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Hofkirche Bruchsal

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Kirchturm der Hofkirche Bruchsal, davor die Hofapotheke

Die Hofkirche Bruchsal auch Schlosskirche Bruchsal genannt ist eine ursprünglich 1724 erbaute Kirche im Südflügel der barocken Schlossanlage in Bruchsal. Die im März 1945 in Folge eines Bombardements ausgebrannte Anlage wurde in den 1960er Jahren wieder aufgebaut – wobei die Hofkirche eine moderne Ausstattung erhielt.

Schon während der Bauzeit des Schlosses beschäftigten sich die Gedanken des Fürstbischofs Damian Hugo von Schönborn mit der zukünftigen Aufgliederung und dem Aufbau der Seelsorge in Bruchsal. Solche Überlegungen sprach er zum ersten Male ein Jahr nach dem Beginn des Baues des Kirchenflügels am 4. Dezember 1724 aus. Er wollte die Stadt in drei Pfarrbezirke teilen – das Stadtinnere, die östliche Vorstadt und die Residenzvorstadt, auch Speyerer Vorstadt genannt. Für das Stadtinnere war die Stiftskirche „Unserer Lieben Frau“ der Mittelpunkt der Seelsorge, für die östliche Vorstadt die Peterskirche und für die Residenzvorstadt sollte es die Hofkirche St. Damian und Hugo werden. Die Kirchenpatrone sollten seine Namenspatrone sein.

Seine eigentlichen Gedanken über die Anfänge der Hofpfarrei aber hat er in seinem „Decretum et constitutio“ zusammenfasst, das im Jahre 1728 von ihm selbst niedergeschrieben wurde. In dieser Niederschrift hat Schönborn bekannt, wie ernst er es mit seinem bischöflichen Amt nahm. Er machte sich Gedanken, von welchen Intentionen sich ein Bischof leiten lassen müsse und welche Beweggründe er nicht haben sollte; was ein guter Bischof sei und tue und wie wichtig treue und eifrige Diener seien. Seine Amtsangelegenheiten aber wolle er mit dem Bau der neuen „Hof- und respektive Pfarrkirche“ beginnen.

Schönborn verspricht in dieser Niederschrift, dass er für die Kirche sorgen wolle und gibt in 57 kurzen Sätzen an, was noch zu tun sei, damit eine echte Gemeinde, ein Pfarramt entstehe, ein Gottesdienst gehalten und eine Helferschar der Gemeinde gebildet werden könne. In diesem Vorhaben liegt die eigentliche Gründungsurkunde der Hofpfarrei. Der Hofkirche war von Anfang an eine doppelte Aufgabe zu eigen: Hof- und Kathedralkirche und dennoch auch Pfarrkirche für das Volk zu sein. Diese Stellung behielt sie bei bis zum Tode Bischof Wilderichs im Jahre 1810; war allerdings von 1803 bis 1935 Simultankirche[1] danach blieb sie Pfarrkirche für die katholische Kirchengemeinde bis zur Zerstörung am 1. März 1945. Diese war so total, dass der Wiederaufbau einer Neugründung glich; die Rechte der Kirche und die Pflichten des Badischen Staates, die im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts bis ins Einzelne geklärt werden mussten, blieben die gleichen.

Der Wiederaufbau nach 1945

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Der Wiederaufbau der Hofkirche erfolgte in den Jahren 1960 bis 1966. Es musste die Gesamtgestalt des Schlosses, wie es geplant war, gewahrt werden, der Kirchenflügel sich also dem Kammerflügel anpassen. Am 28. Oktober 1953 feierte die Pfarrgemeinde das Richtfest des Hofkirchenturmes, der am 2. Februar und 1. März 1945 in der oberen Hälfte zerstört worden war.

Am 21. Juli 1966 wurde die Hofkirche durch Hofpfarrer Alois Westermann benediziert und so in den Dienst Gottes gestellt. Vor der Konsekration musste aber noch die Ausstattung erfolgen. Diese brachte nicht die alte Barockkirche wieder, sondern eine moderne Gestaltung. So ist beispielsweise der „Kreuzweg der Versöhnung“ von HAP Grieshaber von 1969 zu sehen, bestehend aus 14 Holzreliefs (Holzschnittdruckstöcken, 70 × 80 cm) in den Farben Weiß und Gold. Zur Ausstattung gehört auch das große Bronzekreuz, das Fritz Wotruba gestaltet hat. Am 8. März 1970 wurde die Hofkirche von dem Freiburger Erzbischof Hermann Schäufele konsekriert.

Die Orgel der Manufaktur E. F. Walcker & Cie. von 1969 steht zu ebener Erde und verfügt über 35 Register auf drei Manualen und Pedal. Mit der asymmetrischen Gestaltung des Orgelprospekts im hölzernen Gehäuse passt sie in die moderne Gestaltung des Kircheninnern. Inzwischen wird das Instrument von der Manufacture d’Orgues Muhleisen gepflegt.[2]

Der Kirchturm enthält ein Glockengeläut mit sieben bronzenen Kirchenglocken, die alle 1964 von Friedrich Wilhelm Schilling in Heidelberg gegossen wurden.

Die Glocken der Bruchsaler Hofkirche[3]
Glocke 1 2 3 4 5 6 7
Durchmesser 1402 mm 1360 mm 1098 mm 912 mm 800 mm 667 mm 590 mm
Gewicht 1852 kg 1331 kg 904 kg 520 kg 376 kg 219 kg 150 kg
Schlagton d′±0 f′+2 g′±0 b′+2 d″±0 f″+2 g″±0
Commons: Hofkirche Bruchsal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. Liste der evangelischen Pfarrer der Schlosskirche, Archiv der Hofkirche Bruchsal
  2. Orgelsammlung Isenberg: Bruchsal, Schlosskirche St. Damian und Hugo (»Hofkirche«); hier auch Disposition und Abbildungen. des Instruments
  3. Glockeninspektion Erzbistum Freiburg: Kath. Hofkirche St. Damian und Hugo in Bruchsal

Koordinaten: 49° 7′ 39,8″ N, 8° 35′ 53,2″ O