Hohenburg (Lenggries)

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Hohenburg
Kupferstich der Hohenburg von Michael Wening (1701)

Kupferstich der Hohenburg von Michael Wening (1701)

Alternativname(n): Hochenburg
Entstehungszeit: um 1100
Burgentyp: Höhenburg, Spornlage
Erhaltungszustand: Mauerreste, Wälle, Teil eines Turmes
Ort: Lenggries
Geographische Lage 47° 40′ 47″ N, 11° 37′ 9″ OKoordinaten: 47° 40′ 47″ N, 11° 37′ 9″ O
Höhe: 780 m ü. NHN
Hohenburg (Lenggries) (Bayern)
Hohenburg (Lenggries)

Die Hohenburg (früher zuweilen auch Hochenburg) ist die Ruine einer Höhenburg nahe dem Ort Lenggries im Isarwinkel in Bayern. Einst war diese Burg das wichtigste Herrschaftszentrum der Region, bis zu ihrer Zerstörung bei einem verheerenden Großbrand am 21. Juli 1707. Heute künden Ruinen von der einstigen Glorie dieser Veste.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg wurde um 1100 erstmals urkundlich erwähnt und war jahrhundertelang das bedeutendste Herrschaftszentrum des Isarwinkels. Am Fuße der Burg entwickelte sich eine Flößer- und Handwerkersiedlung, das heutige Lenggries.

Die Burg auf einer Anhöhe am Hirschbach gehörte ursprünglich den Herren von Thann, kam Ende des 12. Jahrhunderts in den Besitz der Herren von Tölz und 1262 an die Wittelsbacher. Ab 1294 war diese Burg im Besitz der Herren von Egling. Ihnen folgten 1396 die Herren von Maxlrain, die 1410 bis 1420 einen großen Umbau und eine Erweiterung vornahmen. 1522 kam die stattliche Burg in den Besitz des Hauses Schellenberg. Dionys von Schellenberg verkaufte 1566 schließlich Burg und Gericht an seinen Neffen Hanns Paul Herwarth, in dessen Geschlecht der Besitz der Burg und Hofmark Hohenburg bis 1800 blieb. Bis Mitte des 16. Jahrhunderts blieb die Hohenburg eine Wehrburg, ohne Schloss-Charakter. Ab 1570 begannen Umgestaltungen, die das Aussehen der Burg veränderten und einen wohnlicheren, schlossartigeren Ausdruck (ein sogenanntes Burgschloss) verlieh.

1705 standen Lenggries und die Burg im Mittelpunkt der Bayerischen Volkserhebung, da hier der erste Widerstand gegen die österreichischen Besatzer organisiert wurde. Dieser Aufstand fand sein tragisches Ende in der Sendlinger Mordweihnacht.

Während des Spanischen Erbfolgekrieges hielten österreichische Truppen die Burg besetzt, und am 21. Juli 1707 wurde sie bei einem aus ungeklärten Gründen entstandenen Brand vollkommen zerstört. Binnen einer Stunde umfasste das Großfeuer die gesamte Burg. Im Brandbericht des Richters Mayr an den Grafen Herwarth war zu lesen:

„Durch Unachtsamkeit oder Böswilligkeit betrunkener Soldaten, Genaues ist aus den Akten nicht feststellbar, ging am Donnerstag, den 21. Juli gegen 10 Uhr der große Saal, welcher den Soldaten als Kaserne diente, in Flammen auf. Der Brand griff ungeheuer schnell um sich. Die Husaren machten zwar Lärm beim Ausbruch des Feuers, verließen aber ruhig die Burg, lagerten beim Weiher und schauten hohnlachend dem Brande zu.“

Der Leutnant der österreichischen Husaren bestritt die Vorwürfe, seine Männer seien schuld an dem Brand gewesen. Vielmehr vermerkte er, der Kamin des Saales sei verstopft und schlecht gereinigt gewesen, was seiner Ansicht nach den Brand verursacht habe. Allerdings stellte sich nach Befragung zahlreicher Zeugen heraus, dass der Brand nicht von diesem Kamin ausgegangen war.

Die Burg wurde daraufhin größtenteils abgetragen und die Steine in der Lenggrieser Pfarrkirche St. Jakobus und dem neuen Schloss Hohenburg verbaut, das rund 300 m westlich entstand. Obwohl noch ein beträchtlicher Teil der Ruine verblieb, verrichtete das Zerstörungswerk hochwachsender Bäume im Laufe der Jahrhunderte beträchtliche Schäden und setzte dem Mauerwerk weiter zu.

Heutiger Zustand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Laufe der Jahrhunderte verfielen die letzten Reste der Ruine immer mehr. Die gesamte Anhöhe wurde überwuchert und ist bis heute vollständig bewaldet. Erst im Verlauf des 20. Jahrhunderts wurden Romantiker und Denkmalschützer auf die Burg aufmerksam, die sich zum Ziel setzten, den weiteren Verfall der Ruine zu stoppen. Erhalten sind heute noch ein Teil eines Turmes, zahlreiche Wälle und Mauerreste, sowie ein Brunnenschacht.

2007, anlässlich des 300. Jahrestages der Zerstörung der Burg, beherbergte das Lenggrieser Heimatmuseum eine Dauerausstellung zur Hohenburg, organisiert vom 2003 gegründeten Burgverein. Die Burgruine und die Anhöhe wurden zudem 2004 bis 2006 von Geodäten der Bundeswehr-Universität Neubiberg mit Lasern vermessen und geo-technisch untersucht. Dafür wurden vom Burgverein auch ein Ramadama durchgeführt, 24 Bäume gefällt, um die Ruine wieder mehr zur Geltung zu bringen. Die Hohenburg ist nun die erste Burg in Bayern, von der aufgrund der Vermessungstechnik eine virtuelle Darstellung entstand.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stephan Bammer: Der Untergang der Hohenburg. In: Ey wer so schön sing’ darin. Eigenverlag, Lenggries 2007, ISBN 3-000217-37-1.
  • Georg Paula, Angelika Wegener-Hüssen: Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]: Denkmäler in Bayern. Band I.5). Karl M. Lipp Verlag, München 1994, ISBN 3-87490-573-X, S. 387.
  • Jochem Ulrich: Die Burg über dem Dorf. 700 Jahre Hohenburg. 2001/2007, ISBN 3-924439-00-1.
  • Michael W. Weithmann: Inventar der Burgen Oberbayerns. 3. überarbeitete und erweiterte Auflage. Herausgegeben vom Bezirk Oberbayern, München 1995, S. 190–193.
  • Michael Weithmann: Keine Romantik im engen Wohnturm: Burgen im Isarwinkel. In: Ritter und Burgen in Oberbayern. Streifzüge ins mittelalterliche Land zwischen Alpen, Donau, Lech und Salzach. Bayerland, Dachau 1999, ISBN 3-89251-276-0.
  • Werner Meyer: Burgen in Oberbayern – Ein Handbuch. Verlag Weidlich, Würzburg 1986, ISBN 3-8035-1279-4, S. 41–43.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]