Hinz&Kunzt

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Hinz&Kunzt

Beschreibung Hamburger Straßenmagazin
Verlag Hinz&Kunzt gGmbH, Hamburg
Erstausgabe November 1993
Erscheinungsweise monatlich
Verkaufte Auflage
(IVW)
52.629 Exemplare
Chefredakteur Birgit Müller
Herausgeber Dirk Ahrens
Geschäftsführer Dr. Jens Ade
Weblink hinzundkunzt.de

Hinz&Kunzt ist ein Straßenmagazin, das von obdach- oder wohnungslosen Menschen in der Region Hamburg vertrieben wird und das seit November 1993 monatlich im gemeinnützigen Verlag Hinz&Kunzt GmbH erscheint.

„Hinz&Kunzt“ ist sowohl der Titel des Magazins als auch der Name des dahinterstehenden Projekts. Das Magazin versteht sich als Fürsprecher obdachloser und sozial benachteiligter Menschen. Das Projekt ist nach eigenen Angaben „Hamburgs größtes Beschäftigungsprojekt für Obdachlose“.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Straßenmagazin wurde als Kooperationsprojekt von Obdachlosen und Journalisten von Stephan Reimers, dem damaligen Leiter des Diakonischen Werkes Hamburg, gegründet. Vorbild war die Londoner Straßenzeitung The Big Issue. Es sind mehr als 14 Millionen Zeitungen verkauft und rund 5500 Verkäuferausweise ausgestellt worden.

Verlag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlagsgebäude des Straßenmagazins Hinz & Kunzt in Hamburg

Der Verlag Hinz&Kunzt ist eine gemeinnützige GmbH. Die Gesellschafter sind das Diakonische Werk Hamburg (66,6 %) und die Patriotische Gesellschaft von 1765 (33,3 %).[1] Sitz des Verlages ist Altstädter Twiete 1–5 in der Hamburger Innenstadt. Der Betrieb des Verlages wird je zur Hälfte aus dem Zeitungsgeschäft (Verkauf- und Anzeigenerlöse) und aus Spenden finanziert.

Zu den Aufgaben des Beirats gehören die Beratung und das Erarbeiten von Beschlussempfehlungen zur Gesellschafterversammlung, insbesondere bei konzeptionellen Fragen, der redaktionellen Linie und der Planung neuer Projekte.

Hinz&Kunzt ist dem Netzwerk der internationalen Straßenzeitungen INSP (International Network of Street Papers) angeschlossen.

Mediadaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstverkaufstag des Magazins ist der letzte Werktag des jeweiligen Vormonats. Es erscheint in Hamburg und in dessen Umland. 94 Prozent der Hamburger kennen das Straßenmagazin (Stand: 2008).

Die Auflage sank seit 2013 um etwa ein Viertel.[2]

  • November 1993: 30.000 Exemplare
  • III. Quartal 2013: über 70.000 Exemplare (IVW).[3]
  • III. Quartal 2017: 52.629 Exemplare (IVW)[4]

Vertrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vertriebsmitarbeiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da es sich um ein Kooperationsprojekt handelt, sind fast ausschließlich ehemalige Verkäufer als Vertriebsmitarbeiter angestellt. Der Vertrieb organisiert neben dem Kaffeetresen auch diverse Freizeitaktivitäten. Die erlaubten Verkaufsplätze werden wöchentlich vergeben. Die Verkäufer werden an ihren Verkaufsplätzen regelmäßig durch Vertriebsmitarbeiter besucht und betreut.

Verkäufer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinz&Kunzt wird von mehr als 500 Straßenverkäufern (Stand 2018) vertrieben. Verkäufer sind Obdachlose, Wohnungslose, Hartz-IV-Empfänger und Rentner. Die Verkäufer erhalten einen nummerierten Ausweis mit Foto. Sie kaufen die Zeitung für 1,10 Euro direkt im Verlagsgebäude und verkaufen sie für 2,20 Euro weiter. Betteln, Alkohol- und Drogenkonsum sind beim Verkauf des Straßenmagazins verboten. Den neuen Verkäufern wird das Projekt vorgestellt, sie werden durch die einzelne Räume geführt und erhalten ihren Ausweis. Danach wird ihnen am Verkaufstresen der Stadtplan mit Verkaufsplätzen gezeigt, so dass sie selbst bestimmen können, wo sie stehen möchten. Zum Start erhalten neue Verkäufer zehn Zeitungen gratis. Die neuen Verkäufer müssen sich dann jeden Mittwoch am Tresen melden, um ihre Plätze bestätigen zu lassen. Je öfter dies passiert, um so häufiger erhalten sie diesen Ort als Stammplatz.[5]

Soziale Betreuung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Birke mit Namenstafeln der verstorbenen Verkäufer im Bereich 318 des Friedhofs Öjendorf. Im Jahr 2014
Birke mit Namenstafeln der verstorbenen Verkäufer im Bereich 318 des Friedhofs Öjendorf. Im Jahr 2017

Die Verkäufer werden außerdem von zwei fest angestellten Sozialarbeitern betreut, die Wohnungen und Unterkünfte oder Therapie- und Entzugseinrichtungen vermitteln, in sozialen Fragen beraten und aufklären oder bei Behördengängen helfen. Hinz&Kunzt bürgt oder verwaltet 20 Wohnungen (Stand 2018).[6]

Auf dem Friedhof Öjendorf gibt es eine Birke mit Namenstafeln zur Erinnerung an die verstorbenen Verkäufer von Hinz&Kunzt.

Arbeitsplatz-Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinz&Kunzt hilft durch Projekte, für Obdachlose eine Arbeitsstelle zu schaffen.[7]

Zwei ehemalige Obdachlose zeigen als Stadtführer auf einem eineinhalbstündigen sechs Kilometer langen Rundgang Besuchergruppen die Anlaufstellen der Obdachlosen, die „Hamburger Nebenschauplätze“.[5]

Bei der Aktion „Spende Dein Pfand“ sammeln am Flughafen in Hamburg drei Obdachlose die Pfandflaschen der Fluggäste und sichern dadurch ihre sozialversicherungspflichtigen Arbeitsstellen.

In der Aktion „Brotretter“ verkaufen fünf Obdachlose in der Filiale Lohbrügge der Firma Junge Brot und Backwaren vom Vortag zu günstigen Preisen.

Online[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Website „hinzundkunzt.de“ ist das Magazin und das Projekt im Web vertreten. Das Projekt stellt sich selbst vor, gibt Informationen für Käufer, Verkäufer, Spender und Anzeigen-Kunden, erlaubt Einblicke in die aktuelle Heft-Ausgabe und stellt ein Heft-Archiv mit den vergangenen Ausgaben bereit (zurück bis in das Jahr 2003).

Die Website nutzt die Möglichkeiten des Mediums: Videos sind verfügbar und in einem Onlineshop werden Werke der „Kunzt-Kollektion“ zum Kauf angeboten.

Das Online-Angebot wird ergänzt durch Veranstaltungshinweise, Informationen zu den „Hamburger Nebenschauplätzen“ (alternativer Stadtrundgang durch die Hamburger City) und zum „Freundeskreis“ (Fördermitgliedschaft).

Die Website hat teilweise den Charakter einer Internet-Zeitung.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar 2016 wurde bekannt, dass die langjährige Chefredakteurin Birgit Müller mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wird.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hinz&Kunzt – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gesellschafter – Starke Partner an unserer Seite. In: hinzundkunzt.de. Abgerufen am 16. Juli 2017.
  2. Jan Haarmeyer: Spitzenköche tischen auf – für „Hinz&Kunzt“. Zum 25. Geburtstag des Straßenmagazins kocht im April jeden Tag ein anderer Gastronom zusammen mit Obdachlosen in Eimsbüttel. In: „Hamburger Abendblatt“, 6. März 2018, S. 13.
  3. Mediadaten und Anzeigenpreise. In: hinzundkunzt.de. Abgerufen am 16. Juli 2017.
  4. Hinz&Kunzt, Mediadaten 2018
  5. a b Annabell Behrmann: Hamburg mit den Augen eines Obdachlosen. In: Hamburger Abendblatt. 18. März 2017, S. 10.
  6. Jan Haarmeyer: Spitzenköche tischen auf – für „Hinz&Kunzt“. Zum 25. Geburtstag des Straßenmagazins kocht im April jeden Tag ein anderer Gastronom zusammen mit Obdachlosen in Eimsbüttel. In: „Hamburger Abendblatt“, 6. März 2018, S. 13.
  7. Diese Projekte haben funktioniert. Pfandsammler am Flughafen, BrotRetter in Lohbrügge und Stadtrundgänge. In: „Hamburger Abendblatt“, 6. März 2018, S. 13. Autorenkürzel (haa).
  8. Bundesverdienstkreuz – Ehrung für unsere Chefredakteurin Birgit Müller. In: hinzundkunzt.de. 19. Januar 2016, abgerufen am 16. Juli 2017.