Hieronymus II. Lindau

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Hieronymus II. Lindau OSB (* 11. November 1657 in Rottweil; † 8. Dezember 1719 in Ochsenhausen) war der 22. Abt der Reichsabtei Ochsenhausen im heutigen Landkreis Biberach in Oberschwaben.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hieronymus wurde in Rottweil, der ältesten Stadt im heutigen Baden-Württemberg geboren.

Im Jahre 1680 legte der spätere Abt die Ordensgelübde ab. Es folgten philosophische Vorstudien in Ochsenhausen und das Studium der Theologie an der Universität Salzburg. Als geweihter Priester kam er 1686 aus Salzburg zurück. Im Kloster fiel ihm die Aufgabe zu, die jungen Kleriker in Philosophie und Theologie auf das Studium an der Universität vorzubereiten. Des Weiteren tat er in der Seelsorge in den Gemeinden des Ochsenhauser Territoriums und am Amtssitz in Tannheim seinen Dienst. Dort stellte sich auch seine besondere ökonomische Begabung heraus.

Am 21. Juni 1708 fand die Abtwahl im Kloster statt. Anwesend waren der Weihbischof des Bistums Konstanz Konrad Ferdinand Geist von Wildegg, Abt Modest vom Kloster Wiblingen und der Abt des Klosters Mehrerau. Die Klosterzucht lag ihm am Herzen, aber auch die wissenschaftliche Bildung des jungen Klerus. Deswegen ließ er den Buchbestand der Klosterbibliothek wesentlich erweitern.

Wirtschaftliche Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegenstände des Kultes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abt Hieronymus erwarb in seiner Amtszeit das sogenannte rote Ornat aus Silber und goldreichem Lyoner Brokat für die Hochfeste für 2560 Gulden und das weiße Ornat für die Marienfeste im Wert von 1239 Gulden.

Er gab eine prunkvolle Monstranz für 17115 Gulden in Auftrag. Diese Monstranz wog elf Pfund und war mit 33 Smaragden, 16 Saphiren, 8 Hyazinten, 70 Diamanten, 30 orientalischen Granaten, 36 Rubinen und vielen Perlen verziert. Sie wurde als Kriegsabgabe im Jahre 1800 für 8000 Gulden veräußert. Abt Hieronymus ließ die Reliquie des Kreuzpartikels in Gold fassen.

Sakrale und weltliche Bauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fruchtkasten des Klosters

Kurz vor seinem Tode ließ Abt Hieronymus die nördliche Klostermauer durchbrechen. Dort ließ er eine kleine Kapelle, geweiht dem Heiligen Antonius zu Padua, errichten. Er verstarb 1719 im Alter von 62 Jahren und wurde unter dem Eingang der Antoniuskapelle bestattet. Sein letzter Wille war, dass den Untertanen eine ganze Jahressteuer von 4000 Gulden erlassen wurde. Während seiner Zeit als Abt traten vierzehn Mönche in das Kloster ein und zwölf Mönche verstarben.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Geisenhof: Kurze Geschichte des vormaligen Reichsstifts Ochsenhausen in Schwaben. Ganser, Ottobeuren 1829 (online).
  • Volker Himmelein (Hrsg.): Alte Klöster, neue Herren. Die Säkularisation im deutschen Südwesten 1803. Große Landesausstellung Baden-Württemberg 2003. Thorbecke, Ostfildern 2003, ISBN 3-7995-0212-2 (Ausstellungskatalog und Aufsatzband).
  • Volker Himmelein, Franz Quarthal (Hrsg.): Vorderösterreich, Nur die Schwanzfeder des Kaiseradlers? Die Habsburger im deutschen Südwesten. Süddeutsche Verlagsgesellschaft, Ulm 1999, ISBN 3-88294-277-0 (Katalog der Landesausstellung).
  • Heribert Smolinsky: Kirchengeschichte der Neuzeit. Teil 1. 2008.
  • H.-J. Reiff, G. Spahr, D. Hauffe: Kloster Ochsenhausen. Geschichte, Kunst, Gegenwart. Biberach 1985.
Vorgänger Amt Nachfolger
Franziskus Klesin OSB Abt von Ochsenhausen
1708–1719
Beda Werner OSB