Himmelmoor

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Wollgräser an einer wiedervernässten Fläche im Himmelmoor
Torfbahn und Abbaufläche im Himmelmoor

Das Himmelmoor liegt in Quickborn und angrenzenden Gemeinden im Kreis Pinneberg. Mit ursprünglich rund 600 Hektar Mooroberfläche war es das größte Hochmoor Schleswig-Holsteins.[1] Derzeit wird im Moor noch Torf abgebaut. Ursprünglich sollte der Torfabbau, laut einem Vertrag aus dem Jahre 1919, so lange weitergehen, bis das Moor verschwunden ist. Inzwischen wird aber die schrittweise Renaturierung des Himmelmoors betrieben. Der Torfabbau soll im Jahr 2020Vorlage:Zukunft/In 4 Jahren beendet werden.[1] Flächen im Nordteil des Himmelmoores wurden bereits wiedervernässt.[2] Es gibt zwei Rundwanderwege, auf denen man sich über das Moor informieren kann, einen Wanderweg auf den Spuren der Torfbahn und seit 2012 einen Reitweg rund um das Moor.[3] An manchen Wochenenden sind auch Rundfahrten mit der Lorenbahn möglich.[2]

Die Randbereiche des Himmelmoors liegen – zusammen mit dem Kummerfelder Gehege und der Bilsbek-Niederung – im FFH-Gebiet Himmelmoor, Kummerfelder Gehege und angrenzende Flächen (Kennung DE-2224-391), wodurch sie zum europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000 gehören.[4][5] Ausgenommen ist jedoch der Kernbereich des Moors, der teilweise schon wiedervernässt ist, teilweise aber auch noch abgetorft wird.[1] Dieser Bereich liegt seit 1969 im Landschaftsschutzgebiet LSG des Kreises Pinneberg. Eine Ausweisung als Naturschutzgebiet ist – ab 2020Vorlage:Zukunft/In 4 Jahren, nach Auslaufen des Torfabbaus – vorgesehen.[2]

Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Große Königslibelle

Das Moor und die umliegenden Gebiete sind reich an verschiedenen Vogelarten, die teilweise sehr selten in Deutschland sind. Es leben Wasservögel wie Sumpfmeise, Eisvogel, Blässralle, Krickente sowie Weißstorch und Kraniche in den Feuchtflächen. Daneben gibt es Wachtelkönig, Zwergschnäpper, Schwarzstirnwürger, Mittelspecht, Schwarzspecht und Uhu in den bewaldeten Bereichen. Zugvögel wie Graugänse nutzten das Moor als Zwischenstation. Vögel die im Moor leben sind unter anderem Rotmilan, Wespenbussard, Mäusebussard und Turmfalke.[6][7] Im Moor leben verschiedene Libellenarten, wie die Weidenjungfer und Edellibellen wie die Große Königslibelle. Daneben gibt es noch andere Insektenarten, wie Hornissen.[7] Auch verschiedene Reptilien und Amphibien kommen vor, unter anderem die Schlangenarten Schlingnatter und Kreuzotter, sowie die Kreuzkröte und verschiedene Frösche.[6]

Flora[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze, wächst im Moor.[7] Schlenken aus Torfmoose und Moorwälder kommen im Südosten des Himmelmoores vor, wie auch Wollgräser und Schnabelriede.

Das nahe Kummersfelder Gehege, im gleichen Schutzgebiet wie das Himmelmoor, besteht zu großen Teilen aus bodensauren Buchenwäldern, kleine Flächen sind Waldmeister-Buchenwald. Der feuchte Teil des Waldes ist mit Eschen durchsetzt, wo der Boden mager ist kommt Birken-Eichenwald vor. Auf den sauren Böden wachsen Binsengewächse wie Wald-Hainsimse, Draht-Schmiele (ein Süßgras) und Heidelbeeren. In der artenreichen Krautschicht gibt es verschiedene Perlgräser und Waldbingelkraut, aber auch Blütenpflanzen wie die Goldnessel.[8]

Auf den Flächen rund um das Zentrum des Moores, wo kein Torf mehr abgebaut wird, hat sich ein Bruchwald aus Moor-Birken entwickelt.[9] Diese Birkenwälder sterben durch die vorangehende Vernässung langsam ab,[7] welches gut ist um den ursprünglichen Moorcharakter wiederherzustellen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Abbaufläche im Himmelmoor

Die Urbarmachung des Himmelmoores begann um 1780. Die Ränder des Moores wurden in 1000–5000 Quadratmeter große Parzellen aufgeteilt und an Bauern der benachbarten Dörfer Bilsen, Borstel-Hohenraden, Hemdingen, Quickborn und Renzel zum Torfabbau übertragen. In den 1870er Jahren begann der industrielle Torfabbau unter Zuhilfenahme von Maschinen im Zentrum des Moores.[10] Seit 1915 wurde dort ein Arbeitslager für Strafgefangene, die von dem Zentralgefängnis Rendsburg als Torfarbeiter angefordert werden konnten, betrieben.[11] Im Zweiten Weltkrieg gab es neben dem Strafgefangenen-Arbeitslager ein Kriegsgefangenenlager in dem französische und sowjetische Kriegsgefangene, sowie politische Gefangene als Zwangsarbeiter zur Torfgewinnung eingesetzt wurden.[12] Innerhalb dieses Kriegsgefangenen-Lagers bestand ein weiteres, separates Lager, in dem mindestens 53 jüdische Kriegsgefangene untergebracht waren. Auch sie wurden zur Torfgewinnung eingesetzt und bildeten das Kriegsgefangenen-Arbeitskommando 1416.[13] Das Gebäude, in dem sie untergebracht waren, steht heute noch in nahezu unverändertem Zustand. Eine kleine Gedenktafel befindet sich vor dem Eingang des Gebäudes. Zwischen den Weltkriegen und noch bis in die 1980er Jahre haben Strafgefangene der Justizvollzugsanstalt Neumünster im Offenen Vollzug im Himmelmoor Torf abgebaut.[14] Seit 1960 wurde der Weißtorf auch maschinell abgebaut.[10]

Im Dezember 2005 wurde ein „Förderverein Himmelmoor“ gegründet.

Panorama[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vordergrund eine wiedervernässte Abbaufläche (FFH-Gebiet), im Hintergrund die aktuelle Abbaufläche (Landschaftsschutzgebiet)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Himmelmoor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Informationsveranstaltung des LLUR: Managementplanung für das FFH-Teilgebiet „Himmelmoor“ wird der Öffentlichkeit vorgestellt. LLUR, 21. August 2014, abgerufen am 3. April 2016 (Pressemeldung).
  2. a b c Natur kehrt zurück ins Himmelmoor. kreis-pinneberg.de, 4. Juni 2004, abgerufen am 13. September 2012 (Pressemitteilung).
  3. Quickborn feiert das Pferd, pinneberger-tageblatt.de, abgerufen am 13. September 2012
  4. World Database on Protected Areas – FFH-Gebiet Himmelmoor, Kummerfelder Gehege und angrenzende Flächen (englisch)
  5. Himmelmoor, Kummerfelder Gehege und angrenzende Flächen. Bundesamt für Naturschutz, abgerufen am 13. September 2012.
  6. a b Himmelmoor, Kummerfelder Gehege und angrenzende Flächen. Europäische Umweltagentur, abgerufen am 13. September 2012.
  7. a b c d Himmelmoor in Quickborn. moorkienwurzeln.de, abgerufen am 31. August 2012.
  8. Himmelmoor, Kummerfelder Gehege und angrenzende Flächen (FFH DE 2224-391). Abgerufen am 13. September 22012 (PDF; 20 kB).
  9. Wandern zwischen Gegensätzen. schleswig-holstein.de, abgerufen am 13. September 2012 (PDF; 30 kB).
  10. a b Himmelmoor. Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, abgerufen am 13. September 2012.
  11. Mooradministrator in Lentföhrden 1915 – 1920. gemeinde-lentfoehrden.de, abgerufen am 13. September 2012.
  12. Monika Köhler: Himmelmoor lag nebenan. Ossietzky Ausgabe 12/2005, abgerufen am 13. September 2012.
  13. Margarete Degenhardt: Kriegsgefangenen-Arbeitskommando 1416. Wachholtz, 2005, ISBN 3-529-06139-5.
  14. Freundliche Mitteilung von Jörg Alisch, Leiter Justizvollzugsanstalt Neumünster vom 20. März 2013

Koordinaten: 53° 44′ 32″ N, 9° 51′ 25″ O