Hirzenhain

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Hirzenhain
Hirzenhain
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Hirzenhain hervorgehoben
Koordinaten: 50° 23′ N, 9° 8′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Wetteraukreis
Höhe: 246 m ü. NHN
Fläche: 16,11 km2
Einwohner: 2828 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 176 Einwohner je km2
Postleitzahl: 63697
Vorwahl: 06045
Kfz-Kennzeichen: FB, BÜD
Gemeindeschlüssel: 06 4 40 011
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Karl-Birx-Straße 6
63697 Hirzenhain
Webpräsenz: www.hirzenhain.de
Bürgermeister: Timo Tichai (parteilos)
Lage der Gemeinde Hirzenhain im Wetteraukreis
ButzbachMünzenbergRockenbergOber-MörlenBad NauheimFriedberg (Hessen)Rosbach vor der HöheWöllstadtKarbenBad VilbelWölfersheimReichelsheim (Wetterau)NiddatalFlorstadtEchzellReichelsheim (Wetterau)NiddaHirzenhainGedernRanstadtGlauburgAltenstadt (Hessen)LimeshainOrtenberg (Hessen)KefenrodBüdingenLahn-Dill-KreisLandkreis GießenVogelsbergkreisHochtaunuskreisFrankfurt am MainMain-Kinzig-KreisKarte
Über dieses Bild
Hirzenhain im Juli 2010: Blick von der Klostermauer, rechts von der Bildmitte das Buderus-Hauptgebäude

Hirzenhain ist eine Gemeinde im Wetteraukreis in Hessen.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hirzenhain liegt östlich der Wetterau im westlichen Vogelsberg und wird von der Nidder durchflossen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hirzenhain grenzt im Norden an die Stadt Schotten (Vogelsbergkreis), im Osten an die Stadt Gedern, im Süden an die Stadt Ortenberg, sowie im Westen an die Stadt Nidda.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hirzenhain besteht aus den Ortsteilen Glashütten, Hirzenhain und Merkenfritz. Der Ortsteil Glashütten hat noch die angegliederten Ortsteile Streithain und Igelhausen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erste urkundliche Erwähnung am 13. Januar 1330.[2]
  • Entstehung einer Waldschmiede und des Augustiner-Chorherrenstifts im Jahr 1375. 1554 wurde das Stift in eine Lateinschule umgewandelt, die bis in das Jahr 1595 bestand. Heute erinnert noch die spätgotische Kirche in Hirzenhain an diese Zeit. Die Waldschmiede entwickelte sich zu einem Eisenwerk, das 1678 die Familie Buderus, die die ersten Hochöfen baute, pachtete.
  • Kauf des Eisenwerks durch die Familie Buderus im Jahr 1869.
  • In Hirzenhain bestand im Zweiten Weltkrieg das Arbeitserziehungslager Hirzenhain, eine Außenstelle des Arbeitserziehungslagers Heddernheim im Norden von Frankfurt am Main. Dort mussten deutsche und ausländische Häftlinge unter KZ-Bedingungen in der Produktion der Breuer-Werke arbeiten und Panzerteile herstellen. Am 23. März 1945, kurz vor Kriegsende, wurden 49 Frauen aus dem Arbeitserziehungslager in Frankfurt-Heddernheim zur Außenstelle nach Hirzenhain transportiert. Während des Transports flohen 5 Frauen. Die verbliebenen 44 wurden mit 37 weiteren Frauen und 6 Häftlingen aus dem Lager am 26. März 1945 durch die SS erschossen. Sie wurden später im Kloster Arnsburg auf dem dortigen Kriegsopferfriedhof beigesetzt.
  • In der Gemeinde selbst hielten sich unabhängig von Breuer im Juli 1944 dreiundzwanzig Zwangsarbeiter auf, darunter zwölf Letten. Im März 1945 waren es 25 Zwangsarbeiter.[3]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Oktober 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Merkenfritz eingegliedert. Am 1. April 1972 kam Glashütten hinzu.[4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[5] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:

Sitzverteilung in der Gemeindevertretung 2016
   
Insgesamt 15 Sitze
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 41,5 6 45,4 7 52,2 8 61,1 14
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 33,3 5 31,4 5 42,0 6 31,0 7
UWG Unabhängige Wählergemeinschaft 25,2 4 23,2 3
NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands 5,8 1
HWI Hirzenhainer Wählerinitiative 7,9 2
Gesamt 100,0 15 100,0 15 100,0 15 100,0 15
Wahlbeteiligung in % 54,9 45,5 49,6 56,4
Ev. spätgotische Hallenkirche
1439–1534 Augustinerkloster „St. Maria“

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vergangenen Bürgermeisterwahlen lieferten folgende Ergebnisse:

Jahr Kandidaten Partei %
Ergebnis
Bürgerentscheid Abwahl[6]
Freddy Arthur Kammer
JA 60,8
NEIN 39,2
Wahlbeteiligung in % 64,5
Stichwahl 2014(1)[7] Klaus Heusohn SPD 44,5
Freddy Arthur Kammer unabhängig2 55,5
Wahlbeteiligung in % 70,5
2014(1)[8] Klaus Heusohn SPD 48,0
Nicole Seitz Piraten 9,5
Freddy Arthur Kammer unabhängig2 42,6
Wahlbeteiligung in % 61,8
Stichwahl 2008 Elfriede Pfannkuche SPD 47,7
Freddy Arthur Kammer unabhängig2 52,3
Wahlbeteiligung in % 62,3
2008 Elfriede Pfannkuche SPD 36,7
Mario Müller CDU 28,3
Freddy Arthur Kammer unabhängig2 34,9
Wahlbeteiligung in % 63,2
2002 Elfriede Pfannkuche SPD 71,1
Wahlbeteiligung in % 75,6
1996 Elfriede Pfannkuche SPD 67,8
Jörg Scherbarth HWI 21,8
Andreas Müth CDU 10,3
Wahlbeteiligung in % 75,0

(1) Aufgrund von Wahlfälschungsvorwürfen erklärte die Gemeindevertretung Hirzenhains am 21. Juli 2014 die Wahl Kammers für ungültig. Die zuständige Staatsanwaltschaft klagte Kammer wegen Wahldelikten (Urkundenfälschung und Wahlfälschung) im Zusammenhang mit der Wahl an, die Anklage wurde vom Amtsgericht Büdingen zugelassen.[9]
(2) Kammer ist SPD-Mitglied, trat aber als unabhängiger Bewerber an.[10] Am 7. Mai 2017 wurde Kammer durch die Wähler in Hirzenhain durch einen Bürgerentscheid abgewählt.[11] Seine Amtsgeschäfte endeten am 8. Mai 2017, 24:00 Uhr, mit der Feststellung des amtlichen Endergebnisses durch den Gemeindewahlausschuss. Die ursprünglich vorgesehene Neuwahl des Bürgermeisters am 24. September 2017 (zeitgleich zur Bundestagswahl) wurde vom Verwaltungsgericht Gießen per einstweiliger Anordnung untersagt. Es bestünden erhebliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Abwahlverfahrens; die Durchführung der Neuwahl würde vollendete Tatsachen schaffen.[12] Am 8. Oktober 2017 wurde Timo Tichai (parteilos) zum neuen Bürgermeister der Gemeinde Hirzenhain gewählt.[13]

Wappen und Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 1951 wurde der Gemeinde Hirzenhain durch das Hessische Staatsministerium das Recht zur Führung eines Wappens verliehen.[14]

Am 5. September 1969 ist der Gemeinde durch den Hessischen Minister des Innern die nachstehend beschriebene Flagge genehmigt worden: „Auf dem von Schwarz und Gelb geteilten Flaggentuch das Gemeindewappen.“[15]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wirtschaft Hirzenhains wurde über eine sehr lange Zeit (es ist nicht übertrieben, von rund 300 Jahren zu sprechen) vom Unternehmen Buderus dominiert. Deshalb erhielt Hirzenhain auch die Bezeichnung "Industriegemeinde".

In der Hochzeit in den 50er und 60er Jahren hatte der Standort Hirzenhain der Buderus AG rund 2000 Beschäftigte. Die hohen Gewerbesteuereinnahmen ermöglichten der Gemeinde Hirzenhain eine Infrastruktur, z. B. ein großzügig angelegtes Freibad, die unter Gemeinden ähnlicher Größe ihresgleichen suchte.

Im Jahr 2003 kaufte der Robert Bosch Konzern die Firma Buderus (wobei Bosch nur an der Heiztechnik Sparte interessiert war). Die Gießerei-Aktivitäten am Standort Hirzenhain (Feinguss und Kunstguss) wurde 2005 an den Venture Capital Fonds SSVP verkauft.

Im Jahre 2006 wurde die kleinste Sparte Kunstguss wieder zur Bosch Thermotechnik GmbH rücküberführt und der Heiztechnik angegliedert. Somit beschäftigt die Bosch Thermotechnik GmbH (Heiztechnik und Kunstguss) noch ca. 55 Mitarbeiter und die Buderus Feinguss Hessen GmbH (gehört heute zum PERUSA-Fond) noch ca. 100 Mitarbeiter.

Bosch Thermotechnik GmbH – Buderus Kunstguss unterhält in Hirzenhain noch das Kunstgussmuseum, welches im Gebäude der Kunstgießerei unter einem eigenständigen Verein geführt wird.

Im Ortsteil Merkenfritz befindet sich eine Werkstatt für behinderte Menschen der Behindertenhilfe Wetteraukreis gGmbH.

Auf dem Friedhof der Gemeinde befinden sich in einem abgegrenzten Bereich die letzten Ruhestätten vieler Persönlichkeiten der Familie Buderus.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Oberwaldbahn, an der Hirzenhain (Oberhess) ein Bahnhof war, ist stillgelegt.

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Märchenland Merkenfritz
  • Der Vulkanradweg verläuft auf der Trasse der ehemaligen Oberwaldbahn durch den Ort. Heute ist der Vulkanradweg Teil des BahnRadweg Hessen, der auf ehemaligen Bahntrassen ca. 250 km durch den Vogelsberg und die Rhön führt.
  • Naturerlebnisbad Hirzenhain

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eisenkunstgussmuseum (So. 10–12 Uhr, 13–16 Uhr)

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Augustinerkirche mit dreijochigem Kirchenschiff. Der Lettner ist ein Meisterwerk spätgotischer Steinmetzarbeit.[16]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedeutende in Hirzenhain geborene Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carl Kellner (1826–1855), Pionier der Optik-Industrie Wetzlar, aus dem das Unternehmen Leica entstand.

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hirzenhain, Glashütten, Merkenfritz: Bilder aus vergangenen Tagen. Geiger, Horb am Neckar 1996, ISBN 978-3-89570-231-0.
  • Michael Keller: „Das mit den Russenweibern ist erledigt“: Rüstungsproduktion, Zwangsarbeit, Gestapo-KZ, Massenmord einer SS-Kampfgruppe und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit am Tatort Hirzenhain wie auf dem Kriegsgräberfriedhof im Kloster Arnsburg 1943–1996. Bindernagel, Friedberg (Hessen) 2000, ISBN 3-87076-087-7 (2. stark erweiterte Auflage).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hirzenhain – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Aktuellster Bevölkerungsstand am 31.12.2015 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Regest: Battenberg, Isenb. Urk. 1, S. 105 Nr. 383.
  3. Klaus D. Rack, Monica Kingreen, Dirk Richhardt: Fern der Heimat unter Zwang: der „Einsatz fremdländischer Arbeitskräfte“ während des Zweiten Weltkriegs in der Wetterau. Geschichtsverein für Butzbach und Umgebung, Butzbach 2004, S. 112–114, ISBN 3-9802328-8-3
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 352 f.
  5. Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016 Hessisches Statistisches Landesamt
  6. Christian Berg: Bürgermeister-Abwahl in Hirzenhain: Ausschuss stellt amtliches Endergebnis fest. In: Kreis-Anzeiger. 9. Mai 2017.
  7. Bürgermeisterwahl in Hirzenhain, 25. Mai 2014, StatistikHessen, Hessisches Statistisches Landesamt, Abruf 7. Juli 2015.
  8. Bürgermeisterwahl in Hirzenhain (Stichwahl), 15. Juni 2014, StatistikHessen, Hessisches Statistisches Landesamt, Abruf 7. Juli 2015.
  9. Amtsgericht hebt Prozessauftakt gegen Freddy Kammer auf. Gießener Anzeiger vom 27. April 2015; VGH Kassel, Beschl. v. 5. Februar 2015 – 8 B 2099/14 = KommJur 2015, 210.
  10. Freddy Kammer ist neuer Bürgermeister von Hirzenhain. In: Kreis-Anzeiger. Verlag Wetterau und Vogelsberg GmbH. September 29, 2008. Abgerufen am 11. November 2008.
  11. Bürgerentscheid – Umstrittener Bürgermeister in Hirzenhain abgewählt. In: hessenschau.de. 7. Mai 2017.
  12. Ex-Rathauschef klagt erfolgreich: Bürgermeisterwahl in Hirzenhain untersagt. In: hessenschau.de. 14. September 2017.
  13. Ergebnisse Bürgermeisterstichwahl: Hirzenhain – Stichwahl zur Bürgermeisterwahl am 08. Oktober 2017 in Hirzenhain (Wetterau). In: hessenschau.de. 8. Oktober 2017; abgerufen am 9. Oktober 2017.
  14. Der Hessische Minister des Innern: Verleihung des Rechts zur Führung eines Wappens an die Gemeinde Hirzenhain im Landkreis Büdingen, Reg.-Bezirk Darmstadt. In: Staats-Anzeiger für das Land Hessen. 1951, Amtsblatt Nr. 49, Seite 739, 15. November 1951.
  15. Der Hessische Minister des Innern: Genehmigung einer Flagge der Gemeinde Hirzenhain, Landkreis Büdingen, Regierungsbezirk Darmstadt. In: Staats-Anzeiger für das Land Hessen. 1969, Amtsblatt Nr. 38, Seite 1618, 5. September 1969.
  16. Evangelische Kirche Hirzenhain. In: Website der Gemeinde Hirzenhain. Abgerufen am 10. Oktober 2017.