Hochschulinformationssystem

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Hochschulinformationssysteme oder Campus-Management-Systeme sind IT-Systeme, die der Abbildung von Geschäftsprozessen im Bereich des studentischen Lebenszyklus (Studierenden-, Kurs- und Prüfungsverwaltung etc.) sowie weiterer Aufgabenfelder der Hochschulverwaltung dienen. Die Verarbeitung und Präsentation studien-, lehr- oder prüfungsbezogener Informationen erfolgt dabei im Sinne des E-Campus zunehmend durch internetbasierte Hochschulportale mit Selbstbedienungsfunktionen. Die Nachfrage nach einer IT-gestützten Abwicklung hochschulischer Geschäftsprozesse zur Entlastung von Hochschulverwaltungen hat im Zuge der Modularisierung der Studiengänge und weiterer Reformschritte an europäischen Hochschulen zu Beginn des 21. Jahrhunderts deutlich zugenommen.

Leistungsumfang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Leistungsumfang der modular strukturierten Hochschul-Management-Systeme unterschiedlicher Anbieter weicht erheblich voneinander ab. Zu den Kernanwendungen werden häufig folgende Geschäftsprozesse gerechnet, deren internetgestützte Bearbeitung durch Studierende, Lehrende oder Bedienstete moderne Hochschulinformationssysteme auf der Basis eines differenzierten Rechtesystems ermöglichen:

  • Bewerbungs- und Zulassungsverfahren
  • Studierendenverwaltung
  • Studiengangs- und Prüfungsordnungsmodellierung
  • Veranstaltungsplanung (u.a. Erstellung des Vorlesungsverzeichnisses sowie der Regel- und individuellen Stundenpläne)
  • Lehrraummanagement
  • Teilnehmermanagement (An- und Abmeldung, Zulassung und Verteilung zu Lehrveranstaltungen und Prüfungen)
  • Studiengangskoordination (u.a. Planung des Semesterangebots und Sicherstellung der Studierbarkeit)
  • Prüfungsmanagement (u.a. Notenverbuchung, Anrechnung von Leistungen, Verwaltung von Abschlussarbeiten)
  • Organisationsdatenverwaltung (z.B. Gebäude- und Hörsaal-Pläne, E-Mail- und Telefonverzeichnis der Fakultäten, Institute, Abteilungen, Bediensteten etc.).

Auch zur Abbildung von Verwaltungsprozessen in den Bereichen Human Resources, Rechnungswesen, Controlling oder CAFM werden Hochschul-Management-Systeme herangezogen. Im Zuge einer Ausdifferenzierung der Anforderungen an den Hochschulen werden ergänzende Funktionen wie Alumniverwaltung und Marketing, Kursevaluation, Praktikumsmanagement oder überschneidungsfreie Stundenplanung in das Leistungsspektrum etablierter Systeme aufgenommen. Angesichts der wachsenden Komplexität der verzweigten IT-Landschaft an Hochschulen ist eine stärkere Integration von Hochschul-Management-Systemen mit weiteren IT-Applikationen erforderlich.

Spitta et al.: Campus-Management-Systeme. 2015, S. 66 kommen zu dem Schluss: "Es scheint so zu sein, dass Hochschulen mit deren Einführung und Betrieb ... Nachholbedarf haben."

Auswahl von Anbietern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An deutschen Hochschulen sind vor allem folgende Hochschul-Informations-Systeme verbreitet:

  • academyFIVE
  • Antrago Academy: Das Informationssystem kommt vor allem an Fachhochschulen für öffentliche Verwaltung zum Einsatz.
  • CAS Campus
  • CampusNet ist das Kernprodukt der Firma Datenlotsen aus Hamburg.
  • FACTScience
  • Das Hochschul-Informations-System (HIS) bietet an deutschen Hochschulen Anwendungen in den Bereichen Zulassungs-, Studierenden- und Prüfungsverwaltung, Lehre, Studium, Forschung sowie Ressourcenverwaltung (Finanz- und Sachmittel-, Personal- und Stellenverwaltung, Gebäude- und Flächenmanagement etc.). Der Nachfolger HISinOne ist genossenschaftlich basiert. [1]
  • Die PRIMUSS Campus IT ist ein Zusammenschluss von derzeit sechs Hochschulen mit dem Ziel, gemeinsam ein Campus-Management-System zu nutzen und weiterzuentwickeln.
  • S-PLUS: Die Plattform wird laut Hersteller in 450 Institutionen der Hochschulbildung in 24 Ländern angewendet.
  • TraiNex gilt als das erste webbasierte Campus-Management-System, das in Deutschland entwickelt wurde.

Überwiegend außerhalb des deutschen Hochschulraumes werden zudem folgende Hochschul-Informations-Systeme eingesetzt:

  • CAMPUSonline der TU Graz ist an österreichischen Universitäten und Pädagogischen Hochschulen verbreitet.
  • Das freie Hochschulinformationsystem FH-Complete wurde vom Bereich Systementwicklung der Fachhochschule Technikum Wien entwickelt.
  • Evento der Crealogix ist ein vor allem an Schweizer Hochschulen verbreitetes System für Kursadministration und Ressourcen-Management
  • E-Charlemagne ist vor allem in Frankreich verbreitet
  • PeopleSoft Campus Solutions aus dem Hause Oracle wird an über 800 Hochschulen in mehr als 20 Ländern eingesetzt
  • SAP for Higher Education & Research
  • SunGard Higher Education
  • UNIT4 for Education and Research

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rainer Alt, Gunnar Auth: Campus-Management-System. In: Wirtschaftsinformatik, H. 3, 2010, S. 185-188.
  • Frank Bensberg: TCO-Analyse von Campus-Management-Systemen – Methodischer Bezugsrahmen und Softwareunterstützung. In: Hans Robert Hansen, Dimitris Karagiannis, Hans-Georg Fill (Hrsg.). Business Services: Konzepte, Technologien, Anwendungen. 9. Internationale Tagung Wirtschaftsinformatik. Wien, 25.-27. Februar 2009. Bd. 2. Wien: Österreichische Computer Gesellschaft 2009. S. 493–502.
  • Marcus Bick, Kathrin Börgmann: Referenzmodell zur Evaluation von Informationssystemen für ein integriertes Campus-Management. In: Hochschulmanagement, H. 4, 2009, S. 108–114.
  • Anna Beise, Stefan Bieletzke: Ganzheitliches Qualitätsmanagement durch Campus-Management-Systeme. Bielefeld, Bonn 2010. Online unter qm.campus-management-system.de
  • Lars Degenhardt, Harald Gilch, Birga Stender, Klaus Wannemacher: Campus-Management-Systeme erfolgreich einführen. In: Hans Robert Hansen, Dimitris Karagiannis, Hans-Georg Fill (Hrsg.). Business Services: Konzepte, Technologien, Anwendungen. 9. Internationale Tagung Wirtschaftsinformatik. Wien, 25.-27. Februar 2009. Bd. 2. Wien: Österreichische Computer Gesellschaft 2009. S. 463–472.
  • Patrick Gerling, Lisa Hubig, Andreas Jonen, Volker Lingnau: Entscheidungsproblem Hochschulsoftware: Lösungsansätze mit Hilfe der Nutzwertanalyse. In: J. von Knop, W. Haverkamp, E. Jessen (Hrsg.): Heute schon das Morgen sehen, Lecture Notes in Informatics – 19. Arbeitstagung über Kommunikationsnetze. Düsseldorf 2005, S. 85–101.
  • Monique Janneck, Cyrill Adelsberger: Komplexe Software-Einführungsprozesse gestalten: Grundlagen und Methoden. Am Beispiel eines Campus-Management-Systems. Werner Hülsbusch, Glückstadt 2012.
  • Jon Sprenger, Marc Klages, Michael H. Breitner: Wirtschaftlichkeitsanalyse für die Auswahl, die Migration und den Betrieb eines Campus-Management-Systems. In: Wirtschaftsinformatik, H. 4, 2010, S. 211–224.
  • Thorsten Spitta, Marco Carolla, Henning Brune, Thomas Grechenig, Stefan Strobl, Jan vom Brocke: Campus-Management-Systeme. In: Informatik Spektrum, H. 1, 2015, S. 59-68

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Auf dem Weg zum digitalen Campus, Oberhessische Presse vom 7. Mai 2014, abgerufen 24. Juni 2015