Hildegard Müller

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Hildegard Müller (2011)

Hildegard Müller (* 29. Juni 1967 in Rheine) ist eine deutsche Managerin, Verbandsgeschäftsführerin und ehemalige Politikerin (CDU). Von 2005 bis 2008 war sie Staatsministerin im Bundeskanzleramt und von 1998 bis 2002 die erste weibliche Bundesvorsitzende der Jungen Union.

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur 1987 machte Hildegard Müller zunächst eine Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Dresdner Bank in Düsseldorf. Anschließend begann sie 1989 ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, welches sie 1994 als Diplom-Kauffrau abschloss. Danach kehrte sie 1995 als Abteilungsdirektorin zur Dresdner Bank zurück.

Politische Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hildegard Müller engagierte sich zunächst in der Jungen Union und war von 1998 bis 2002 deren Bundesvorsitzende. Von 1998 bis 2008 war sie Mitglied des CDU-Bundesvorstandes und gehörte seit April 2000 dem Präsidium der CDU an. Seit April 2003 ist sie Mitglied im CDU-Landesvorstand von Nordrhein-Westfalen.

Seit 1999 ist sie stellvertretende Landesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung von CDU/CSU (MIT) in Nordrhein-Westfalen und seit 2001 auch Mitglied des Bundesvorstandes der MIT.

Hildegard Müller war von 2002 bis 2008 Mitglied des Deutschen Bundestages. Sie zog 2002 über die Landesliste Nordrhein-Westfalen und 2005 als direkt gewählte Abgeordnete des Wahlkreises Düsseldorf I in den Bundestag ein. Bei der Bundestagswahl 2005 erreichte sie hier 44,6 % der Erststimmen. Sie hat ihr Mandat zum 1. Oktober 2008 zugunsten einer Anstellung beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft niedergelegt.[1]

Am 22. November 2005 wurde Hildegard Müller als Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte für die Bund-Länder-Koordination in die von Bundeskanzlerin Angela Merkel geführte Bundesregierung berufen. Neben den Bund-Länder-Beziehungen war sie auch zuständig für das Regierungsprogramm zum Bürokratieabbau und verhandelte die Gesundheitsreform mit. Wegen der Geburt ihres ersten Kindes ließ Hildegard Müller ihr Amt als Staatsministerin vom 1. Oktober 2006 bis zum 31. Dezember 2007 ruhen.[2] Zum 30. September 2008 legte sie dieses Amt nieder. Ihr Nachfolger als Staatsminister wurde Hermann Gröhe.

Lobbyismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tätigkeit bei der Dresdner Bank[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Hildegard Müllers Zeit als Vorsitzende der Jungen Union erhielt die Junge Union finanzielle Hilfe ihres Arbeitgebers, der Dresdner Bank. Auf Empfehlung des damaligen Düsseldorfer Regionaldirektors, Hans-Peter Langen, beschloss der Vorstand der Dresdner Bank im August 2000 Hildegard Müller für drei Jahre einen zweckgebundenen Betrag von jährlich 20.000 DM zur Finanzierung einer Halbtagsstelle bei der Jungen Union zur Verfügung zu stellen. Nach Angaben der Jungen Union wurde die Förderung mit dem Wechsel von Müller zum vom 2002–2014 Vorsitzenden Philipp Mißfelder eingestellt.[3]

Als Ende 2004 die CDU-Politiker Hermann-Josef Arentz und Laurenz Meyer wegen Sonderzahlungen und Vergünstigungen von ihren Ämtern zurücktreten mussten und eine allgemeine Diskussion um die Nebentätigkeiten von Abgeordneten, bzw. deren Transparenz einsetzte, geriet Anfang 2005 auch Hildegard Müller in die Schlagzeilen.

Nach ihrer Wahl in den Deutschen Bundestag im Jahre 2002 hatte Hildegard Müller weiter reduzierte Gehaltszahlungen von der Dresdner Bank erhalten. Von der Bank wurde dies mit wichtigen Sonderaufgaben begründet, die im so genannten Bereich Cultural Affairs von ihr wahrgenommen würden. Hildegard Müller befasste sich dort mit zwei Projekten, die – zum damaligen Zeitpunkt – noch nicht abgeschlossen waren: dem Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden, sowie um die Aufarbeitung der Geschichte der Dresdner Bank während der Zeit des Nationalsozialismus. Für die Wahrnehmung dieser Aufgaben hatte die Bank Hildegard Müller ein eigenes Büro in den Räumlichkeiten der Dresdner Bank zur Verfügung gestellt.[4]

Hildegard Müller auf dem Energy Storage Summit in Düsseldorf im März 2013

Tätigkeit für den BDEW[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW) stand Hildegard Müller vom 25. Juli 2008 bis zum 30. April 2016 als Vorsitzende seiner Hauptgeschäftsführung vor. Dieses Amt legte sie nieder, um in den Vorstand der RWE einzutreten.[5]

Tätigkeit für RWE/innogy[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 1. Mai 2016 wechselte Hildegard Müller vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW) zu RWE. Sie hat zum 1. Mai ihre Funktion als Netzvorstand der neu gegründeten Ausgliederung RWE International SE (zwischenzeitlich umfirmiert als innogy SE) übernommen. Damit vervollständigt sie das sechsköpfige Vorstandsteam der neuen RWE-Ausgliederung innogy SE. Sie ist die erste Frau im innogy-Vorstand.[6]

In einem Interview im Februar 2018 betont Müller, dass für die Energiewende die Sektorkopplung viel stärker beachtet werden muss, dass der Umbau des Energiesystems von unten nach oben erfolgen soll und dass der Verbraucher als "Prosumer" sowohl Produzent als auch Konsument von Energie sein werde. Die Elektromobilität werde sich durchsetzen.[7]

Müller verlangte wiederholt, dass neben dem Ausbau der Stromautobahnen die Verteilnetze stärker in den Fokus der Politik gerückt werden müssten: „Hier sind mehr als 95 Prozent aller EE-Anlagen angeschlossen, hier findet der Ausbau der E-Mobilität statt, hier findet Energiespeicherung und Sektorkopplung statt. Es sind deshalb erhebliche Anstrengungen notwendig, um die Verteilnetze für die stark steigende Volatilität bei Erzeugung und Verbrauch zu ertüchtigen.“[8]

Sonstige Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außer ihrer Tätigkeit für die Dresdner Bank gehörte Hildegard Müller unter anderem dem Aufsichtsrat der NOVA Allgemeine Versicherung AG, Hamburg, sowie dem Beirat der Barmenia Versicherungen, Wuppertal an. Beide Tätigkeiten beendete sie mit Eintritt in die Bundesregierung im Jahr 2005. 2010 wählte die Hauptversammlung der WestLB Müller in den Aufsichtsrat.

Sonstige Mitgliedschaften, Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hildegard Müller ist seit 2002 Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Dort ist sie Sprecherin des Sachbereichs Wirtschaft und Soziales.[9] Hildegard Müller ist Vorsitzende des Stiftungsvorstands der Stiftung donum vitae.[10] Sie war ehrenamtliches Mitglied des Beirates des American Jewish Committee e. V. in Berlin. Weiter ist sie Präsidentin der „Deutsch-Israelischen Wirtschaftsvereinigung“.[11] Seit April 2008 ist sie Mitglied des Vorstands von UNICEF Deutschland.[12] Sie war Mitglied im Kuratorium von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF).

Im November 2019 wurde sie mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.[13]

Familie und Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2006 wurde sie Mutter einer Tochter.[14] Sie ist mit dem Rechtsanwalt Johannes Bickel verheiratet, der in Heidelberg wohnt. Müller lebt mit ihrer Tochter in Berlin.[15]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Plenarprotokoll 16/181 des Deutschen Bundestages (PDF; 628 kB)
  2. Pressemitteilung vom 24. September 2006 (Memento des Originals vom 27. September 2007 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hildegardmueller-mdb.de (PDF; 95 kB)
  3. Der Spiegel, 11. Januar 2005: Politikerkarrieren: Dresdner Bank förderte Aufstieg von Hildegard Müller. Berliner Zeitung, 11. Januar 2005: Bank bezahlte CDU-Personal und Dresdner Bank finanzierte Hilfe für CDU-Politikerin Müller. Frankfurter Rundschau 12. Januar 2005: Zur Person – Hildegard Müller
  4. Berliner Zeitung 6. Januar 2005: Bank zahlt Merkel-Vertrauter Gehalt. Geldinstitut: Hildegard Müller mit „wichtigen Sonderaufgaben“ betraut. Die Welt, 7. Januar 2005: Sonderwirtschaftszone Parlament
  5. Pressemitteilung vom 25. Juli 2008
  6. "Merkels Mädchen" geht zu RWE (Rheinische Post vom 12. Januar 2016)
  7. "Die Steuern auf Strom sind zu hoch" (Interview mit Müller), in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 11. Februar 2018, Seite 25
  8. The European. Abgerufen am 22. März 2019.
  9. Einzelpersönlichkeiten im ZdK. In: Homepage ZdK. Abgerufen am 22. März 2019.
  10. Homepage Donum Vitae. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 2. September 2017; abgerufen am 22. März 2019. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.donumvitae.org
  11. Homepage Deutsch-Israelische Wirtschaftsvereinigung. Abgerufen am 22. März 2019.
  12. Homepage von UNICEF Deutschland. Abgerufen am 22. März 2019.
  13. Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, 29. Oktober 2019, abgerufen am 31. Oktober 2019.
  14. Hildegard Müller: Die Karriere-Mutter@1@2Vorlage:Toter Link/www.rp-online.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., RP Online, 11. Januar 2016
  15. Biographie - Herkunft und Familie (Memento des Originals vom 11. Januar 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wiwo.de, Wirtschaftswoche, Köpfte der Wirtschaft

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hildegard Müller – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien