Hieronymus Baumgartner

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Hieronymus-Baumgartner-Medaille (Joachim Deschler, 1553)

Hieronymus Baumgartner, auch von Paumgartner, Baumgärtner (* 9. März 1498 in Nürnberg; † 8. Dezember 1565 ebenda) war Gestalter der Reformation in Nürnberg und Bürgermeister.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gefangennahme des Hieronymus Baumgartner bei Nürnberg / Radierung

Hieronymus Baumgartner entstammte der Nürnberger Patrizierfamilie von Paumgartner auf Lonnerstadt, die sich später Paumgartner von Holnstein und Grünsberg nannte. Er wurde als Sohn eines Ratskonsulenten geboren und erhielt seine Schulbildung bei Jakob Locher in Ingolstadt und in Leipzig. 1518 wurde er an der Universität Wittenberg immatrikuliert, wo er gemeinsam mit Georg Major und Joachim Camerarius dem Älteren bei Philipp Melanchthon verkehrte. Hier studierte er Philosophie, Mathematik und Jura und nahm unter dem Einfluss Melanchthons und Martin Luthers ein Studium der alten Sprachen auf.

Nach seinem Studium kehrte er als überzeugter Lutheraner in seine Heimatstadt zurück und beteiligte sich dort an der Kommunalpolitik. 1525 wurde er Senator im Rat der Stadt, 1533 Alter Bürgermeister, 1549 Älterer Herr und 1553 Dritter Oberster Hauptmann. Die Stadt übergab ihm als erstem Kirchenpfleger die Leitung des gesamten Kirchen- und Schulwesens. 1549 war er Mitglied des Septemvirats und 1558 des Triumvirats der Stadt. In dieser Funktion nahm er an Reichstagen, Konventen und Städtetagen teil, so auch 1525 am Nürnberger Religionsgespräch.

1526 betrieb er mit Melanchthon und Lazarus Spengler die Einrichtung des ersten humanistischen Gymnasiums Deutschlands in Nürnberg – dem späteren Melanchthongymnasium. 1528 beteiligte er sich an Kirchenvisitationen. Er vertrat Nürnberg 1529 beim Reichstag in Speyer, 1530 beim Reichstag zu Augsburg und 1536 bei der Revision der Verfassung des Schmalkaldischen Bundes auf dem Konvent in Schmalkalden. Er wirkte auch wesentlich mit an der Einführung der Reformation in den an Nürnberg verpfändeten pfälzischen Ämtern Heideck, Hilpoltstein und Allersberg [1]. Auch legte er die Grundlage der ersten Bibliothek in Nürnberg.

Als er 1544 vom Reichstag zu Speyer zurückkehrte, wurde er vom Ritter Albrecht von Rosenberg im Wald von Treschklingen gefangen genommen. Erst nach 14 Monaten, die man ihn im Gartenhaus des Michelfelder Schlosses bei Weirich von Gemmingen festgehalten hatte,[2] wurde er gegen ein Lösegeld freigelassen. Es widerstrebte ihm als Anhänger der Reformation, das Augsburger Interim durchzusetzen. Einst hatte man ihm Katharina von Bora, die spätere Ehefrau Martin Luthers, als Gattin bestimmt; jedoch heiratete er 1526 in Nürnberg Sybilla Dichtlin († 1567), die Tochter des herzoglichen Pflegers zu Starnberg Bernhard Tichtel (Dichtel) aus Tutzing.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eigenhändiger Bericht über seine Gefangennahme vom Jahre 1544, hrsg. v. H. W. Caselmann, in: Jahrbuchs des Historischen Vereins von Mittelfranken. Band 33, 1865, Seite 103
  • P. Flemming und O. Albrecht: Das sogenannte Maniscriptum Thomasium. In: Archiv für Reformationsgeschichte. 1914-15
  • Heinz Scheible: Melanchthons Briefwechsel. Personen. Band 11

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hieronymus Paumgartner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Junge Pfalz
  2. Carl Wilhelm Friedrich Ludwig Stocker: Familien-Chronik der Freiherrn von Gemmingen, Heidelberg 1895, S. 228.