Hilde Berger (Widerstandskämpferin)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Hilde Berger (* 13. Juni 1914 in Berlin; † 2011), später Hilde Berger-Olsen, war eine Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus und Sekretärin von Oskar Schindler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tochter eines aus Polen stammenden jüdischen Schneiders schloss sich vor 1933 zunächst einer zionistischen Jugendorganisation an. Danach wurde sie Mitglied der trotzkistischen Linken Opposition der KPD und war nach der Machtübernahme der NSDAP in der Illegalität in Berlin für deren Nachfolgeorganisation IKD aktiv. Kurz nach der Verhaftung ihres jüngeren Bruders Hans Berger im Herbst 1935, der als Reichskurier der IKD fungierte, wurde sie Anfang 1936 im Rahmen der Zerschlagung der Berliner IKD-Gruppe durch die Gestapo verhaftet und bis Mai 1939 in einem Zuchthaus gefangen gehalten.

Die Mitglieder der IKD-Auslandsleitung Walter Held und Josef Weber versuchten vergeblich, für die als staatenlose Jüdin besonders gefährdete Hilde Berger die Ausreise nach Großbritannien oder Norwegen oder einen Nansen-Pass zu organisieren, stattdessen wurde sie nach Polen abgeschoben. Nach dem deutschen Angriff auf Polen wurde Hilde Berger zunächst nach Polen deportiert, lebte in oder nahe bei Boryslaw. Dort wurde sie Mitarbeiterin von Berthold Beitz und war geschützt,[1][2] bis dieser dort nicht mehr tätig war. Sie kam dann nicht nach Auschwitz, sondern in das KZ Plaszow bei Krakau. Wenig später bekam sie die Gelegenheit, dort im Krakauer Rüstungsbetrieb von Oskar Schindler zu arbeiten. Dort war sie beteiligt an der Erstellung der Liste mit den Häftlingen, die ins neu errichtete KZ-Außenlager Brünnlitz mitgenommen werden durften. [3][4]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges siedelte Berger in die USA über, heiratete dort den ehemaligen Leibwächter Trotzkis, Alex Olsen,[5] und lebte lange in New York, wo sie 1995 für den von Yoash Tatari gedrehten Dokumentarfilm Glückselig in New York. Der Stammtisch der Emigranten interviewt wurde.[6] Nach dem Tod von Alex Olsen übersiedelte sie nach Denver, Colorado. Sie verstarb im Jahre 2011.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Berens: Trotzkisten gegen Hitler. Neuer ISP-Verlag, Köln 2007, ISBN 978-3-89900-121-1 (vor allem S. 142 und 196)
  • Reinhard Hesse (Hrsg.): Ich schrieb mich selbst auf Schindlers Liste. Die Geschichte von Hilde und Rose Berger. Psychosozial-Verlag, Gießen 2013, ISBN 978-3-8379-2273-8 (mit einem Geleitwort von Berthold Beitz)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bernd Schmalhausen: Berthold Beitz im Dritten Reich. Mensch in unmenschlicher Zeit, 1991 und persönliche Information von Hilde Berger
  2. Aussage des Zeugen Be. im Prozess gegen Fritz Hildebrand, bei: LG Bremen, 6. Mai 1953. In: Justiz und NS-Verbrechen. Sammlung deutscher Strafurteile wegen nationalsozialistischer Tötungsverbrechen 1945–1966, Bd. X, bearbeitet von Adelheid L. Rüter-Ehlermann, H. H. Fuchs, C. F. Rüter. Amsterdam : University Press, 1973, Nr. 355 S. 661–703 Massen- und Einzelerschiessungen von Juden in Ostgalizien: Erschiessung von etwa 700 Juden des Restghettos und Arbeitslagers Tarnopol (Mai 1943); von etwa 170 jüdischen Frauen, Mädchen und Kindern eines Arbeitskommandos des Lagers Drohobycz (Juni 1943); von etwa 550 jüdischen Arbeitern aus zwei Arbeitskommandos des Lagers Drohobycz (August 1943); von etwa 300 Juden, die im Lager Boryslaw untergetaucht waren, um sich den 'Umsiedlungsaktionen' zu entziehen (Februar 1943) und von 80 jüdischen Kleinkindern aus Boryslaw (Frühjahr 1944). Einzelerschiessung eines Rabbiners, sowie von vier Juden, die nach einem Fluchtversuch aus dem KL Boryslaw - zum Teil in Schusswaffenbesitz - wieder aufgegriffen worden waren, und eines jüdischen Ehepaars, das dem Angeklagten vorgeworfen hatte, über das Los der Juden zu lügen.
  3. http://www1.yadvashem.org/righteous/bycountry/germany/pdf/P.41_44_11.pdf, Hilde Bergers Name befindet sich auf S. 1
  4. Eva Pfister: Rezension zu Steffen Mensching: Jacobs Leiter. dradio.de, 23. Juli 2003
  5. Vorwort. (Memento vom 19. Januar 2008 im Internet Archive) sbg.ac.at
  6. Die Filmreihe „made at Ostküste“. herden.de
  7. Rezension von: Dorothee Lottmann-Kaeseler. Titel: »Ich schrieb mich selbst auf Schindlers Liste« psychosozial-verlag.de