Hochschule des Ministeriums für Staatssicherheit

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Hochschule des MfS
— XX —
Logo
Gründung 1951
Trägerschaft Emblema Stasi.svg MfS
Ort Eiche-Golm
Staat DDR
letzter Rektor Generalmajor Willi Opitz
Mitarbeiter 758

Die Hochschule des Ministeriums für Staatssicherheit war eine Ausbildungseinrichtung des Ministeriums für Staatssicherheit in der Deutschen Demokratischen Republik. Am 16. Juni 1951 als „Schule des MfS“ gegründet, erhielt sie am 16. Februar 1965 den Status einer „Hochschule für die juristische Ausbildung“. Die Ausbildung stellte nur dem Namen, nicht aber dem Inhalt nach ein juristisches Studium dar. Im Zusammenhang mit der Auflösung des Amtes für Nationale Sicherheit, der Nachfolgeorganisation des Ministeriums für Staatssicherheit, stellte sie am 1. März 1990 ihre Lehr- und Forschungstätigkeit ein.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Hochschule des MfS wurde 1951 in Eiche-Golm (Potsdam) gegründet und war dienstrechtlich der Hauptabteilung Kader und Schulung unterstellt.

Die Hochschule des MfS wurde 1965 in Juristische Hochschule Potsdam (JHS) umbenannt. Zwischen 1966 und 1989 erwarben dort rund 3300 Personen den Abschluss eines Diplomjuristen und 347 Personen wurden promoviert, darunter auch Alexander Schalck-Golodkowski. Die Hochschule des MfS verlieh den Titel eines Dr. jur., ohne dass die für Promotionen geltenden wissenschaftlichen Anforderungen erfüllt wurden. So wurde ein Großteil in Teamarbeit erstellt oder umfasste nur wenige Seiten.[1]

Die Hochschule des MfS (bzw. „Juristische Hochschule“) ist nicht zu verwechseln mit der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft, die ihren Sitz ebenfalls in Potsdam hatte.

Aufgabenstellung im Einzelnen[Bearbeiten]

  • Ausbildung von Offiziersschülern in einem Hochschuldirekt- bzw. -fernstudium zu Diplom-Juristen
  • Durchführung eines Fachschul-direkt- bzw. -fernstudiums
  • Durchführung von Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen
  • Durchführung von Promotionsverfahren zum Dr. jur. und Dr. sc. jur.
  • Lehre und Forschung (Grundlagenforschung, angewandte und anwendungsorientierte Forschung)
  • Gutachtertätigkeit

Die für Auslandsspionage zuständige Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) hatte eine eigene Ausbildungsstätte in Gosen bei Erkner.

Kinosaal der Hochschule des MfS der HVA in Gosen
Haus 3 der Hochschule des MfS der HVA Aufklärung in Gosen

Personal[Bearbeiten]

Heinz Meissner - von der Funktion entbunden und ab 1. Oktober 1989 freigestellt für hauptamtliche Parteitätigkeit

Nach der deutschen Wiedervereinigung[Bearbeiten]

Das an der Stasihochschule erworbene juristische Diplom berechtigt nicht zur Neu- oder Wiederaufnahme eines „gesetzlich geregelten juristischen Berufes“.[2] In den Erläuterungen zum Einigungsvertrag vom 31. August 1990 wird ausgeführt, dass eine Ausbildung an dieser Hochschule „nur dem Namen, nicht aber dem Inhalt nach ein juristisches Studium“[3] darstellte. Inhaber der MfS-Diplome können daher nur dann bspw. als Rechtsanwalt arbeiten, wenn sie bereits am 3. Oktober 1990 eine Zulassung als Rechtsanwalt in der DDR hatten.[4] Von einem Entzug bereits bestehender Rechtsanwaltszulassungen wurde abgesehen.

Die Gebäude der Hochschule sind heute als „Komplex II Golm“ Teil der 1991 gegründeten Universität Potsdam.

Literatur[Bearbeiten]

  • Günter Förster: Die Juristische Hochschule des MfS (MfS-Handbuch). Hg. BStU. Berlin 1996. Onlinezugriff
  • Günter Förster: Die Dissertation an der „Juristischen Hochschule“ des MfS. Eine annotierte Bibliographie (Dokumente – Reihe A). Hg. BStU. Berlin 1997. Onlinezugriff
  • Günter Förster: Bibliographie der Diplomarbeiten und Abschlußarbeiten an der Hochschule des MfS (Reihe A: Dokumente Nr. 1/1998). Hg. BStU. Berlin 1998. Onlinezugriff
  • Günter Förster: Die Juristische Hochschule des Ministeriums für Staatssicherheit. Die Sozialstruktur ihrer Promovenden, Münster 2001, ISBN 3-8258-4589-3.
  • Stefan Gerber: Zur Ausbildung von Diplomjuristen an der Hochschule des MfS, Berlin 2000, ISBN 3-8305-0008-4.
  • Jens Gieseke: Die hauptamtlichen Mitarbeiter der Staatssicherheit. Personalstruktur und Lebenswelt 1950-1989/90, Berlin 2000, ISBN 3-86153-227-1.
  • Waldemar Hirch: Die wissenschaftliche Darstellung der „Zersetzung“ in Abschlussarbeiten an der Juristischen Hochschule Potsdam. In: ders.: Zersetzung einer Religionsgemeinschaft. Niedersteinbach 2001, ISBN 3-00-006250-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dr. jur. stasi. In: Süddeutsche Zeitung. 16. November 2013, S. 6.
  2. Einigungsvertrag Anlage I, Kapitel III, A III Sachgebiet A (Rechtspflege) Abschnitt III, Nr. 8 Buchst. y, jj
  3. Erläuterungen zu den Anlagen zum Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik über die Herstellung der Einheit Deutschlands vom 31. August 1990 - Einigungsvertrag -, Deutscher Bundestag, 11. Wahlperiode, Drucksache 11/7817 vom 10. September 1990, S. 23 (PDF; 4,0 MB)
  4. Ilko-Sascha Kowalczuk: „Sie sind wieder da“ - Vom Stasi-Offizier zum Rechtsanwalt bei bpb.de, Zugriff am 29. Dezember 2008