Hiltpoltstein

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Dieser Artikel behandelt den Markt Hiltpoltstein im oberfränkischen Landkreis Forchheim. Eine Stadt im mittelfränkischen Landkreis Roth heißt Hilpoltstein.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Hiltpoltstein
Hiltpoltstein
Deutschlandkarte, Position des Marktes Hiltpoltstein hervorgehoben
Koordinaten: 49° 40′ N, 11° 19′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: Forchheim
Verwaltungs­gemeinschaft: Gräfenberg
Höhe: 518 m ü. NHN
Fläche: 25,56 km²
Einwohner: 1527 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 60 Einwohner je km²
Postleitzahl: 91355
Vorwahl: 09192
Kfz-Kennzeichen: FO, EBS, PEG
Gemeindeschlüssel: 09 4 74 138
Marktgliederung: 12 Ortsteile
Webpräsenz: www.hiltpoltstein-online.de
Bürgermeisterin: Gisela Bauer (Bürger für Hiltpoltstein)
Lage des Marktes Hiltpoltstein im Landkreis Forchheim
Landkreis Nürnberger Land Erlangen Landkreis Bamberg Landkreis Erlangen-Höchstadt Landkreis Bayreuth Bamberg Landkreis Bamberg Wiesenttal Igensdorf Hiltpoltstein Gräfenberg Hallerndorf Forchheim Hausen (bei Forchheim) Heroldsbach Eggolsheim Weißenohe Wiesenthau Weilersbach (Oberfranken) Unterleinleiter Pretzfeld Poxdorf (Oberfranken) Pinzberg Obertrubach Neunkirchen am Brand Leutenbach (Oberfranken) Langensendelbach Kunreuth Kleinsendelbach Kirchehrenbach Hetzles Gößweinstein Effeltrich Ebermannstadt Dormitz IgensdorfKarte
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Hiltpoltstein ist ein Markt im oberfränkischen Landkreis Forchheim und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Gräfenberg. Der Markt liegt rund 25 Kilometer nordöstlich von Nürnberg.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geologie und Topografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hiltpoltstein liegt am Rande einer Hochfläche in der Fränkischen Schweiz. Mit einer Höhenlage zwischen 484 und 515 m ü. NN gehört der Ort zu den höchstgelegenen Gemeinden im Landkreis Forchheim. Der Altort liegt überwiegend auf der dolomitischen Fazies des Weißen Jura und weist eine Reihe exponierter Schwammriffe (Schwammstotzen) auf. Der höchste dieser Dolomitfelsen auf dem Gemeindegebiet ist die Silberecke, zugleich ein ausgewiesenes Naturdenkmal. Mit 602 m ü. NN ist es der höchste Punkt im Landkreis Forchheim, gefolgt vom nahe gelegenen Stumpfelestein (596 m ü. NN) und dem Bitzenberg (586 m ü. NN). Östlich des Ortes verläuft in nord-südlicher Richtung der Haupt-Riffzug von Rupprechtstegen, dessen gebankte Dolomite eine Hochfläche bilden. Im Gemeindegebiet (inklusive Eingemeindungen) teilen sich der Dolomit des Weißen Jura und zum Teil stark quarzhaltige Alblehme etwa zu gleichen Teilen die heutige Fläche. Zwischen Hiltpoltstein (Hauptort) und Kappel dominieren Alblehme, desgleichen in Kemmathen und auf der sich westlich anschließenden Hochfläche. Lokal begrenzt sind östlich des Hauptortes geologische Reste aus der Oberkreide vorhanden, vor allem in Gestalt der Kallmünzer. Dabei handelt es sich um zum Teil recht große Findlinge aus verkieseltem Sandstein.

Das Gemeindegebiet umfasst eine Fläche von 2562 Hektar. Die Nachbargemeinden sind Obertrubach, Gräfenberg, Betzenstein und Simmelsdorf. Das Ortsbild wird geprägt von der Burg Hiltpoltstein. Diese liegt auf einem etwa 20 Meter aufragenden Dolomitfelsen bei 530 m ü. NN.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde gliedert sich in zwölf Ortsteile (in Klammern Einwohnerzahl, Stand Januar 2014):[2][3]

Das Gemeindegebiet ist ein Ergebnis der Gebietsreform in Bayern und besteht in dieser Form seit dem 1. Mai 1978. Die bis dahin selbständige Gemeinde Kappel mit den Ortsteilen Kemmathen, Großenohe, Schossaritz und Almos wurde komplett eingegliedert, außerdem trat Lilling die Ortsteile Wölfersdorf und Erlastrut sowie die Gemeinde Obertrubach den Ortsteil Möchs an Hiltpoltstein ab.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ort und Burg Hiltpoltstein
Burg Hiltpoltstein
Hauptartikel: Burg Hiltpoltstein

Ur- und Frühgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die ur- und frühgeschichtliche Besiedlung des Hauptortes Hiltpoltstein ist bislang wenig bekannt. In den eingemeindeten Gemarkungen gibt es dagegen eine Reihe von archäologischen Fundplätzen, die in die Bayerische Denkmalliste eingetragen sind. Dazu gehört ein verebnetes Grabhügelfeld der Hallstattzeit nördlich von Kemmathen, das erstmals durch den Fund eines vollständig erhaltenen Bronzeschwertes im Jahre 1926 bekannt geworden ist.[5] 1997 wurde ein noch teilweise erhaltener Grabhügel der Stufe Hallstatt D1 ausgegraben.[6] An der südlichen Gemeindegrenze zu Simmelsdorf gibt es insgesamt elf Grabhügel der Hallstattzeit, von denen vier in den 1990er Jahren archäologisch untersucht wurden.[7][8] Mehrere Trichtergrubenfelder zum Abbau von Bohnerzen befinden sich westlich und nordwestlich des Ortes Kappel. Schlacken deuten auch auf Eisenverhüttungsplätze am Ort, die Zeitstellung ist jedoch unklar.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das älteste Fundobjekt auf dem Plateau des Burgfelsens ist eine spätottonische Scheibenfibel aus Bronze, die in das Ende des 10. Jahrhunderts oder das erste Viertel des 11. Jahrhunderts datiert wird.[9] Im Jahr 1109 wurde „Hilteboldesdorf cum castro“ als Besitz des Klosters Weißenohe erstmals urkundlich erwähnt (vgl. entsprechenden Abschnitt zur Burg). Die Herren von Hiltpoltstein-Rothenberg stellten als Ministerialen im Heiligen Römischen Reich den Burgvogt. Das Geschlecht ist urkundlich erstmals 1139 mit „Odalricus quidam de Hilteboldestein“ (Ulrich von Hiltpoltstein) belegt.[10] Seit 1188 stand die Burg unter Lehnsherrschaft der Staufer, die mit einer Urkunde von 1205 dem Kloster Weißenohe auch weiterhin die Vogtwahl überließen. Urkunden zwischen 1246 und 1276 nennen einen Reichsministeriale Hiltpold nach den drei zugehörigen Herrensitzen Lauf (Wenzelschloss), der Burg auf dem „Alten Rothenberg“ und Hiltpoltstein. Im Jahre 1251 wird er als „Hilteboldus de Hilteboldestein“ genannt, 1254 als „Hiltepoldus de Rotenberge“. Der Leitname „Hiltpold“ blieb während der gesamten staufischen Zeit erhalten. Nach der Hinrichtung des letzten Staufers Konradin fiel der Besitz 1268 an den bayerischen Herzog Ludwig den Strengen. 1275 war Hiltpoltstein Sitz eines herzoglich-bayerischen Amtes, das neun Orte umfasste. Als Kaiser Ludwig der Bayer 1329 im Hausvertrag von Pavia das Wittelsbacher Gut mit den Erben seines Bruders teilte, fiel die Burg an die Kurpfalz.

Unter böhmischer Herrschaft (1353–1503)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 29. Oktober 1353 wurde der so genannte Hagenauer Kaufvertrag über 12.000 Mark Silber zwischen Pfalzgraf Ruprecht und dem böhmischen König und späteren römisch-deutschen Kaiser Karl IV. geschlossen, in dem Hiltpoltstein zusammen mit anderen Orten an das Königreich Böhmen verkauft wurde. Mit der böhmischen Besitznahme wurde auf der Burg ein Pflegamt mit Hochgericht errichtet. Neben Erlangen war Hiltpoltstein damit in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts eine der nordwestlichsten Exklaven des als „Neuböhmen“ bezeichneten Territorialgebildes. Der Ort wird im Böhmischen Salbuch von 1366/68 als „Hilpoldstein“ geführt.[11]

In der Nachfolge Karls IV. verpfändete König Wenzel die Burg im Jahre 1397 an die böhmischen Unternehmer Herdegen und Peter Valzner, die kurz darauf in den Nürnberger Patrizierstand erhoben wurden. Trotz der damit beginnenden Einflussnahme der Reichsstadt blieb Hiltpoltstein weiterhin formal Eigentum der böhmischem Krone. Im Gegensatz dazu wurden die meisten anderen neuböhmischen Orte um 1400 durch die Kurpfalz zurückerobert bzw. an diese abgetreten. Dazu gehörte auch Auerbach in der Oberpfalz mit dem bis dahin zuständigen Landgericht. Die Landgerichtsbarkeit wechselte in der Folge ebenfalls nach Nürnberg.

Durch Eheschließung mit Regina Valzner, Erbtochter von Peter Valzner, gelangte 1408 Ritter Friedrich von Seckendorff in den Pfandbesitz von Ort und Burg.[12][13] Im Jahre 1417 erhielt Seckendorff von König Sigismund das Marktrecht für sein Dorf „zum Hipoltzstain“ und das Privileg, den Markt zu befestigen. Die Marktbefestigung umfasste zwei Tore im Osten und Westen. Davon ist heute nur noch das östliche, 1527 zu einem Torwächterhaus ausgebaute „Obere Tor“ erhalten. Ort und Burg gerieten im Ersten Markgrafenkrieg in das Machtgefüge des Albrecht Achilles, daraufhin brannten am 22. Juli 1449 nürnbergische Truppen das „Dorf unter dem Hiltpoltstein“ nieder.[14] Das Adelsgeschlecht der Seckendorffer behielt die Burg bis 1503 in Pfandbesitz.

Reichsstädtische Zeit (1503–1806)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kupferstich, Johann Alexander Böner, 1696
Kupferstich von Christoph Melchior Roth, 1760

In Voraussicht bayerisch-pfälzischer Erbstreitigkeiten löste Puotha von Riesenberg, oberster Landrichter des Königreichs Böhmen, im Jahre 1503 die Burg mit Zustimmung von König Vladislav II. für 3600 Gulden von den Seckendorffern aus.[15][16] Gleichzeitig wurden Verhandlungen mit der Reichsstadt Nürnberg aufgenommen, die zur Arrondierung ihrer Ländereien an der Übernahme Hiltpoltsteins interessiert war. Der Preis des Pfandbriefs, den die Reichsstadt im Oktober 1503 für Burg und Ort Hiltpoltstein zahlte, betrug 6000 Gulden.[17] Der Kauf war notwendig, da der Ort nicht pfälzisch und daher für die Reichsstadt nicht durch Eroberung zu gewinnen war. Noch im selben Jahr wurde die Burg Sitz eines Nürnberger Pflegamtes.

Unter dem Schutze der Reichsstadt blieb Hiltpoltstein vom Bauernkrieg verschont. Umstritten ist die Frage, ob es im Zweiten Markgrafenkrieg zu Zerstörungen kam. Am 21. Mai 1552 wurde die Burg vom markgräflichen Kriegshauptmann Wilhelm von Stein eingenommen und vier Wochen später von reichsstädtischen Truppen unter Martin Schrimpf zurückerobert. 1560 wurde ein Vertrag zwischen Kaiser Ferdinand I., zugleich König von Böhmen, und der Reichsstadt geschlossen, gegen Zahlung von 1500 Talern den Pfandbesitz weitere 25 Jahre fortzuschreiben.[18] Kaiser Matthias belehnte im Jahre 1612 das Amt Hiltpoltstein mit der Jurisdiktion des Markts und Pflegamts einschließlich der Hochgerichtsbarkeit.[19] Der Richtplatz befand sich auf dem Galgenbühl (511 m ü. NN) südlich des Ortes, nahe dem Ortsteil Görbitz.[20] 1624 übertrug Kaiser Ferdinand II. der Stadt Nürmberg den Pfandbesitz über Markt und Burg Hiltpoltstein als böhmisches Lehen.[21] Bei der angeblichen Erhebung zur Stadt im Jahre 1631 handelte es sich um eine Verwechslung mit dem mittelfränkischen Hilpoltstein.[22] Sämtliche kaiserlichen Urkunden zur Berufung neuer Landpfleger nennen bis in das ausgehende 18. Jahrhundert eindeutig den Markt Hiltpoltstein. Durch die bis ins 19. Jahrhundert variable Schreibweise war für Chronisten stets eine Verwechslungsgefahr beider Ortschaften gegeben. Darauf dürfte auch die vermeintliche Rückstufung zum „Marktflecken“ im Jahre 1809 bei Friedrich Weiß zurückzuführen sein.[20]

Erst um die Mitte des 17. Jahrhunderts wurde Nürnberg durch weitere Zahlungen vollständiger Eigentümer des Ortes und damit aller hoheitlichen Rechte. Im Jahre 1792 wurde in Hiltpoltstein eine preußische Poststation auf der Strecke zwischen Bayreuth und Nürnberg eingerichtet.[23]

Jüngere Geschichte (seit 1806)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hiltpoltstein (Stahlstich von Alex Marx, 1843)

1806 wurde Hiltpoltstein wie das gesamte Nürnberger Land durch die Rheinbundakte in das Königreich Bayern eingegliedert. Von 1808 bis 1810 war Hiltpoltstein dem Landgericht Gräfenberg im Pegnitzkreis, ab 1810 dem Rezatkreis und ab 1817 dem Obermainkreis zugeordnet.

Mit der Bildung von Landgerichten wurden die Pflegämter abgelöst, so dass das Pflegschloss seit 1808 nicht mehr als Amtssitz genutzt wurde. Die Oberburg war bereits seit dem 18. Jahrhundert als Wohnsitz verwaist.[20] Das „untere“ (westliche) Stadttor wurde 1822 abgetragen.[20] Der Staat verkaufte die Burg an Private, die in den darauffolgenden Jahrzehnten stark verwahrloste. 1841 vereitelte König Ludwig I. den geplanten Abriss der baufälligen Burg.[24] Nach der Rückführung in königlich-bayerischen Besitz wurde sie 1843 saniert und anschließend Sitz der lokalen Forstverwaltung.

Seit 1966 befindet sich die Burg wieder in Privatbesitz.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westansicht des Ortskerns mit Matthäuskirche und Burg

Die Bewohner Hiltpoltsteins sind zum überwiegenden Teil evangelisch-lutherisch.

Die älteste Pfarrkirche befand sich im zehn Kilometer entfernt gelegenen Rüsselbach. Im Jahre 1414 wurde im heutigen Ortsteil Kappel, damals ein eigenständiger Ort, die seit dem 12. Jahrhundert bestehende Kapelle Sankt Agatha zu einer Pfarrkirche erhoben, um neben den Bewohnern von Kappel auch denen der Gemeinden Hiltpoltstein, Großenohe, Wölfersdorf, Görbitz, Lilling und Kemmathen einen weniger beschwerlichen Kirchgang zu ermöglichen.[25] Die zur Pfarrkirche erhobene Kapelle wurde von den Patronatsherren Ehrenfried von Seckendorff und Herdegen Valzner fundiert und mit 400 Rheinischen Gulden dotiert.[26] Ab diesem Zeitpunkt hatte sie das Parochialrecht über Taufen und Begräbnisse dieser Orte.

In Hiltpoltstein wurde zwischen 1460 und 1465 an die Stelle der späteren Matthäuskirche die „Kapelle zur Heiligen Glut“ gebaut,[27] in der bis zur Reformation der Kappeler Pfarrer dreimal wöchentlich die Messe las.[26][28] Die Reformation wurde in den Nürnberger Besitzungen zügig und zum Teil gegen den Widerstand der Bevölkerung durchgesetzt, allerdings bot die niedrige Kapelle für die lutherische Gemeinde wenig Platz. Martin Glaser, ein Freund Martin Luthers, predigte hier erstmals 1526. Vor seiner Konversion war er Mönch und Prediger im Augustinerkloster Nürnberg. Die Kappeler Kirche war seit dieser Zeit verschlossen, da der Ort zur Fraiß des Burggrafen vom Rothenberg gehörte und eine Enklave im reformierten nürnbergischen Gebiet darstellte. Der letzte katholische Pfarrer verließ Kappel im Jahre 1535 und die Kirche verfiel, bis im 19. Jahrhundert die letzten Mauerreste abgerissen wurden.

Das Hiltpoltsteiner Ortsbild wird seit dem 17. Jahrhundert von der zentral gelegenen evangelischen Pfarrkirche St. Matthäus geprägt. Südlich davon befinden sich das Pfarrhaus (Hinterer Berg 1) und das evangelische Gemeindehaus (Hinterer Berg 8).

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister/in[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeisterin ist seit 2009 Gisela Bauer (Bürger für Hiltpoltstein). Ihr Vorgänger war Johann Deuerlein (Freie Wähler).

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl 2014 führte zu folgender Sitzverteilung im Marktgemeinderat:

CSU SPD Freie Wähler Bürger für Hiltpoltstein Gesamt
2014 5 0 3 4 12 Sitze
2008 4 1 4 3 12 Sitze

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wappenbeschreibung lautet: Schräg geteilt von Gold und Rot; aufgelegt ein gespaltener Schild, darin vorne in Gold ein halber, rot gezungter schwarzer Adler am Spalt, hinten fünfmal schräg geteilt von Rot und Silber. Die Schrägteilung von Gold und Rot zeigt das Wappen der Herren von Hiltpoltstein–Rothenberg, die zur Zeit der Staufer Ministerialen im Heiligen Römischen Reich waren. Nach Heirat der Erbtochter des letzten Hiltpold mit Dietrich I. von Wildenstein übernahm die Rothenberger Linie des Adelsgeschlechts Wildenstein am Ende des 13. Jahrhunderts das Wappen.

Der Schild mit dem Nürnberger Wappen verweist auf die Zugehörigkeit Hiltpoltsteins zur Reichsstadt Nürnberg von 1503 bis 1806. Ortssiegel mit dem Nürnberger Wappen im Schild sind erst seit dem frühen 17. Jahrhundert bekannt. Das älteste bekannte Siegel hat die Umschrift „DES MARCKTS HILTPOLTSTEIN INSIG“ und das Wappen in der bis heute gültigen Gestaltung. Seit der Einverleibung der Reichsstadt Nürnberg in das Königreich Bayern 1806 verschwand das Nürnberger Wappen wieder aus dem Hiltpoltsteiner Dienstsiegel.[29]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den überwiegenden Teil des Gemeindegebiets (etwa 50 %) nehmen Landwirtschaftsflächen ein (1289 ha). Auffällig ist der hohe Anteil der Waldfläche mit rund 41 % (1051 ha). Siedlungs- und Verkehrsfläche im Gemeindegebiet machen rund 204 ha oder 8 % der Gesamtfläche aus. Im Gemeindegebiet gibt es 58 landwirtschaftliche Betriebe, davon 18 Haupterwerbsbetriebe (Stand 2013). Davon entfallen sechs landwirtschaftliche Betriebe und zwei Haupterwerbsbetriebe auf den Hauptort (Stand 2013). Die landwirtschaftlich genutzte Fläche des Hauptortes beträgt 293,5 ha, davon sind 72 % Acker, 52 ha Wald und 2,2 ha Hoffläche.

In Hiltpoltstein befindet sich die kreiseigene Obstbauversuchsanlage und daran angeschlossen der einzige Edelreiserkeller Bayerns. Hier lagern in jedem Frühjahr etwa 20.000 Edelreiserruten zur Pflanzenveredelung.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt an der Bundesstraße 2 von Nürnberg nach Bayreuth. Die A 9 ist über den Anschluss Hormersdorf (zirka neun Kilometer entfernt) zu erreichen. Die Kreisstadt Forchheim liegt zirka 23 Kilometer westlich und Erlangen zirka 30 Kilometer südwestlich der Gemeinde.

Flurbereinigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flurbereinigung im Gemeindegebiet wurde größtenteils bis Mitte der 1970er Jahre beendet. In Erlastrut, Wölfersdorf und Möchs waren die Flurbereinigungsverfahren 1970, in Almos 1974 und in Hiltpoltstein mit Göring und Görbitz 1975 abgeschlossen. 1986 wurden für Kappel, Kemmathen, Schoßaritz und Großenohe Flurbereinigungsverfahren eingeleitet und zwischenzeitlich ebenfalls beendet.

Kultur und Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fachwerkhaus in Hiltpoltstein
Östliches Stadttor „Oberes Tor“, heute Torhaus über der Bundesstraße 2

Burg Hiltpoltstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Burg Hiltpoltstein

Pfarrkirche St. Matthäus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Pfarrkirche St. Matthäus, eine Saalkirche mit Satteldach, eingezogenem Chor und Turm, wurde zwischen 1617 und 1626 erbaut. Als die Kapelle Sankt Agatha in Kappel 1612/13 einstürzte, ließen die Pfleger die beiden Glocken nach Hiltpoltstein bringen. Der gotische Flügelaltar (um 1420 von einem unbekannten Meister gemalt) stammt ursprünglich aus dem um 1550 aufgelösten Dominikanerkloster Nürnberg. Die Innenausstattung wurde dem Neubau von Nürnberger Patrizierfamilien gestiftet, welche seit 1503 die Landpfleger stellten. Hierzu gehört der achteckige Taufstein mit Jakobsmuschelrelief (um 1626), der im Sockel das Wappen der Patrizierfamilie Imhoff trägt. Zu den Besonderheiten gehört der evangelische Beichtstuhl (um 1700).[30]

Nach Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg, von denen Hiltpoltstein zwischen 1631 und 1635 stark betroffen war,[31] wurde die Kirche in den Jahren 1644 bis 1651 wiederhergestellt. Der Turm neben der Westfront wurde 1680 gebaut, zwischen 1699 und 1706 erfolgte außerdem eine Erhöhung des Langhauses. Das Schiff wurde 1754 nach Süden erweitert und dem Turm die noch erhaltene Zwiebelhaube aufgesetzt.

Denkmalgeschützte Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der historische Ortskern von Hiltpoltstein ist als Denkmalensemble in der Liste des Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege eingetragen. Insgesamt gibt es im Gemeindegebiet inklusive Nebenorten 30 Baudenkmäler. Im Hauptort befinden sich eine Reihe denkmalgeschützter Häuser, darunter:

  • das Pfarrhaus, ein zweigeschossiger Satteldachbau mit Steilgiebel: erstmals 1575, Wiederaufbau nach dem Dreißigjährigen Krieg um 1650, weitere Modifikationen im 18./19. Jahrhundert;
  • Fachwerkhäuser, meist des 18. und 19. Jahrhunderts, Hauptstraße Nr. 26, 42, 46, 51 und 56 (Bundesstraße 2);
  • das östliche Tor der Marktbefestigung („Oberes Tor“), Hauptstraße 52, heute Durchfahrt einer Fahrspur der Bundesstraße 2, in Gemeindebesitz;
  • das ehemalige Brauhaus des Pflegamtes, Am Schlosshof 1: wahrscheinlich 16. Jahrhundert, 1872 in ein Wohnhaus mit Stall umgebaut, heute Vereinsheim der Ortsgruppe des Fränkische-Schweiz-Vereins e.V.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fünf Wanderwege kreuzen den Hauptort Hiltpoltstein. Ein etwa sieben Kilometer langer Rundwanderweg (Rotring) um Hiltpoltstein ist mit 31 Schautafeln zugleich als Naturlehrpfad beschildert.[32] Die Erweiterung des Rundwanderweges (Gelbring, ca. drei Kilometer) verbindet die drei höchsten Felsgipfel Silberecke, Stumpfelestein und Bitzenberg. Zusätzlich durchquert ein etwa 23 km langer, ausgeschilderter Rundkurs für Mountainbiker das Gemeindegebiet.

Für Klettersportler bietet die Umgebung von Hiltpoltstein zahlreiche Kletterfelsen mit weit über 100 verschiedenen Kletterrouten. Das Großenoher Tal weist eine für die Karstlandschaft typische Kalkmagervegetation auf.

In der ehemaligen Brauerei Schmidt (1618–1958), gelegen in der Hauptstraße 47–49, werden von den Besitzern nach Voranmeldung Führungen angeboten.[33]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortsgruppe Hiltpoltstein des Fränkische-Schweiz-Vereins wurde im April 1978 gegründet und hat heute über 200 Mitglieder.[34] Schwerpunkte der Arbeit sind die Pflege der Wanderwege und des Naturlehrpfades (insgesamt ca. 75 km), der Naturschutz, die Sammlung von Brauchtum und die Erstellung einer Ortschronik. Außerdem ist Hiltpoltstein Sitz des Vereins für den Schutz des Naturparks Fränkische Schweiz.[35] Die Kirwaboum Hiltpoltstein e. V. organisieren die jährliche Kirwa (Kirchweih).[36]

Der lokale Sportverein SV Hiltpoltstein 1949 e. V. betreibt die Sparten Fußball, Tischtennis, Karate, Gymnastik und Ski.[37] Die erste Mannschaft im Fußball der Herren spielt in der Kreisklasse Erlangen/Pegnitzgrund 3. Des Weiteren gibt es einen Schützenverein, die SG 1893 Hiltpoltstein.[38]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Martin Alberti (1666–1729), Theologe und Liederdichter, Sohn von Paul Martin Alberti d. Ä., geboren in Hiltpoltstein
  • Carl Haller von Hallerstein (1774–1817), Architekt und früher Archäologe, geboren im Pflegschloss Hiltpoltstein
  • Ingrid Hofmann, Geschäftsführende Alleingesellschafterin der I. K. Hofmann GmbH, geboren in Hiltpoltstein

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hiltpoltstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Internetauftritt der Gemeinde Hiltpoltstein: Einwohnerzahlen Marktgemeinde Hiltpoltstein
  3. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111102/184650&attr=OBJ&val=1203
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 684.
  5. Hermann Müller-Karpe: Ein Hallstattschwert mit Bronzegriff aus Oberfranken. In: Germania, Band 30, 1952, S. 100-102
  6. Antja Bartel, Ermelinda Spoletschnik: Ein hallstattzeitliches Wagengrab aus Kemmathen. In: Das Archäologische Jahr in Bayern 1997 (1998), S. 95-99
  7. Ferdinand Leja: Ein neuer hallstattzeitlicher Friedhof bei Oberndorf. In: Das Archäologische Jahr in Bayern 1994, S. 82-84
  8. Robert Frank: Ein weiterer hallstattzeitlicher Grabhügel der Nekropole von Oberndorf. In: Das Archäologische Jahr in Bayern 1997, S. 90-93
  9. Mechthild Schulze-Dörrlamm: Kreuze mit herzförmigen Armen. Die Bedeutung eines Ziermotivs für die Feinchronologie emaillierter Bronzefibeln des Hochmittelalters. In: Archäologisches Korrespondenzblatt 18, 1988, S. 407-415.
  10. Otto, Bischof zu Bamberg, bestätigt die Stiftung eines Gutes zu Ramoldsreuth ("Rumoldisruit", Vogtlandkreis) durch Udalricus von Hiltpoltstein ("Hilteboldesstein") über Konrad ("Chuonradus") von Hüll ("Hule" bei Betzenstein) an das Kloster Michelsberg zu Bamberg und dessen Eintritt in das Kloster. Archivalie von 1139, Staatsarchiv Bamberg, Kloster Michelsberg, Urkunden 23
  11. Böhmisches Salbuch, 1366/68, S. 61 ff, 83 f, 87, 123
  12. StAN, Seck.Dok.Nr.66b
  13. Gerhard Rechter: Die Seckendorff: Quellen und Studien zur Genealogie und Besitzgeschichte, Band 1 (Stammfamilie mit den Linien Jochsburg und Rinhofen.) In: Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte, Band 36.
  14. Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte, Reihe IX. Darstellungen aus der fränkischen Geschichte, Band 28, 1971, S. 231
  15. StAN Rst. Nürnberg, Päpstliche und fürstliche Privilegien, Urkunden 431
  16. StAN Rst. Nürnberg, Päpstliche und fürstliche Privilegien, Urkunden 432
  17. StAN Rst. Nürnberg, Päpstliche und fürstliche Privilegien, Urkunden 434
  18. StAN Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden, Urkunden. Vidimus des Abtes Lienhardt von Kloster Ebrach und Wilhelms von Dornbach, Hauskomtur des Deutschen Hauses zu Nürnberg.
  19. Michael Truckenbrot: Nachrichten zur Geschichte der Stadt Nürnberg, welcher die Geographie des Distrikts, und die politische Geschichte der Stadt enthält. Band 2, 1786, S. 181-188.
  20. a b c d Friedrich Weiß: Die Ritterburg Hildpoldstein in den oberfränkischen Umgebungen von Muggendorf. Nürnberg, 1844, S. 23-25.
  21. StAN Rst. Nürnberg, Kaiserl. Privilegien, Urkunden 752
  22. Reales Staats- und Zeitungs-Lexicon, 24. Auflage, 1782; dagegen in der 8. Auflage (Regensburg, 1759), 10. Auflage (Regensburg und Wien, 1765) und 28. Auflage (Leipzig, 1804) korrekt als Markt bezeichnet
  23. StAN, Rst. Nürnberg, Differentialakten 815
  24. Korrespondent von und für Deutschland Nr. 297, 1841
  25. Urkunde, ausgefertigt durch den Bamberger Bischof Albert sowie Herrmann, Graf von Henneberg, Kanonikus und Koadjutor der Kirche von Bamberg am 11. Dezember 1414
  26. a b Georg Diegritz: Aus der Geschichte des Dorfes Kappel. Unveröff. Manuskript des Kirchenrates von Hiltpoltstein
  27. Aus der Geschichte des Marktes und der Kirche Hiltpoltstein. Marktgemeinde Hiltpoltstein, 2007 (unveröffentl. Manuskript)
  28. vgl. zur Bauzeit dagegen: Erich von Guttenberg: Das Bistum Bamberg - Die Pfarreiorganisation. Germania sacra, Band 2, 1966, S. 322. Hier wird der Kirchenbau in Hiltpoltstein ebenfalls auf 1414 datiert.
  29. Hiltpoltstein Online (abgerufen am 8. September 2014)
  30. http://www.offene-kirchen-bayern.de/matthaeuskirche-hiltpoltstein Matthäuskirche Hiltpoltstein (Offene-Kirchen-Bayern.de)
  31. Franz Ludwig Freiherr von Soden: Gustav Adolph und sein Heer in Süddeutschland von 1631 bis 1635. Band III, Erlangen, 1869
  32. Naturlehrpfad Hiltpoltstein (abgerufen am 30. November 2014)
  33. Brauerei Schmidt (abgerufen am 28. Juli 2015)
  34. Der Fränkische Schweiz Verein e. V. (abgerufen am 10. September 2014)
  35. Website des Vereins für den Schutz des Naturparks Fränkische Schweiz (abgerufen am 25. Januar 2015)
  36. Kirwaboum Hiltpoltstein e. V. (abgerufen am 25. Januar 2015)
  37. Website des SV Hiltpoltstein 1949 e. V. (abgerufen am 10. September 2014)
  38. Website der SG 1893 Hiltpoltstein (abgerufen am 25. Januar 2015)