Hoax

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Als Hoax ([hɔʊ̯ks], englisch [həʊks], US-amerikanisch [hoʊks]; engl. für Jux, Scherz, Schabernack; auch Schwindel) wird heute meist eine Falschmeldung bezeichnet, die in Büchern, Zeitschriften oder Zeitungen, per E-Mail, Instant Messenger oder auf anderen Wegen (z. B. SMS, MMS oder soziale Netzwerke) verbreitet, von vielen für wahr gehalten und daher an Freunde, Kollegen, Verwandte und andere Personen weitergeleitet wird.[1]

Hoax: Unter Verwendung der Schriftart Wingdings wird aus der angeblichen Flugnummer Q33NY der Flüge von 9/11 eine eindeutige Symbolfolge. Die tatsächlichen Flugnummern waren jedoch UA175 und AA11.

Wortbedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort Hoax ist zum ersten Mal 1796 belegt. Seine Herkunft ist nicht eindeutig nachgewiesen, es wird jedoch vermutet, dass es sich von Hocus ableitete, welches wiederum eine Verkürzung von Hocus Pocus („Hokuspokus“) war. Frühe Beispiele für die Verwendung des Begriffs finden sich bei der Berichterstattung über den Berners Street Hoax von 1810.

Erscheinungsformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Hoax kann auch in Form der Zeitungsente oder als Urban Legend auftreten. Auch ein Aprilscherz hat oft die Form eines Hoax. Es kursieren auch immer wieder Hoaxes im Netz, die aus diffamierenden und volksverhetzenden Gründen verbreitet wurden.

Sogenannte Charity-Hoaxes suggerieren oft einen karitativen Hintergrund und behaupten beispielsweise, dass ein bekannter Konzern ein paar Cent pro weitergeleiteter Mail zahlt, wodurch eine lebensrettende Operation finanziert werden soll.

Auch Kettenbriefe, die per E-Mail weitergeleitet werden, können zu den Hoaxes gezählt werden, denn hier existiert selten ein realer Hintergrund, der die Verbreitung rechtfertigen würde. Ein verbreitetes Beispiel dafür sind Briefe, die angeblich von den Redakteuren des MSN Messengers verschickt worden seien und die einen dazu auffordern, die Mail an möglichst viele Leute weiterzuschicken, denn nur so könne man sich in Zukunft ein Gratiskonto beim – angeblich kostenpflichtigen – MSN sichern. Ähnliche Vorfälle werden auch bei anderen Instant-Messaging-Diensten und bei Online-Netzwerken wie Facebook beobachtet.

Eine weitere Variante sind sinnlose Kettenlinks. Die betroffenen Websites enthalten kaum verwertbare Informationen, aber stets einen Link zu einer anderen Seite, die ähnlich aufgebaut ist. Die Surfer hangeln sich so von Seite zu Seite, ohne die eigentlich gesuchte Information zu finden. Ein typischer Vertreter dieser Art von Hoax ist in etlichen Blogs zu finden. Deren starke interne Verlinkung sorgt inzwischen dafür, dass eine Suche nach dem „besten Blondinenwitz aller Zeiten“[2] kaum noch Witze, dafür aber umso mehr Blogeinträge zu Tage fördert, die wechselseitig aufeinander verweisen.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Coronavirus Vor allem auf WhatsApp und in sozialen Medien kursieren seit März 2020 pseudowissenschaftliche bzw. irreführende Kettenbriefe mit dubiosen „Tipps“, wie man sich selbst auf das Coronavirus SARS-CoV-2 testen und eine Ansteckung vermeiden könne,[3] und die sinngemäß mit folgendem Satz enden: „Bitte senden Sie diese Informationen an Ihrer Familie, Ihre Freunde und alle Menschen die sie kennen.“ Das sollte niemand tun, da im Wesentlichen reine Desinformation vorliegt.[4] Bayerns Innenminister Joachim Herrmann warnt:

„Cyberkriminelle missbrauchen die Angst vor dem Corona-Virus: Die Kriminellen nutzen das Informationsbedürfnis der Bevölkerung schamlos aus, um daraus Profit zu schlagen.“ So beobachtet die Polizei laut Herrmann einen Anstieg der Verbreitung von E-Mails mit potentiell schadhaften Anhängen im Namen von Gesundheitsämtern oder gar der Weltgesundheitsorganisation (WHO). „In gefälschten E-Mails der angeblichen Behörde oder Institution, aber auch zum Beispiel versteckt in vermeintlichen Angeboten für Atemschutzmasken werden potentiell schadhafte Anhänge in den Formaten .docx oder .exe versteckt. Beim Anklicken können dann Daten ausgespäht oder sogar der Computer verschlüsselt werden“, so Herrmann.[5]

Corona-Gefahren im Netz, am Telefon und der Haustür: Die Ausbreitung des Corona-Virus bereitet vielen Menschen Angst. Das machen sich Betrüger zu Nutze. Die Polizei berichtet von mehreren Fällen im ganzen Bundesgebiet, bei denen sich Kriminelle als vorgebliche Corona-Tester und als angebliche Ärzte oder Mitarbeiter des Gesundheitsamtes vorgestellt oder sich als infizierte Angehörige ausgegeben haben.[6][7]

Blanker Unsinn: Gefährlich auch die „wirre“ bzw. völlig haltlose Verschwörungstheorie mit unsinniger Unterstellung und „verantwortungsloser“ Verharmlosung der Corona-Pandemie 2020 des vormaligen MdB und Vorstandsmitglieds von Transparency International Wolfgang Wodarg[8] laut dem SPD-Gesundheitsexperten und Epidemiologen Prof. Dr. Karl Lauterbach auf YouTube.[9] Diese wissenschaftlich abwegigen Theorien von Wodarg sind verbreitet auf scharfe Kritik von WHO- und RKI- und Charité-Experten sowie von Wissenschaftlern, Virologen und Medien[10] gestoßen.

Jeder kann auf einfachem Weg dubiose Inhalte und Falschmeldungen[11] zum neuen Corona-Virus über den neuen Crowd-Newsroom[12] melden. Ein Team des gemeinnützigen stiftungsfinanzierten Recherchezentrums Correctiv sichtet die Einreichungen, bewertet sie und veröffentlicht bei Bedarf einen Faktencheck[13] bzw. per Newsletter. Auf längere Sicht wollen die Mitarbeiter von Correctiv damit auch herausfinden, welche Kanäle am anfälligsten für Falschmeldungen sind, wie genau sie sich verbreiten – und zurückverfolgen, woher diese eigentlich kommen.

Harmloser als Grippe? Abwegige Theorien rund um SARS-CoV-2 auch von vermeintlich seriösen Wissenschaftlern sorgen für Verwirrung, welche die zur Eindämmung des Virus beschlossenen Maßnahmen für falsch und übertrieben halten und sogar behaupten, das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 sei gar nicht gefährlich. In für Laien überzeugend klingenden Argumentationsketten leugnen sie konsequent den aktuellen Stand der Wissenschaft.[14]

Auch was Behandlung und Vorsorge angeht, ist die Zahl der nicht belegten Theorien schier unendlich von Alkohol bis Zwiebeln. Die Corona-Verschwörungstheoretiker glauben teilweise an durchaus bizarre Hintergründe zur Pandemie. Einiges davon erscheint nicht weniger absurd als Theorien, wonach die Erde flach oder hohl sei.[15] Die Flut an Falschinformationen ist so groß, dass die Vereinten Nationen schon im März vor einer "Fake-News-Epidemie" gewarnt haben. Die Bundesregierung[16] und das Bundesforschungsministerium[17] sahen sich offenbar gezwungen, eigene Internetseiten mit Faktenchecks zu veröffentlichen.

Ein typisches Hoax-Beispiel ist der Good-Times-Hoax, eine angebliche E-Mail, die beim Öffnen die Festplatte löscht. Die Warnung vor diesem „Virus“ verbreitete sich 1994 millionenfach über E-Mail und wurde auch von vielen Zeitungen und Fachinstitutionen veröffentlicht. Die damals vermeintliche Gefahr durch Viren, die sich per E-Mail verbreiten, wurde allerdings erst Jahre später Wirklichkeit, beispielsweise durch Loveletter.

Bekannte Beispiele sind auch eine seit 1999 kursierende angebliche Entscheidung des seit 1932 nicht mehr existierenden OLG Augsburg zur Rückerstattung von Rundfunkgebühren von der GEZ sowie die Bonsai-Katzen oder unter muslimischen Jugendlichen das Rattenmädchen (Cursed Girl).

Meldungen zum sogenannten Dotwin unterstellten diesem Spionagefunktionen, wobei Informationen über Zuschauer gesammelt würden, die sich an einer Gewinnspielaktion verschiedener deutscher Fernsehsender in den Jahren 2001/2002 beteiligten.

Hoax und Computervirus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während ein Hoax meist nur erschrecken soll, eignet sich sogenanntes Phishing zum Betrug, indem es den Empfänger der E-Mail auffordert, Anmeldedaten, beispielsweise für das Onlinebanking, per E-Mail oder über eine gefälschte Website bekannt zu machen. Es gibt auch Hoaxes mit „Schadroutinen“, die z. B. den Benutzer auffordern, bestimmte Dateien zu löschen, da es sich um Viren handele (beispielsweise die Dateien SULFNBK.EXE und JDBGMGR.EXE, siehe auch Teddybärenvirus). Da es sich jedoch um eine notwendige Systemdatei unter Windows handelt, schädigt der Benutzer sein eigenes System.

Im erweiterten Sinn kann ein Hoax auch als Computervirus betrachtet werden, das sich durch Social Engineering fortpflanzt, indem es nicht das Computersystem, sondern den Nutzer zu dessen Weiterverbreitung veranlasst.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hoax – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Hoax – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Annika Kremer (onlinefacts.de): Was ist ein Hoax? In: SAT.1 Ratgeber: Sicherheit im Internet. 16. Dezember 2015, abgerufen am 27. Oktober 2019.
  2. Holger Dambeck: Blogger feiern "besten Blondinenwitz aller Zeiten". In: Spiegel Online. 4. Januar 2006, abgerufen am 27. Oktober 2019.
  3. Hoax zum Coronavirus 2020
  4. Faktencheck zum Kettenbrief
  5. BayStMI: PM 98/2020 vom 18. März 2020
  6. MDR-Nachrichten vom 19. März 2020
  7. LKA Niedersachsen vom 19. März 2020
  8. TAZ vom 19. März 2020
  9. Lauterbach vom 18. März 2020
  10. Der Spiegel (Wissenschaft vom 20.03.2020), Faktencheck: „Die gefährlichen Falschinformationen des Wolfgang Wodarg“
  11. Süddeutsche vom 27. März 2020
  12. Newsroom zu Falschmeldungen zu Sars-CoV-2
  13. Faktencheck Schwerpunkt: Coronavirus
  14. Visite vom 31. März 2020: Fake News rund um Sars-CoV-2
  15. n-tv vom 25. April 2020
  16. Bundesregierung vom 23. April 2020
  17. Bundesministerium für Bildung und Forschung vom 20. April 2020