Himmelsbestattung

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Die Himmelsbestattung ist als Form der Luftbestattung eine in verschiedenen Ländern Zentralasiens praktizierte Bestattungsart. Objektiv begründet ist sie durch für eine Erdbestattung zu harte Steppenerde und für eine Feuerbestattung den Mangel an Brennholz. In der Tradition sind dann die ethischen Grundsätze und religiösen Begründungen dazu entstanden.

Tibet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese für den Buddhismus sonst unübliche Art der Bestattung ist auf den Mangel von Brennholz sowie den im Winter gefrorenen Boden in der Region zurückzuführen. So wurde die Himmelsbestattung in den regionalen Buddhismus eingebracht. In Tibet wird diese Form heute noch regelmäßig durchgeführt neben Feuer- und Erdbestattungen. Himmelsbestattungen finden im „Tal des Buddha“ statt. Dieses befindet sich in der Nähe des Kailash, dem tibetischen „Sitz der Götter“.

Ein Leichnam wird für die Himmelsbestattung vorbereitet

Die Himmelsbestattung ist bis heute in Tibet am meisten verbreitet. Der Leichnam wird einige Tage im Haus weiter symbolisch mit Essen versorgt. In dieser Zeit von drei bis fünf Tagen wird dem Toten von einem Lama aus dem Tibetischen Buch der Toten vorgelesen, um die Seele des Toten zum Verlassen des Körpers zu bewegen. Am Tag der Bestattung wird der Leichnam nach einer letzten Beschwörung des Lamas noch vor Sonnenaufgang zum Bestattungsplatz gebracht. Dort wird der Körper von den Leichenbestattern, den Ragyapas, zerteilt und den – zuvor angelockten – Geiern zum Fressen überlassen. Diese tragen nach tibetischer Vorstellung den Verstorbenen ins Bardo, einen Zustand zwischen dem Tod und der Wiedergeburt.

Mongolei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war die Himmelsbestattung auch in der Mongolei und bei den benachbarten Steppenvölkern üblich. Es handelt sich dabei um einen schamanistischen Brauch, mit einer jahrhundertealten Tradition schon vor der Einführung des Buddhismus.

Im Unterschied zu Tibet wurde der Körper hier nicht zerkleinert, sondern als Ganzes in die Steppe gelegt. Beim Transport durfte er nicht durch die Tür der Jurte getragen werden, da die Schwelle ein Hindernis für seinen Geist darstellte. Stattdessen wurde neben der Tür das Scherengitter der Wand geöffnet, um einen Durchlass zu schaffen. Die Geschwindigkeit, mit der Vögel und andere Wildtiere den Leichnam beseitigten, galt als Indikator für den Lebenswandel des Verstorbenen. In der Zeit des Sozialismus wurde dieser Brauch bekämpft, zugunsten der Erdbestattung im europäischen Stil. Diese hat sich im Laufe des 20. Jahrhunderts als die übliche Bestattungsform weitgehend durchgesetzt.

Persien und Indien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zoroastrismus wurde die Himmelsbestattung in den sogenannten „Türmen der Stille“ oder Dachmas praktiziert, heute beispielsweise von Parsen in Bombay. In „Türmen des Schweigens“ werden die Toten in zum Himmel offene Türme gebracht und Geiern überlassen.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der neolithischen Siedlung von Çatalhöyük in der Türkei fanden sich eine Wandmalerei, die kopflose Leichname und Geier darstellt. Dies wird als eine absichtliche Entfleischung durch Geier gedeutet, dagegen spricht jedoch die Anwesenheit einer größer dargestellten Figur, welche die Vögel mit einer Schleuder anzugreifen scheint. Gewöhnlich wurden Leichen im Innern der Häuser in Lehmbänken bestattet[1].

Klaus Schmidt, der Leiter der Ausgrabung der Siedlung auf dem Göbekli Tepe (PPNA), hält es für möglich, dass das Bauwerk auch als Dachma verwendet wurde.[2]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Margaret Gouin: Tibetan Rituals of Death. Buddhist funerary practices (= Routledge Critical Studies in Buddhism. Bd. 54). Routledge, London u. a. 2010, ISBN 978-0-415-56636-0.
  • Dorothea Lüddeckens: Oase ohne Geier. In: Bestattungskultur. Nr. 7, 2006, ISSN 1619-6090, S. 14–15.
  • Manfred Gerner: Friedhofskultur. Hohenheim-Verlag, Stuttgart/ Leipzig 2001, ISBN 3-89850-051-9, S. 122f.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wentzel van Huyssteen, The historical Self: Memory and Religion at Çatal Höyük. In: Ian Hodder (Hrsg.), Religion at Work in a Neolithic society. Cambridge, Cambridge University Press 2014, 114f., Abb. im selben Band S. 315
  2. Joris Peters, Klaus Schmidt: Animals in the symbolic world of Pre-Pottery Neolithic Göbekli Tepe, south-eastern Turkey: a preliminary assessment. (PDF; 4,7 MB) In: Anthropozoologica. Bd. 39, Nr. 1, 2004, S. 179–218. ISSN 0761-3032

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]