Hitdorf

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Hitdorf
„In Silber (Weiß) über einem blauen gewellten Schildfuß eine rote fünfzinnige Mauer daraus wachsend eine blaue Heiligenfigur mit silbernem (weißem) Heiligenschein und braunem Haar; in der Rechten drei goldene (gelbe) Steine und in der Linken eine rote Bibel belegt mit einem goldenen (gelben) Kreuz; begleitet von zwei kleinen Schildern, vorn in Gold (Gelb) über schwarzen gekreuzten Schiffer- und Fischerhaken ein blauer gestürzter Anker; hinten in Silber (Weiß) ein blau bewehrter und bekrönter roter doppelt geschwänzter steigender Löwe.“
Koordinaten: 51° 3′ 36″ N, 6° 55′ 7″ O
Einwohner: 7456 (2006)
Eingemeindung: 1. September 1960
Eingemeindet nach: Monheim am Rhein
Postleitzahl: 51371
Vorwahl: 02173
Karte
Lage von Hitdorf in Leverkusen

Hitdorf ist ein Stadtteil von Leverkusen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorfbild wird vom Rhein und der Kirche St. Stephanus geprägt. Hitdorf grenzt im Südwesten an den Rhein, im Südosten an den Leverkusener Stadtteil Rheindorf und im Norden an Monheim. Die Grenze zu Langenfeld liegt wenig nordöstlich von Hitdorf. Aufgrund seiner Lage unmittelbar am Rhein ist Hitdorf hochwassergefährdet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hitdorf wurde 941 erstmals als Huttorp erwähnt und der Rheinhafen von Hitdorf fand schon im Jahre 1252 erstmals schriftliche Erwähnung. Seit dem Mittelalter gehörte Hitdorf zum Amt Monheim im Herzogtum Berg. 1341 wurde der Ort sogar Sitz eines Landgerichts für das Kirchspiel Rheindorf. Das Hitdorfer Fährrecht wurde erstmals 1633 beurkundet. Während der Napoleonischen Zeit kam das kleine Rheindörfchen an die Mairie Monheim im Kanton Richrath im Arrondissement Düsseldorf im Rheindepartement im Großherzogtum Berg. 1815 kam Hitdorf mit dem Großherzogtum Berg an das Königreich Preußen und war zunächst ein Teil des Kreises Opladen im Regierungsbezirk Düsseldorf. Im Jahre 1840 wurde die katholische Pfarrei Hitdorf gegründet. Im Jahre 1857 erhielt Hitdorf die Stadtrechte. Zusammen mit Rheindorf bildete der Ort seit 1897 eine Verwaltungsunion. Am 1. Dezember 1905 hatte Hitdorf 1810 Einwohner. 1931 wurde das Amt Rheindorf aufgelöst. Rheindorf wurde in die Stadt Leverkusen eingemeindet. Hitdorf war nun zunächst eine selbständige Stadt im Rhein-Wupper-Kreis. Schließlich wurde der Ort 1960 ein Teil der Gemeinde Monheim. Seit dem 1. Januar 1975 ist Hitdorf ein Teil der Stadt Leverkusen.[1]

Bürgermeisterliste der Stadt Hitdorf ab 1857[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1857–1863 Winand Blank, langjähriges Gemeinderatsmitglied der Samtgemeinde Richrath-Reusrath
  • 1863–1870 Johann Hubert Odendahl[2]
  • 1870–1872 Franz Carl Odendahl
  • 1872–1880 Hubert Bongartz
  • 1880–1888 Martin Rieffert
  • 1888–1893 Carl Wagner
  • 1893–1905 Peter Theißen, ab 1897 auch Bürgermeister von Rheindorf (ab 1905 bis 1931 unter Dr. Franz Müller)
  • 1905–1933 Dr. Franz Müller, von den Nationalsozialisten aus dem Amt gedrängt, „Adenauer-Fraktion“, Deutsche Zentrumspartei
  • 1934–1938 Otto Förster, NSDAP, wurde 1938 nach Langenfeld versetzt, weil Paul Schreiner von dort nach Opladen ging
  • 1938–1945 Lorenz Freiburg, NSDAP-nah
  • 1945-xxxx Julius Busch, wurde NSDAP-Nähe im Nachhinein nachgewiesen[3]
  • 1945–1946 Cyriakus Josef Goergens, langjähriger Stadtrat, schon unter Dr. Müller, NSDAP-unbedenklich
  • 1946–1948 Johann Klütsch
  • 1948–1952 Josef Brock
  • 1952–1956 Josef Longerich
  • 1956–1958 Josef Brock, Bürgermeister bei der legendären „100 Jahre Stadtrechte-Feier 1957“ von 1952 bis 1959 Kreistagsabgeordneter des Rhein-Wupper-Kreises, Bundesverdienstkreuz
  • 1958–1960 Willi Broscheid

Hochwasserschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Unterstützung des Landes wurde Ende 2010 eine Baumaßnahme abgeschlossen, die über eine Länge von 900 Metern geht und die Lücke zum Rhein schließt. Für zehn Millionen Euro entstand eine Hochwasserwand. Das Land trug mit einem Zuschuss über sechs Millionen Euro einen großen Teil der Kosten.

Bauwerk aus drei Teilen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Strecke zwischen Fähr- und Werftstraße wurde im Untergrund eine 27 Meter tiefe Dichtwand eingebaut. Sie soll das Unterströmen des Bereichs verhindern. Von oben ist sie nicht zu sehen. Oberirdisch aufgesetzt ist darauf eine massive Wand von anderthalb Metern Höhe. Damit sie sich in das Gelände einpasst, wurde sie teilweise begrünt und verklinkert.

Wenn Hochwasser droht, kommt der mobile Teil des Bauwerks zum Einsatz: eine Aluminium-Wand. Sie kann bis zu zwei Meter hoch aufgebaut werden, angepasst an den Wasserstand.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl   Jahr Einwohnerzahl   Jahr Einwohnerzahl
1990 5778   1995 6393   1996 6436
1997 6357   1998 6345   1999 6533
2000 6719   2001 6812   2002 6880
2003 7046   2005 7292   2006 7456
2008 7524   2010 7573   2013 7654

Kultur und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hitdorf ist besonders für den „Hitdorfer Karneval“ in den umliegenden Städten bekannt. Hier nehmen jährlich immer mehr Wagen und auch Hitdorfer Bürger teil. 2011 wurde der Karnevalszug, der vor nicht allzu langer Zeit als „Schull un Veedelszoch“ anfing, von ca. 65.000 Zuschauern besucht.
  • In der Sporthalle der Hans-Christian-Andersen-Schule haben die Basketballer des TV Hitdorf ihr Zuhause. Die „Hitdorf Dragons“ spielen seit einigen Jahren erfolgreich in der Bezirksliga.

Hitdorf besitzt ein Theater, das „Matchbox“-Theater, das die kleinste Bühne Leverkusens hat. In der evangelischen Fliedner-Kirche ist zudem das „Caostheater“ beheimatet.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche St. Stephanus, vom linken Rheinufer aus gesehen

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Industrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1765 wurde die erste Hitdorfer Tabakfirma von Johann Peter Dorff gegründet. Das in Hitdorf bekannte Haus Dorff des Firmengründers, welches 1791 errichtet wurde, steht heute unter Denkmalschutz und ist an der Langenfelder Straße von außen zu besichtigen. 1816 wurde die Firma vom Sohn aus erster Ehe, Jakob Dorff, übernommen. Später erbte der Sohn Wilhelm Dorff der I. nach dem Tode seines Vaters 1849, unter dem die Firma ihre höchste Blüte erlebte. 1915 wurde die Fabrik, nach dem kinderlosen Tode Wilhelm Dorff des II. 1910, von der zurückgebliebenen Witwe an den Fabrikanten Lorenz Cremer verkauft.

Die zweite Hitdorfer Tabak- und Zigarrenfabrik „Tabak & Cigarren Fabrikation Caspers - Neess“ wurde 1796 von den Brüdern Caspers gegründet. Das 1666 errichtete Anwesen der Familien Caspers und Neess steht heute noch und beherbergt zurzeit ein Bed-&-Breakfast-Hotel.

1833 folgte die Brauerei und 1843 die Zündholzfabrik. Alle drei Gewerbe existieren nicht mehr am Ort. In Hitdorf befindet sich die Europazentrale des Automobilherstellers Mazda. Ein Zentrallager der Firma Rossmann ist auf dem Gelände der ehemaligen Bayer-Gärtnerei. Wichtigste örtliche Arbeitgeber sind der Chempark Leverkusen und die Stadtverwaltung.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südlich von Hitdorf befindet sich die Anschlussstelle Leverkusen-Rheindorf der Autobahn A59. Es gibt eine Rheinfähre, die zwischen Köln-Langel und Hitdorf verkehrt. Diese erfreut sich vor allem großer Beliebtheit bei Stau auf der Autobahnbrücke der A1 zwischen Wiesdorf und Köln-Merkenich.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Christian-Andersen-Grundschule (benannt nach dem Märchendichter)
  • St.-Stephanus-Grundschule (benannt nach der katholischen Kirche in Hitdorf)
  • Freiwillige Feuerwehr, Löschzug Hitdorf
  • Stadthalle (Verwaltung durch den Dachverband Hitdorfer Vereine)
  • Heimatmuseum Am Werth

Filmarbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Herbst 2011 wurden an mehreren Tagen viele Szenen des 2012 erschienenen Kinofilms Pommes essen, u. a. mit Smudo und Thekla Carola Wied, am Hitdorfer Rheinufer nahe dem Kran-Café gedreht.[5] Bei einer großen Brandszene kam hier auch der Löschzug 18 der Feuerwehr Hitdorf zum Einsatz.[6]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Guthnick (1879–1947), Astronom
  • Heinrich Kautz (1892–1978), Religionspädagoge und Schriftsteller
  • Wilfried Schmickler (* 1954), Kabarettist
  • Tony Eulenberg (Anton Peter Eulenberg, * 25. November 1946, † 2. Oktober 2013),[7] Werbefachmann, drehte mit Wim Wenders Werbefilme[8]
  • Fritz Kissels, * 5. Oktober 1951, künstlerischer Fotograf, Pädagoge, Ausstellungen in Köln und Leverkusen, Fotobücher

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 291.
  2. Johann Hubert Odendahl In: hitdorf-lev.de, abgerufen am 22. Oktober 2017.
  3. Horst Waldner: Aus Trümmern in die Freiheit: Kriegsende und Neubeginn ; Monheim, Hitdorf, Baumberg, 1945–1949 Jean König, Monheim am Rhein, ISBN 978-3-9800279-5-3.
  4. Bernd Imgrund, Nina Osmers: 111 Orte im Kölner Umland, die man gesehen haben muss, Verlag Emons, Köln 2010, ISBN 978-3-89705-777-7, Ort 65
  5. Kölner Stadtanzeiger: Kampf gegen eine große „Curry-Kette“
  6. Fotos der Feuerwehr Hitdorf von den Dreharbeiten
  7. Traueranzeige in der Rheinischen Post vom 8. Oktober 2013
  8. Infos und Presseartikel zu Tony Eulenberg

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Hinrichs: HITDORF-Chronik eines bergischen Hafens, Druck: Dr. Friedrich Middelhauve GmbH, Opladen, anlässlich des 100-jährigen Stadtjubiläums am 26. Oktober 1957, mit Geleitschrift von Bürgermeister Josef Brock und Amtsdirektor Hugo Goebel.
  • Leverkusener Informationen 2005, Herausgeber: Stadt Leverkusen, Leverkusen 2005

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hitdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien