Hexenbürgermeisterhaus

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Hexenbürgermeisterhaus
Lemgo Hexenbuergermeisterhaus01.jpg
Hexenbürgermeisterhaus
Daten
Ort Lemgo
Art Heimatgeschichte
Eröffnung 1926
Website http://www.hexenbuergermeisterhaus.de/
ISIL DE-MUS-138714

Das Hexenbürgermeisterhaus in Lemgo ist ein ehemaliges Bürgerhaus, das heute als Museum genutzt wird. Einen zweiten Schwerpunkt neben der Stadtgeschichte bilden die Ergebnisse der Bauforschung der letzten umfangreichen Sanierung, die die wechselvolle Geschichte des Gebäudes aufzeigen. Der Bau wird dem Lemgoer Hermann Wulff zugeschrieben.

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 17. Juni 2007 wurde eine neue Dauerausstellung eröffnet. Die Geschichte des Hauses und die Lemgoer Stadtgeschichte werden dort auf dem aktuellen wissenschaftlichen Stand dargestellt. Gleichzeitig wurde das renovierte Haus Weege eingeweiht, das direkt ans Hexenbürgermeisterhaus grenzt und nun als Foyer des Museums dient. Auch Hof- und Gartenanlage sind nun für Besucher zugänglich.

Folterinstrumente aus dem Nachlass der Lemgoer Scharfrichterfamilie Clauss bzw. Clausen sowie Nachbauten aus dem 19. und 20. Jahrhundert, die ursprünglich den Eindruck eines „Folterkellers“ erwecken sollten, der aber nie in dem Haus untergebracht war, erinnern an die Zeit umfangreicher Hexenverfolgung in Lemgo. Daneben wurden exemplarisch Biographien betroffener Personen aufgearbeitet.

Das Gebäude war im Mai 2004 Denkmal des Monats in Westfalen-Lippe.

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seinen Namen erhielt das Bauwerk vom Bürgermeister und Juristen Hermann Cothmann, der von 1667 bis 1683 als Stadtoberhaupt amtierte, dieses Haus bewohnte und sich bei den Hexenprozessen in Lemgo den Ruf eines Hexenjägers erworben hatte.

Erbaut wurde es jedoch bereits in den Jahren 1568–1571 (Inschriften am Saalkamin und an der Fassade) durch den Kaufmann Hermann Kruwel (resp. Crüwell [1]) und seine Frau Lisbeth Fürstenau. Es handelt sich um ein typisches Kaufmannshaus mit hoher Diele im Vorderhaus, die von Anfang an einen Stubeneinbau auf der rechten Seite besaß und später durch einen weiteren Einbau auf der linken Seite verkleinert wurde.

Im Hinterhaus befindet sich über einem nur wenig eingetieften Keller ein repräsentativer Saal mit Kamin. Ursprünglich schloss sich an das Hauptgebäude ein vermutlich ebenfalls steinernes Rückgebäude mit zwei weiteren Sälen an, von dem sich jedoch nur ein Giebelabdruck und die Reste zweier übereinander liegender Kamine an der Rückwand des Hauptgebäudes erhalten haben.

Bedeutend ist das Haus neben seiner relativ gut erhaltenen inneren Aufteilung vor allem durch die aufwändige Fassade im Stil der Weserrenaissance. Am Unterbau der Fassade gibt es eine breite, reich durchfensterte Zone aus angesetzten und auf die Straße vorgeschobenen Vorbauten, die man „Utlucht“ nennt. Üblich wurden solche Utluchten an Steinbauten der Renaissance und an Fachwerkbauten des 17. und 18. Jahrhunderts. Am rechten Teil der Fassade sitzt dagegen ein Erker, der im Gegensatz zur Utlucht nicht ebenerdig ist und auf Konsolen aufgefangen wird. Die darüber liegende Fassade ist durch Halbsäulen und Gesimse gegliedert.

Das Hexenbürgermeisterhaus ist in der Lemgoer Neustadt unter der Adresse Breite Straße 19 zu finden.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gertrud Angermann: Volksleben im Nordosten Westfalens zu Beginn der Neuzeit. Waxman, Münster/New York 1995, ISBN 3-89325-321-1, S. 269.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fred Kaspar: Das Hexenbürgermeisterhaus in Lemgo als Beispiel bürgerlichen Bauens und Wohnens zwischen dem 16. und 20. Jahrhundert. Westfalen-Verlag, Bielefeld/Dortmund/Münster 1984, ISBN 3-88918-023-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 52° 1′ 30″ N, 8° 53′ 59″ O