Hierarchie

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Als Hierarchie (gesprochen [hirarˈçiː] oder [hi̯erarˈçiː], altgr. ἱεραρχία hierarchia, zusammengesetzt aus ἱερός, hieros, „heilig“ und ἀρχή, archē, „Führung, Herrschaft“, daraus ab dem 17. Jahrhundert kirchenlateinisch hierarchia: „Rangordnung der Weihen“) bezeichnet man ein System von Elementen, die einander über- bzw. untergeordnet sind. Im Sinne der Monohierarchie ist dabei jedem Element höchstens ein anderes Element unmittelbar übergeordnet, während bei einer Polyhierarchie auch mehrere über- und untergeordnete Elemente möglich sind.

Mathematisch betrachtet bedarf eine Hierarchie einer Ordnungsrelation, die einen Baum (Monohierarchie) oder gerichteten azyklischen Graphen (Polyhierarchie) definiert. Das Komplement ist die Heterarchie.

Die Einteilung (Klassifizierung) oder Einordnung (Klassierung) von Objekten in eine Hierarchie impliziert häufig eine Wertigkeit, die bereits in der Rangordnung, nach der die Objekte geordnet werden, enthalten ist. Grundsätzlich sind sie allerdings einfacher als komplexe Netzwerkstrukturen zu erfassen.

Hierarchien in sozialen Systemen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus dem Blickwinkel der Soziologie, auch im Kontext von Sozialen Systemen, sind Hierarchien oft mit Verhältnissen von Herrschaft und Autorität verbunden. Hierarchien gelten auch in operationellen Strukturen, wie beispielsweise in der Linienorganisation eines Unternehmens, bei Behörden, streng hierarchisch grundsätzlich im Strafvollzug im Verhältnis von Bediensteten und Beamten gegenüber Gefangenen, im Militär­wesen oder in der Kirche, vor allem die römisch-katholische Kirche und die orthodoxen Kirchen sind stark hierarchisch strukturiert. Die Organisationsforschung beschäftigt sich mit organisatorischen Phänomenen.

Hierarchische Strukturen kommen auch in der Tierwelt vor, wo über die Rangordnung die hierarchischen Positionen der einzelnen Individuen, vom Alphatier bis zum Omega (rangniedrigstes Individuum), bedingt werden. Unter anderem ist dies Gegenstand der Verhaltensforschung.

Parameter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hierarchische Ordnungen in sozialen Systemen basieren häufig auf Bedürfnissen und emotionalen Abhängigkeiten. Idealtypisch leisten Höhere Beiträge zu Gunsten der Mitglieder ihres Systems bzw. zu Gunsten des jeweiligen Gesamtsystems (Beiträgshöhen über längere Zeiträume). Jene Beitragshöhen determinieren üblicherweise hierarchische Ordnung.[1] So richtet sich beispielsweise die Stimmverteilung des Internationalen Währungsfonds (IWF) wie auch die Stimmverteilung der Weltbank nach zur Verfügung gestellten Beitragshöhen. „Die Ablehnung immer vorhandener Hierarchien führt nur zu deren Verschleierung und macht sie damit auch unangreifbar.“[2]

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein klassisches Beispiel für eine Hierarchie sind militärische Dienstgrade. Allerdings spiegeln in der Praxis die Dienstgrade nicht unbedingt das tatsächliche Vorgesetztenverhältnis, jedenfalls aber das jeweilige Rangverhältnis wider.

Auch in Unternehmen werden formelle Hierarchien von Vorgesetzten und Untergeordneten definiert, welche theoretisch festlegen, wer wem Anweisungen erteilen kann. Allerdings wirken insbesondere in Matrixorganisationen und aus der Tendenz zu Abflachungen von Hierarchien in Organisationen Politisierungsdilemmata, die die inoffiziellen (informellen) Hierarchien in Unternehmen und unklare rangdynamische Entscheidungsstrukturen begünstigen. Daraus resultieren unproduktive Zirkelbezüge und struktureller Egoismus, welche entweder aus Selbstzweck oder aus blinden Flecken[3] oft beibehalten werden, auf diese Weise dysfunktional wirken. Selbstorganisation unter Gleichgestellten funktioniert oftmals nicht.[4]

Idealtypisch orientieren sich Hierarchien in Unternehmen an der jeweiligen Zweckausrichtung. Stefan Kühl geht (nach Luhmann 1973) davon aus, dass die hierarchische Ordnung eines Unternehmens mit seiner jeweiligen „Zweck-Mittel-Ordnung“ sinnvollerweise parallel (damit widerspiegelnd) zu schalten ist.[5]

Im Rahmen des hoheitlichen Strafvollzuges besteht hingegen eine strenge Hierarchieform, die sich im Gegensatz zu den meisten anderen Varianten bereits durch die gesetzlich geregelte unbedingte Gehorsamspflicht der Gefangenen gegenüber den Vollzugsbediensteten (z. B. in Deutschland: § 82 Abs. 2 Strafvollzugsgesetz) klar und undurchdringlich abbildet.

Streng geordnet ist die Gerichtsbarkeit mit ihren Instanzen, die jeweils Urteile der untergeordneten Instanz aufheben können. Zur Ordnung von Informationen sind Klassifikationen ein gängiges Mittel. Auch die hierarchische Ordnung von Dateien in einer Verzeichnisstruktur ist üblich.

Ambivalenz und Bivalenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geplante soziale Netzwerke in der Betriebswirtschaftslehre mit wenig Herrschaftselementen nehmen nicht selten „Herrschaftsfreiheit“ in Anspruch, sind aber informell regelmäßig nicht hierarchiefrei. Solche Hierarchien bleiben ambivalent, solange keine Konflikte auftreten.

Weiterhin kann es bei Matrixorganisation auch zu bivalenten Überlagerungen von in der Regel zwei Hierarchien kommen, die weiterer spezifischer Regelung bedürfen. Solche Matrix wird für Projekte definiert, die eine temporäre Zuordnung zu einer zweiten Hierarchie bewirken. Die per definitionem gewünschte Orthogonalität der dabei überlagerten Hierarchien wird in der Praxis nicht erreicht, weil die verfügbaren materiellen und intellektuellen Ressourcen unausweichlich zu Kopplungen zwischen den Hierarchien führen.

Durchgriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Idealbild einer hierarchischen Struktur geht davon aus, dass mit der Struktur eine Methodik für Menschenführung und Kooperation definiert ist, die eine bestimmte Strategie der bidirektionalen Kommunikation nutzt. Damit verbunden sind Filterkonzepte, die ein Überborden der Information von unten nach oben (bottom-up) verhindern. Damit wird die Fiktion behindert, die oberen Hierarchen wüssten um Details. Hingegen muss ein Konzept der Eskalation für Konflikte definiert sein, das Informationen von unten nach oben befördert oder den Zugriff auf Information von oben nach unten erlaubt. Hingegen ist nach der klassischen Organisationstheorie ein Durchregieren über mehrere Ebenen hinweg kontraproduktiv.

Hierarchien in Objektsystemen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hierarchien werden auch allgemein zur Ordnung von Objekten verwendet. Bildlich werden Hierarchien häufig mit einer Pyramide oder einem Stammbaum verglichen. Die Elemente lassen sich übersichtlich in Ebenen anordnen, wobei jedes Element (bis auf das oberste) nur mit einem (Monohierarchie) oder mehreren (Polyhierarchie) Elementen der jeweils nächsthöheren Ebene verbunden ist.

  • Beispiele
Der Stammbaum des menschlichen Wissens zu Beginn von Band 1 der Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers, 28 Bände, vollendet im Jahr 1772

Spezielle Arten von hierarchischen Strukturen, die auch häufig synonym verwendet werden, sind Klassifikationen oder Taxonomien. In der Biologie werden Lebewesen nach verschiedenen Kriterien in einer hierarchischen Systematik geordnet, während der Stammbaum einer Person theoretisch eindeutig bestimmbar ist.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hierarchie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Hierarchie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zu hierarchischen Ordnungen in sozialen Systemen (Webarchiv) (Memento vom 14. Dezember 2012 im Internet Archive)
  2. Egbert Steiner, Ludwig Reiter: Zum Verhältnis von Individuum und sozialem System (PDF), S. 3.
  3. Stefan Kühl: Wenn die Affen den Zoo regieren. Die Tücken der flachen Hierarchien. Frankfurt und New York 1998, S. 106: „Aber gerade aufgrund des diffusen Charakters von Macht – der Unmöglichkeit, machtvolle Personen über formale Merkmale zu bestimmen und zu benennen – ist Macht nicht oder nur noch schwer erkenn- und thematisierbar.“
  4. Vgl. Stefan Kühl, 2001: Zentralisierung durch Dezentralisierung. Paradoxe Effekte bei Führungsgruppen (PDF). In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Jg. 53, Heft 3, 2001, S. 486.
  5. Stefan Kühl: Organisationen. Eine sehr kurze Einführung. Wiesbaden 2011, S. 25.