Hirschsprung (Schwarzwald)

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Klamm Höllenpass von Norden mit Hirschdenkmal auf der Südseite
Der Hirschsprung (Saut-du-Cerf) im Jahre 1796
Hirschsprung um 1900
Hirschdenkmal von der Straße aus

Als Hirschsprung benannt ist zum einen die klammartige engste Stelle des schwarzwälder Höllentals, auch Höllenpass genannt, und zum anderen die namengebende Ortssage (Schwarzwälder Hirschsprung). Achthundert Meter weiter talaufwärts liegt der weitgehend stillgelegte Bahnhof Hirschsprung der Höllentalbahn.

Schlucht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der schluchtartige Mittelteil des Höllentals verengt sich am Hirschsprung klammartig; die Wände ragen hier bis zu 130 Meter hoch über den Rotbach, hier auch Höllenbach genannt, auf. Über den niedrigeren namengebenden Felsen mit einer bronzenen Hirsch-Skulptur verläuft die Gemarkungsgrenze zwischen Breitnau und Buchenbach. Die Felsen bestehen aus Gneisen, die durch lange zurückliegende tektonische Beanspruchung zerrüttet sind und teilweise granitartig aufgeschmolzen waren (Migmatite). Oberhalb der Enge ist ein ehemaliger hoch gelegener Talboden in Resten erhalten, der ein damals, vor der klammartigen Zerschneidung durch den Rotbach, stärker gestuftes Längsprofil des Höllentals erahnen lässt.

Die Hirschsprung-Enge war vor dem Ausbau der Straße an der Basis nur 9 Meter breit. Die nördlichen Hirschsprung-Felsen werden von der Höllentalbahn untertunnelt (Falkenstein-Tunnel, Unterer und Oberer Hirschsprung-Tunnel), die südlichen vom bachbparallelen, inzwischen gesperrten Jägerpfad. Der Jägerpfad, benannt nach seinem Initiator, war 1926 eröffnet worden. Er ist seit 2002 wegen Steinschlaggefahr geschlossen. Bis 2001 befand sich unterhalb des Hirschsprungs auf dem gleichnamigen Parkplatz entlang der Bundesstraße 31 ein Kiosk.

Bahnhof Hirschsprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Hirschsprung ist auch der oberhalb des Engpasses liegende, heute nur noch als Kreuzungsstelle ohne Personenverkehr betriebene Bahnhof der Höllentalbahn benannt. Die auffällige Größe des in dieser äußerst dünn besiedelten Gegend gelegenen Bahnhofs rührt daher, dass hier früher die zusätzlichen Lokomotiven angekuppelt wurden, die die Züge auf der Steilstrecke hinauf nach Hinterzarten zogen beziehungsweise schoben.[1]

Hirschsprung-Sage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Ritter der Burg Falkenstein begab sich im Höllental auf die Hirschjagd. Nach einiger Zeit sichtete er einen prächtigen Hirsch und nahm die Jagd auf. Getrieben von Todesangst sprang der Hirsch mit einem gewaltigen Satz über die Schlucht und entkam dadurch seinem Verfolger.

Angesichts der ursprünglich an der Basis zwar nur 9 Meter breiten, in Höhe des Felsens aber auch damals breiteren Schlucht ist ein solcher Satz schwer vorstellbar.

Hirschdenkmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1856 stellte die Gemeinde Falkensteig einen hölzernen Hirsch anlässlich der Hochzeit von Großherzog Friedrich und Luise von Preußen auf. Anlässlich der ersten Versammlung der deutschen Forstmänner in Freiburg ließ Forsttaxator Schilling 1874 einen neuen Hirsch aufstellen. Nachdem dieser durch einen Sturm zerstört wurde, folgte 1887 das letzte Modell aus Holz, das bis 1904 seinen Standort auf dem Felsen hatte.[2]

Durch Spenden konnte 1907 ein 350 kg schwerer und 2,50 m hoher Hirsch aus Bronze aufgestellt werden, der von dem Bildhauer Günther entworfen und in der Heidelberger Zinkornamenten-Fabrik gefertigt wurde.[3][2]

Am 6. August 2010 ließ die Forstverwaltung den Hirsch mittels eines Autokrans vom Berg heben. Der zuständige Förster in Falkensteig entfernte die fünf aufgetragenen Farbschichten und reparierte den Hirsch, denn er wies 35 Einschuss- und 70 Austrittslöcher (wegen gesplitterter Projektile) auf, sowie ein angesägtes Bein. Die Einschusslöcher waren bereits oxidiert, sodass ihre Entstehungszeit zwischen Kriegsende und früher Nachkriegszeit vermutet wird. [4] Das Denkmal behielt seine grüne Farbe und wurde mit einer Zeitkapsel im Inneren versehen, die an diese Restaurierung erinnern soll. Am 10. Oktober wurde es im Rahmen einer Tour de Rothirsch zu den Rotwildtagen in Häusern transportiert[5] und dann am 23. Oktober 2010 wieder auf seinem Standplatz montiert.

In Anspielung auf die grün-rote Koalition nach der Landtagswahl von 2011 hatten Unbekannte den Hirsch grün und rot angestrichen.[6] Später wechselte er wieder die Farbe, wurde mit Flügeln versehen und macht so fast dem Holbeinpferd in Freiburg Konkurrenz.[7][8] Das im Mai 2016 beschädigte linke Geweih[9] soll repariert werden.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bis 1933 wurden hierfür Zahnradlokomotiven verwendet; auch danach wurden für schwere Züge auf der Steilstrecke noch Schiebeloks benötigt.
  2. a b badische-zeitung.de: Buchenbach: TIERISCH, 25. Oktober 2010, Zugriff am 4. Februar 2012
  3. Ines Fuchs: Südwest: Angeschossen und angesägt: Höllentäler Hirsch wird restauriert, in: Badische Zeitung vom 15. September 2010, Zugriff am 21. September 2010
  4. SWR-Landesschau vom 26. Oktober 2010
  5. Susanne Filz: Häusern: Der Höllental-Hirsch ist reisefertig, Badische Zeitung, 8. Oktober 2010, Zugriff am 13. Mai 2012
  6. Fotos: Der grün-rote Hirsch vom Höllental Badische Zeitung vom 5. Mai 2011, Zugriff am 15. Juni 2011
  7. Nadine Paulus: Kreis Breisgau-Hochschwarzwald: Farbiges Denkmal: Höllental: Der Hirsch bleibt neongrün. Badische Zeitung, 24. September 2009, abgerufen am 12. Mai 2016.
  8. Unbekannte verleihen Höllentäler Hirsch Flügel Badische Zeitung vom 30. Mai 2012, Zugriff am 7. November 2012
  9. Karl Heidegger: Kreis Breisgau-Hochschwarzwald: Wahrzeichen: Höllental-Hirsch: Unbekannte sägen Teile des Geweihs ab. Badische Zeitung, 11. Mai 2016, abgerufen am 12. Mai 2016.
  10. dpa, bz: Südwest: Reparatur: Der Hirsch im Höllental bekommt ein neues Geweih. Badische Zeitung, 6. Juni 2016, abgerufen am 7. Juni 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hirschsprung (Schwarzwald) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 56′ 16″ N, 8° 1′ 13″ O