Hochkirchen

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Dieser Artikel behandelt den Ortsteil der Gemeinde Nörvenich. Zum Kölner Stadtteil siehe Rondorf.
Hochkirchen
Gemeinde Nörvenich
Ehemaliges Gemeindewappen von Hochkirchen
Koordinaten: 50° 47′ 48″ N, 6° 38′ 27″ O
Höhe: 121 m ü. NHN
Fläche: 2,83 km²
Einwohner: 425 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 150 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1969
Postleitzahl: 52388
Vorwahl: 02426
Karte
Ortsplan

Hochkirchen ist ein Ortsteil der Gemeinde Nörvenich im Kreis Düren, Nordrhein-Westfalen. Der ländlich geprägte Ortsteil hat etwa 380 Bewohner.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt unmittelbar östlich der Bundesstraße 477 und 1 km südlich vom Hauptort Nörvenich. Durch den Ort fließt der Neffelbach. Hochkirchen grenzt mit seiner Gemarkung im Süden an Eggersheim, in der anderen Himmelsrichtung an Dorweiler, Nörvenich und Irresheim und Ortsteile der Gemeinde Nörvenich.

Die schon in einem Steinfelder Lagerbuch im Jahre 1477 mit „herwech“, „herweeg“ und „herstraesse“ bezeichnete heutige Bundesstraße 477 ist von den Römern als Militär- und Handelsstraße angelegt worden und diente als Verbindung von Neuß nach Zülpich.

Das steil aufragende Ufer des Neffelbaches östlich des Dorfes hat früher dem Weinbau gedient, der in vielen Gemarkungen am Bachlauf nachweisbar ist.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Römer- und Frankenzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Viktor mit Pfarrhaus und Unterdorf

Die Kirche St. Viktor stand schon in den 1890er Jahren im Mittelpunkt archäologischen Interesses. Damals durchgeführte Grabungen, die von dem Historiker August Schoop dokumentiert wurden.[3] und die jüngsten Forschungsergebnisse in den Jahren 1980/81, die auf dem aufgelassenen Kirchhof und unter der mittelalterlichen Dorfkirche stattfanden, belegten eine römische und fränkische Vergangenheit des Ortes.[4]

Zugang des Untergrundes durch eine eingelassene Steinplatte

Ziel der Grabung war – mit der Durchführung wurde Wilfried Maria Koch beauftragt – Gewissheit über eine vermutete Siedlungskontinuität an diesem Platz zu erhalten, die mit ihrem Ergebnis die Erwartungen noch übertraf. So konnten nicht nur Mauern aus römischer Zeit freigelegt werden, sondern es ergab sich anhand einer Vielfalt von Artefakten ein Bild, welches auf ein reges Leben auf der Anhöhe über der der vorbeiführenden römischen Heerstraße (heute Bundesstraße 477) schließen ließ.

In der Aufzählung der geborgenen Objekte finden sich beispielsweise: Reste eines in eine Säulentrommel geritzten Mühlespiels; Reste weiterer Matronensteine (die schon Schoop in der Südwand der Kirche feststellte); den Torso des höchsten römischen Gottes in Form einer Statuette des Gottes Jupiter auf seinem Thron sitzend (erste Hälfte des 3. Jahrhunderts) und eine enorme Anzahl diverser Keramikbruchstücke.[5]

Bis zu der Besetzung durch französische Truppen im Jahr 1794 hatte Hochkirchen dem Amt Nörvenich im Herzogtum Jülich angehört.

Mairie Nörvenich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1798 bis 1814 war Hochkirchen eine der Ortschaften, die zu einer Mairie des Kanton Düren (dt. Düren) im Arrondissement d’Aix-la-Chapelle angehörten. In dieser Zeit änderten sich nicht nur die herrschenden politischen, sondern auch die religiösen und kulturellen Verhältnisse. Politisch war es das Ende der Feudalherrschaft, im Bereich der Religion die Aufhebung oder die Beschlagnahme vieler kirchlicher Einrichtungen – hiervon betroffen waren auch der Besitz und das Kirchenpatronat von St. Viktor der Abtei Steinfeld – gesellschaftspolitisch profitierten auch die im Ort ansässige Juden in Hochkirchen, denen Gleichstellung in den Bürgerrechten zugesagt wurde und im Bildungswesen wurde nach dem Schulgesetz von 1802 der Unterhalt einer Primärschule („école primaire“) den Gemeinden übertragen.

Totenbrett[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Totenbrett aus Hochkirchen

Im Steinfelderhof gibt es nicht nur zwei Totenschilde, die sichtbar mit Erläuterungen im Saal hängen, sondern auch ein Totenbrett, das leider nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Der damalige Pfarrer Klaus Dors fand im Jahr 1980 das Brett auf dem Speicher des angrenzenden Pfarrhauses. Es wird vermutet, dass das Totenbrett noch aus dem 18. Jahrhundert stammt, Bis zum Fund diente es einen ganz profanen Zweck, nämlich der Ausbesserung eines Schadens im Speicher. Keiner hatte das historische Stück in der Pfarrgemeinde St. Viktor bisher je gesehen.

Ein Totenbrett wurde früher an einem Haus aufgestellt, in dem jemand gestorben war, und zwar an der Haustür oder am Hoftor. Tote wurden üblicherweise damals zu Haus aufgebahrt. Trauerhallen gab es noch nicht. Am Bestattungstag, wenn der Sarg aus dem Haus getragen war, wurde das Brett wieder an seinen Aufbewahrungsort, meist war es die Kirche, zurückgebracht.

Auf dem etwa 110 cm großen Brett steht in Latein unten "Mors Mortalium Finis" was übersetzt heißt "Der Tod ist das Ende alles Fleischlichen",

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Rot ein gemauerter, sich nach oben verjüngender silberner (weißer) Kirchturm mit goldenem (gelbem) Satteldach und goldenem (gelbem) Turmkreuz. Über dem offenen Tor zwei geschlossene aneinanderstoßende Rundbogenfenster.

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen zeigt sich auch im Ortsnamen. Der Kölner Erzbischof Anno II. wies vor dem 4. Dezember des Jahres 1075 dem Kloster Siegburg u. a. ein Drittel der Einkünfte von Hochkirchen zu. Das ist die erste gesicherte Erwähnung des Dorfes.

Der Ortsname wandelte sich häufig. Nachgewiesen[6] sind bis zur Festigung des heutigen Namens im Jahre 1870 folgende Schreibweisen:

  • Hoenchirche
  • Hoinkirchin
  • Hoynkyrchin
  • Hoynkirgen
  • Hoynkyrchen
  • Hoynkirken
  • Hoekirchen
  • Hoenkirgen
  • Hokirchen
  • Hoynkirchen
  • Hunkyrchen
  • Hoenkyrchen
  • Hoenkerchen
  • Hoenkirchen
  • Honkirchen

Am 1. Januar 1969 wurde Hochkirchen nach Nörvenich eingemeindet.[7]

Ortsbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maibaum 2013

Bis 1960 war Hochkirchen Haltepunkt an der ehemaligen Bahnstrecke Distelrath–Embken. In den 1970er Jahren wurde ein großes Neubaugebiet (Hochkirchen-Nord) erschlossen. Die Erschließung des Neubaugebietes (Schubertweg) östlich des Hardtweges wurde am 14. Dezember 2012 abgeschlossen. Auch der Spielplatz im Ort besteht seit mehr als 50 Jahren.

Zum Dorf gehören die im Kern romanische katholische Pfarrkirche St. Viktor, der Kirchhof und Friedhof, ein Sportplatz mit Sportheim, ein Schützenheim und zwei Tante-Emma-Läden mit Bäckerei. Eine der beiden Ortsbäckereien, Fa. Schmidt, schloss am 31. Dezember 2012. Die Gaststätte im Ort schloss am 31. Dezember 2009.

Einwohnerentwicklung des Ortsteiles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohnerzahl   Jahr Einwohnerzahl   Jahr Einwohnerzahl
1794 155   1885 340   1905 362
1925 326   1945 362   1955 346
1965 368   1975 330   1985 418
1995 375   2005 400   2010 401
2015 402  

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Mahnmal

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste Schulgebäude, welches von dem Schulverband Hochkirchen zu Unterrichtszwecken errichtet worden war, stand allen schulpflichtigen Kindern der Orte Hochkirchen, Eggersheim und Irresheim zur Verfügung. Das Grundstück stand exakt an der Stelle, auf welcher sich heute die Vikarie in der Kirchstraße befindet.[8] Im Laufe der Zeit wurde diese erste Schule im Ort – damals noch ein in Fachwerk aufgeführtes Bauwerk – zu klein, sodass die man um Raum zu gewinnen, die Lehrerwohnung auslagerte und hinter der Schule separat aufführte. Als dann die Errichtung einer größeren, mehrklassigen Schule erforderlich wurde, mietete die Gemeinde vorerst ein großes Zimmer in dem jetzigen Geschäftshaus Samuel Schwarz am Kirchberge. Obwohl dies nur ein Notbehelf sein konnte, dauerte es doch bis zum Jahre 1879/80 ehe die zum Schulneubau erforderlichen Mittel zur Verfügung standen. Der Neubau lag an der damaligen Hauptstraße, heute Ecke Neffeltalstraße/Weidbergstraße. Er verfügte über zwei Säle mit einer nebenan liegenden Lehrerwohnung. Das alte Schulgebäude wurde an die Pfarrgemeinde Hochkirchen abgegeben, welche es zur Vikarswohnung einrichtete. Im Jahre 1886 wurde es ganz abgebrochen, um dem jetzigen Vikariegebäude Platz zu machen.

Die ehemalige Schule Hochkirchen 2005

Die Anzahl der Schüler der hiesigen Volksschule betrug im Sommersemester 1912 (Stichtag: 1. Juni) 140 schulpflichtige Kinder. Davon stellte Hochkirchen 68, Eggersheim 39 und Irresheim 33 Kinder.

Im Zweiten Weltkrieg nutzte man die Schulräume als Hauptverbandplatz. 1958/59 wurde das Schulgebäude erweitert und im Jahr 1960/61 sanierte man den alten Teil des Gebäudes grundlegend. In Hochkirchen wurden zuletzt in vier Klassenräumen die Erstklässler der Grundschule Nörvenich unterrichtet. Zum Ende des Schuljahres 2009/10 wurde der Schulbetrieb eingestellt und das Gebäude am 15. Oktober 2010 an einen Privatmann verkauft.[9] Die Hochkirchener Grundschüler werden seitdem in Nörvenich unterrichtet.

Im Folgenden sind lückenlos die Lehrpersonen erfasst, die von der Gründung der Schule im Jahr 1886 bis zum Ende als eigenständige katholische Volksschule zum Ende des Schuljahres 1969 an der Schule tätig waren:[10]

Name Lehrer von Lehrer bis Bemerkung
Joseph Zilken 1886 1891 Eintritt in den Ruhestand
Werner Berdolet 1883 1.5.1891
August Karhausen 1.4.1891 1.6.1895
Johann Plum 28.10.1895 Ostern 1900
Max Overbach  ?  ? Nur einen Monat im Dienst
Peter Krülls Ostern 1900 1.9.1904
Joseph Rohling 1.9.1904 1.5.1907 Eintritt in den Ruhestand
Bernhard Hündgen 1.12.1891 1.10.1927 Eintritt in den Ruhestand
Hermann Dauzenberg 16.2.1908 31.3.1919
Elisabeth Dahlhausen 1.4.1913 1.7.1926
Jakob Mengelkoch 1.4.1919 1.7.1926
Paul Schumacher 1.7.1926 21.7.1927 Verstorben nach Unfall
Peter Laumen 1.10.1927 1.11.1927
Adam Schnabel 1.11.1927 1.4.1936
Franz Jörres 1.4.1936 1.10.1936
Ferdinand Tillmann 1.8.1927 1.10.132
Josefine Eschweiler 1.10.1932 31.3.1933
Paula Frintrop 1.4.1933 31.3.1964 Eintritt in den Ruhestand
Anton Carls 1.10.1936 1.1.1941 Kriegsdienst ab 1. August 1940 (Vertreter Hubert Erdmann)
Ferdinand Schwarz 1.2.1941 17.8.1943 Kriegsdienst ab 17. August 1943
Rudolf Maibücher 2.10.1945 15.4.1949
Jisef Jansen 1.9.1949 16.4.1957
Hubert Hündgen 16.9.1949 31.3.1964 Eintritt in den Ruhestand
Heinrich Bausen 1.1.1952 31.3.1952
Heinz Heesel 1.5.1957 1.4.1962 Späterer Rektor der Grundschule Nörvenich
Hildegard Buhr, später vh Engels 24.4.1962 1.4.1969
Rudolf Hillemanns 27.5.1964 30.11.1966
Silvia Poltermann 1.4.1964 31.5.1966
Georg Dievenich 1.4.1964  ? 1969

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Direkt an der B 477 gegenüber der Ortszufahrt steht eine Kornbrennerei, wo aus Getreide hochprozentiger (über 90 %) Alkohol gebrannt wird. Er wird als Grundstoff beispielsweise für Kornbrand an die Industrie verkauft. Daneben steht ein Biogaskraftwerk mit einer Leistung vom 1 MW. Hier wird aus Mais und Gülle Strom erzeugt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Heinz Türk: St. Viktor in Hochkirchen. Hrsg.: Katholische Pfarrgemeinde St. Viktor Hochkirchen. Hochkirchen 1993 (ohne ISBN).
  • Wilfried Maria Koch, Zur Siedlungskontinuität in der Voreifel am Beispiel der Kirchengrabung in St. Viktor Hochkirchen. In: Architektur und Kunst im Abendland. 1992, hrsg. von Michael Jansen und Klaus Winands Rom 233-243
  • Edmund Renard; Paul Hartmann; "Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz / im Auftrage des Provinzialverbandes", Die Kunstdenkmäler des Kreises Düren: mit 19 Tafeln und 227 Abbildungen im Text. Herausgegeben von Paul Clemen Bd. 9,1. Düsseldorf Verlag Schwann, 1910.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.noervenich.de/gemeinde/downloads/20170106-Einwohnerzahlen_201612.pdf
  2. Manfred Veit: Niederrhein. Band 1, Heroldsberg 1984, ISBN 3-7738-1060-8, S. 216.
  3. Edmund Renard und Paul Hartmann in Paul Clemen "Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz"
  4. Karl Heinz Türk unter Verweis auf: Wilfried Maria Koch, "Zur Siedlungskontinuität in der Voreifel am Beispiel der Kirchengrabung in St. Viktor Hochkirchen"
  5. Pressemitteilung 1980 Kirchengrabung Nörvenich-Hochkirchen des Rheinischen Landesmuseums Bonn, Außenstelle Zülpich. Pressemitteilung vom 20. November 1980
  6. Günter Breuer: Die Ortsnamen des Kreises Düren, Shaker Verlag 2009, ISBN 978-3-8322-8475-6.
  7. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 77.
  8. Schulchronik von Hochkirchen, begonnen am 2. September 1876, am 30. November 1966 endend
  9. Karl Heinz Türk, Hochkirchen - 800 Jahre Dorfgeschichte in Stichworten, 2002
  10. Karl Heinz Türk, Lehrer an den ehemaligen katholischen Volksschulen der Gemeinde Nörvenich, 1989, Dürener Druckerei und Verlag Carl Hamel

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hochkirchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien