Hetzjagd

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Als Hetzjagd oder in der Jägersprache Hetze[1] wird eine Jagdart von Beutegreifern und Menschen bezeichnet. Eine gegensätzliche Jagdtechnik ist die Lauerjagd.

Die potenzielle Beute wird so lange verfolgt bis sie entweder völlig erschöpft ist, nicht mehr zu fliehen vermag und daher gestellt ist, oder sie gefangen ist, d. h. durch das Einholen, Festhalten und zu Boden bringen durch den oder die Jäger. Welche der Varianten eintritt, ist von mehreren Faktoren abhängig; hierzu gehören die Tageszeit (und damit die Umgebungstemperatur), die Ausdauer der Beute, die Erfahrung der Jäger sowie deren Jagdstrategie.

Formen der Hetzjagd[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Groben gibt es zwei verschiedene Formen der Hetzjagd; die einer klassischen Ausdauerjagd und die einer kurzen Verfolgungsjagd, wobei letztere auf ein Anschleichen an die Beute folgt. Hetzjagd in Form einer klassischen Ausdauerjagd betreiben v. a. die größeren Caniden Wolf, Afrikanischer Wildhund und Rothund. Zwar können dabei hohe Geschwindigkeiten erreicht werden, meist jedoch wird die Beute erst nach längerer Verfolgung zur Strecke gebracht. Ein extremes Beispiel stellt dabei der Afrikanische Wildhund dar. Er jagt insbesondere kleinere Antilopen und Gazellen, wobei die Beute nicht selten so lange verfolgt wird, bis sie vollkommen erschöpft ist. Die andere Variante, die meist in einer kürzeren Verfolgungsjagd mündet, wird hingegen v. a. von Geparden und Löwen durchgeführt. Da diese weder Ansitzjäger sind, wie die anderen Großkatzen, noch über die Ausdauer von Hunden verfügen, setzen sie dabei auf sehr hohe Geschwindigkeiten (Gepard) oder die Jagd im Rudel (Löwe), um zum Erfolg zu kommen. Da weder Löwen noch Geparde ihre Höchstgeschwindigkeit über längere Strecken durchhalten können, ist es für ihren Jagderfolg essentiell wichtig, die Beute rasch zu erreichen und zu Boden zu bringen. Um dies zu ermöglichen, kombinieren diese Arten die Hetzjagd meist mit einer Anpirschphase, um der Beute möglichst nah zu kommen. Caniden hingegen zeigen dieses Verhalten bei der Jagd auf größere Beutetiere viel seltener, stattdessen eröffnen sie die Jagd nicht selten gut sichtbar durch einen plötzlichen Wechsel in eine höhere Geschwindigkeit.

Hetzjagd bei Tieren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hetzjagd wird entweder von Einzeljägern oder von und in Gruppen bzw. Rudeln betrieben. Oft sind Beutetiere auf kurze Distanz schneller, die jagenden Beutegreifer aber ausdauernder, zumindest dann, wenn die Jagd von Caniden oder Hyänen durchgeführt wird. Bei Großkatzen hingegen verhält es sich genau andersherum; die Jäger setzen auf den Überraschungseffekt und ihre starke Beschleunigung, müssen die Jagd aber meist schon nach einer relativ kurzen Strecke aufgeben, da die Beute ausdauernder und auf lange Distanzen auch schneller ist. Dabei wechseln sich die führenden Verfolger ständig ab, so dass einzelne Individuen zeitweise bestimmte Strecken besonders rasch bewältigen. Dies wird von Verhaltensforschern so gedeutet, dass damit die Hetze unter dem geringstmöglichen Energieverbrauch durchgehalten werden kann. Eine Hetze muss nicht immer zum Erfolg führen. Besonders Geparde brechen eine Hetze oft ab, da sie als Kurzjager schnell erschöpft sind.

Tendenziell haben Hetzjäger eine höhere Erfolgsquote bei der Jagd als Lauer- und Pirschjäger. Afrikanische Wildhunde sind beispielsweise ausgeprägte Hetzjäger und gelten als die erfolgreichsten Raubtiere überhaupt. Der Gepard gilt als erfolgreichste einzelgängerische, hetzende Raubkatze.[2]

Tierarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hetzjagd kommt als Ausdauerjagd bei im Rudel jagenden hundeartigen und katzenartigen Raubtieren vor.

Hetzjagd betreiben beispielsweise

Der Gepard ist ein einzeljagender Hetzjäger.

Zum Jagdverhalten von Barrakudas und einigen anderen Raubfischen sowie Zahnwalen wird diskutiert, ob auch deren Jagdverhalten als Hetzjagd zu gelten hat.

Hetzjagd des Menschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hetzjagd des Menschen zu Fuß als Ausdauerjagd auf Tiere ist sehr alt. Noch heute wird diese Form der Hetzjagd von verschiedenen urtümlich lebenden Völkern betrieben. So hetzen zum Beispiel die Jäger der San im südlichen Afrika auch heute noch ihre Beute zu Tode. Dabei wählen die Jäger ein bestimmtes Tier zu Sonnenaufgang aus und beobachten es aus der Entfernung über mehrere Stunden. Bewegt es sich in der Hitze des Vormittags auf ein Wasserloch zu, beginnt die Jagd. Die Wildtiere sind sehr viel schneller als die Jäger, ihre ausgewählte Beute entkommt ihnen daher mit Leichtigkeit. Doch die Jäger folgen der Spur und nähern sich nach kurzer Zeit wieder, noch bevor das Tier trinken kann. Diese Jagd dauert mehrere Stunden, in denen die Jäger in ständiger Bewegung bleiben, sich in die Beute hineinversetzen und versuchen, ihre Fluchtroute zu erahnen, um dem Tier den Weg abzuschneiden. Die Beute kann durch ihre Schnelligkeit den Abstand zum Jäger immer wieder vergrößern, kann ihren Verfolger jedoch nicht abschütteln – und nicht trinken. Sie flüchtet daher nicht in gerader Linie in die Ferne, sondern tendiert immer stärker dazu, in der Nähe des Wasserlochs zu bleiben, und hält so die Fläche überschaubar, die von den Jägern abgedeckt und durchschritten werden muss. Diese tragen einen Wasservorrat mit sich und trinken unterwegs. Durch die Haut schwitzen sie und kühlen ihren Körper, während ihre Beute sich durch die ständige Bewegung in der Hitze des Tages nicht abkühlen kann. Oft bleibt das Tier vollkommen entkräftet am Nachmittag einfach stehen, ist nicht mehr in der Lage zu einer weiteren Flucht und wird dann von den Jägern getötet. Hält die Beute die Hetzjagd bis zum Sonnenuntergang durch, kann sie entkommen. Deshalb versuchen die Jäger alles, um sie vorher zu Tode zu hetzen.[3]

Kombinierte Hetzjagd durch Menschen und Caniden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwas späteren Datums ist die gemeinsame Hetzjagd von Menschen mit Hunden. Ab etwa 32.000 Jahren vor heute (unkalibriert)[4] wird von Pat Shipman und anderen Forschern eine Kollaboration des Cro-Magnon-Menschen mit halbdomestizierten „Wolf-Dogs“ („Wolf-Hunden“) angenommen. Bei diesen „Wolf-Hunden“ muss es sich nicht um die direkten Vorfahren des heutigen Haushundes gehandelt haben, so Shipman. Die Haplogruppen der mitochondrialen DNA vergleichbarer Caniden-Funde wiesen jedenfalls keine Übereinstimmung mit denen moderner Hunde oder Wölfe auf.[5] Diese Annahme stützt sich auf Fundstätten in Mittel- und Osteuropa sowie in Asien mit vielen Mammut-Relikten (Mammoth Megasites), an denen sich häufig auch Relikte großer Caniden fanden. Statistische Auswertungen scheinen zu ergeben, dass die Anzahl der durch den Menschen erlegten Mammuts im Laufe der Zeit stark anstieg. Auf diese Auswertungen wird die These gestützt, dass die Partnerschaft von Mensch und Wolf-Hund zum Aussterben der Mammuts durch Hetzjagden auf dieselben geführt haben könnte.

Darüber hinaus könnte der „Wolf-Hund“ als Jagdgefährte – neben der besseren Projektiltechnik seiner Jagdwaffen – zudem ein entscheidender „Wettbewerbsvorteil“ des anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens) gegenüber dem Neandertaler gewesen sein.[4]

Historische Formen der Hetzjagd[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unvollständiger Überblick:

Im Mittelalter wurden Hatzen als Formen der Hetzjagd vor allem vom Adel betrieben. Die Legende vom Heiligen Hubertus berichtet, wie er während einer Jagd zu Pferd mit Hunden von einem Hirsch mit einem Kreuz zwischen dem Geweih bekehrt wurde.

Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die von den herkömmlichen Hatzen zu unterscheidende, in England und Frankreich ausgeformte Parforcejagd auch an deutschen Fürstenhöfen populär.

Eine Variante der Hatz ist die mit Windhunden betriebene Hasenhetze. Neben der Hasenhetze wurden Hetzjagden auf Sicht mit Windhunden historisch auch als Methode zur Jagd auf größere Tiere durchgeführt – so beispielsweise auf Hirsche (Deerhound, Staghound) und Wölfe (Barsoi, Irischer Wolfshund).

Hetzjagd heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Windhunde werden heute im amerikanischen Westen noch zur Jagd auf Kojoten eingesetzt.[10]

Die Hetzjagd ist in Deutschland nach § 19 Abs. 1 Nr. 13 BJagdG verboten. Hackbarth/Lückert bieten als (rechtliche) Definition für Hetzjagd im Sinne des BJagdG an: eine Jagdausübung in der Form, dass das gejagte Tier von dem hetzenden Tier festgehalten wird, bevor es durch den Jäger getötet wird.[11] Das Wildbret von stark gehetztem Wild gilt rechtlich als genussuntauglich.[12]

Gemäß § 3 S. 1 Nr. 8 Tierschutzgesetz ist es verboten, ein Tier auf ein anderes Tier zu hetzen, soweit dies nicht die Grundsätze waidgerechter Jagdausübung erfordern. Die Nachsuche nach angeschossenem oder angefahrenem Wild mit einem Schweißhund oder einem anderen Jagdhund kann im ungünstigen Falle in eine Hetze übergehen. Die Nachsuche dient dazu, dem angeschossenen oder angefahrenen Wild unnötiges Leiden zu ersparen, unterfällt gemäß dem § 1 Abs. 4 BJagdG den Grundsätzen waidgerechter Jagdausübung und stellt damit de jure kein Hetzen i. S. d. § 3 S. 1 Nr. 8 TierSchGesetz dar. Die Brackierjagd, die im weitesten Sinne als eine Art Hetzjagd angesehen werden kann, ist gemäß § 19 Abs. 1 Nr. 16 BJagdG auf einer Fläche von weniger als 1000 Hektar verboten aber darüber hinaus grundsätzlich weidgerecht. Ebenfalls weidgerecht ist die Drückjagd, bei der es aber im Gegensatz zur Hetzjagd darum geht, das Wild nur in eine Bewegung zu versetzen, die möglichst langsam sein soll, damit die Schützen es gut erkennen (ansprechen) und sicher erlegen können.

Übertragene Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im übertragenen Sinne wird auch von einer Hetze oder Hetzjagd für „das Verfolgen, Jagen eines Menschen“[13] gesprochen, wenn Menschen zum Beispiel durch einen Mob oder anderen Zusammenrottungen meist mit dem Ziel oder der Androhung einer körperlichen Schädigung gejagt, durch Presseorgane (Hetzkampagne) oder auch im Internet (Cyber-Mobbing) wiederholt diffamiert und mit vollem Namen, Foto und womöglich Adresse genannt werden. Bisweilen wird der Begriff auch noch abstrakter insbesondere von Medien gebraucht. Die Ereignisse, die zum Rücktritt von Christian Wulff als Bundespräsident führten, bezeichnete der Journalist Heribert Prantl als "einmalige Hetzjagd".[14] Im Gegensatz etwa zu Verhetzung oder Volksverhetzung ist Hetzjagd jedoch kein juristisch definierter Begriff. Insbesondere nach den Ausschreitungen in Chemnitz 2018 entwickelte sich eine politische und mediale Debatte, ob „Hetzjagden“ stattgefunden hätten und über die Begrifflichkeit als solche.[15]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Hetzjagd – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hetze, in Duden.de; abgerufen am 8. August 2018
  2. Die Top Zehn: Die Top Zehn Raubkatzen. In: Die Top Zehn. uXl Themes, abgerufen am 1. Januar 2019.
  3. Das Wissen der San (Memento vom 21. Juni 2010 im Internet Archive)
  4. a b Pat Shipman: How do you kill 86 mammoths? Taphonomic investigations of mammoth megasites. In: Quaternary International. Band 359–360, 2015, S. 38–46, doi:10.1016/j.quaint.2014.04.048
  5. dazu: Olaf Thalmann et al.: Complete mitochondrial genomes of ancient canids suggest a European origin of domestic dogs. In: Science. Band 342, Nr. 6160, 2013, S. 871–874, doi:10.1126/science.1243650
    Der Hund ist ein Europäer. Auf: idw-online.de vom 14. November 2013
  6. „Hatz ist eine Jagd, wobei das Wild durch Hunde eingeholt und gepackt wird.“ Stephan Behlen in: Real- und Verbal-Lexicon der Forst- und Jagdkunde mit ihren Hülfswissenschaften: T - Z, Band 6, Sauerländer, 1843, S. 208 (Digitalisat bei Google Books)
  7. „Hasenhetze, das Fangen der Hasen durch große Windhunde, wobei einige Jäger den Hunden zu Pferde folgen.“ J. O. H. Günther in: Vollständiges Taschen-Wörterbuch der Jägersprache für Jäger und Jagdfreunde. F. Mauke, 1840, S. 99 (Digitalisat bei Google Books)
  8. „Parforcejagd, oder französische Jagd, ist die grausame Jagdart, wo Thiere aufgejagt und durch reitende Jäger und Hunde so lange verfolgt werden, bis sie aus Ermattung unterliegen.“ Stephan Behlen in: Real- und Verbal-Lexicon der Forst- und Jagdkunde mit ihren Hülfswissenschaften: T - Z, Band 6, Sauerländer, 1843, S. 208 (Digitalisat bei Google Books)
  9. „Brackieren, auch Brackierjagd,[..] genannt, [ist] die ursprüngliche laute Jagd der Bracken auf Hase und Fuchs. Die Bracke arbeitet die Spur des Hasens oder des Fuchses und treibt ihn dabei wieder zurück in seinen eigentlichen Einstand wo der Jäger auf ihn abpaßt.“ deutsches-jagd-lexikon.de, Eintrag: Brackieren - abgerufen am 6. Juni 2014
  10. Eric Eliason: Great Plains Coyote Coursing: Biofacts and a new Folkloristic Understanding of Animals. In: Wild games: hunting and fishing traditions in North America, University of Tennessee Press, 2009, ISBN 1-57233-670-6, S. 25–45
  11. Hansjoachim Hackbarth, Annekatrin Lückert: Tierschutzrecht: praxisorientierter Leitfaden. Hüthig Jehle Rehm, München 2002, ISBN 3-7825-0436-4, S. 62 (online).
  12. Haseder S. 333
  13. Hetzjagd in duden.de; abgerufen 6. März 2015
  14. Heribert Prantl: Genugtuung für einen Gedemütigten. In: Süddeutsche Zeitung. 12. Juli 2014, abgerufen am 25. Februar 2019.
  15. Wie über den Begriff Hetzjagd gestritten wird; Spiegel Online vom 7. September 2018; Zitat: „Gerichte und Strafverfolgungsbehörden hatten in der Vergangenheit wiederholt mit Fällen zu tun, in denen eine Gruppe von Angreifern Menschen durch die Straßen jagte. Allerdings gibt es einen Straftatbestand ‚Hetzjagd‘ nicht. […] Der Begriff Hetzjagd sei juristisch nicht definiert“, sagte Oberstaatsanwalt Klein dem SPIEGEL: „Ich verstehe unter einer Hetzjagd etwa mehrere Personen, die einen Menschen durch die Stadt jagen, um diesen zu verprügeln oder körperlich massiv anzugehen.“
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