Hinterländer Platt

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Das Hessische Hinterland im Großherzogtum Hessen

Das Hinterländer Platt ist ein oberhessischer Dialekt, der im Hessischen Hinterland gesprochen wird. Er gehört zu den westmitteldeutschen Mundarten. Das Hinterland ist sprachlich ein typisches Mischgebiet. Es bildet eine Brücke zwischen dem mittelhessischen wie rheinfränkischen Süden sowie dem niederhessischen und niederdeutschen Norden. „Platt“ – umgangssprachlich für „Mundart, Dialekt“ – ist in begrifflicher Hinsicht nicht mit dem niederdeutschen Platt (siehe Plattdeutsch) zu verwechseln.[1]

Entwicklung und Einordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hinterländer Platt in seinen unterschiedlichen Lautgestalten und differenzierten Formen zählt sprachgeschichtlich in Mittelhessen (siehe Mittelhessische Dialekte) zu den „altertümlichen“ Mundarten, deren Strukturen aus dem Althochdeutschen ableitbar sind und deren aktuelle Lautsysteme mit dem Mittelhochdeutschen korrespondieren.

Verteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch generationenlanges Ineinanderheiraten in den kleinräumigen Talschaften, Gerichtsbezirken und Kirchspielen entwickelte sich für nahezu jedes dieser Gebiete auch eine eigene lokale Varietät des Hinterländer Platts, so dass ein Einheimischer jeden Sprechenden nach seinem Dialekt (Ortsdialekt) seinem Heimatort zuordnen konnte. Dementsprechend sind die Mundartscheiden im Wesentlichen deckungsgleich mit der historischen Gliederung in Ämter, Gerichtsbezirke und Kirchenspiele. Trotz dieser sprachlichen Differenzierungen sind die Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Varietäten dennoch größer als die Unterschiede.

Wichtige Sprachscheiden verlaufen nach Hans Friebertshäuser (siehe Literatur) zwischen

Innerhalb dieser Hauptlinien existieren kleinere Sprachlandschaften um

  • Bromskirchen, Dodenau, Battenfeld mit seinen Kirchspielorten, Battenberg mit Holzhausen, sowie
  • Dautphe mit Unterabteilungen in Eifa-Dexbach-Engelbach und Biedenkopf.
  • Das Perfgebiet zeigt eine deutliche Trennung des Breidenbacher Kirchspiels von Eisenhausen-Gönnern-Lixfeld, wobei Simmersbach sich von diesem Gebiet abhebt, jedoch Bottenhorn einbezieht.
  • Das Salzböde-Gebiet ist aufgeteilt zwischen den beiden ehemaligen Kirchspielen Hartenrod und Gladenbach, was auch der Aufteilung in Obergericht (heute Gemeinde Bad Endbach) und Untergericht (heute Stadt Gladenbach) des früheren Amtes Blankenstein entspricht. Diese Grenze gliedert zwei Bezirke mit gleich starkem sprachlichen Selbstbewusstsein voneinander ab. Bottenhorn nimmt hier eine Sonderstellung ein, da sich die dort gesprochen Mundart stark von der in den übrigen Ortschaften des Obergerichtes abhebt.
  • Das obere Aar-Tal (Oberweidbach, Niederweidbach, Bischoffen) gehört zu einem größeren südlichen Gebiet; in das Einflussgebiet der mittleren Lahn (ehem. Grafschaft Solms).
  • Gegen Westen, gegen das benachbarte Nassauische (Dialekt im ehemaligen Dillkreis) und gegen das nördliche Wittgensteiner Platt bestehen feste und deutliche Mundartscheiden.[2]

Selbst innerhalb der kleinräumigen Sprachlandschaften gibt es bei der Aussprache einzelner Worte von Ort zu Ort oft deutliche Unterschiede. Das Vielerlei im Wechsel der Vokale, im Gebrauch oder Wegfall der Konsonanten z. B. bei Vor- und Nachsilben machen fast jeden Ort zu einer kleinen Sprachinsel.

Stellenwert des Hochdeutschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Mundart war und ist auch das Hochdeutsche weit verbreitet. Der Grund hierfür war, dass seit Anfang des 19. Jahrhunderts eine große Anzahl der männlichen Bewohner als Wander- bzw. Saisonarbeiter über die Wetterau bis nach Worms, Heidelberg und Speyer oder ins „Bergische Land“ bis Jülich tätig waren. Ab dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg arbeiteten viele als Bauhandwerker (Maurer) bevorzugt im Siegerland oder im Ruhrgebiet. Besonders ausgeprägt war dies in den westlich gelegenen Dörfern des Hinterlandes, in denen die Realteilung üblich war. Dadurch wurden die zur Verfügung stehenden landwirtschaftlichen Flächen pro Familie immer kleiner, so dass ohne Zuerwerb die Familien nicht ernährt werden konnten. Den Heimatdialekt legten sie während der Arbeitswoche ab. Oft kamen sie nur ein- bis zweimal im Monat am Wochenende nach Hause und brachten neue sprachliche Elemente mit, die in die Hinterländer Dialekte einflossen und integriert wurden. Auch mussten nach 1866 viele junge Hinterländer ihren Militärdienst in preußischen Kasernen, insbesondere in Berlin ableisten.

Hinzu kam, dass Preußen, zu dem das Hinterland ab 1866 gehörte, 1867 eine Elementarschulreform durchführte. Dabei wurde (im Gegensatz zu den Volksschulen in Sachsen, Bayern, Pfalz, Württemberg oder Baden) in den Schulen auf korrekte hochdeutsche Sprache geachtet und Hochdeutsch wie eine Fremdsprache unterrichtet. Die Kinder wuchsen quasi zweisprachig (bilingual) auf mit Dialekt und Hochdeutsch.

Die Verbreitung der Hinterländer Ortsdialekte veränderte sich nach dem Zweiten Weltkrieg stark. Der soziale und kulturelle Wandel sowie der wirtschaftliche Aufschwung in den 1950er und 1960er Jahren sorgten für erhebliche Veränderungen der Lebens- und Arbeitswelten dörflicher Kultur, den sogenannten Verlust des „Arbeitsplatzes Dorf“. Hierdurch sowie durch die Gebietsreform in Hessen und die Einführung von Mittelpunktschulen gingen die ortsspezifischen Ausprägungen der Dialekte im öffentlichen Leben weitgehend verloren, so dass man dort auch außerhalb der Schule, besonders in den Nachkriegsgenerationen, nunmehr untereinander eine neue, dialektgefärbte „Klein-Regionalsprache“ (Regiolekt) spricht.

Erhalt und Pflege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zunehmend beginnen regionale und lokale Kultur- und Geschichtsvereine – inzwischen auch Sprachforscher an Universitäten – sich mit der Dokumentation, dem Erhalt und der Pflege des örtlichen Dialekts zu befassen. Hierzu gründen sich vermehrt Dialekt- und Fördervereine wie der Verein zur Erhaltung der Mittelhessischen Mundart und Kultur und andere.

Unter dem Motto "Ich sag's hessisch" wurde 1982 ein landesweiter Dialektwettbewerb veranstaltet. Dieser wurde von den hessischen Sparkassen, der Landesbausparkasse und der Hessen-Nassauischen Versicherung in Zusammenarbeit mit dem Hessen-Nassauischen Wörterbuch im Forschungsinstitut für deutsche Sprache an der Universität Marburg durchgeführt. Circa 1500 Beiträge aus über 70 hessischen Orten wurden eingesandt. Zum Gewinner wurde von der Jury die zu diesem Zweck neu gegründete Angelburger Mundartgruppe „Odermennig“ um Kurt W. Sänger und Reiner Lenz gekürt. Als Sieger bekamen sie die Möglichkeit, eine Schallplatte ihrer Werke aufzunehmen. Diese LP mit dem Titel "Gemorje Hinnerlaand - Lieder, Lyrik & Burlesken in mittelhessischer Mundart" wurde im Februar 1984 in limitierter Auflage veröffentlicht, zumeist über die Filialen der Sparkassen vertrieben und war schnell vergriffen. 2013 gestatteten die Autoren die Veröffentlichung ihrer ersten und einzigen Schallplatte in digitaler Form und zum Download der 17 Stücke sowie des LP-Covers. In dieser Form ist kein vergleichbares Beispiel von Musikstücken im Hinterländer Platt aus den 1980er Jahren erhalten.[3]

Beispielhaft für weitere Anstrengungen um die Dialektpflege ist der Verein Dialekt im Hinterland zu nennen, deren Mitglieder innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren bis 2011 das Projekt "Dialekt im Hinterland" durchführten. Es umfasste anfangs ein Studienseminar "Gesprochenes Deutsch im ländlichen Raum". Hierzu kooperierte der Verein mit den Sprachwissenschaftlern der Philipps-Universität Marburg und deren Professor Heinrich J. Dingeldein. Anschließend entschloss sich der Verein, den aktuell gesprochenen Dialekt vor Ort in den Dörfern des hessischen Hinterlands aufzunehmen und als Tondokument auf CD zu veröffentlichen. Schließlich entstanden so in gemeinsamer Arbeit von Studenten und Vereinsmitgliedern zwölf CDs mit heimischem Platt aus 14 Orten.[4]

In weiteren Bereichen des öffentlichen Lebens wird dem Erhalt des Dialekts zunehmend Bedeutung beigemessen. Anlässlich des im Herbst 2012 hessenweit veranstalteten "Tages der Justiz" stellten Laienschauspieler aus verschiedenen Gemeinden des Hinterlandes im Amtsgericht Biedenkopf erstmals eine Gerichtsverhandlung auf Hinterländer Platt nach.[5]

Sprachliche Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Phonologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ganz deutlich bevorzugt das sprachliche Betonungsmuster die Betonung auf der ersten Silbe. Das unverschobene ‚p‘ (pond „Pfund“) verbindet den Dialekt mit dem Norden. Stimmlos ist das ‚s‘; das ‚r‘ wird als retroflexes Zungen-r gesprochen. Bei der Beugung und der Nennform des Tätigkeitswortes und der Beugung des Eigenschaftswortes fällt das ‚n‘ weg (rufe statt rufen, die alte Leut statt die alten Leute). Dies und die Aussprache des ‚g‘ als ‚j‘ oder ‚ch‘ (Berg, Berge > Berch, Berje) sind auch in das Hinterländer-Hochdeutsch übernommen worden. Zu den weiteren Eigenheiten gehört der Wandel der stimmlosen Laute ‚k‘, ‚p‘ und ‚t‘ zu stimmhaften ‚g‘, ‚b‘ und ‚d‘ (backen > bagge, passen > basse, Tür > Dear), sowie das Verschleifen des ‚r‘ zu ‚a‘ vor allem in der Endung (Männer > Menna, Wetter > Wearra, Wetterau > Wearrera), vor allem nördlich einer Linie Bottenhorn/Holzhausen, südlich davon wird das ‚r‘ noch ausgesprochen.

Besonders auffällig sind die sogenannten „gestürzten Diphthonge“: Die mittelhochdeutschen fallenden Zwielaute ie, üe, und uo erscheinen als steigende Zwielaute äi, oi und ou: lieb > läib, müde > moid, moi, moire, gut > geod, Bruder > Brourer, Breorer, Bröurer, Gras > Groas.

Grammatik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hinterländer Platt weicht in der Verwendung einiger Präpositionen vom Hochdeutschen ab. Typisch ist, dass man anstatt zu mir hin sagt baij maich baij oder komm zu mir, komm baij maich. Baij bedeutet sowohl „bei“, als auch „zu“, „hin“. Auch in der Gegenwartsform gibt es eine Besonderheit, man sagt z. B. nicht "Er mäht Gras." sondern "He deod Groas mehe." ("Er tut Gras mähen.") oder "Die Mutter kocht." sondern "Die Mudder deod koche." ("Die Mutter tut kochen"). Wie im rheinischen Dialekt sagt man anstatt zu auch werre > „wider“: Säd der werre maich... „Sagte der zu mir...“.

Ferner besteht die Angewohnheit, Verben die Vorsilbe ge- voranzustellen: Aich kaa nidd geläfe. > „Ich kann nicht laufen.“, Kaasd Du nidd geschwaije? > „Kannst Du nicht schweigen?“, Kaasd Du mir mol gehälfe? > „Kannst Du mir mal helfen?“, Doas kaa aich D'r owwer gesah. > „Das kann ich Dir aber sagen“.

Eine weitere Besonderheit ist auch die Flexion des Zahlwortes „zwei“ nach den drei grammatischen Geschlechtern des Substantivs: zwie vor maskulinen, zwu vor femininen und zwä vor sächlichen Substantiven.

Beispiele:

Maskulin:

zwie Menner („zwei Männer“), zwie Korrer, („zwei Kater“) zwie Äbbel („zwei Äpfel“), zwie Goil („zwei Gäule“)

Feminin:

zwu Fräe („zwei Frauen“), zwu Katze („zwei Katzen“), zwu Weschde („zwei Würste“), zwu Koih („zwei Kühe“)

Sachlich:

zwä Kenn („zwei Kinder“), zwä Kätzercher („zwei Kätzchen“), zwä Ajer („zwei Eier“), zwä Huinger („zwei Hühner“)

Wortschatz und Pragmatik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wahl der Anredeform ist im Wesentlichen von der sozialen Stellung und dem Alter des Gesprächspartners abhängig. Während das Du für Gleichaltrige immer schon geläufig war, wurden Angehörige von vorhergehenden Generationen früher mit Ihr angesprochen („Ihrzen“). Mit Beginn der 1950er Jahre wird auch hier das Duzen gebräuchlich.

Während Dialektsprecher ebenfalls generell mit du angesprochen werden, war früher das Ihr auch für sozial Höhergestellte und Ortsfremde die geläufige Anredeform. Für diesen Personenkreis setzte sich aber immer mehr das Siezen durch. Die sich im Dialekt noch spiegelnde soziale und politische „Rangordnung“ (Soziale Schicht) des 19. Jahrhunderts wurde aufgegeben: Ihr het (>hot) häi näad (>naut) mi (>mäi >me) ze sa! „Sie haben hier nichts mehr zu sagen!“

Kinder sprachen ehemals ihre Eltern mit Mudder, Moire oder Mamme und Vadder oder Fodda, deren Geschwister und Ehepartner mit Gode, Gell oder Gerrel und Pädder an. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte sich aber zunehmend die heutige, wenn auch ältere Anrede Mamme und Babbe und für die Geschwister der Eltern und deren Ehepartner Dande und Onkel durch. Die Großeltern heißen Oma und Oba, früher nannte man sie Ellermudder (Elternmutter) oder Eller und Ellervadder (Elternvater). Der Schwiegersohn war früher der Äre und die Schwiegertochter das Schnerrche. Ältere unverheiratete Frauen und Männer, die oft in der Familie ihrer nächsten Verwandten lebten, wurden auch von nichtverwandten Kindern mit Gode und Pädder angesprochen.[6] Wenn man sie benennen wollte, wurde der Hausname der Familie vorangestellt, z. B. Hannorms Pädder oder Schmidde Good.

Werbeschild an einer Gaststätte in der Biedenkopfer Stadtgasse

Textbeispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus dem Gansbachtal (Gönnern):[7][8]

Wann´s raant, gieh ma heem („Wenn es regnet, gehen wir heim“)
Wann´s nit raant, blaiwe ma häi („Wenn es nicht regnet, bleiben wir hier“)
Raants nit un ma hu ke Lost, gieh ma aach heem („Regnet es nicht und wir haben keine Lust, gehen wir auch heim“)
Raants, breache ma suwisu nit ze blaiwe („Regnet es, brauchen wir sowieso nicht zu bleiben“)
Gieh ma da heem un wesse nit, woas ma da mache sinn („Gehen wir dann heim und wissen nicht, was wir dann machen sollen“)
Kinnte ma jo aach glaisch häiblaiwe („Könnten wir ja auch gleich hierbleiben“)
Feräasgesast es raant nit" („Vorausgesetzt es regnet nicht“)

Zum scheinbaren Dialektsterben:

'S es orch schoar, dess die Kenn hau naud mieh richdich platt geschwätze kenn.

Redewendungen und Lebensweisheiten aus der Umgebung des oberen Salzbödetales (Gemeinde Bad Endbach), das zur Zollbuche (Naturraum) gezählt wird:

  • Jeder Mann hodd doas Raichd saijer Frää Werrerwädde ze gäwwe, 's bat em nur naud.
  • Geod gefroisteggt spierschde de ganze Doog, geod geschlocht d's ganze Juhr en geod geheurod d's ganze Läwe.
  • Däij Mensche saij orch verschiede. Der eh essd gern Handkees, der annere gidd gern en die Kerch.
  • Es girre vo alle Sodde, nur kee däij naud esse en drong'ge.
  • Bat's naud, da schodd's naud.
  • Wann's all ess, häld's off.
  • Sobaal mäijedds de eschde Giggel kreeht, kreehe alle annere met, äch wann's noch donkel ess.
  • En Norr maichd honne'd.
  • Wichdich ess, woas henne rauskimmd.
  • Henne kimmd raus woas m'r venne nennsteggt.
  • Vo henne stäche die Bie.
  • Hinnerher ess immer alles ze speed.
  • Med de gruße Honn pisse gieh, owwer 's Bee nidd hugbränge.
  • 'S Maul spezze geld naud, gepeffe wärre miss !
  • Jedes Dongk hodd sain Platz.
  • Jedes Debbche find saij Daiggelche.
  • Wersch kaa maichd's, wersch nidd kaa schwätzd drewwer.
  • Die Loij schwätze ohm meesde vo dem, woas se nidd hu.
  • Die besste Oart aut ze erlediche ess, ohzefange.
  • Oweds wer'n die Faule flaißich.
  • 'S gidd naud Besseres wäij aud Geores.
  • Nur vom frässe wer'n die Sau fett.
  • Jedes Pond gidd derch de Schlond.
  • Wer saich sälwer naud gonnd, der gonnd äch d' Annere naud.
  • Vieles erledicht sich vo sälbst, wann mersch en Reoh lessd.
  • Wann ewwer Aut schu Groas gewoase es kimmt bestimmt eh domm Rendvieh en freßt's werre ab.
  • D's Menscheläwe ess wäij en Koihschwanz, der weesd äch immer noch onne, de Er zeo.
  • Dem Eh sain Dud, ess em Annere saij Brud.
  • 'S Enn vo de Wutz ess de Ohfan'g vo de Wescht.
  • Eh Frää ka en ihrer Schetz mieh aus em Haus traa, waij en Mann met zwä Goilsgespanne erenn brängt.
  • Wann mer naud nenn steggt, kaa mer äch naud rauslange.
  • Wer kee Ziel hodd, kaa äch nidd ohkomme.
  • Freje hodd noch nie geschodd.
  • Enn doas Loch, wu m'r nennguggt fällt m'r äch enenn.
  • 'S ännerd sich naut, wann mersch nidd selwer ännerd.
  • Wann die Mäus soat saij schmaiggt dene sogoar d's Meähl bedder.
  • Wer de Loij noochlääft seuhd nur die Ärsch.
  • Em ahle Bär kaa m'r nau'mie 'es Daanze baijbränge.
  • Die Huinger wer'n oweds gezehlt.
  • 'S Domme oh de Dommhäd ess, dess m'r se sälwer nidd merkt.
  • Dommhäd enn Stolz woase off em selwe Holz.
  • 'S gidd Loij, däij misse zeo Allem noch en äjene Fozz losse.
  • M'r wääs nur doas, woas m'r wääs.
  • Je mieh m'r wääs, desdo mieh wääs m'r, dess m'r mieh wesse misst.
  • Halb so schlemm es schlemm genung'g.
  • Drägg ziggd Drägg oh en Gerimpel ziggd Gerimpel oh.
  • Woas bassiert es, kimmd naut mieh, woarimm's bassierd es kann werre komme.
  • Ohm Ärsch vorbai gidd äch en Weg.
  • Anerschdwu es anerschdwu anerschd.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elsa Blöcher: Das Hinterland. Ein Heimatbuch. Max Stephani, Biedenkopf 1981.
  • Günter Debus: Geschichten aus unserem Dorf. Gönnern 1296–1996. Gemeinde Angelburg-Gönnern, Gönnern 1996, ISBN 3-00-001109-9.
  • Hans Friebertshäuser: Sprache und Geschichte des nordwestlichen Althessen (= Deutsche Dialektgeographie. (DDG). Bd. 46, ZDB-ID 504227-6). Elwert, Marburg 1961.
  • Hans Friebertshäuser: Kleines hessisches Wörterbuch. C. H. Beck, München 1990, ISBN 3-406-34192-6.
  • Hans Friebertshäuser: Das hessische Dialektbuch. C. H. Beck, München 1987, ISBN 3-406-32317-0.
  • Hans Friebertshäuser: Land und Stadt im Wandel. Mundart und bäuerliche Arbeitswelt im Landkreis Marburg Biedenkopf. Sparkasse Marburg-Biedenkopf, Marburg 1991.
  • Hans Friebertshäuser: Mundart und Volksleben im Altkreis Biedenkopf. Entwicklungen im 20. Jahrhundert. Volksbank und Raiffeisenbank Biedenkopf-Gladenbach, Marburg 1998.
  • Regina Klein: In der Zwischenzeit. Tiefenhermeneutische Fallstudien zur weiblichen Verortung im Modernisierungsprozess 1900–2000. Psychosozialverlag, Gießen 2003, ISBN 3-89806-194-9 (Zugleich: Marburg, Universität, Dissertation, 2001).
  • Kurt Werner Sänger: schwortswaise raabooche. Stille rauhe Wörter aus dem Hinterland. Mit Illustrationen von Klaus Schlosser und Beiträgen von Heinrich J. Dingeldein und Peter Härtling. Jonas, Marburg 1987, ISBN 3-922561-53-5.
  • Bernd Strauch: Dialekt in Mittelhessen. Oberhessisches Taschenwörterbuch. Eigenverlag, Gießen 2005, ISBN 3-935584-02-4.
  • Kerstin Werner: Wandern zwischen zwei Welten – Die Geschichte der Hinterländer Arbeitsmigration in der Wetterau. In: Michael Keller, Herfried Münkler (Hrsg.): Die Wetterau. Landschaft zwischen Tradition und Fortschritt. Sparkasse Wetterau, Friedberg (Hessen) 1990, ISBN 3-924103-06-2, S. 263–290.
  • Richard Werner: Alt-Biedenköpfer Mund- und Redensarten, Geschichten, Schnurren und Gebräuche. Max Stephani, Biedenkopf 1935, (Erweiterte Neuausgabe. (= Hinterländer Lesestube. 2). Hinterländer Geschichtsverein e.V. u. a., Biedenkopf 2001, ISBN 3-00-008489-4).
  • Kurt Werner Sänger: Moiserisch Emil, Kinderbuch, zweisprachig mit Illustrationen von Lenore Poth, CoCon Verlag Hanau 2017, ISBN 978-3-86314-333-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Atlas zur Deutschen Umgangssprache: Mundart/Platt.
  2. Elsa Blöcher: Das Hinterland. Ein Heimatbuch. 1981, S. 122–124 und Hans Friebertshäuser: Sprache und Geschichte des nordwestlichen Althessen. 1961.
  3. Christian Düringer: Download & Stream zum 30. Jubiläum: Odermennig - Gemorje Hinnerlaand. popspots.de, Wiesbaden, 2013, abgerufen am 15. November 2018.
  4. Zehn Jahre Arbeit und zwölf Tonträger - Das Projekt „Dialekt im Hinterland“ auf CD mit der Marburger Universität ist abgeschlossen; auch als Sonderdruck im Hinterländer Anzeiger vom 10. Dezember 2011 (Memento des Originals vom 1. Februar 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dialektverein.de (PDF; 997 kB)
  5. Das Publikum darf herzhaft lachen - Laiendarsteller führen im Biedenkopfer Amtsgericht einen Prozess auf Platt vor; Hinterländer Anzeiger vom 30. September 2012
  6. Hans Friebertshäuser: Mundart und Volksleben im Altkreis Biedenkopf. 1998, S. 89, 5. Absatz.
  7. Kurt Werner Sänger: schwortswaise raabooche. 1987.
  8. Odermennig: Gemorje Hinnerlaand – Lieder, Lyrik & Burlesken. Langspielplatte, Quadriga Ton, Frankfurt 1984, GEMA QU 9083.