Hofpfisterei

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Ludwig Stocker Hofpfisterei GmbH

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Rechtsform GmbH
Gründung 1970
Sitz München
Leitung Margaretha Stocker, Strategische Geschäftsführung;
Nicole Stocker, Geschäftsleitung[1]
Mitarbeiterzahl 1.018 (2019)[2]
Umsatz 76 Mio. EUR[2]
Branche Nahrungsmittel, Bäckerei
Website www.hofpfisterei.de

Die Ludwig Stocker Hofpfisterei GmbH, kurz Hofpfisterei, ist eine in München ansässige Filialbäckerei, deren Absatzgebiet sich hauptsächlich auf Süddeutschland erstreckt.

Die Hofpfisterei hat sich auf die Herstellung von Backwaren mit ökologisch erzeugten Zutaten spezialisiert. Sie ist Teil des gleichnamigen Konzerns mit Umsatzerlösen von 76 Mio. Euro und 1.018 Mitarbeitern im Jahr 2019.[3]

In Bayern und Baden-Württemberg werden 152 Filialen betrieben, davon allein 96 in München; dreizehn Filialen befinden sich in Berlin und eine in Hessen.[1] Die Produkte werden in beiden Bundesländern auch über andere Einzelhändler abgesetzt, in andere Regionen wird per Versand vertrieben. Stammsitz des Unternehmens liegt in der Kreittmayrstraße 5 im Münchner Stadtteil Maxvorstadt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Königliche Hofpfisterey“, 1897

Der Ursprung des Unternehmens reicht bis in das Jahr 1331 zurück.[4] Für diese Zeit ist in München die Torats-Mühle (Mühle an der Stadtmauer, von lat.: Tarras – Wall, Mauer) nahe der alten Burg urkundlich nachgewiesen. In der wahrscheinlich bereits seit 1294 als Hofpfistermühle bestehenden Mühle wurde die herzogliche Pfisterei (lat.: pistrina – Bäckerei bzw. pistor – Bäcker) eingerichtet und ein Pfistermeister bestellt.

Die Hofpfisterei versorgte den herzoglichen Hof der Wittelsbacher mit Brot und Mehl. Im 17. Jahrhundert wurde die Hofpfisterei dem Pfistermeister „in Bestand gegeben“. Das bedeutete, dass der Pfistermeister ab diesem Zeitpunkt Pächter und selbstständiger Unternehmer war.

Im Rahmen der streng organisierten Zünfte genoss der Hofpfister das Privileg, die üblicherweise streng getrennten Handwerke des Müllers, des Mehlhändlers (Melber) und des Bäckers in seinem Betrieb vereinen zu dürfen. Zu seinen Aufgaben zählte auch die vom Hof verordnete Speisung Bedürftiger, sowie regelmäßige Brotgaben an Studenten, Klöster und Heime.

Anfang des 18. Jahrhunderts erhielten die Pfister eine eigene Zunft, ab 1825 waren sie in Innungen organisiert. Die Münchner Hofpfisterei wurde 1917 von Ludwig Stocker, einem Bäcker aus Niederbayern, gepachtet.[5] Stocker war Angehöriger des „Stahlhelm“. Durch die Verfechtung einer stark durch die Interessen des gewerblichen „Mittelstandes“ geprägten Wirtschaftsauffassung geriet er immer stärker in den Bann der Parteipolemik.[6] Bereits er begann mit einer Filialisierung mit einer ersten Filiale in Haidhausen.[5]

Bei einem Bombenangriff wurde die Betriebsstätte der Hofpfisterei 1945 zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ab 1948 wieder produziert. Die Pfistermühle in der Münchner Altstadt (Pfisterstraße, nahe dem Hofbräuhaus am Platzl) wurde 1958 von der Staatlichen Schlösserverwaltung verkauft, der Unternehmenssitz wurde 1964 in die Kreittmayrstraße verlagert. 1958 buk er auch erstmals die geschützte Brotsorte „Sonne“.[5]

Im Jahr 1970 übernahm Siegfried Stocker (1944–2016)[7] das Unternehmen von seinem Vater. Er verfolgte eine Differenzierungsstrategie, indem er naturnahe (ökologische) Fertigung in den Vordergrund stellte. Eine ganzseitige Zeitungsannonce, mit der Stocker um Unterstützung seiner Strategie durch die bayerischen Landwirte warb, fand 1981 wenig Resonanz. Ungeachtet dessen produzierte der Betrieb ab 1984 ausschließlich ökologisch.

Filiale im Stachus-Untergeschoss

Mit dem wachsenden Umweltbewusstsein der Bevölkerung in den 1980er Jahren konnte die Hofpfisterei ihre Marktposition festigen. Mit dem Öko-Landwirtschaftsverband Naturland arbeitet die Hofpfisterei seit 1989 zusammen. Im Jahr 1988 wurde die Meyermühle in Landshut übernommen, 1990 Stocker’s Backstube in Lauf. 1992 gründete die Hofpfisterei zusammen mit Naturland die Öko-Fleischerei Die Landfrau, die sie 1998 vollständig übernahm.

Nach dem Tod von Siegfried Stocker übernahm dessen Tochter Nicole Stocker die Firmengeschäfte.[8]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2010 beanstandete die Verbraucherschutzorganisation foodwatch, dass die Hofpfisterei ihre Produkte mit der Bezeichnung bewusster Verzicht auf Zusätze bewerbe, obwohl sehr wohl Backhilfsmittel eingesetzt würden. Diese verwendeten Zusatzstoffe seien allerdings, so foodwatch, in der Ökoproduktion legal. Das Unternehmen reagierte auf die Kritik mit der Ankündigung, Werbung und Produkthinweise zu korrigieren sowie sämtliche Zutaten aller Produkte offenzulegen.[9]

Das Verhalten der Hofpfisterei bezüglich des Themas Markenschutz wurde im Oktober 2013 in der Sendung quer des Bayerischen Rundfunks kritisiert. So berichtete quer, dass die Münchner Hofpfisterei um ihre erfolgreichste Marke, die Pfister-Öko-Sonne, fürchtet und jeden Bäcker, der den Begriff „Sonne“ für eines seiner Produkte bzw. als Namensbestandteil für diese[10] nutzt, abmahnt. Bis zu 18.000 Euro Strafe mussten Kleinbäcker schon zahlen.[11] Die Strafen fallen auch regelmäßig deshalb so hoch aus, weil der Streitwert von der Hofpfisterei mit bis zu 200.000 € angegeben wird. Nach eigenen Angaben der Münchner Kanzlei, die die Interessen der Hofpfisterei vertritt, sind seit 2008 allein mindestens 16 Gerichtsverfahren zu Gunsten der Großbäckerei ausgegangen, zusätzlich ergingen zwei oberlandesgerichtliche Entscheidungen.[10] Nach dem Bekanntwerden des Vorfalls wurde die Hofpfisterei in Sozialen Medien stark kritisiert. Die Bäckerei löschte daraufhin entsprechende Kommentare von ihrer Facebook-Seite und sperrte sie.[12]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Unternehmensprofil auf der Website des Unternehmens. Abgerufen am 6. Juli 2012.
  2. a b Jahres- und Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2019 bis zum 31.12.2019 Veröffentlicht am 16. Dezember 2020. Abgerufen am 23.03.2021 mittels Bundesanzeiger.
  3. Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2016 bis zum 31. Dezember 2016. Veröffentlicht am 27. Dezember 2017. Abgerufen am 3. Juli 2018 mittels Unternehmensregister.
  4. www.hofpfisterei.de 700 Jahre Hofpfisterei: Eine Bayerische Brotgeschichte. Aufgerufen am 3. September 2011.
  5. a b c Öko-Brot: Traditionsreiches Lebensmittel mit Zukunft – Exkursion in die Betriebsstätte der Hofpfisterei, Die Umwelt-Akademie, 29. April 2014.
  6. Peter Steinborn Grundlagen und Grundzüge Münchener Kommunalpolitik in den Jahren der Weimarer Republik: Zur Geschichte der bayerischen Landeshauptstadt im 20. Jahrhundert. Neue Schriftenreihe Bände 21_23, Stadtarchiv München, 1968, S. 341.
  7. Siegfried Stocker [Traueranzeige], Süddeutsche Zeitung, 9. Juni 2016.
  8. Siegfried Stocker ist tot: Hofpfisterei-Inhaber mit 71 Jahren gestorben. Augsburger Allgemeine, 8. Juni 2016.
  9. Silvia Liebrich: Im Visier des Verbraucherschutz. In: Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010. Abgerufen am 25. Oktober 2013.
  10. a b Franz Kotteder: Hofpfisterei geht mit Anwälten gegen kleine Bäcker vor. In: Süddeutsche. 28. August 2020, abgerufen am 28. August 2020.
  11. Sonnenschutz: Hofpfisterei mahnt Bäckereien ab (Memento vom 22. Oktober 2014 im Internet Archive)
  12. Franz Kotteder: "PR-Desaster" für Hofpfisterei wegen Unterlassungserklärung. In: Süddeutsche Zeitung, 30. August 2020. Abgerufen am 30. August 2020.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hofpfisterei – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien