Hofpavillon Hietzing

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Der Hofpavillon in Hietzing, Blick nach Westen

Der Hofpavillon Hietzing von Otto Wagner, vereinzelt auch Hofwartesaal[1] oder Kaiserpavillon[2] genannt, war einst ein separates Aufnahmsgebäude der Wiener Dampfstadtbahn für Kaiser Franz Joseph I. und sein Gefolge und ist heute eine Außenstelle des Wien Museums. Er befindet sich im 13. Wiener Gemeindebezirk Hietzing, am Streckenkilometer 3,625[3] der Unteren Wientallinie. Damit liegt der Pavillon 160 Meter stadteinwärts des, mittlerweile abgerissenen, regulären Aufnahmsgebäudes der Station Hietzing, die heute von der Linie U4 der Wiener U-Bahn bedient wird. Straßenseitig ist er an die Schönbrunner Schlossstraße angebunden. Der im April 1898[4] vollendete Bau erhielt ein unverwechselbares, repräsentatives Äußeres und eine kostbare Innenausstattung im Jugendstil, die ganz auf die Bedürfnisse des Kaisers abgestimmt waren[5] und als Ikone der beginnenden Moderne gilt.[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Skizze des Hietzinger Hofpavillons von 1898, gezeichnet mit Architekt Otto Wagner k.k. Ober-Baurath

Beim Bau der Stadtbahn, Wiens größtem Infrastrukturprojekt um 1900, war Otto Wagner, der Wegbereiter der modernen Architektur, 1894 mit der künstlerischen Gestaltung des neuen Massenverkehrsmittels betraut, das bis heute das Stadtbild prägt. Dabei wurde auf seine Initiative hin ein eigener Pavillon für den Kaiser und den „Allerhöchsten Hof“ bei der Haltestelle Hietzing errichtet.[5] Dessen Bau wurde 1897 zunächst mit dem Hinweis beschlossen, dass die dadurch entstehenden Mehrkosten durch Einsparungen bei dem Bau der Gürtel- und Vorortelinie abgedeckt werden sollten. Wagner wollte mit diesem außertourlichen und repräsentativen Bau einerseits der Stadtbahn, andererseits wohl seinem eigenen Schaffen besonderen Glanz verleihen – offenbar losgelöst vom realen Nutzungszusammenhang. Ein regelmäßiger Betrieb für den Zug des Hofes wäre bahntechnisch ohnehin zu kompliziert und kostspielig gewesen.[7]

Tatsächlich nutzte der Kaiser den Pavillon nur zweimal: Am 16. Juni 1899 zur Besichtigung der Unteren Wientallinie[8] und am 12. April 1902 zur Besichtigung der Donaukanallinie.[9] Für seine Reisen bevorzugte er hingegen auch nach Eröffnung der Stadtbahn den nahegelegenen Bahnhof Penzing, für besondere Besucher wurde die Station aber immer wieder frequentiert.[2]

Nach der Auflösung der Österreichisch-Ungarischen Monarchie und der Ausrufung der Republik Deutschösterreich am 12. November 1918 verlor der Hofpavillon seine Funktion und diente anschließend lange Zeit dem Bildhauer Sepp Haberl-Carlo als Atelier.[3] Im Zweiten Weltkrieg erhielt der Wagner-Bau am 19. Feber 1945 einen Bombentreffer, wurde aber später wieder instandgesetzt. Lediglich die Stiegenabgänge zu den Bahnsteigen der, 1925 aus der Dampfstadtbahn hervorgegangenen, Wiener Elektrischen Stadtbahn gingen dauerhaft verloren. 1957 erfolgte die Vermietung des Gebäudes an das Österreichische Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum als Ausstellungsraum.[6] Ab 1986 fand eine denkmalpflegerische Renovierung statt und nach deren Abschluss wurde mit 3. Juli 1989 der Pavillon dem Wien Museum, dem früheren Historischen Museum der Stadt Wien, als Ausstellungspavillon zur Verfügung gestellt.[10][11]

Nach schweren Schäden, so dass auch das direkte Umfeld des Pavillons gesperrt werden musste,[12] und Kritik des Wiener Kontrollamtes fand ab 2012 eine umfangreiche Sanierung des Hofpavillons statt. Die Kosten von 1,8 Millionen Euro trug zur Gänze die Stadt Wien.[6] Die Restaurierungsarbeiten wurden vom Architekturbüro Manfred Wehdorn geleitet und 2014 abgeschlossen. Putzflächen und -gliederungen des Pavillons wurden in der von Wagner vorgesehenen Oberflächenqualität nach alten Handwerkstechniken rekonstruiert. Die Metallobjekte an der Vorfahrt wurden statisch saniert und wieder im ursprünglichen Grünton gefasst.[13]

Anlässlich der Erinnerung an den hundertsten Todestag Otto Wagners wurde der Hofpavillon für das live im Fernsehen übertragene Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2018 als Kulisse für das Ballett zur Musik genutzt. Im Hofpavillon wurde ein Pas de deux zur „Stéphanie-Gavotte“ von Alfons Czibulka getanzt.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westansicht des Hofpavillons; im Vordergrund die Bahnsteigdächer der U-Bahn-Station Hietzing, die nach der Entfernung der Abgänge vom Pavillon zu den Bahnsteigen errichtet wurden
Decke des achteckigen Zentralraumes
Spezielle Variante des Stadtbahngeländers, in dieser Form ausschließlich beim Hofpavillon anzutreffen

Der Bau war als Musterbeispiel moderner Architektur und modernen Kunsthandwerks gedacht[11] und stellt eine Synthese von imperialen Elementen wie Kuppel, Wagenauffahrt, Baldachin und reduzierter moderner Formensprache, wie etwa die betont flächigen Fassaden, dar.[6] Das Zentrum des Baues ist der kaiserliche Wartesalon, der von einer achteckigen Kuppel bekrönt wird. Mit dieser wurde ein Zusammenhang mit den barocken Baulichkeiten des Schönbrunner Schlosses hergestellt, ohne die Barockform zu kopieren. Dem ganzen aus Eisen, Stein und Putz ausgeführten Gebäude ist eine Auffahrtsrampe und schmiedeeiserne Kandelaber vorgelagert. Der Eingangsbereich bzw. mittleren Rampenteil hat eine kunstvolle, eiserne Überdachung und ist verglast.[14] Für den Außenbereich kreierte Wagner ferner eine besonders elegante Variante seines Stadtbahngeländers, das secessionistische Züge trägt. Der Salon im Pavillon ist mit Seidentapeten und einem monumentalen, zuvor in der Jubiläumsausstellung 1898 gezeigten Gemälde von Carl Moll ausgestattet, das einen Blick auf Wien aus einer Ballonhöhe von 3000 Metern zeigt.[15]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Nierhaus, Manfred Wehdorn (Hg.): Der Pavillon des k.u.k. Allerhöchsten Hofes. Eine Stadtbahnstation für den Kaiser (Wien-Museum, Otto-Wagner-Hofpavillon Hietzing), Metro-Verlag, Wien 2014.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hofpavillon Hietzing – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Arthur Oelwein: Die Stadtbahn. In: Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts – ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung. herausgegeben vom Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Verein, redigiert von Ingenieur Paul Kortz Stadtbaurat, erster Band, Wien 1905, Verlag von Gerlach & Wiedling, Wien, S. 110–122.
  2. a b 1133.at: Der Hofpavillon bei der U-Bahn Haltestelle Hietzing; abgerufen am 21. Mai 2018
  3. a b Erich Schlöss: Die Wiener Stadtbahn. Wiental- und Donaukanallinie (= Beiträge zur Stadtforschung, Stadtentwicklung und Stadtgestaltung. Bd. 19). Magistrat, Wien 1987 (online)
  4. Otto Antonia Graf: Otto Wagner. 1: Das Werk des Architekten 1860–1902. 2. Auflage. Böhlau, Wien 1994, S. 134–248.
  5. a b Wien Museum: Wien Museum: Otto Wagner Hofpavillon Hietzing; abgerufen am 22. Mai 2018
  6. a b c d Wien.gv.at: Otto Wagner Hofpavillon Hietzing (Memento des Originals vom 29. Januar 2018 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wien.gv.at, abgerufen am 21. Mai 2018.
  7. Sándor Békési, Johannes Hradecky: Das Otto-Wagner-Jahr und die Wiener Stadtbahn – Verkehrshistorische Anmerkungen zum Doppeljubiläum. In: Wiener Geschichtsblätter, 73. Jahrgang, Heft 4/2018, S. 282.
  8. Der Bautechniker; XIX. Jahrgang, Nr. 25 (Online auf ANNO)
  9. Artinwords.de: Otto Wagner: Hofpavillon in Hietzing, abgerufen am 21. Mai 2018
  10. Hofpavillon im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien
  11. a b Otto Wagner Hofpavillon Hietzing im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien
  12. Die Presse: Hietzing: Der Hofpavillon des Kaisers verfällt; Print-Ausgabe, 14. November 2011 (Online)
  13. Hofpavillon wird renoviert, Website der Wiener Stadtverwaltung (Memento des Originals vom 18. November 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wien.gv.at
  14. VER SACRUM, II. Jg. Bd. 8 (1899) S. 3–13, hier S. 5.
  15. Zur Eröffnung der Wienthal-Linie, in: Tageszeitung Neue Freie Presse, Wien, Nr. 12501, 13. Juni 1899, S. 6, Rubrik Communal-Zeitung

Koordinaten: 48° 11′ 15,1″ N, 16° 18′ 21,6″ O