Hochbunker

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Hochbunker in Berlin-Mitte, auf dem Dach ein modernes Penthouse als Nachnutzung

Als Hochbunker wird eine Bauform eines Bunkers bezeichnet, bei der das Volumen des geschützten Raums ganz oder überwiegend über dem Niveau der Erdoberfläche liegt. Luftschutzbunker unter dem Niveau der Erdoberfläche werden als Tiefbunker bezeichnet.

Geschichte und Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hochbunker wurden vor allem im Deutschen Reich vor und während des Zweiten Weltkriegs errichtet und genutzt und prägen noch heute das Stadtbild vieler deutscher Städte. Hochbunker wurden bevorzugt dann errichtet, wenn ein nasser Untergrund den Bau von Tiefbunkern erschwerte oder technisch unmöglich machte. Dies gilt besonders für:

  • Luftschutzbunker in Städten wie Berlin, Hamburg oder Bremen, in denen der Grundwasserspiegel nur wenige Meter unter der Oberfläche liegt
  • U-Boot-Bunker in flachen Küstenabschnitten

Grundsätzlich als Hochbunker errichtet wurden:

Wirtschaftlichkeit und Schutzleistung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durchschlag in der 4,5 m starken Decke des U-Boot-Bunkers Valentin nach Bomben-Treffer mit Grand Slam (1945)

Hochbunker sind bei gleichem Schutzgrad kostengünstiger, schneller und mit weniger Material zu errichten als Tiefbunker. Bei deutschen Untersuchungen kam man 1940 zum Ergebnis, dass bei gleichem Schutzgrad und gleicher Menge an Schutzplätzen für einen Hochbunker nur ein Sechstel des Materials erforderlich sei, das ein vergleichbarer Tiefbunker erfordert hätte. Grund dafür ist der Verdämmungseffekt: Die Explosion einer in das Erdreich eingedrungenen Bombe nahe einem Tiefbunker hat eine ungleich stärkere Wirkung als die Explosion der gleichen Bombe im Luftraum nahe einem Hochbunker, bei der ein Teil der Explosionsenergie (Druckwelle) durch die Luft absorbiert wird, während sich im Erdreich und im Wasser der Druck unvermindert allseitig ausbreitet. Dadurch können die Wände eines Hochbunkers leichter ausgeführt werden.[2]

Jedoch ist der bei Hochbunkern maximal erreichbare Schutzgrad durch die baustatisch erreichbare Wand- und Deckenstärke begrenzt. Hingegen kann der Schutzgrad von Tiefbunkern durch tieferen Verbau mit dann dickerer Deckschicht aus Erde oder Fels weiter gesteigert werden. Schon im Zweiten Weltkrieg wurden hochwertige Ziele wie U-Boot-Bunker erfolgreich mit der Grand Slam angegriffen, einer großkalibrigen Penetrator-Bombe. Gegen Lenkwaffen, insbesondere bunkerbrechende Bomben wie den Massive Ordnance Penetrator, ist ein ausreichender Schutz durch einen Hochbunker nicht zu gewährleisten. Daher werden moderne Bunker als Tiefbunker ausgeführt.

Bauform und Normbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Grundriss eines Hochbunkers kann rund, quadratisch oder rechteckig sein. Hochbunker in München sind oft auch achteckige Bauten. Hochbunker wurden zumeist in Form von Normbauten errichtet.

Hochbunker erhielten zur Tarnung teilweise ein konstruktiv nicht notwendiges Dach, um sie aus der Luft wie Wohnhäuser erscheinen zu lassen. Ein weiterer Nutzen eines Daches oder einer abgeschrägten Spitze war das Abweisen von Bomben, so wie beim Zombeck-Turm oder Winkelturm. Ebenfalls der Tarnung diente die Errichtung von Hochbunkern in Form von Kirchengebäuden: Kirchenbunker. Aufgrund der Hochlage besitzen einige Bunker Freitreppen.

Nachnutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DeutschesBunkermuseum.jpg

Die Nutzungsmöglichkeiten von Bunkern sind eingeschränkt, zum Beispiel Proberaum oder Pilzzucht. Einige Bunker stehen unter Denkmalschutz. Andere Bunker wurden mit erheblichem Aufwand abgerissen. Es gibt auch einige Beispiele des Umbaus, um die Objekte für Gewerbe und Wohnen nutzen zu können. Insbesondere in München hat man nach dem Zweiten Weltkrieg viele Hochbunker erhalten, da Wohnungsmangel herrschte. Daher existieren dort knapp 30 Hochbunker. Im Fichtel-und-Sachs-Bunker in Schweinfurt wurde 2014 das Deutsche Bunkermuseum eingerichtet.

Listen von Hochbunkern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Foedrowitz: Bunkerwelten – Luftschutzanlagen in Norddeutschland. Ch. Links, Berlin 1998, ISBN 3-86153-155-0.
  • Silke Wenk (Hrsg.): Erinnerungsorte aus Beton: Bunker in Städten und Landschaften. Ch. Links, Berlin 2001, ISBN 3-86153-254-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Luftschutz-Hochbunker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Arbeitskreis Truppenmannschaftsbunker der Kriegsmarine (Hrsg.): Tabelle aller bekannten Truppenmannschaftsbunker und seiner Varianten, abgerufen im Mai 2014
  2. Michael Foedrowitz: Bunkerwelten – Luftschutzanlagen in Norddeutschland. Ch. Links Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-86153-155-0, S. 33.