem Ungarn an die Weltspitze, Wiesbadener Tagblatt vom 23. November 2010; Kloster Eberbach: Zum Dank bekam Domänenchef Andreas Czéh ein stattliches Gehalt und die deutsche Staatsbürgerschaft
  3. Gesellschaft für Geschichte des Weines: Czeh, Andreas (1843–1925)
  4. Schon aus Prestigegründen. In: Der Spiegel 17/1951 vom 25. April 1951
  5. Dr. Hans Ambrosi, Siebenbürgische Zeitung vom 25. März 2005; Dr. Hans Ambrosi, der kürzlich seinen 80. Geburtstag beging, kann auf ein außergewöhnliches Leben zurückblicken, als Weinfachmann, Autor, Förderer von Kunst und Kultur sowie Träger des Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreises