Hey Jude

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Hey Jude
The Beatles
Veröffentlichung 26. August 1968
Länge 7:06
Genre(s) Pop-Rock
Autor(en) Lennon/McCartney
Produzent(en) George Martin
Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Singles[1]
Hey Jude (The Beatles)
  DE 1Template:Infobox Chartplatzierungen/Wartung/NR1-Link 01.10.1968 (27 Wo.)
  AT 1Template:Infobox Chartplatzierungen/Wartung/NR1-Link 15.10.1968 (20 Wo.)
  CH 1Template:Infobox Chartplatzierungen/Wartung/NR1-Link 03.09.1968 (17 Wo.)
  UK 1Template:Infobox Chartplatzierungen/Wartung/NR1-Link 10.09.1968 (19 Wo.)
  US 1Template:Infobox Chartplatzierungen/Wartung/NR1-Link 14.09.1968 (19 Wo.)
Hey Jude (Wilson Pickett)
  AT 19 15.03.1969 (4 Wo.)
  CH 3 21.01.1969 (7 Wo.)
  UK 16 14.01.1969 (9 Wo.)
  US 23 21.12.1968 (9 Wo.)
Hey Jude (1976, The Beatles)
  UK 12 27.03.1976 (7 Wo.)
Hey Jude (1988, The Beatles)
  UK 52 10.09.1988 (2 Wo.)

Hey Jude ist ein von Paul McCartney verfasstes Lied der Band The Beatles, das am 26. August 1968 als Single veröffentlicht wurde. Der Song wurde, wie zu Beatles-Zeiten üblich, dem Komponistenduo Lennon/McCartney zugeschrieben, obwohl er fast ausschließlich von Paul McCartney komponiert wurde. Hey Jude gilt mit etwa 7,5 Millionen verkauften Exemplaren als erfolgreichste Single der Band.[2]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hey Jude wurde im Juni 1968 geschrieben, als McCartney mit seinen Aston Martin nach Weybridge fuhr, um Cynthia Lennon und ihren Sohn zu besuchen. Auf der Reise begann er, über ihre sich verändernden Leben nachzudenken und über die vergangenen Zeiten, in denen er mit John Lennon im Weybridge-Haus geschrieben hatte. John Lennon hatte sich kurz zuvor von seiner ersten Frau Cynthia getrennt und der damals fünfjährige Julian sah seinen Vater nur noch selten. McCartney schrieb dann das Lied für Julian.[3] Entsprechend lautete die Titelzeile anfangs, Julians Spitznamen entsprechend, “Hey Jules, don’t make it bad. Take a sad song and make it better”. Erst später änderte McCartney, um diese Offensichtlichkeit zu umgehen, den Text in “Hey Jude…”

McCartney nahm ein Klavier-Demo von „Hey Jude“ auf, als er in sein Haus in der Cavendish Avenue, London, zurückkehrte. Am 26. Juli 1968 spielte er Lennon das Lied zum ersten Mal vor. Die Textzeile “The movement you need is on your shoulder” war von McCartney ursprünglich nur als vorläufige Textfüllung gedacht. Erst auf Ermutigung John Lennons hin blieb die Zeile auch in der veröffentlichten Version erhalten.[4]

John Lennon sagte 1980 dazu: „Hey Jude ist ein verdammt guter Text und ich habe keinen Beitrag dazu geleistet. Er sagte, es sei über Julian, mein Kind, geschrieben worden. Er wusste, dass ich mich von Cyn trennte und Julian verließ. Er fuhr hinüber, um Julian Hallo zu sagen. Er war wie ein Onkel für ihn gewesen. Weißt du, Paul war immer gut mit Kindern. Und so kam er auf ‚Hey Jude‘. Aber ich habe es immer als Lied für mich gehört. Wenn Sie darüber nachdenken … Yoko ist einfach ins Bild gekommen. Er sagt: ‚Hey, Jude – hey, John.‘ Ich weiß, dass ich wie einer dieser Fans klinge, die Dinge hineinlesen, aber man kann es für mich als Song hören.“

McCartney und Julian Lennon redeten erst 1987 gemeinsam über das Lied. Julian Lennon sagte 2002 rückblickend über das damalige Verhältnis zu McCartney: „Wir hatten eine großartige Freundschaft und es scheint viel mehr Bilder von mir und Paul zu geben, die in diesem Alter zusammen spielen, als es Bilder von mir und Papa (John Lennon) gibt.“ 2022 veröffentlichte Julian Lennon in Anspielung auf den Song ein Album unter dem Titel Jude.

Harmonik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Lied verwendet in der Strophe die Akkorde der Durkadenz in der Tonart F. In der Bridge kommt die Subdominantparallele hinzu. Außerdem ist der häufig nicht auf dem Grundton des jeweiligen Dreiklangs liegende Ton des Bassinstruments ein Merkmal des Stücks.

In der rund vierminütigen Coda zum Schluss des Liedes wird zusätzlich die nicht leitereigene erniedrigte siebte Stufe in Dur verwendet.[5]

Aufnahme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handgeschriebene Liedstruktur von Hey Jude
Das ehemalige Trident Studios Gebäude am St. Anne’s Court, Soho (London), in dem Hey Jude aufgenommen wurde, 2018

Hey Jude wurde am 29. und 30. Juli 1968 im Abbey Road Studio 2 aufgenommen. Produzent war George Martin und Ken Scott der Toningenieur. Insgesamt wurden 23 Takes eingespielt und eine vorläufige Abmischung wurde hergestellt.

Am 31. Juli und 1. August wechselten die Beatles in die Londoner Trident Studios, da es dort im Gegensatz zu den Abbey Road Studios ein Achtspur-Aufnahmegerät gab. Hey Jude wurde erneut eingespielt, es wurden vier Takes aufgenommen, von denen der erste für weitere Overdubs verwendet wurde. In den Trident Studios war Barry Sheffield der Toningenieur.

Zur üblichen Bandbesetzung (Paul McCartney: Gesang, Klavier, Bass; John Lennon: akustische Gitarre, Chorgesang; George Harrison: Sologitarre, Chorgesang; Ringo Starr: Schlagzeug, Tamburin, Chorgesang) kam ein 36-köpfiges Orchester mit zehn Geigen, zwei Bratschen, drei Celli, zwei Kontrabässen, zwei Flöten, zwei Klarinetten, Bassklarinette, Fagott, Kontrafagott, vier Trompeten, zwei Hörnern und vier Posaunen. Die gleichen Musiker bildeten auch den Chor, der zum minutenlangen Schlussteil des Liedes die Zeile “Na na na na-na-na-na, na-na-na-na Hey Jude” wiederholt.[6] McCartney erinnerte sich an einen kuriosen Zwischenfall bei der Aufnahme des Stücks. Er hatte bereits mit einem Take begonnen und nicht bemerkt, dass Ringo Starr das Studio kurz für eine Toilettenpause verlassen hatte. Starr kehrte genau rechtzeitig für seinen Einsatz zurück. McCartney meinte: „Sein Timing hätte nicht perfekter sein können!“[7]

Die Abmischungen des Liedes erfolgten am 8. August 1968 in Mono. Die endgültige Stereoabmischung erfolgte erst am 5. Dezember 1969 durch George Martin und Geoff Emerick, hierbei wurde das Schlagzeug dominanter gemischt und das Outro um fünf Sekunden gekürzt.[8] Die erste Stereoabmischung vom 2. August 1968 wurde nie verwendet.

Musikvideo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 4. September 1968 machten die Beatles in den Londoner Twickenham Studios mindestens zwei Musikvideos zur Promotion des Liedes unter der Regie von Michael Lindsay-Hogg. Die Aufnahme zeigt zunächst Paul McCartney am Klavier sowie die übrigen Beatles, die ihn an ihren Instrumenten begleiten, dabei aber nicht wirklich spielen. Paul McCartneys Gesang und die Backing Vocals hingegen sind auch aus musikrechtlichen Gründen „live“. Beim bekannten Schlussrefrain werden sie von einer Gruppe mehrerer hundert zufällig zusammengestellter Fans begleitet.

Der Clip wurde erstmals am 8. September in der Sendung Frost On Sunday gezeigt. David Frost war bei der Aufnahme in Twickenham zugegen. Bevor die Beatles Hey Jude aufführten, spielten sie ein von George Martin komponiertes Instrumentallied mit dem Titel ‘By George! It’s The David Frost Theme’, anschließend kündigte er die Beatles wie folgt an: „Großartig! Eine perfekte Wiedergabe! Meine Damen und Herren, dort sehen Sie das größte Teestubenorchester der Welt. Es ist mir eine Freude, jetzt, in ihrem ersten Live-Auftritt für Gott weiß wie lange vor einem Live-Publikum, die Beatles vorzustellen!“

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hey Jude galt zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung mit seinen über sieben Minuten als bislang längste Single.
  • Obwohl John Lennon das Stück für eines der besten Lieder aus McCartneys Feder hielt, bestand er stattdessen auf der Veröffentlichung seiner eigenen Komposition Revolution als Vorab-Single für das zum Ende des Jahres erscheinende Album The Beatles. Letztlich setzte sich allerdings Hey Jude wegen seiner höheren Kommerzialität durch, und Revolution kam auf die B-Seite der Single. Auf dem Album ist Hey Jude nicht enthalten.
  • Die Single Hey Jude / Revolution ist die erste Veröffentlichung des Beatles-eigenen Labels Apple[6] und wurde auch in einer limitierten Pressemappe mit dem Titel „Our First Four“ in Großbritannien herausgegeben. Die vier ersten Apple-Singles waren:
  • In Australien belegte die Single für 13 Wochen Platz 1 in den Singlecharts und somit länger als jede andere Single bis dahin. Mit Fernando von ABBA (14 Wochen) und Shape of You von Ed Sheeran (15 Wochen) gelang es bis heute lediglich zwei Singles, noch länger an der australischen Chartspitze zu bleiben.
  • Das Musikmagazin Rolling Stone wählte das Lied im Jahr 2004 auf Platz 8 der 500 besten Songs aller Zeiten.
  • Das Lied bildete den am 28. Juli 2012 von Paul McCartney vorgetragenen Abschluss der Eröffnungsfeier für die Olympischen Sommerspiele in London.
  • Zu den Klängen des Lieds nahm Paul McCartney am 26. Mai 2008 den Ehrendoktortitel der Yale University entgegen.[6]
  • Eine Parodie des Liedes ist in einer Folge der Sesamstraße unter dem Titel Hey Food zu hören.[9]
  • Das Lied fand auch Eingang in die Neue Musik. In seinem 1969 entstandenen Requiem für einen jungen Dichter verwendet Bernd Alois Zimmermann in Collagetechnik Ausschnitte aus Hey Jude, die über Band eingespielt werden.[10]
  • Am 30. April 2009 fand am Trafalgar Square in London ein Sing-Along Flashmob im Rahmen eines Werbespots statt. Die versammelten Londoner und Touristen haben mit der Sängerin Pink den Song Hey Jude gesungen.[11]
  • Im Jahr 2014 diente Hey Jude als Hintergrundmusik in einem polnischen EU-Werbespot.

Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Am 26. August 1968 wurde die Single Hey Jude / Revolution in Deutschland und den USA veröffentlicht, in Großbritannien erschien sie am 30. August.
  • Im Februar 1970 wurde Hey Jude erstmals auf einem US-amerikanischen Beatles-Album, Hey Jude, veröffentlicht. Für diese Veröffentlichung wurde eine neue Stereoabmischung hergestellt.
  • In den kommenden Jahren wurde Hey Jude für folgende Kompilationsalben der Beatles verwendet: 1967–1970 (1973), 20 Greatest Hits (1982), Past Masters (1988) und 1 (2000). Die US-Version von 20 Greatest Hits beinhaltet eine auf 5:05 min gekürzte Version von Hey Jude.
  • Am 25. Oktober 1996 erschien das Album Anthology 3, das ebenfalls Hey Jude (Take 2) enthält.
  • Am 6. November 2015 wurde das Album 1 zum zweiten Mal wieder veröffentlicht. Dabei sind bei einigen Liedern, die von Giles Martin und Sam Okell neu abgemischt wurden, deutlich hörbare Unterschiede zu vernehmen, so wurde das Schlagzeug mittig gesetzt.[12][13]
  • Am 9. November 2018 erschien die 50-jährige-Jubiläumsausgabe des Albums The Beatles (Super Deluxe Box), auf dieser befindet sich eine bisher unveröffentlichte Version (Take 1) von Hey Jude.

Auf den Livealben von Paul McCartney Tripping the Live Fantastic (1990), Back in the U.S. (2002), Back in the World (2003), Good Evening New York City (2009) und Amoeba Gig (2019) befinden sich jeweils Liveversionen von Hey Jude.

Coverversionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wurden über 500 Coverversionen von Hey Jude veröffentlicht.[14]

Elvis Presley nahm am 21. Januar 1969 eine Coverversion in den American Sound Studios in Memphis auf. Diese wurde allerdings erst 1972 auf dem Album Elvis Now veröffentlicht. Weitere Coverversionen gibt es unter anderem von dem Soulsänger Wilson Pickett aus dem Jahr 1968 sowie von Ella Fitzgerald auf dem Album Ella Fitzgerald’s Sunshine of Your Love aus dem Jahr 1969. Von Don Ellis gibt es eine verfremdete Fassung dieses Stücks, die 1970 auf seinem Livealbum Don Ellis at Fillmore erschien. Jasmin Tabatabai singt das Lied auf ihrem dritten Album Jagd auf Rehe (2020). Deutsche Coverversionen sangen unter anderem Peggy March (1972), Jürgen Marcus (1976) und Juliane Werding (1977).[15]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ian MacDonald: Revolution in the Head. ISBN 978-0-09-952679-7, S. 302–304.
  • Mark Lewisohn: The Complete Beatles Recording Sessions: The Official Story of the Abbey Road Years. ISBN 0-600-61207-4, S. 145–147, 194.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Chartquellen: DE AT CH UK US1 (The Beatles) US2 (Wilson Pickett)
  2. Paul Trynka (Hrsg.): Die Beatles – Ihre Geschichte – Ihre Musik. Dorling Kindersley Verlag, Starnberg 2004, ISBN 3-8310-0656-3.
  3. Steve Turner: A Hard Day’s Write. The Beatles – Die Geschichte zu jedem Song. Rockbuch Verlag Buhmann & Haessler GmbH, Schlüchtern 2002, ISBN 3-927638-10-2
  4. Mark Hertsgaard: The Beatles – Die Geschichte ihrer Musik. dtv, 1996, ISBN 3-423-30559-2
  5. Alan W. Pollack’s Notizen zu Hey Jude (englisch)
  6. a b c Volker Rebell: Die Beatles 1968 – Das Weiße Album. 2. Auflage. Heupferd Musik Verlag, Dreieich 2010, ISBN 978-3-923445-68-4, S. 65 ff.
  7. Barry Miles: Many Years from Now. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1999. S. 580.
  8. The Usenet Guide to Beatles Recording Variations. Abgerufen am 1. Juni 2022.
  9. Hey Food – Classic Sesame Street auf YouTube, abgerufen am 28. November 2018.
  10. Beiheft CD, Sony Classical SK 61995, 1995, S. 27–28.
  11. T-Mobile - Sing-along auf YouTube, abgerufen am 30. April 2009.
  12. Neue Abmischungen von Giles Martin
  13. Vergleich der Abmischungen
  14. Coverversionen von Hey Jude
  15. Das österreichische Hitparaden- und Musik-Portal. Abgerufen am 8. Juni 2020.