Hirschberger Tal

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Hirschberger Tal

Das Hirschberger Tal (polnisch Kotlina Jeleniogórska) in Polen ist ein großer Talkessel auf der schlesischen Nordseite der Westsudeten und neben dem Glatzer Kessel die größte intramontane Beckenlandschaft der Sudeten. Es liegt auf einer Höhe von 250 bis 400 m ü. NN und bedeckt eine Fläche von 273 km². Im 19. Jahrhundert zog die liebliche Landschaft den preußischen Hochadel an, der sich prächtige Schlösser, Herrensitze und Parks errichten ließ.[1]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hirschberger Tal innerhalb der geomorphologischen Einteilung Polens

Auf allen Seiten wird das Hirschberger Tal von Teilgebirgen der Sudeten eingerahmt. Es liegt zu Füßen des Riesengebirges, das zugleich seine südliche Begrenzung darstellt. Im Osten grenzt das Tal an den Landeshuter Kamm, im Westen an das Isergebirge sowie an die Vorberge des Isergebirges und im Norden an das Bober-Katzbach-Gebirge. Der Bober durchfließt das Tal entlang seiner Nordseite, seine Zuflüsse Lomnitz und Zacken fließen, von Südosten und Südwesten kommend, jeweils entlang der Ostseite und der Westseite des Tals und münden bei Jelenia Góra (Hirschberg i. Riesengeb.) in den Bober. Jelenia Góra ist der namengebende Hauptort des Hirschberger Tals und gilt zugleich als „Hauptstadt“ des Riesengebirges.

Die Binnengliederung des Tals erfolgt durch Hügelketten, die durch kleinere Talsenken voneinander getrennt sind. Von Ost nach West unterscheidet man die zu Füßen des Landeshuter Kamms liegenden Hügelketten Wzgórza Karpnickie bei Karpniki (Fischbach), die von der Lomnitz durchflossene Talsenke Obniżenie Mysłakowickie bei Mysłakowice (Zillerthal-Erdmannsdorf), die an das Riesengebirge angrenzende Hügelkette Wzgórza Łomnickie südöstlich von Cieplice Śląskie Zdrój (Bad Warmbrunn, Callidus fons), die vom Zacken durchflossene weite Talsenke Obniżenie Sobieszowa bei Sobieszów (Hermsdorf), die zu Füßen des Isergebirges und seiner Vorberge liegende Hügelkette Wysoczyzna Rybnicy nordwestlich von Piechowice (Petersdorf) und die von einem in den Bober mündenden Bach durchflossene Talsenke Obniżenie Starej Kamienicy bei Stara Kamienica (Alt Kemnitz). Jelenia Góra liegt in der Talsenke Obniżenie Jeleniej Góry am Bober, nördlich davon beginnt das Bober-Katzbach-Gebirge.

Panorama des Hirschberger Tals mit Riesengebirge. Blick von Norden. Kolorierte Zeichnung, vor 1930

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlösser im Hirschberger Tal

Das Hirschberger Tal ist das natürliche Vorland des Riesengebirges. Von zahlreichen Orten im Tal bieten sich unvergleichliche Aussichten auf die Berge.

Herausragendes Merkmal des Hirschberger Tales ist die große Anzahl an Landsitzen und Schlössern, z. B. in Mysłakowice (Zillerthal-Erdmannsdorf) oder Staniszów (Stonsdorf), sowie das heute zu Jelenia Góra (Hirschberg) gehörende Kurbad Cieplice Śląskie-Zdrój (Bad Warmbrunn), mit Kurpark und Kuranlagen. Auf einem Vorberg des Riesengebirges thronend überschaut die im Nationalpark Karkonoski Park Narodowy (KPN) („Nationalpark Riesengebirge“) gelegene Burgruine Chojnik (Kynast) das Hirschberger Tal.

Eine Besonderheit stellt die in den 1980er und 1990er Jahren angelegte malerische Seenplatte im Süden der Wzgórza Łomnickie, zu Füßen der Berge, dar. Sie besteht aus einer Reihe von Stauseen, von denen der Zbiornik Sosnówka bzw. Jezioro Sosnówka („Sosnówka-See“) unterhalb von Sosnówka (Seidorf) und Podgórzyn (Giersdorf) mit einer Staumauer von 1,5 Kilometern Länge und 20 Metern Höhe sowie einer Fläche von 170 Hektar der größte ist.

Burgen und Schlösser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burgen, Schlösser und Herrenhäuser im Hirschberger Tal und Umgebung (Nummerierung siehe nebenstehende Karte) f1Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten: OSM, Google oder Bing

Nr. Typ Deutscher Name Polnischer Name Lage und Bemerkung Bild
01 Burgruine Bolzenschloss[2] Bolczów
50° 51′ 39″ N, 15° 54′ 43″ O

bei Jannowitz / Janowice Wielkie (ehem. Graf von Stolberg-Wernigerode)

Bolzenschloss, Janowice Wielkie (01).jpg
02 Schloss Buchwald Bukowiec
50° 49′ 29″ N, 15° 48′ 56″ O

Schloss der Gräfin Friederike von Reden, jetzt Landwirtschaftsakademie mit Park und Belvedere

Chateau Buchwaldt.JPG
02 Belvedere Buchwald Bukowiec
50° 49′ 34″ N, 15° 48′ 54″ O

Belvedere (griechischer Tempel)

PL, Bukowiec Pawilon parkowy DSC 0118.JPG
03 Burgruine Kynast Chojnik
50° 50′ 2″ N, 15° 38′ 38″ O

bei Hermsdorf (Sobieszów) (ehem. Graf von Schaffgotsch)

Chojnik 01.jpg
04/5 Schloss Bad Warmbrunn Cieplice Śląskie-Zdrój
50° 51′ 54″ N, 15° 40′ 55″ O

Palais Schaffgotsch

Cieplice Pałac Schaffgotschów1.jpg
04/5 Schloss Bad Warmbrunn Cieplice Śląskie-Zdrój
50° 52′ 1″ N, 15° 40′ 45″ O

Ziethenschloss

Pałacyk miejski Römischa w Jeleniej Górze-Cieplicach.jpg
06 Schloss Eichberg am Bober Dąbrowica
50° 53′ 47″ N, 15° 48′ 26″ O

verfallen

PL, Dąbrowica Pałac DSC 0108.JPG
07 Schloss Jannowitz Janowice Wielkie
50° 52′ 56″ N, 15° 55′ 24″ O

Palais Schaffgotsch, ehem. Graf von Stolberg–Wernigerode, jetzt Heim und Herrenhaus

Janowice Wielkie, dziedziniec pałacu (Janowitz-Schloss-1).jpg
08 Schloss Schwarzbach Czarne
50° 52′ 47″ N, 15° 44′ 48″ O

Stadtteil von Hirschberg, Renaissance-Schloss, jetzt ökologisches Zentrum

Dwór Czarne.jpg
09 Schloss Paulinum in Hirschberg Jelenia Góra
50° 53′ 30″ N, 15° 45′ 39″ O

erbaut von Fam. Kramsta, jetzt Hotel

Paulinum hotel Jelenia Gora.jpg
10 Schloss Schloss Fischbach Karpniki
50° 50′ 49″ N, 15° 51′ 1″ O

Wasserschloss mit Park von Prinz Wilhelm von Preußen, jetzt privat

Schloss-Fischbach1.jpg
11 Herrenhaus Fischbach Karpniki
50° 51′ 14″ N, 15° 51′ 8″ O

Villa Aichinger, jetzt Hotel "Eichenschloß" (Pałac Dębowy)

Pałac Dębowy.jpg
12 Schloss Ruhberg bei Schmiedeberg Kowary
50° 48′ 21″ N, 15° 48′ 50″ O

Palais Radziwill, Prinzessin Radziwill und Prinz Wilhelm I., mit Park,

Pałac w Ciszycy.jpg
13 Schloss Neuhof bei Schmiedeberg Kowary
50° 48′ 13″ N, 15° 50′ 6″ O

ehem. von Reuß-Köstritz, jetzt privat

SchlossNeuhof-Kowary1.jpg
14 Schloss Schloss Lomnitz Łomnica
50° 52′ 36″ N, 15° 48′ 31″ O

Witwenschloss mit Park, jetzt Kulturzentrum und Schloss-Hotel der Fam. von Küster

Pałac w Łomnicy - Dwór „Dom Wdowy” (Mały pałac).jpg
14 Schloss Lomnitz Łomnica
50° 52′ 33″ N, 15° 48′ 35″ O

Großes Schloss mit Park, jetzt Kulturzentrum und Schloss-Hotel der Fam. von Küster

Palac Lomnica 01.jpg
15 Schloss Arnsdorf Miłków
50° 48′ 37″ N, 15° 45′ 40″ O

Schloss der Grafen Schmettau bzw. der Grafen Matuschka-Topolczan, jetzt Schloss-Hotel und Reiterhof

Palace in Miłków, Poland.jpg
16 Herrenhaus Waltersdorf Mniszków
50° 51′ 39″ N, 15° 56′ 35″ O

bei Jannowitz

Dwór w Mniszkowie 02.JPG
17 Schloss Erdmannsdorf Mysłakowice
50° 50′ 41″ N, 15° 46′ 47″ O

(Schinkel-Schloss, von Gneisenau, HohenzollernFriedrich Wilhelm III., jetzt Schule und Gymnasium, mit Park von Lenné sowie Kirche)

Mysłakowice pałac sm.jpg
18 Schloss Schloss Wernersdorf Pakoszów
50° 51′ 24″ N, 15° 37′ 37″ O

auch Hess'sche Bleiche, Schloss mit Park, jetzt Schloss-Hotel

Pakoszów, pałac patrycjuszowski (Schloss-Wernersdorf).jpg
19 Herrenhaus Seiffersdorf Radomierz
50° 53′ 52″ N, 15° 53′ 21″ O
20 Burgruine Lausepelz bei Reibnitz Rybnica
50° 54′ 43″ N, 15° 37′ 10″ O

Reste einer Burgruine bei Reibnitz (Rybnica)

Rybnica zamek1.jpg
21 Schloss Hermsdorf Sobieszów
50° 50′ 47″ N, 15° 38′ 23″ O

Schloss von Schaffgotsch

PL, Jelenia Góra-Sobieszów, Zespół ordynacji majątkowej Schaffgotschów - pałac DSC 0085.JPG
22 Ruine Heinrichsburg bei Seidorf Sosnówka
50° 50′ 7″ N, 15° 43′ 24″ O

künstl. Ruine auf dem Stangenberg (506 m), ehem. von Reuß

Staniszów, Zameczek Myśliwski ks. Henryka LXII - fotopolska.eu (209135).jpg
23 Schloss Stonsdorf Staniszów
50° 50′ 39″ N, 15° 44′ 30″ O

Schloss im Oberdorf, ehem. von Reuß jüngere Linie, jetzt Schloss–Hotel, Herrenhaus im Niederdorf

Chateau Stonsdorf.JPG
23 Herrenhaus Stonsdorf Staniszów
50° 51′ 41″ N, 15° 43′ 56″ O

Herrenhaus im Niederdorf

Pałac na Wodzie w Staniszowie.jpg
23 Jagdschloss Stonsdorf Staniszów
50° 49′ 51″ N, 15° 43′ 32″ O

Jagdschloss (Pałac Myśliwski)

PL, Staniszów Pałac myśliwski DSC 0127.JPG
24 Burgruine Alt-Kemnitz Stara Kamienica
50° 55′ 7″ N, 15° 34′ 19″ O

Ruine Kemnitzburg (Stammburg der Grafen von Schaffgotsch), Reste einer Burgruine

Stara Kamienica ruiny zamku2.jpg
25 Schloss Schloss Schildau Wojanów
50° 52′ 31″ N, 15° 48′ 50″ O

Fürstl. Wiedsches Schloss, Prinzessin Luise der Niederlande, Sanierung 2007

Wojanów, pałac (Schloss Schildau).jpg
26 Schloss Boberstein Bobrów
50° 52′ 14″ N, 15° 49′ 50″ O

verfallen

Boberstein-Schloss-1.jpg
x Burgruine Molkenschloss bei Eichberg Dąbrowica
50° 53′ 59″ N, 15° 48′ 16″ O

Reste einer Burgruine auf dem Molkenberg (Koziniec, 462 m) bei Eichberg (Dąbrowica)

Ruine-Molkenberg1.jpg
x ehem. Burgruine Falkenstein bei Fischbach Karpniki
50° 51′ 51″ N, 15° 52′ 6″ O

auf den Falkenbergen bei Fischbach / Karpniki

Rudawy Janowickie, Krzyżna Góra, ruiny zamku Sokolec 2.jpg
x Burg Boberröhrsdorf am Bober Siedlęcin
50° 56′ 6″ N, 15° 41′ 8″ O

ehem. gräfl. Schaffgotsches Rittergut, mit Wohnturm

Siedlecin Tower 01.jpg
x Schloss Plagwitz Plakowice
51° 6′ 57″ N, 15° 36′ 53″ O

bei Löwenberg (Lwówek Śląski) (Renaissance-Schloss, jetzt Heilstätte)

Plakowice (js).jpg
x Schloss Lähn (Kleppelsdorf am Bober) Wleń
51° 1′ 3″ N, 15° 40′ 54″ O

jetzt privat

Palace in Wleń, Poland.jpg
x Burgruine Lähnhaus (Zamek Wleń) Wleń
51° 1′ 3″ N, 15° 39′ 47″ O

oberhalb von Lähn am Bober

Wleń 1.jpg
x Schloss Schloss Lenno (Pałac Lenno) Lupki bei Wleń (Wleński Gródek)
51° 0′ 58″ N, 15° 39′ 47″ O

in Schiefer (Lupki) bei Lähn

Lenno Palace in Łupki, Poland.jpg
x Schloss Waltersdorf am Bober Nielestno
50° 59′ 49″ N, 15° 40′ 20″ O

ehem. Graf von Reden, jetzt Krankenhaus

Nielestno pałac 1.jpg
x Schloss Langenau Czernica
50° 58′ 41″ N, 15° 43′ 12″ O

jetzt privat

Czernica, pałac 1.jpg
x ehem. Schloss Maiwaldau Maciejowa
50° 54′ 31″ N, 15° 49′ 56″ O

abgerissen

Schloss Maiwaldau Sammlung Duncker.jpg
x Schloss Kammerswaldau Komarno
50° 55′ 29″ N, 15° 52′ 6″ O

Wasserschloss

Komarno, dawny zamek przebudowany w XVII w na pałac (Schloss-Kammerswaldau).jpg
x Schloss Matzdorf Maciejowiec
50° 58′ 23″ N, 15° 37′ 22″ O

Schloss und Herrenhaus, verfallen

IG Maciejowiec Pałac P5180074.JPG
x Herrenhaus Berthelsdorf Barcinek
50° 56′ 9″ N, 15° 35′ 23″ O

verfallen

Barcinek - Palace.jpg
x Herrenhaus Berbisdorf Dziwiszów

verfallen

x Herrenhaus Hartau Grabary

verfallen

x Ruine Galgenberg (478 m) bei Nieder-Steinseiffen Dolny Sciegny
50° 48′ 15″ N, 15° 46′ 27″ O

Reste einer Ruine auf dem Galgenberg (Straconka 478 m)

Ruine-Galgenberg-Milkow.jpg
x ehem. Herrenhaus Rohrlach Trzcińsko

abgerissen [3]

x ehem. Schloss Kupferberg Miedzianka

abgerissen

x ehem. Herrenhaus Nieder-Giersdorf Podgórzyn

abgerissen

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arne Franke, Katrin Schulze: Das schlesische Elysium – Burgen, Schlösser, Herrenhäuser und Parks im Hirschberger Tal. 2. Auflage, Deutsches Kulturforum östliches Europa, Potsdam 2005, ISBN 978-3-936168-33-4 (= Potsdamer Bibliothek östliches Europa – Kulturreisen).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schlesien - Schlösser im Hirschberger Tal PDF, 62 Seiten, 2007
  2. Karl August Müller: Vaterländische Bilder, in einer Geschichte und Beschreibung der alten Burgfesten und Ritterschlösser Preussens. Glogau 1837, S. 414–416.
  3. Herrenhaus Rohrlach (deutsch-polnisch) (abgerufen am 25. Juni 2015)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 50° 55′ 0″ N, 15° 45′ 0″ O