Hieronymus von Prag

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Hieronymus von Prag
Kupferstich von Johann Balzer (1772)

Hieronymus von Prag (* um 1379 in Prag; † 30. Mai 1416 in Konstanz, tschechisch: Jeroným Pražský) war ein böhmischer Gelehrter, Mitstreiter von Jan Hus und Mitbegründer der hussitischen Bewegung.

Prägung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hieronymus von Prag studierte in Prag und erwarb 1398 an der Karls-Universität Prag den Baccalaureus-Grad. Im Jahr 1399 reiste er nach Oxford, machte sich mit der Wyclifschen Lehre vertraut, schrieb dessen Bücher ab und verbreitete sie in Böhmen. Im Jahr 1403 reiste er bis nach Jerusalem. In den Jahren 1404 bis 1405 war er in Paris, studierte und erwarb den Grad magister in artibus und war als magister regens tätig. Im Jahr 1406 war er magister artium an der Kölner und Heidelberger Universität. Danach war er Magister an der Prager Universität. Er war Anhänger von John Wyclif und involviert ins Kuttenberger Dekret von 1409. Im Jahr 1410 reiste er nach Buda und nach Wien und floh von dort wegen eines anhängigen Prozesses nach Böhmen. Er wurde mit dem Bann belegt. Im Jahr 1413 reiste er nach Krakau und von dort aus nach Litauen innerhalb des Königreichs Polen-Litauen und in die Städte Witebsk, Pskow und Wilna.[1] Er suchte Kontakt mit Vertretern der Orthodoxen Kirche.[2]

Denkgebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hieronymus von Prag übte praktische Kritik an der Kirche. Poggius Florentinus schilderte Hieronymus von Prag als einen Menschen mit großem Wissen, großer Beredsamkeit, vorzüglichem Gedächtnis, Schlagfertigkeit und Furchtlosigkeit.[3] In einigen Ansichten war Hieronymus von Prag radikaler als Jan Hus selbst. Es war ihm ein wesentliches Anliegen, eine mögliche Kirchenreform auf Grundlage der ursprünglichen Überlieferung durchzuführen. Er war ein spätmittelalterlicher Denker und Verfasser philosophischer Schriften.[4]

Ende durch das Konstanzer Konzil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herberge des Hieronymus von Prag im Jahr 1415 in der Hussenstraße 14 in Konstanz
Hieronimus von Prag wird zum Scheiterhaufen geführt (Konstanzer Richental Chronik)
Hussenstein. Vermutlich an dieser Stelle wurde Hieronymus von Prag verbrannt.

Weg nach Konstanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Jan Hus auf dem Konstanzer Konzil verhaftet wurde, eilte Hieronymus im Frühjahr 1415 nach Konstanz, um ihn zu verteidigen. Er kam 1415 in Konstanz an und wohnte im Haus Zum Delphin in der Hussenstraße 14, wurde von den Böhmen in Konstanz gewarnt und zog sich nach Überlingen zurück. Von dort beantragte er beim Konzil einen Geleitschein. Als er erfuhr, dass er verhaftet werden sollte, machte er sich auf den Rückweg nach Prag und wurde in Hirschau in der Oberpfalz verhaftet und vom Herzog Ludwig von Bayern an das Konzil ausgeliefert. Er kam in Konstanz am 23. Mai 1415 an.

Verhör und Einkerkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er wurde im Franziskanerkloster verhört und im Turm bei St. Paul an der Oberen Laube 73 in Konstanz gefangen gehalten.[5] [6] Am 6. Juli 1415 wurde Jan Hus verbrannt. Vor der sicheren Gewissheit, auch auf dem Scheiterhaufen zu enden, widersprach Hieronymus von Prag am 23. September 1415 vor dem Konzil den 45 Thesen von John Wycliff und den 30 Artikeln von Jan Hus. Aber er wurde weiter eingekerkert.[7] Das Verfahren wurde neu aufgenommen.

Bekenntnis und Hinrichtung durch Verbrennen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hieronymus von Prag hielt seine Verteidigungsrede, und distanzierte sich am 26. Mai 1416 im Münster von seinem Widerruf.[8] Er bekannte sich zu den Lehren von Wycliff und Jan Hus und geißelte Hochmut, Luxus und Pomp der Kirchenträger. Am 30. Mai 1416 wurde er vom Konzil im Münster als Ketzer verurteilt. Die Ketzermütze setzte sich Hieronymus von Prag sich selber auf und verwies darauf, dass Christus die Dornenkrone trug. Er wurde der weltlichen Macht übergeben und an derselben Stelle wie Jan Hus in Konstanz verbrannt. Er starb unter Qualen.[9] Auf dem Scheiterhaufen wurden auch sein Bett, seine Kleidung und seine Habseligkeiten verbrannt. Die Asche wurde in einen Karren geschaufelt und in den Rhein geworfen.[10][11]

Verwechslung mit Faulfisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über Jahrhunderte wurde Hieronymus von Prag mit dem Beinamen „Faulfisch“ in der Literatur geführt. Forschungen zufolge ist der Grund dafür die Verwechslung seiner Person mit dem Magister der freien Künste Nicolaus Faulfisch, der aber älter und nie am Bodensee war.[12][13]

Gedenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal für Jan Hus und Hieronymus von Prag bei der Lutherkirche auf dem Mittelstreifen der Laube

Eine Gedenkplakette am Haus Zum Delphin in der Hussenstraße 14 in der Altstadt von Konstanz erinnert daran, dass Hieronymus von Prag 1415 hier wohnte, bevor er floh.[14] (Lage). In der Nähe dieses Hauses wurde eine Straße nach ihm Hieronymusgasse benannt, in dieser ist der Eingang zum Kulturzentrum K9 (früher Paulskirche). An der Oberen Laube 71, im linksrheinischen Teil von Konstanz, erinnert seit 1867 eine Gedenkplakette an Hieronymus von Prag.[15] [16] An der Laube, auf der Höhe der Lutherkirche, befindet sich ein Denkmal für Jan Hus und seinen Mitstreiter Hieronymus von Prag. (Lage). Im Stadtteil Paradies befindet sich der Hussenstein, an dessen Stelle Jan Hus und später Hieronymus von Prag verbrannt wurden. (Lage).

Sein Gedenktag im Evangelischen Namenkalender ist der 29. Mai.[17]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Richard Friedenthal: Jan Hus. Der Ketzer und das Jahrhundert der Revolutionskriege. Piper, München 1972, darin: Hieronymus von Prag. S. 299–312.
  • Vilém Herold: Magister Hieronymus von Prag und die Universität Köln. In: Albert Zimmermann (Hrsg.): Die Kölner Universität im Mittelalter: geistige Wurzeln und soziale Wirklichkeit. De Gruyter, Berlin 1989, S. 255.
  • Jürgen Hoeren, Winfried Humpert: Hieronymus von Prag – Der Philosoph im Schatten von Jan Hus. Südverlag. ISBN 978-3-87800-100-3.
  • Ladislaus Klicman: Der Wiener Prozess gegen Hieronymus von Prag 1410–12. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Bd. 21, H. 3, September 1900, S. 445–457.
  • Daniel S. Larangé: La Parole de Dieu en Bohême et Moravie. La tradition de la prédication dans l’Unité des Frères de Jan Hus à Jan Amos Comenius (= Spiritualité & Religions). L’Harmattan, Paris 2008, ISBN 978-2-296-06552-9
  • Andreas Nohl: Hieronymus. Chronik eines Verrats. Langewiesche-Brandt, Ebenhausen 1993; 2. Auflage 1994, ISBN 3-7846-0155-3
  • František Šmahel: Jeroným Pražský. Svobodné Slovo, Prag 1966
  • František Šmahel: Univerzitní kvestie a polemiky Mistra Jeronýma Pražského. In: Acta Universitatis Carolinae Pragensis – Historia Universitatis Carolinae Pragensis. Bd. 22, H. 2, 1988, S. 7–41.
  • František Šmahel: Život a dílo Jeronýma Pražského. Argo, Prag 2010, ISBN 978-80-257-0269-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hieronymus von Prag – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vilém Herold (Praha): MAGISTER HIERONYMUS VON PRAG UND DIE UNIVERSITÄT KÖLN. In: Albert Zimmermann (Hrsg.): Die Kölner Universität im Mittelalter: geistige Wurzeln und soziale Wirklichkeit. S. 258
  2. Hieronymus von Prag im Ökumenischen Heiligenlexikon
  3. Richard Friedenthal: Jan Hus. Der Ketzer und das Jahrhundert der Revolutionskriege. R. Piper, München 1972. Hier: Hieronymus von Prag, S. 299-312.
  4. Vilém Herold (Praha): MAGISTER HIERONYMUS VON PRAG UND DIE UNIVERSITÄT KÖLN. In: Albert Zimmermann (Hrsg.): Die Kölner Universität im Mittelalter: geistige Wurzeln und soziale Wirklichkeit. S. 258
  5. Walter Rügert: Ich werde ein Nagel in eurem Herzen sein. Der böhmische Reformator Hieronymus von Prag. In: Konstanzer Almanach 2016, S. 61 bis 63.
  6. Johannes Hof: Und wieder brennt in Konstanz das Feuer. In: Südkurier vom 27. Mai 2016, S. 20.
  7. Ulrich Büttner, Egon Schwär: Der Faulfisch - Wie Hieronymus von Prag zu einem falschen Namen kam. In: Ulrich Büttner und Egon Schwär: Konstanzer Konzilgeschichte(n). Verlag Stadler. Konstanz 2014. ISBN 978-3-7977-0580-8. S. 208–210.
  8. Johannes Hof: Und wieder brennt in Konstanz das Feuer. In: Südkurier vom 27. Mai 2016, S. 20.
  9. Johannes Hof: Und wieder brennt in Konstanz das Feuer. In: Südkurier vom 27. Mai 2016, S. 20.
  10. Richard Friedenthal: Jan Hus. Der Ketzer und das Jahrhundert der Revolutionskriege. R. Piper, München 1972. Hier: Hieronymus von Prag, S. 299-312.
  11. Josua Eiselein: Begründeter Aufweis des Plazes bei der Stadt Constanz, auf welchem Johannes Hus und Hieronymus von Prag in den Jahren 1415 u. 1416 verbrannt worden.
  12. Friedrich Christoph Schlosser: Weltgeschichte für das deutsche Volk, Band 9, Frankfurt am Main 1849, S. 140. Online
  13. Ulrich Büttner, Egon Schwär: Der Faulfisch - Wie Hieronymus von Prag zu einem falschen Namen kam. In: Ulrich Büttner und Egon Schwär: Konstanzer Konzilgeschichte(n). Verlag Stadler. Konstanz 2014. ISBN 978-3-7977-0580-8. S. 208–210.
  14. Infotafel des Fremdenverkehrsvereins Konstanz am Haus Hussenstraße 14
  15. Ein Streifzug durch das Gedächtnis einer Stadt. In: Konzil im Blick, 30. Januar 2013, S. 2.
  16. Walter Rügert: Ich werde ein Nagel in eurem Herzen sein. Der böhmische Reformator Hieronymus von Prag. In: Konstanzer Almanach 2016, S. 61 bis 63.
  17. Hieronymus von Prag im Ökumenischen Heiligenlexikon