Hildegard Lächert

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Hildegard Lächert beim Auschwitzprozess Krakau (1947)

Marthe Luise Hildegard Lächert[1] (* 19. März 1920 in Berlin; † 1995) war eine deutsche Aufseherin in den Konzentrationslagern Ravensbrück, Majdanek und Auschwitz.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lächert begann nach ihrer Schulzeit eine Schneiderlehre, die sie jedoch abbrach. Danach war sie als Fabrikarbeiterin tätig.[2] Sie wurde ab April 1942 im KZ Ravensbrück zur KZ-Aufseherin ausgebildet und entsprechend ihrer Ausbildung eingesetzt. Ab Oktober 1942 arbeitete sie im KZ Majdanek und wurde aufgrund einer Schwangerschaft im August 1943 aus dem Lagerdienst entlassen. Ihre ungezügelten und plötzlichen Wutausbrüche waren dort gefürchtet und sie wurde daher „krwawa Brygida“ („blutige Brigitte“) genannt. Auf eine junge schwangere Frau hetzte sie ihren Schäferhund, der sie zerfleischte. Ein männlicher Lagerinsasse wurde von Lächert mit ihrer Eisenkugel-Peitsche und ihren eisenbeschlagenen Stiefeln so lange geschlagen und getreten, bis er „nicht mehr wie ein Mensch aussah“. Zwei junge Griechinnen wurden von ihr in die Latrinengrube gestoßen und ertranken im Kot.[3] Von April bis Juni 1944 war sie als Aufseherin in den Außenlagern Rajsko und Budy des KZ Auschwitz tätig. Ab Januar 1945 war Lächert im Polizeilichen Durchgangslager Bozen tätig und blieb dort bis zur Auflösung des Lagers im April 1945.

Nach Kriegsende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem sie bereits 1946 in Internierungshaft genommen wurde, stand sie beim Krakauer Auschwitz-Prozess vor dem Obersten Nationalen Tribunal Polens vom 24. November 1947 bis zum 22. Dezember 1947 vor Gericht. Am 22. Dezember 1947 wurde sie zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, die sie bis zu ihrer Entlassung 1956 in Polen verbüßte. Lächert soll nach ihrer Haftentlassung in Heidelberg gelebt und als Hilfsarbeiterin sowie als Putzfrau in einem Bordell gearbeitet haben. Akten aus den National Archives in Washington belegen, dass sie auch für den CIA und den BND aktiv war.[4][5] Noch 1979 kandidierte sie bei der Europawahl für die rechtsradikale „Aktionsgemeinschaft Nationales Europa“ auf Listenplatz 4. Im Majdanek-Prozess, der ab Mitte der 1970er Jahre vor dem Landgericht Düsseldorf stattfand, wurde sie der Mordbeihilfe in 1196 Fällen beschuldigt und am 30. Juni 1981 wegen gemeinschaftlicher Beihilfe zum Mord an mindestens hundert Menschen zu zwölf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Eine Haft musste sie nicht antreten, da die Haftzeit in Polen und die Untersuchungshaft angerechnet wurden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau (Hrsg.): Auschwitz in den Augen der SS. Oswiecim 1998, S. 235
  2. Ernst Klee: Auschwitz. Täter, Gehilfen und Opfer und was aus ihnen wurde. Ein Personenlexikon, Frankfurt am Main 2013, S. 246
  3. Dietrich Strothmann: „...als wären wir Vieh“ In: Die Zeit, 6. März 1981.
  4. Christoph Franceschini, Klaus Wiegrefe: CIA und BND heuerten eine ehemalige KZ-Wärterin an. In: Spiegel Online. 4. September 2016, abgerufen am 5. September 2016.
  5. Oliver Das Gupta: Hildegard Lächert / Wie eine KZ-Aufseherin von CIA und BND angeheuert wurde. sueddeutsche.de. 6. September 2016.