Hirschau (Tübingen)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hirschau
Universitätsstadt Tübingen
Ehemaliges Gemeindewappen von Hirschau
Koordinaten: 48° 30′ 5″ N, 8° 59′ 40″ O
Höhe: 330 (330–475) m
Fläche: 6,17 km²
Einwohner: 3428 (30. Jun. 2010)
Bevölkerungsdichte: 556 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1971
Postleitzahl: 72070
Vorwahl: 07071
Karte
Lage von Hirschau in Tübingen

Hirschau ist ein Stadtteil der Universitätsstadt Tübingen im Bundesland Baden-Württemberg. Er liegt westlich der Innenstadt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick vom Spitzberg auf Hirschau

Hirschau ist je sechs Kilometer von der Universitätsstadt Tübingen und von der Bischofsstadt Rottenburg am Neckar entfernt. Ein gefragter Wohn-, Industrie- und Gewerbe-Stadtteil liegt 330 m ü. NN neben dem Baggersee. Den höchsten Punkt des den Stadtteil Tübingens flankierenden Spitzberges findet man auf 475 m ü. NN. Der Spitzberg gehört zur Region Schönbuch. Am Fuße des Spitzberges wiederum wird Weinbau betrieben. Die Einzellage heißt Sonnenhalde im Bereich Oberer Neckar des Weinbaugebietes Württemberg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1204 wurde „Hirzouue“ erstmals in einem Verzeichnis des Zisterzienserklosters Bebenhausen urkundlich erwähnt. Es entstand als planmäßige Dorfgründung entlang einer Straße. Für das späte 13. Jahrhundert ist für Hirschau die Anlage eines Weinbergs nachgewiesen. Eine eigene Kapelle wird Mitte des 14. Jahrhunderts fassbar. 1381 verkaufte Graf Rudolf III. von Hohenberg seine Herrschaft an Herzog Leopold von Österreich, wodurch Hirschau vorderösterreichisch wurde. Im Jahr 1461 wird die Hirschauer Kapelle zur Pfarrei aufgewertet und von den ehemals zuständigen Pfarren Wurmlingen und Sülchen abgepfarrt. Das Patronat bleibt beim heute schweizerischen Kloster Kreuzlingen. Im Spätmittelalter gehörte Hirschau zu den reichsten Dörfern der Grafschaft Hohenberg.
siehe auch Burg Hirschau

Mit dem Preßburger Frieden von 1805 musste Österreich die Grafschaft Hohenberg an das Herzogtum Württemberg abtreten. 1807 wird das nun württembergische Hirschau dem Oberamt Rottenburg zugeordnet. Bei der Neueinteilung der Landkreise in Württemberg kommt Hirschau 1936 zum Landkreis Tübingen. Am 1. Juli 1971 wird Hirschau in die Kreisstadt Tübingen eingegliedert und verliert seine kommunale Selbstständigkeit.[1]

Der Ort hat seit seiner Eingemeindung seinen dörflichen Charakter erhalten. Es gibt mehrere Vereine vor Ort. Mit Sportverein, Tennisverein, Freiwillige Feuerwehr Hirschau, Gesangs- und Musikvereinen sowie der Narrenzunft sind hier nur einige genannt. Auch gibt es verschiedene Besenwirtschaften, die den örtlichen Wein (Semsakrebsler) anbieten.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Hirschau leben heute 3197 Personen (Stand: Dezember 2008). Bezogen auf die Gemarkungsfläche von 6,17 km2 entspricht dies einer Bevölkerungsdichte von 518 Einwohnern pro Quadratkilometer.

Jahr Einwohner
1394 378
1768 410
1880 843
1925 728
1950 959
Jahr Einwohner
1961 1347
1970 2131
2004 3358
2008 3197

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hirschau ist, im Gegensatz zu anderen Tübinger Stadtteilen, überwiegend katholisch. Dies rührt daher, dass der Ort über Jahrhunderte zur Grafschaft Hohenberg gehörte, die ein Teil Vorderösterreichs war. Hirschau und der Tübinger Stadtteil Bühl sind die zwei einzigen Stadtteile von Tübingen mit mehrheitlich katholischer Bevölkerung.

Im Jahr 2007 waren 43 Prozent der Einwohner römisch-katholisch, 33 Prozent evangelisch, und 24 Prozent konfessionslos oder gehörten einer anderen Religion an.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ehemalige Wallfahrtskapelle „Zu unserer lieben Frau im Holderbusch und St. Urban“, 1396 erbaut, heute Friedhofskapelle (das Kirchle)
  • Katholische Pfarrkirche St. Ägidius, mit Chorfenstern des Künstlers Wilhelm Geyer aus Ulm
  • Riedkelter, gehörte ehemals dem Kloster Kreuzlingen. Die einzige von ehemals sechs Keltern auf Hirschauer Markung, die noch erhalten ist.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 534.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Endreß (Red.): Hirschau. Landschaft, Kultur, Geschichte, Wirtschaft. Kulturamt und Verwaltungsstelle Hirschau, Tübingen 2004.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]