Hessit

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Hessit
Hessite-Gold-34551.jpg
Hessit mit kleinen Goldflecken (Größe: 2,1 × 1,6 × 1,3 cm)
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen
  • Tellursilber[1]
  • Tellursilberglanz
  • Botesit
  • Savodinskit
  • Hölzel-Nr. 2.BA.600[2]
Chemische Formel α-Ag2Te[3]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
2.BA.30c (8. Auflage: II/B.05)
02.04.02.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m
Raumgruppe P21/c (Nr. 14)Vorlage:Raumgruppe/14[3]
Gitterparameter a = 8,16 Å; b = 4,47 Å; c = 8,98 Å
β = 124,2°[3]
Formeleinheiten Z = 4[3]
Häufige Kristallflächen {100}, {110}, {111}[4]
Zwillingsbildung Zwillings-Lamellen sichtbar in glänzenden Sektionen[5]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2 bis 3[5][4]
Dichte (g/cm3) gemessen: 8,24 bis 8,45; berechnet: 8,395[5]
Spaltbarkeit undeutlich nach {100}[5]
Bruch; Tenazität eben, glatt; mit dem Messer schneidbar
Farbe bleigrau bis stahlgrau, schwarz anlaufend
Strichfarbe hellgrau
Transparenz undurchsichtig
Glanz Metallglanz

Hessit, auch als Tellursilber bekannt, ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung α-Ag2Te[3] und ist damit chemisch gesehen Silbertellurid.

Hessit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und bildet bis zu 1,7 Zentimeter große, pseudokubische, irregulär gewachsene Kristalle, kommt aber auch in Form kompakter Massen oder feiner Körner vor. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak). Die Kristalle sind von blei- bis stahlgrauer Farbe und weisen auf den Oberflächen einen metallischen Glanz auf. Mit der Zeit können die Oberflächen schwarz anlaufen.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Mineral wurde erstmals 1830 von Gustav Rose beschrieben. Dieser untersuchte ein Erz, das aus der Sawodinski-Mine in der Region Altai (Sibirien) stammte und im Museum in Barnaul ausgestellt wurde. Dort war es für Argentit gehalten worden. Durch Untersuchungen mit dem Lötrohr und weitere Tests erkannte Rose jedoch schnell, dass es sich um ein Silber-Tellur-Mineral handeln müsse, und bezeichnete es entsprechend als Tellursilber.[1]

Seinen bis heute gültigen Namen Hessit erhielt das Mineral 1843 durch Julius Fröbel, der es nach dem schweizerisch-russischen Chemiker und Mineralogen Germain Henri Hess (1802–1850) benannte.[2]

Typmaterial des Minerals befindet sich unter anderem in der Mineraliensammlung des Museums für Naturkunde in Berlin (Register-Nr. 1999-7528 und 1999-0072).[2]

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Hessit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung der „Sulfide, Selenide und Telluride mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : S,Se,Te > 1:1“, wo er zusammen mit Aguilarit, Akanthit, Benleonardit, Chenguodait, Cervelleit, Empressit, Naumannit, Stützit und Tsnigriit die „Argentit-Naumannit-Gruppe“ mit der System-Nr. II/B.05 bildete.

Die seit 2001 gültige und bis 2009 von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Hessit ebenfalls in die Abteilung der „B Metallsulfide, M : S > 1 : 1 (hauptsächlich 2 : 1)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „mit Kupfer (Cu), Silber (Ag) und/oder Gold (Au)“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 2.BA.30c bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Hessit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfidminerale“ ein. Hier ist er zusammen mit Cervelleit in der unbenannten Gruppe 02.04.02 innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=2:1“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hessit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem in der Raumgruppe P21/c (Raumgruppen-Nr. 14)Vorlage:Raumgruppe/14 mit den Gitterparametern a = 8,164 Å, b = 4,468 Å, c = 8,977 Å und β = 124,16° sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einer Temperatur von 155 °C geht Hessit in eine kubische Form über.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hessit bildet sich unter hydrothermalen Bedingungen bei niedrigen oder mittleren Temperaturen, sowie in geringen Mengen in Pyrit-Lagerstätten. Als Begleitminerale treten unter anderem Altait, Calaverit, Chalkopyrit, Empressit, Galenit, gediegen Gold, Petzit, Pyrit, Rickardit, Sylvanit, Tellur und Tetraedrit auf.

Als häufige Mineralbildung ist Hessit an vielen Fundorten anzutreffen, wobei bisher rund 760 Fundorte (Stand 2017)[6] als bekannt gelten. Neben der Typlokalität zählen unter anderem Sacarimb und Zlatna in Rumänien, Kalgoorlie in Australien, Fidschi, Coquimbo in Chile, Kanada sowie die US-Bundesstaaten Colorado, Kalifornien und Arizona dazu.[7]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Grund des hohen Silberanteils von 63,3 % ist Hessit ein Silbererz.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Julius Fröbel: 4. Zunft: Monotrimetrische Pyritoïden. 1. Familie: Pyrrhotinen. Hessit. In: Grundzüge eines Systemes der Krystallologie oder der Naturgeschichte der Unorganischen Individuen. Druck und Verlag des Literarischen Comptoirs, Zürich und Winterthur 1843, S. 48–50 (rruff.info [PDF; 318 kB; abgerufen am 25. Juli 2017]).
  • Alfred J. Frueh, jr.: The structure of hessite, Ag2Te-III. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band 112, 1959, S. 44–52 (rruff.info [PDF; 2,9 MB; abgerufen am 25. Juli 2017]).
  • Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 303.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hessite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Gustav Rose: Über zwei Tellurerze von Altai. In: Poggendorffs Annalen der Physik und Chemie. 1830, 18, S. 64–71 (Volltext auf Gallica).
  2. a b c Uni Hamburg: Typmaterialbeschreibung Hessit
  3. a b c d Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 66.
  4. a b Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 132.
  5. a b c d Hessite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 64 kB; abgerufen am 25. Juli 2017]).
  6. Mindat – Anzahl der Fundorte für Hessit (englisch)
  7. Fundortliste für Hessit beim Mineralienatlas und bei Mindat