Hinterland (2021)

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Film
OriginaltitelHinterland
Produktionsland Österreich, Luxemburg, Belgien, Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2021
Länge 98 Minuten
Altersfreigabe FSK 16[1]
Stab
Regie Stefan Ruzowitzky
Drehbuch Robert Buchschwenter,
Hanno Pinter,
Stefan Ruzowitzky
Produktion Oliver Neumann,
Sabine Moser,
Bady Minck,
Alexander Dumreicher-Ivanceanu,
Geneviève Lemal,
Robert Marciniak
Musik Kyan Bayani
Kamera Benedict Neuenfels
Schnitt Oliver Neumann
Besetzung

Hinterland ist ein Spielfilm von Stefan Ruzowitzky aus dem Jahr 2021 mit Murathan Muslu und Liv Lisa Fries. Premiere des historischen Thrillers und Antikriegsfilms war am 6. August 2021 beim Locarno Film Festival[2][3], wo er mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde.[4] Der deutsche Kinostart erfolgte am 7. Oktober 2021, der österreichische am darauffolgenden Tag.[5][6]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film spielt in Wien nach Ende des Ersten Weltkrieg, wohin der ehemalige Kriminalbeamte Peter Perg nach sieben Jahren aus russischer Kriegsgefangenschaft heimkehrt. Einen Kaiser, für den er einst in den Krieg zog, gibt es nicht mehr. Perg findet sich in einer für ihn fremden und düsteren Welt, sein bisheriges Glaubenssystem wird in Frage gestellt.

In dieser Situation wird Perg mit einem Mord konfrontiert. Beim Mordopfer handelt es sich um einen Kameraden von Perg, mit dem er in Sibirien war. Perg versucht dessen Mörder ausfindig zu machen. Unterstützung erhält er dabei von Gerichtsmedizinerin Dr. Theresa Körner. In der Folge stellt sich heraus, dass dieser Kamerad nicht das einzige Opfer war, sondern einem Serienmörder zum Opfer fiel.[7][8][9][10]

Produktion und Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dreharbeiten fanden an 24 Drehtagen vom 10. September bis zum 29. November 2019 in Österreich und Luxemburg statt.[7][9][11]

Unterstützt wurde die Produktion vom Österreichischen Filminstitut, vom Filmfonds Wien, von Filmstandort Austria (FISA) und vom Land Niederösterreich, vom Filmfund Luxembourg, Creative Europe MEDIA, Eurimages sowie Tax Shelter Belgien. Beteiligt war der Österreichische Rundfunk.[7][9]

Produziert wurde der Film von der österreichischen FreibeuterFilm (Produzenten Oliver Neumann und Sabine Moser) und der Amour Fou Filmproduktion Luxembourg (Produzenten Bady Minck und Alexander Dumreicher-Ivanceanu), in Koproduktion mit der belgischen Scope Pictures (Produzentin Geneviève Lemal) und der deutschen Lieblingsfilm (Produzent Robert Marciniak).[8][9]

Die Kamera führte Benedict Neuenfels. Für den Ton zeichnete Alain Goniva verantwortlich, für das Kostümbild Uli Simon, für das Szenenbild Andreas Sobotka und Martin Reiter, für die Maske Helene Lang und für das Casting Rita Waszilovics.[7][8][9]

Der Film wurde zu großen Teilen mit der Bluescreen-Technik gedreht, das Szenenbild entstand hauptsächlich am Computer.[2][6] Im Juli 2021 wurde ein Trailer veröffentlicht.[12][13]

Das Lied La Paloma kommt im Film mehrfach vor.[14]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christoph Petersen vergab auf Filmstarts.de 3,5 von 5 Sternen und meinte, dass der Film zunächst ganz schön merkwürdig, aber dann spannend und makaber sei. Hinterland sei ein überwiegend geglücktes formales Experiment, das aber auch als historischer, selbst vor extremen Schreckensbildern nicht zurückschreckender Thriller einen düster-abgründigen Sog entwickele.[15]

Bettina Peulecke vom NDR meinte, dass das Szenenbild und der visuelle Stil an die Meisterwerke des expressionistischen Stummfilms, allen voran Das Cabinet des Dr. Caligari, erinnere. Das sei gewöhnungsbedürftig und funktioniere nicht durchgehend gut, mache den Film aber zu einem sehr interessanten historischen Serienkiller-Thriller. Die Häuser mit schiefen Fenstern und die krummen Straßen seien eine offensichtliche Metapher für den Zustand der Gesellschaft und den Gemütszustand ihres vermeintlichen Helden.[16]

Julia Schafferhofer urteilte in der Kleinen Zeitung: „Schwere, schwarze, schmerzvolle Kost über die Traumata des Krieges, toxische Männlichkeit und Minderwertigkeitskomplexe.“[17]

Matthias Greuling befand in der Wiener Zeitung, dass der Film visuell beeindrucke, aber mehr emotionale Tiefe gebraucht hätte. Er bezeichnete Hinterland als visuelles Fest, Ruzowitzky lade seine Bilder mit einer Detailverliebtheit auf, die den Film zu einem Drama voller digitaler Bildgewalt mache, bei der aber die eigentliche Geschichte auf Kosten des visuellen Faszinosums ein wenig auf der Strecke bliebe. So manche Szene in der zweiten Hälfte des Films lasse darauf schließen, dass man sich zu sehr auf die Optik verlassen habe, anstatt die spannend beginnende Geschichte schnurstracks und emotional einnehmender zu Ende zu bringen. Nichtsdestotrotz biete der Film dank seiner gebrochenen Figuren ein zugespitztes Sittenbild der damaligen Zeit.[18]

Auszeichnungen und Nominierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Locarno Film Festival 2021

  • Auszeichnung mit dem Publikumspreis[19]

Filmfest Hamburg 2021

  • Nominierung für den Hamburger Produzentenpreis[20]
  • Nominierung für den Art Cinema Award

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Hinterland. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 208254/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. a b Matthias Greuling: Ruzowitzkys "Hinterland" feiert Premiere in Locarno. In: Wiener Zeitung. 7. August 2021, abgerufen am 7. August 2021.
  3. Locarno 2021 with new films from Stefan Ruzowitzky and Peter Brunner. In: austrianfilms.com. Abgerufen am 2. Juli 2021.
  4. Salzburger Nachrichten: Locarno-Publikumspreis an Ruzowitzkys "Hinterland", 14. August 2021
  5. Hinterland. In: filmportal.de. Deutsches Filminstitut, abgerufen am 23. August 2021.
  6. a b "Hinterland": Ruzowitzkys History-Thriller hat Locarno-Weltpremiere. In: film.at. 2. Juli 2021, abgerufen am 2. Juli 2021.
  7. a b c d Hinterland bei crew united, abgerufen am 1. Juli 2021.
  8. a b c Hinterland. In: amourfoufilm.com. Abgerufen am 1. Juli 2021 (englisch).
  9. a b c d e Hinterland. In: Österreichisches Filminstitut. Abgerufen am 1. Juli 2021.
  10. Hinterland. In: austrianfilms.com. 1. Juli 2021, abgerufen am 2. Juli 2021 (englisch).
  11. Locarno Film Festival: Hinterland. In: locarnofestival.ch. Abgerufen am 1. Juli 2021 (englisch).
  12. Trailer für Stefan Ruzowitzys "Hinterland" veröffentlicht. In: Die Presse. 26. Juli 2021, abgerufen am 27. Juli 2021.
  13. Leo Barraclough: Oscar Winner Stefan Ruzowitzky’s Locarno-Bound ‘Hinterland’ Unveils Trailer (EXCLUSIVE). In: variety.com. 26. Juli 2021, abgerufen am 27. Juli 2021 (englisch).
  14. Stefan Ruzowitzky über seinen Antikriegs-Thriller "Hinterland". In: ndr.de. 7. Oktober 2021, abgerufen am 8. Oktober 2021.
  15. Kritik zu Hinterland: Krumm und schief und ganz schön heftig. In: Filmstarts.de. Abgerufen am 29. August 2021.
  16. Bettina Peulecke: "Hinterland": Ein historischer Serienkiller-Thriller. In: ndr.de. 6. Oktober 2021, abgerufen am 6. Oktober 2021.
  17. Julia Schafferhofer: Film der Woche: "Hinterland": Tableaus des Todes im Wien von 1920. In: Kleine Zeitung. 6. Oktober 2021, abgerufen am 6. Oktober 2021.
  18. Matthias Greuling: Ruzowitzkys "Hinterland": Gefangen in einer neuen Welt. In: Wiener Zeitung. 6. Oktober 2021, abgerufen am 7. Oktober 2021.
  19. Locarno: Publikumspreis ging nach Österreich. In: ORF.at. 14. August 2021, abgerufen am 14. August 2021.
  20. 29. Filmfest Hamburg. In: filmfesthamburg.de. Abgerufen am 19. September 2021.