Hirschbergen-Tunnel

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Hirschbergen-Tunnel
Hirschbergen-Tunnel
Einlaufportal von 1887
Nutzung Flößerei
Verkehrsverbindung Schwarzenbergscher Schwemmkanal
Ort Jelení, Böhmerwald
Länge 389 m
Anzahl der Röhren 1
Bau
Bauherr Joseph II. Fürst von Schwarzenberg
Baubeginn 1821
Fertigstellung 1822
Planer Joseph Rosenauer (†)
Betrieb
Schließung 1961
Lage
Hirschbergen-Tunnel (Jihočeský kraj)
Red pog.svg
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Koordinaten
Einlaufportal 48° 49′ 8″ N, 13° 52′ 24″ O
Auslaufportal in Jelení 48° 48′ 59″ N, 13° 52′ 39″ O

Der Hirschbergen-Tunnel, auch Schwarzenbergscher Schwemmkanaltunnel (tschechisch Tunel Schwarzenberského kanálu) ist ein ehemaliger Wassertunnel des Schwarzenbergschen Schwemmkanals im Böhmerwald, Tschechien. Das in Tschechien einzigartige Bauwerk ist als Technisches Denkmal geschützt und befindet sich auf dem Gebiet der Gemeinde Nová Pec.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenansicht
Auslaufportal

Der Tunnel befindet sich nördlich der Ortschaft Jelení und durchörtert den Sattel zwischen den Bergen Plešivec (Flößberg, 977 m n.m.) und Jelenská hora (Hirschberg, 1068 m n.m.).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hirschbergen-Tunnel wurde von 1821 bis 1822 im Zuge der Erweiterung des Schwarzenbergschen Schwemmkanals als Teil des Neuen Kanals zwischen dem Lichtwasser und der Hirschbachriese errichtet. Die Pläne dazu stammten vom 1804 verstorbenen Erbauer des Kanals, Joseph Rosenauer. Die Bauausführung erfolgte unter der Leitung des Direktors der Fürstlich Schwarzenbergischen Herrschaften, Ernest Mayer, durch die Ingenieure Falta und Kraus. 1822 war der Durchschuss des 221 Klafter langen Tunnels mit einer Breite von 2,6 Metern und einer Höhe von 3,2 Metern vollendet. Im Jahr darauf erhielt der Tunnel zwei gemauerte Portale. Aus dem Auslaufportal stürzte das Wasser mit dem Schwemmholz auf einer 286,6 m langen Riese mit einem Gefälle von 90,9 ‰ in Jelení, damals Hirschbergen, in den Alten Kanal.

Nachdem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Brennholzbedarf im Zuge der zunehmenden Verwendung von Kohle gesunken war, erfolgte ein Umbau des böhmischen Teils des Kanals für die Flößerei von Stammholz. Dazu wurde im Jahre 1887 auch der stark gekrümmte Tunnelabschnitt nach dem Einlaufportal durch einen Geländeeinschnitt mit geringerem Krümmungsradius ersetzt und der Tunneleingang um 30 Meter zurückversetzt. Am neuen Einlauf entstand ein neues Portal mit neogotischen Schmuckelementen.

Mit der Errichtung des Eisernen Vorgangs lag der Tunnel in der Grenzzone, mit Ausnahme der Zeit zwischen 1965 und 1974 war er nicht öffentlich zugänglich. Der tschechische Teil des Schwemmkanals zwischen der Světlá und der Moldau bei Želnava war noch bis 1961 in Benützung.

Im Dezember 1965 wurden im Tunnel 185 Mopsfledermäuse gezählt. In den Folgejahren stürzte der Tunnel teilweise ein. 1980 wurde das untere Tunnelportal renoviert. Anlässlich des 200. Jubiläums des Baubeginns am Kanal wurde der Hirschbergen-Tunnel in den Jahren 1989–1991 restauriert. Der Tunnel ist zum Schutz der Fledermäuse im Nationalpark und aus Sicherheitsgründen nur auf kurzen Stücken an den Portalen zugänglich.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu dem mit zwei Ecktürmchen, fünf Zinnen, zwei Schlüsselscharten und einem Spitzbogen verzierten sternernen Einlaufportal führt ein gekrümmter tiefer Geländeeinschnitt, der ursprünglich auch Teil des Tunnels war. Bei der Restaurierung wurde das Portal wieder in seinen Urzustand von 1887 versetzt. Bei einer früheren Instandsetzung des Portals war vor 1930 die Anzahl der Zinnen auf drei reduziert worden.

Der linksseitig neben der am oberen Abschnitt ca. 1,25 Meter breiten zumeist ausgemauerten Schwemmrinne anher führende Treppelweg ist maximal einen Meter breit. Die Firsthöhe beträgt hier zwei Meter. Nach acht Metern ist der Tunnel mit einem Stahlgittertor versperrt. Auf den ersten 25 Metern ist der Tunnel mit Granit ausgekleidet.

Der Wetterschacht II befindet sich 100,8 m unterhalb des Eingangsportals. Er ist acht Klafter tief und am Tage durch ein Gitterrost gesichert. In einen Stein am Übergang der Tunnelfirste zum Schacht ist der Name „Falta“ eingeritzt. 100 Meter unterhalb des Schachtes ist in der Tunnelwand ein Granitquader mit der Jahreszahl „1877“ eingebracht.

Der ebenfalls mit einem Rost überspannte Wetterschacht I liegt 172,8 Meter unterhalb des Wetterschachtes II; er besteht aus drei Betonwänden und einer Wand aus Granitquadern. Seine Tiefe beträgt sieben Klafter.

Der nachfolgende, wieder mit Granit ausgekleidete Tunnelabschnitt besitzt eine Breite von 2,2 Metern und hat über der Abdeckung der 0,90 Meter tiefen Schwemmrinne eine Firsthöhe von ca. zweieinhalb Metern.

122,8 m unterhalb des Wetterschachtes I befindet sich in 895 m n.m. das Auslaufportal. Es trägt die Jahreszahl „1823“. Hinter dem Portal befindet sich im Tunnelinnern ein eingehauenes Schwarzenbergisches Wappen mit Fürstenkrone und den Initialen J.A. (Johann Adolf) sowie der Jahreszahl 1838. 14 Meter oberhalb des Portals ist der Tunnel durch ein Eisengitter versperrt.

Der Tunnel hat eine Länge von 389 Metern. Eine 1991 durch österreichische Höhlenforscher vorgenommene Nachmessung erbrachte jedoch eine Länge von 396,4 Schrägmetern. Der Höhenunterschied zwischen Ein- und Ausfluss beträgt 6,68 m, damit besteht im Tunnel ein Gefälle von 16 ‰. Neben der heute fast trockenen Schwemmrinne führt ein Treppelweg durch den Tunnel.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erhard Fritsch: Der Schwarzenberg-Schwemmkanal im Wandel der Zeit. In: Mitteilungen des Landesvereins für Höhlenkunde in Oberösterreich 1993/1, laufende Nr. 98, 39. Jahrgang, S. 43-74 online (PDF).