Hochhaus Grunaer Straße 5

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Hochhaus Grunaer Straße 5 am Dresdner Pirnaischen Platz mit Flachbau, 2010

Das Hochhaus Grunaer Straße 5 ist ein Gebäudeensemble, bestehend aus einem auf Stelzen stehenden 14-geschossigen Hochhaus des Plattenbautyps „P 27“ mit einer Aluminium-Glas-Fassade und einem eingeschossigem, untergeschobenen Flachtrakt, der insgesamt als „Pirnaisches Tor“ offiziell bezeichnet wurde.

Gegenüber dem in den 1950er Jahren verfolgten Konzept des Abschlusses der Bebauung der Grunaer Straße gen Westen mit einer Art „Wohnhof“, die nicht realisiert wurde, setzte sich Mitte der 1960er Jahre die Auffassung durch, die damalige Aufmarschstraße, die Ernst-Thälmann-Straße mit einem markanten Bauwerk im Osten, am Pirnaischen Platz, abzuschließen.

Das Ensemble bildete nach Meinung der damaligen DDR-Fachpresse „mit seiner hervorragenden Gestaltung“ dann auch tatsächlich den optischen Abschluss gen Osten.[1] Städtebaulich wichtig sei diese Gebäudegruppe in der Pirnaischen Vorstadt, weil sie eine Arrondierung des ersten innerstädtischen Wiederaufbaugebietes darstelle.[2] Die bauliche Gruppe gilt des Weiteren als Beispiel für den Internationalen Stil, der in der DDR-Architektur „nur wenige ähnliche oder gleichrangige Entsprechungen“ hat.[3]

Zu DDR-Zeiten trotz harscher Auflagen (z. B. hinsichtlich der Beflaggung zu Jahrestagen und zum 1. Mai) eine der begehrtesten Wohnadressen Dresdens und überregional bekannt durch die von 1968 bis 1987 leuchtende Anschrift DER SOZIALISMUS SIEGT steht das Haus nach jahrelangem Sanierungsrückstau ab 1990 seit dem Jahr 2018 leer: Planungskonzepte wurden und werden durch die wechselnden jeweiligen neuen Eigentümer zwar vorgestellt, irgendeine Umsetzung (Ausnahme: Umgestaltung des Delikatessen-Kaufhauses und Wiedereröffnung als Lebensmittel-Discounter) erfolgte bis heute nicht.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2009: Der Schriftzug DER SOZIALISMUS SIEGT ist noch zu erkennen.

Das 48 Meter hohe Appartementhochhaus am Pirnaischen Platz wurde von November 1964 bis September 1966 von dem Architekten Peter Sniegon (Städtebau, stellvertretender Stadtarechitekt) und dem Architektenkollektiv Herbert Löschau, Hans Kriesche und Gerhard Landgraf des VEB Dresdenprojekt errichtet. Die Innengestaltung oblag Heinz Zimmermann.

Das Wohnungsangebot in dem 8,7 Millionen Mark teuren Bau besteht aus 120 Eineinhalbraumwohnungen mit 48,5 Quadratmetern Wohnfläche und 60 Einraumwohnungen mit 32,3 Quadratmetern Wohnfläche, jeweils mit Duschkabine, Kochnische und Einbaumöbeln. Jede Wohneinheit hat eine Loggia, in bzw. unter dem Dachaufsatz kann gefeiert werden oder einfach nur die Aussicht genossen werden. Die Wohnungen wurden vorzugsweise an Beschäftigte der VEB Sachsenwerk, Mikromat, Mühlenbau und Hochvakuum bzw. Alleinstehenden bei deren Abgabe größerer Wohnungen.[4]

Der Bau wurde in 5-Megapond-Platten- und 2-Megapond-Stahlskelettbauweise errichtet.[5] Der Flachtrakt mit Dachterrasse wurde ab März 1966 untergebaut.[4] Er beherbergte als HO-Großgaststätte Pirnaisches Tor vier verschiedene Einrichtungen: Die Selbstbedienungs-Gaststätte Gastronom (188 Plätze), eine Mokkastube (72 Plätze), ein Terrassencafé mit 80 Plätzen sowie als Gastmahl des Meeres die erste Fischgrillbar der DDR. Eröffnet wurde dieser Komplex am 7. Februar 1968. Eine Woche später, am 14. Februar 1968, wird eine Feinkost-Kaufhalle mit 180 Quadratmetern Fläche eröffnet.[4]

Am Hochhaus leuchtete am 1. Mai 1968 erstmals der rot leuchtende Schriftzug DER SOZIALISMUS SIEGT, der das Gebäude überregional bekannt machte. Er wurde 1987 auf Weisung des damaligen Oberbürgermeisters Wolfgang Berghofer ohne öffentlich gemachte Begründung heimlich abmontiert.[4]

Jüngere Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2007 verkaufte die Stadt das Gebäude für 4 Millionen Euro an den israelischen Investor Segal Group.[6] Die geplante Sanierung des Wohngebäudes verzögerte sich, sodass 2009 aufgrund der Mängel nur noch ein Drittel der Wohnungen bewohnt waren.[7] Der Investor begann mit der Sanierung des Flachbaus. Wegen einer zu gering überdeckten Fernwärmeleitung verhängte die Drewag 2009 ein Fahrverbot für Lastwagen für die Zufahrtsstraße.[8] Der Streit des israelischen Investors mit der Stadtverwaltung wurde im April 2010 beigelegt.

Die seitdem angekündigte Sanierung des Wohntrakts erfolgte durch den Käufer nicht, aber auch nicht durch dessen Nachfolger.

Anfang Oktober 2015 brachten Unbekannte den Slogan DER KAPITALISMUS SIECHT am oberen Ende des Gebäudes an.[9]

2017 erfolgte der Verkauf an die Creo 7 Dresden GmbH. Am 27. September 2017 wiederum wurde zum Schutz der Mieter von der Bauaufsicht der Landeshauptstadt Dresden für das Hochhaus Grunaer Straße 5 eine Nutzungsuntersagung wegen gravierender brandschutztechnischer Mängel im Gebäude verfügt.[10] Das Haus steht seit 2018 leer.

Im September 2019 wurde der Spruch NADDL.UND.RONNY.SIEGT! am oberen Ende des Hauses aufgemalt,[11] der jedoch nur wenige Zeit Bestand hatte.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Ammon, Michael Steinbusch: P 27 oder das markante Wohnhochhaus am Pirnaischen Platz. In: Sächsisches Archiv für Architektur und Ingenieurbau (Hrsg.): Zeitzeugnisse. Architektur und Ingenieurbau in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Sachsen: Geschichte der 17- und 15-geschossigen Wohnhochhäuser in Dresden. Heft 3. SDV, Dresden 2008, S. 72–77
  • Holger Gantz: 100 Bauwerke in Dresden. Ein Wegweiser zu Bauwerken von historischem und baukünstlerischem Rang. Schnell und Steiner, Regensburg 1997, ISBN 3-7954-1111-4, Nr. 60 (Wohnhochhaus mit Gaststättenkomplex am Pirnaischen Platz)
  • Herbert Löschau: Wohnhochhaus P 27 (in Dresden). In: Deutsche Architektur Heft 4 Jahrgang 1968, S. 234 f.
  • Walter May, Werner Pampel, Hans Konrad: Architekturführer DDR, Bezirk Dresden. VEB Verlag für Bauwesen, Berlin 1979
  • Architekturwettbewerb 1969. Schöpferische Leistungen im Wettbewerb der deutschen Architektur ausgezeichnet. In: Deutsche Architektur 10/1969, S. 585

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hochhaus Pirnaischer Platz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andreas Ammon, Michael Steinbusch: P 27 oder das markante Wohnhochhaus am Pirnaischen Platz. In: Sächsisches Archiv für Architektur und Ingenieurbau (Hrsg.): Zeitzeugnisse. Architektur und Ingenieurbau in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Sachsen: Geschichte der 17- und 15-geschossigen Wohnhochhäuser in Dresden. Heft 3. SDV, Dresden 2008, S. 72
  2. Was historisch, in Einsicht der Planungen der 1950er Jahre so nicht zutrifft.
  3. Andreas Ammon, Michael Steinbusch: P 27 oder das markante Wohnhochhaus am Pirnaischen Platz. In: Sächsisches Archiv für Architektur und Ingenieurbau (Hrsg.): Zeitzeugnisse. Architektur und Ingenieurbau in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Sachsen: Geschichte der 17- und 15-geschossigen Wohnhochhäuser in Dresden. Heft 3. SDV, Dresden 2008, S. 77
  4. a b c d Jürgen Richter: Dresdner öffnen ihre Fotoalben – Dresden von 1920 bis 1989. edition Sächsische Zeitung SAXO’Phon, Dresden 2014, ISBN 978-3-943444-42-1, S. 32.
  5. Walter May, Werner Pampel, Hans Konrad: Architekturführer DDR, Bezirk Dresden. VEB Verlag für Bauwesen, Berlin 1979, S. 44, Nr. 52
  6. Denni Klein: Stadt zahlt für Panne am Pirnaischen Tor, Sächsische Zeitung online vom 4. März 2010, abgerufen am 18. Juni 2017
  7. Denni Klein: Orosz soll im Streit um marodes Hochhaus am Pirnaischen Tor eingreifen, Sächsische Zeitung online vom 22. April 2009, abgerufen am 18. Juni 2017
  8. Skadi Hoffmann: Dresdens Investruinen, halbfertige Gebäude und verwaisten Baustellen: Was wird aus … ? (Memento vom 12. März 2011 im Internet Archive), DNN Online vom 4. August 2010
  9. Sieg oder Siechtum? – Strafanzeige wegen Sachbeschädigung, Dresdner Neueste Nachrichten online vom 11. Oktober 2015, abgerufen am 9. August 2020
  10. Nutzungsuntersagung für Hochhaus Grunaer Straße auf Dresden.de - Rathaus - Aktuelles - Aktuelle Meldungen vom 27. September 2017
  11. Eric Hofmann: Was machen "Naddl & Ronny" am Gammel-Hochhaus?, TAG24 NEWS online vom 10. September 2019, abgerufen am 9. August 2020

Koordinaten: 51° 2′ 57,9″ N, 13° 44′ 48,3″ O