Hoheitsgebiete ohne Selbstregierung

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16 Hoheitsgebiete ohne Selbstregierung (ohne Pitcairninseln)

Auf der Grundlage der Kapitel XI, XII und XIII der Charta und einer Vielzahl von Resolutionen führen die Vereinten Nationen eine Liste der Hoheitsgebiete ohne Selbstregierung (deutsch für Non-Self-Governing Territories, NSGT).[1]

Ein Hoheitsgebiet ohne Selbstregierung wird von den Vereinten Nationen definiert als ein Territorium, das entweder kein souveräner Staat ist oder sich nicht in freier Assoziierung mit einem souveränen Staat befindet oder nicht in einen souveränen Staat integriert ist.[2]

Die Liste wurde 1946 aufgestellt und enthielt im Juli 2017  17 Territorien.[3]

Kapitel XI der UN-Charta[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäß Kapitel XI (Artikel 73 und 74) der UN-Charta[4] sind „Mitglieder der Vereinten Nationen, welche die Verantwortung für die Verwaltung von Hoheitsgebieten haben oder übernehmen, deren Völker noch nicht die volle Selbstregierung erreicht haben“ (Verwaltungsmächte) unter anderem verpflichtet,

  • „den politischen, wirtschaftlichen, sozialen und erzieherischen Fortschritt, die gerechte Behandlung und den Schutz dieser Völker gegen Mißbräuche unter gebührender Achtung vor ihrer Kultur zu gewährleisten“
  • „die Selbstregierung zu entwickeln, die politischen Bestrebungen dieser Völker gebührend zu berücksichtigen und sie bei der fortschreitenden Entwicklung ihrer freien politischen Einrichtungen zu unterstützen, und zwar je nach den besonderen Verhältnissen jedes Hoheitsgebiets, seiner Bevölkerung und deren jeweiliger Entwicklungsstufe“
  • „Aufbau- und Entwicklungsmaßnahmen zu fördern, die Forschungstätigkeit zu unterstützen sowie miteinander und gegebenenfalls mit internationalen Fachorganisationen zusammenzuarbeiten, um die (...) dargelegten sozialen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Ziele zu verwirklichen“

Kapitel XII und XIII der UN-Charta[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kapitel XII und XIII (Artikel 75 bis 91) der UN-Charta betreffen das seit 1994 ausgesetzte internationale Treuhandsystem. In der aktuellen Liste sind daher keine Treuhandgebiete aufgeführt.

UN-Resolution 9 (I)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Resolution 9 (I) wird von der Generalversammlung unter anderem erklärt:[5]

  • „The United Nations (...) is keenly aware of the problems and political aspirations of the peoples who have not yet attained a full measure of self-government (...)“
    „Die Vereinten Nationen (...) sind sich der Probleme und der politischen Bestrebungen der Völker bewusst, die noch kein volles Maß an Selbsregierung erreicht haben (...)“(na)
  • „Chapters XI, XII and XIII of the Charter recognize the problems of the non-self-governing peoples as of vital concern to the peace and general welfare of the world community.“
    „Die Kapitel XI, XII und XIII der Charta anerkennen die Probleme der nicht-selbstregierten Völker als von entscheidender Bedeutung für den Frieden und das allgemeine Wohlergehen der Weltgemeinschaft.“(na)
  • „The General Assembly expects that the realization of the objectives of Chapters XI, XII and XIII will make possible the attainment of the political, economic, social and educational aspirations of non-self-governing peoples.“
    „Die Generalversammlung erwartet, dass die Verwirklichung der Ziele der Kapitel XI, XII und XIII die Erreichung der politischen, wirtschaftlichen, sozialen und pädagogischen Bestrebungen der nicht-selbstregierten Völker ermöglichen wird.“(na)
(na) nichtamtliche Übersetzung

UN-Resolution 1514 (XV)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Resolution 1514 (XV) wird von der Generalversammlung unter anderem erklärt:[6][7]

  • „Alle Völker haben das Recht auf Selbstbestimmung; kraft dieses Rechts bestimmen sie frei ihren politischen Status und verfolgen frei ihre wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung“
  • „Alsbaldige Schritte sind in den Treuhandgebieten und den Gebieten ohne Selbstregierung sowie in allen anderen Gebieten, welche noch nicht die Unabhängigkeit erlangt haben, zu unternehmen, um den Völkern dieser Gebiete alle Hoheitsbefugnisse zu übertragen, ohne irgendwelche Bedingungen oder Vorbehalte, im Einklang mit ihrem frei geäußerten Willen und Wunsch, ohne Unterschied der Rasse, des Glaubens oder der Hautfarbe, um sie in die Lage zu versetzen, volle Unabhängigkeit und Freiheit zu genießen“

Aktuell gelistete Territorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das nach Fläche kleinste Territorium ist Gibraltar, dasjenige mit den wenigsten Einwohnern sind die Pitcairninseln. Das nach Fläche und Anzahl der Einwohner größte Territorium ist Westsahara.

Territorium(t) Kontinent(k) gelistet Verwaltungsmacht Fläche
in km² ca.[8]
Einwohner
ca.[8]
UN-
Datenblatt
Amerikanische Jungferninseln Amerika 1946– Vereinigte Staaten 352 103.700 [1]
Amerikanisch-Samoa Pazifik (Ozeanien) 1946– Vereinigte Staaten 200 60.200 [2]
Anguilla Amerika 1946– Vereinigtes Königreich 96 15.700 [3]
Bermuda Amerika 1946– Vereinigtes Königreich 53 61.700 [4]
Britische Jungferninseln Amerika 1946– Vereinigtes Königreich 153 28.200 [5]
Cayman Islands Amerika 1946– Vereinigtes Königreich 264 60.400 [6]
Falklandinseln (Malwinen) Amerika 1946– Vereinigtes Königreich 12.100 2.500 [7]
Französisch-Polynesien Pazifik (Ozeanien) 2013–
1946–1947
Frankreich 3.600 271.800 [8]
Gibraltar Europa 1946– Vereinigtes Königreich 6 33.100 [9]
Guam Pazifik (Ozeanien) 1946– Vereinigte Staaten 540 159.400 [10]
Montserrat Amerika 1946– Vereinigtes Königreich 103 5.000 [11]
Neukaledonien Pazifik (Ozeanien) 1986–
1946–1947
Frankreich 18.600 268.800 [12]
Pitcairn(t)
(Pitcairninseln)
Pazifik (Ozeanien) 1946– Vereinigtes Königreich 36 39 [13]
St. Helena(t)
(St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha)
Afrika 1946– Vereinigtes Königreich 310 5.700 [14]
Tokelau Pazifik (Ozeanien) 1946– Neuseeland 12 1.500 [15]
Turks- und Caicosinseln Amerika 1946– Vereinigtes Königreich 948 37.900 [16]
Westsahara Afrika 1963– (unklar) 266.000 584.000 [17]
(t) Die UN verwenden in der Non-Self-Governing Territories-Liste die geläufigen Namen der Hauptinseln synonym für das gesamte Territorium

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Referenden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Falklandinseln (Malwinen)

(f1) In einem Referendum im Jahr 2013 entfielen nahezu 100 % der abgegebenen Stimmen auf die Erhaltung des Status quo.[9]

Gibraltar

(g) In einem Referendum im Jahr 2002 entfielen nahezu 99 % der abgegebenen Stimmen auf die Erhaltung des Status quo.[10]

Neukaledonien

(n1) 2018 stimmten 56,40 % der Abstimmenden bei einen Referendum gegen die Unabhängigkeit.

Wiederaufnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Französisch-Polynesien

(fp) Im Jahr 2013 wurde Französisch-Polynesien, das 1947 von der Liste gestrichen worden war, gegen den eigenen Willen[11] aufgrund der UN-Resolution 67/265 wieder in die Liste aufgenommen.[12]

Neukaledonien

(n2) Im Jahr 1986 wurde Neukaledonien, das 1947 von der Liste gestrichen worden war, aufgrund der UN-Resolution 41/41 wieder in die Liste aufgenommen.[13]

Konflikte der Verwaltungsmächte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Falklandinseln (Malwinen)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(f2) Zwischen dem Vereinigten Königreich und Argentinien besteht ein Konflikt um die Hoheit über die Falklandinseln (Argentinien verwendet den Namen Malvinas, deutsch: Malwinen).

Westsahara[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(w) 1976 erklärte Spanien, für Westsahara (seinerzeit Spanisch-Sahara) nicht mehr verantwortlich zu sein. Die Vereinten Nationen erkennen die von Marokko beanspruchte Hoheit über Westsahara nicht an. Daher ist die Verwaltungsmacht unklar.[3]

Ehemals gelistete Territorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

rot: aktuell gelistete Territorien, blau: ehemals gelistete Territorien

Aufgrund der UN-Resolution 1541 (XV) verliert ein Territorium den Status als Hoheitsgebiet ohne Selbstregierung gemäß Kapitel XI der Charta durch Gründung eines souveränen Staates, durch freie Assoziierung mit einem souveränen Staat oder durch Integration in einen souveränen Staat.[2][14]

Als letztes UN-Treuhandgebiet gemäß Kapitel XII der Charta wurde 1994 Palau von der Liste gestrichen.[14]

Territorium von der Liste gestrichen ehemalige Verwaltungsmacht derzeitiger Status
Französisch-Guayana 1947 Frankreich französisches Übersee-Département
Französisch-Indien 1947 Frankreich Teil von Indien
Guadeloupe 1947 Frankreich französisches Übersee-Département
Martinique 1947 Frankreich französisches Übersee-Département
Panamakanalzone 1947 Vereinigte Staaten Teil von Panama
Réunion 1947 Frankreich französisches Übersee-Département
Saint-Pierre und Miquelon 1947 Frankreich französisches Überseegebiet
Französisch-Indochina (Teil) 1949 Frankreich souveräner Staat Laos
Niederländisch-Indien 1949 Königreich der Niederlande Teil von Indonesien
Niederländische Antillen 1951 Königreich der Niederlande autonome Länder innerhalb des Königreichs der Niederlande (Aruba, Curaçao, Sint Maarten) bzw. Besondere Gemeinden der Niederlande (Bonaire, Sint Eustatius, Saba)
Suriname 1951 Königreich der Niederlande souveräner Staat
Puerto Rico 1952 Vereinigte Staaten Außengebiet der Vereinigten Staaten
Französisch-Indochina (Teil) 1953 Frankreich souveräner Staat Kambodscha
Grönland 1953 Dänemark autonomer Teil von Dänemark
Französisch-Marokko 1956 Frankreich Teil von Marokko
Protectorat français de Tunisie (heute Tunesien) 1956 Frankreich souveräner Staat
Britisch-Togoland 1957 Vereinigtes Königreich Teil von Ghana
Goldküste 1957 Vereinigtes Königreich Teil von Ghana
Malaiische Union 1957 Vereinigtes Königreich Teil von Malaysia
Französisch-Westafrika (Teil) 1958 Frankreich souveräner Staat Guinea
Alaska 1959 Vereinigte Staaten Bundesstaat der Vereinigten Staaten
Hawaii 1959 Vereinigte Staaten Bundesstaat der Vereinigten Staaten
British Somaliland (heute Somaliland) 1960 Vereinigtes Königreich Teil von Somalia
Colonie de Madagascar et dépendances (Teil) 1960 Frankreich souveräner Staat Madagaskar
Congo belge (heute Demokratische Republik Kongo) 1960 Belgien souveräner Staat
Französisch-Äquatorialafrika 1960 Frankreich souveräne Staaten Tschad bzw. Gabun bzw. Republik Kongo bzw. Zentralafrikanische Republik
Französisch-Kamerun 1960 Frankreich Teil von Kamerun
Französisch-Togoland (heute Togo) 1960 Frankreich souveräner Staat
Französisch-Westafrika (Teil) 1960 Frankreich souveräne Staaten Benin bzw. Mali bzw. Elfenbeinküste bzw. Mauretanien bzw. Burkina Faso bzw. Niger bzw. Senegal
Italienisches Treuhandgebiet Somalia 1960 Italien Teil von Somalia
Nigeria 1960 Vereinigtes Königreich souveräner Staat
Zypern 1960 Vereinigtes Königreich souveräner Staat[15]
Britisch-Kamerun 1961 Vereinigtes Königreich Teil von Kamerun bzw. von Nigeria
Portugiesisch-Indien 1961 Portugal Teil von Indien
São João Baptista d’Ajudá 1961 Portugal Teil von Benin
Sierra Leone 1961 Vereinigtes Königreich souveräner Staat
Algérie française (heute Algerien) 1962 Frankreich souveräner Staat
Jamaika 1962 Vereinigtes Königreich souveräner Staat
Ruanda-Urundi 1962 Belgien souveräne Staaten Ruanda bzw. Burundi
Trinidad und Tobago 1962 Vereinigtes Königreich souveräner Staat
Uganda 1962 Vereinigtes Königreich souveräner Staat
Westsamoa (heute Samoa) 1962 Neuseeland souveräner Staat
Britisch-Nordborneo 1963 Vereinigtes Königreich Teil von Malaysia
Kenia 1963 Vereinigtes Königreich souveräner Staat
Niederländisch-Neuguinea 1963 Königreich der Niederlande Teil von Indonesien
Sansibar 1963 Vereinigtes Königreich Teil von Tansania
Sarawak 1963 Vereinigtes Königreich Teil von Malaysia
Tanganjika 1963 Vereinigtes Königreich Teil von Tansania
Malta 1964 Vereinigtes Königreich souveräner Staat
Nordrhodesien (heute Sambia) 1964 Vereinigtes Königreich souveräner Staat
Nyasaland (heute Malawi) 1964 Vereinigtes Königreich souveräner Staat
Cookinseln 1965 Neuseeland souveräner Staat „in freier Assoziierung mit Neuseeland
Gambia Colony and Protectorate (heute Gambia) 1965 Vereinigtes Königreich souveräner Staat
Barbados 1966 Vereinigtes Königreich souveräner Staat
Basutoland (heute Lesotho) 1966 Vereinigtes Königreich souveräner Staat
Betschuanaland (heute Botswana) 1966 Vereinigtes Königreich souveräner Staat
Britisch-Guayana (heute Guyana) 1966 Vereinigtes Königreich souveräner Staat
Aden Protectorate 1967 Vereinigtes Königreich Teil von Jemen
Südarabische Föderation 1967 Vereinigtes Königreich Teil von Jemen
Mauritius 1968 Vereinigtes Königreich souveräner Staat
Nauru 1968 Australien souveräner Staat
Spanisch-Guinea (heute Äquatorialguinea) 1968 Spanien souveräner Staat
Swasiland 1968 Vereinigtes Königreich souveräner Staat
Ifni 1969 Spanien Teil von Marokko
Fidschi 1970 Vereinigtes Königreich souveräner Staat
British Hong Kong (heute Hongkong) 1972 Vereinigtes Königreich Sonderverwaltungszone der Volksrepublik China
Macau 1972 Portugal Sonderverwaltungszone der Volksrepublik China
Bahamas 1973 Vereinigtes Königreich souveräner Staat
Grenada 1974 Vereinigtes Königreich souveräner Staat
Portugiesisch-Guinea 1974 Portugal souveräner Staat Guinea-Bissau
Niue 1974 Neuseeland souveräner Staat „in freier Assoziierung mit Neuseeland
Angola (zuvor Portugiesisch-Westafrika) 1975 Portugal souveräner Staat
Colonie de Madagascar et dépendances (Teil) 1975 Frankreich souveräner Staat Komoren bzw. französisches Übersee-Département
Mosambik (zuvor Portugiesisch-Ostafrika) 1975 Portugal souveräner Staat
Kap Verde 1975 Portugal souveräner Staat
São Tomé und Príncipe 1975 Portugal souveräner Staat
Territorium Papua und Neuguinea 1975 Australien souveräner Staat Papua-Neuguinea
Seychellen 1976 Vereinigtes Königreich souveräner Staat
Französisches Afar- und Issa-Territorium 1977 Frankreich souveräner Staat Dschibuti
Dominica 1978 Vereinigtes Königreich souveräner Staat
Gilbert- und Elliceinseln (Teil) 1978 Vereinigtes Königreich souveräner Staat Tuvalu
Salomonen 1978 Vereinigtes Königreich souveräner Staat
Gilbert- und Elliceinseln (Teil) 1979 Vereinigtes Königreich souveräner Staat Kiribati
St. Lucia 1979 Vereinigtes Königreich souveräner Staat
St. Vincent und die Grenadinen 1979 Vereinigtes Königreich souveräner Staat
Kondominium Neue Hebriden 1980 Frankreich und Vereinigtes Königreich souveräner Staat Vanuatu
Südrhodesien (heute Simbabwe) 1980 Vereinigtes Königreich souveräner Staat
Antigua 1981 Vereinigtes Königreich souveräner Staat Antigua und Barbuda
Belize[16] 1981 Vereinigtes Königreich souveräner Staat
St. Christopher-Nevis-Anguilla (Teil) 1983 Vereinigtes Königreich souveräner Staat St. Kitts und Nevis (ohne Anguilla, das weiterhin gelistet ist)
Brunei 1984 Vereinigtes Königreich souveräner Staat
Kokosinseln 1984 Australien australisches Außengebiet
Nördliche Marianen 1990 Vereinigte Staaten Außengebiet der Vereinigten Staaten
Südwestafrika (heute Namibia) 1990 Südafrika souveräner Staat
Treuhandgebiet Pazifische Inseln (Teil) 1990 Vereinigte Staaten souveräne Staaten Marshallinseln bzw. Föderierte Staaten von Mikronesien „in freier Assoziierung mit den Vereinigten Staaten
Treuhandgebiet Pazifische Inseln (Teil) 1994 Vereinigte Staaten souveräner Staat Palau „in freier Assoziierung mit den Vereinigten Staaten
Osttimor (zuvor Portugiesisch-Timor) 2002 Portugal (Indonesien)[17] souveräner Staat Timor-Leste

UN-Resolution 1541 (XV)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur UN-Resolution 1541 (XV) konnten die Verwaltungsmächte nach eigenem Ermessen entscheiden, nach welchen Kriterien ein Territorium von der Liste zu streichen ist.[18] Dies führte unter anderem zur Wiederaufnahme von Neukaledonien (1986) und Französisch-Polynesien (2013) in die Liste. 1947 waren beide Territorien von der Liste gestrichen worden, weil seitens der Verwaltungsmacht Frankreich keine Meldung gemäß Artikel 73 der UN-Charta erfolgt war.

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Afrikanisches Jahr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Afrikanisches Jahr wird das Jahr 1960 bezeichnet, da in diesem Jahr viele Kolonien in Afrika die Unabhängigkeit von ihren Kolonialmächten erlangt haben.

Osttimor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als bisher letztes Territorium gemäß Kapitel XI der Charta wurde 2002 Osttimor gestrichen.[14] In die Liste wurde es ursprünglich als Kolonie Portugiesisch-Timor aufgenommen. Während es 1975 auf die Unabhängigkeit vorbereitet wurde, kam es zu einem kurzen Bürgerkrieg. Die portugiesische Administration zog sich auf die vorgelagerte Insel Atauro zurück, während die siegreiche FRETILIN die Macht übernahm. Kurz darauf begann Indonesien mit Soldaten in die Grenzgebiete einzudringen. Um internationale Unterstützung zu bekommen, rief die FRETILIN am 28. November 1975 einseitig die Unabhängigkeit aus. Sie wurde von zwölf Mitgliedern der Vereinten Nationen anerkannt, neben ehemaligen portugiesischen Kolonien wie Angola, Kap Verde, Guinea-Bissau, Mosambik oder São Tomé und Príncipe, auch von der Volksrepublik China (als einzigem ständigen Mitglied des Weltsicherheitsrates), Kuba, Vietnam und Schweden. Portugal, Indonesien, Australien, die Vereinigten Staaten und die Vereinten Nationen verweigerten aber die Anerkennung. Neun Tage später begann Indonesien mit der offenen Invasion. Der letzte portugiesische Gouverneur verließ die Kolonie. 1976 erklärte Indonesien die Annexion Osttimors, die nur von Australien anerkannt wurde. International galt Osttimor als „abhängiges Territorium unter portugiesischer Verwaltung“. Die FRETILIN ging in den bewaffneten Widerstand. 1999 wurde ein Unabhängigkeitsreferendum in Osttimor durchgeführt, in dem sich die Bevölkerung für die Unabhängigkeit aussprach. Nachdem indonesische Sicherheitskräfte nochmals das Land mit einer Gewaltwelle überzogen, übernahmen die Vereinten Nationen die Kontrolle über Osttimor. Von 1999 bis 2002 bestand die Übergangsverwaltung der Vereinten Nationen für Osttimor. Am 20. Mai 2002 wurde Osttimor in die Unabhängigkeit entlassen.

Völkerrechtliche Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Völkerrechtliche Grundlagen sind die Kapitel XI, XII und XIII der UN-Charta[19] sowie die sich auf diese Kapitel beziehenden Resolutionen.

UN-Resolution Datum Offizieller Titel
Amtliche deutsche Übersetzung
Link
zum
Dokument
(en)(s1)
Link
zum
Dokument
(de)(s2)
9 (I) 9. Feb. 1946 Non self-governing peoples [18]
10 (I) 9. Feb. 1946 Provisional rules of procedure of the Trusteeship Council [19]
63 (I) 13. Dez. 1946 Approval of Trusteeship Agreements [20]
64 (I) 14. Dez. 1946 Establishment of the Trusteeship Council [21]
65 (I) 14. Dez. 1946 Future status of South West Africa [22]
66 (I) 14. Dez. 1946 Transmission of information under Article 73 e of the Charter [23]
67 (I) 14. Dez. 1946 Regional conferences of representatives of Non-Self-Governing Territories [24]
139 (II) 1. Nov. 1947 Report of the Trusteeship Council covering its 1st session [25]
140 (II) 1. Nov. 1947 Proposed Trusteeship Agreement for Nauru [26]
141 (II) 1. Nov. 1947 Consideration of proposed new trusteeship agreements, if any: question of South West Africa [27]
142 (II) 3. Nov. 1947 Standard form for the guidance of Members in the preparation of information to be transmitted under Article 73 e of the Charter [28]
143 (II) 3. Nov. 1947 Supplemental documents relating to information transmitted under Article 73 e of the Charter [29]
144 (II) 3. Nov. 1947 Voluntary transmission of information regarding the development of self-governing institutions in the Non-Self-Governing Territories [30]
145 (II) 3. Nov. 1947 Collaboration of the specialized agencies in regard to Article 73 e of the Charter [31]
146 (II) 3. Nov. 1947 Creation of a special committee on information transmitted under Article 73 e of the Charter [32]
218 (III) 3. Nov. 1948 Transmission of information under Article 73e of the Charter [33]
219 (III) 3. Nov. 1948 Special Committee on information transmitted under Article 73e of the Charter [34]
220 (III) 3. Nov. 1948 Liaison between the Economic and Social Council and the Special Committee on Information transmitted under Article 73e of the Charter [35]
221 (III) 3. Nov. 1948 Collaboration of the specialized agencies in regard to Article 73e of the Charter [36]
222 (III) 3. Nov. 1948 Cessation of the transmission of information under the Article 73e of the Charter [37]
223 (III) 18. Nov. 1948 Report of the Trusteeship Council covering its 2nd and 3rd sessions [38]
224 (III) 18. Nov. 1948 Administrative unions affecting Trust Territories [39]
225 (III) 18. Nov. 1948 Educational advancement in Trust Territories [40]
226 (III) 18. Nov. 1948 Progressive development of Trust Territories [41]
227 (III) 26. Nov. 1948 Question of South West Africa [42]
320 (IV) 15. Nov. 1949 Political advancement of Trust Territories [43]
321 (IV) 15. Nov. 1949 International Trusteeship system: petitions and visiting missions [44]
322 (IV) 15. Nov. 1949 Economic advancement in Trust Territories [45]
323 (IV) 15. Nov. 1949 Social advancement in Trust Territories [46]
324 (IV) 15. Nov. 1949 Educational advancement in Trust Territories [47]
325 (IV) 15. Nov. 1949 Use of the flag of the United Nations in Trust Territories [48]
326 (IV) 15. Nov. 1949 Administrative unions affecting Trust Territories [49]
327 (IV) 2. Dez. 1949 Voluntary transmission of information under part I of the Standard Form concerning the Non-Self-Governing Territories [50]
328 (IV) 2. Dez. 1949 Equal treatment in matters relating to education in Non-Self-Governing Territories [51]
329 (IV) 2. Dez. 1949 Language of instruction in Non-Self-Governing Territories [52]
330 (IV) 2. Dez. 1949 Eradication of illiteracy in Non-Self-Governing Territories [53]
331 (IV) 2. Dez. 1949 International collaboration in regard to economic, social and educational conditions in Non-Self-Governing Territories [54]
332 (IV) 2. Dez. 1949 Establishment of a Special Committee on Information transmitted under Article 73 e of the Charter [55]
333 (IV) 2. Dez. 1949 Work of the Special Committee on Information transmitted under Articke 73 e of the Charter [56]
334 (IV) 2. Dez. 1949 Territories to which Chapter XI of the Charter applies [57]
335 (IV) 2. Dez. 1949 Publication of information relating to Non-Self-Governing Territories [58]
336 (IV) 2. Dez. 1949 Information on technical assistance accorded to Non-Self-Governing Territories [59]
337 (IV) 6. Dez. 1949 Question of South West Africa: reiteration of previous resolutions and submission of reports [60]
338 (IV) 6. Dez. 1949 Question of South West Africa: request for an advisory opinion of the International Court of Justice [61]
431 (V) 2. Dez. 1950 Report of the Trusteeship Council covering its first special session, its second special session, and its sixth and seventh sessions [62]
432 (V) 2. Dez. 1950 General procedure of the Trusteeship Council [63]
433 (V) 2. Dez. 1950 Annual reports of the Trusteeship Council [64]
434 (V) 2. Dez. 1950 Organization and methods of functioning of visiting missions [65]
435 (V) 2. Dez. 1950 Examination of petitions [66]
436 (V) 2. Dez. 1950 Information on the implementation of Trusteeship Council and General Assembly resolutions relating to Trust Territories [67]
437 (V) 2. Dez. 1950 Educational advancement in Trust Territories [68]
438 (V) 2. Dez. 1950 Rural economic development of the Trust Territories [69]
439 (V) 2. Dez. 1950 Technical assistance for Trust Territories [70]
440 (V) 2. Dez. 1950 Abolition of corporal punishment in Trust Territories [71]
441 (V) 2. Dez. 1950 The Ewe problem [72]
442 (V) 2. Dez. 1950 Trusteeship Agreement for the Territory of Somaliland under Italian Administration [73]
443 (V) 12. Dez. 1950 Administrative unions affecting Trust Territories [74]
444 (V) 12. Dez. 1950 Technical assistance to Non-Self-Governing Territories [75]
445 (V) 12. Dez. 1950 Work of the special Committee on information transmitted under Article 73 e of the Charter [76]
446 (V) 12. Dez. 1950 Information on human rights in Non-Self-Governing Territories [77]
447 (V) 12. Dez. 1950 Comparable statistical information relating to the subjects treated under Article 73 e of the Charter [78]
448 (V) 12. Dez. 1950 Development of self-government in Non-Self-Governing Territories [79]
449 (V) 13. Dez. 1950 Question of South West Africa [80]
567 (VI) 18. Jan. 1952 Future procedure for the continuation of the study of factors which should be taken into account in deciding whether a territory is or is not a territory whose people have not yet attained a full measure of self-government [81]
1514 (XV) 14. Dez. 1960 Declaration on the granting of independence to colonial countries and peoples
Erklärung über die Gewährung der Unabhängigkeit an koloniale Länder und Völker
[82] [83]
1541 (XV) 15. Dez. 1960 Principles which should guide Members in determining whether or not an obligation exists to transmit the information called for under Article 73 e of the Charter [84]
1654 (XVI) 27. Nov. 1967 The situation with regard to the implementation of the Declaration on the granting of independence to colonial countries and peoples [85]
43/45 22. Nov. 1988 Implementation of the Declaration on the Granting of Independence to Colonial Countries and Peoples [86]
43/46 22. Nov. 1988 Dissemination of information on decolonization [87]
43/47 22. Nov. 1988 International Decade for the Eradication of Colonialism [88]
55/145 8. Dez. 2000 Dissemination of information on decolonization [89]
55/146 8. Dez. 2000 2nd International Decade for the Eradication of Colonialism [90]
55/147 8. Dez. 2000 Implementation of the Declaration on the Granting of Independence to Colonial Countries and Peoples [91]
61/130 14. Dez. 2006 Implementation of the Declaration on the Granting of Independence to Colonial Countries and Peoples [92]
65/115 A-B 10. Dez. 2010 Questions of American Samoa, Anguilla, Bermuda, the British Virgin Islands, the Cayman Islands, Guam, Montserrat, Pitcairn, Saint Helena, the Turks and Caicos Islands and the United States Virgin Islands (A. General, B. Individual Territories) [93]
65/116 10. Dez. 2010 Dissemination of information on decolonization [94]
65/117 10. Dez. 2010 Implementation of the declaration on the granting of Independence to Colonial Countries and Peoples [95]
65/118 10. Dez. 2010 Fiftieth anniversary of the Declaration on the Granting of Independence to Colonial Countries and Peoples [96]
65/119 10. Dez. 2010 Third International Decade for the Eradication of Colonialism [97]
(s1) Der UN-Dokumentenserver ist nicht immer erreichbar.
(s2) Nicht alle Dokumente sind in amtlicher deutscher Übersetzung online verfügbar.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andere gebräuchliche Bezeichnungen: Hoheitsgebiete, die noch nicht die volle Selbstregierung erreicht haben; territories whose peoples have not yet attained a full measure of self-government; Hoheitsgebiete, deren Völker noch nicht die volle Selbstregierung erreicht haben
  2. a b Resolution 1541 (XV). (PDF) In: un.org. Abgerufen am 7. Juli 2017.
  3. a b The United Nations and Decolonization. In: un.org. Abgerufen am 7. Juli 2017 (englisch).
  4. Charta. In: unric.org. Abgerufen am 30. Juli 2017 (deutsch).
  5. Resolution 9 (I). In: un.org. Abgerufen am 1. August 2017.
  6. Resolution 1514 (XV). (PDF) In: un.org. Abgerufen am 30. Juli 2017 (englisch).
  7. UN-Resolution 1514 (XV), amtliche deutsche Übersetzung, abgerufen am 30. Juli 2017
  8. a b Gemäß United Nations Secretariat 2017 Working Papers on Non-Self-Governing Territories, für Westsahara gemäß UNdata (data.un.org), abgerufen am 7. Juli 2017
  9. Falklands referendum: Voters choose to remain UK territory. In: BBC News. 2013 (bbc.com [abgerufen am 7. Juli 2017]).
  10. BBC NEWS | Europe | Q&A: Gibraltar's referendum. In: co.uk. news.bbc.co.uk, abgerufen am 7. Juli 2017.
  11. Tahiti assembly votes against UN decolonisation bid. In: Radio New Zealand. 2013 (co.nz [abgerufen am 7. Juli 2017]).
  12. Resolution 67/265. In: un.org. Abgerufen am 7. Juli 2017.
  13. A/RES/41/41. Implementation of the Declaration on the Granting of Independence to Colonial Countries and Peoples. In: un.org. Abgerufen am 7. Juli 2017.
  14. a b c The United Nations and Decolonization. In: un.org. Abgerufen am 7. Juli 2017 (englisch).
  15. Die Türkische Republik Nordzypern wird von den UN nicht anerkannt. Siehe auch Zypernkonflikt.
  16. In der Liste als "British Honduras" bezeichnet.
  17. Von 1975 bis 1999 war Osttimor von Indonesien besetzt. Zur Verwaltung zwischen 1999 und 2002 siehe Übergangsverwaltung der Vereinten Nationen für Osttimor
  18. Blickpunkt Pazifik, Nr. 12, 2003, abgerufen am 30. Juli 2017
  19. UN-Charta ab Kapitel XI, abgerufen am 31. Juli 2017.