Hohengeroldseck

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zur Äbtissin des Damenstifts Buchau siehe Elisabeth von Hohengeroldseck.
Hohengeroldseck
Burgruine Hohengeroldseck

Burgruine Hohengeroldseck

Entstehungszeit: um 1250
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Ruine
Ständische Stellung: Freiadlige
Ort: Seelbach-Schönberg
Geographische Lage 48° 19′ 57″ N, 7° 58′ 49″ OKoordinaten: 48° 19′ 57″ N, 7° 58′ 49″ O
Höhe: 523,9 m ü. NHN
Hohengeroldseck (Baden-Württemberg)
Hohengeroldseck

Hohengeroldseck ist die Ruine einer Höhenburg auf 523,9 m ü. NN im Schwarzwald auf einer Anhöhe zwischen dem Kinzigtal und dem Schuttertal im Ortsteil Schönberg der Gemeinde Seelbach (nahe Lahr) im Ortenaukreis in Baden-Württemberg. Sie war Stammsitz der Herren von Geroldseck. Auf einer Spornkuppe 1.700 Meter südlich befindet sich die Ruine der Burg Alt-Geroldseck.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Herren von Geroldseck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Geroldseck

Die Burg wurde in den Jahren 1240 bis 1250 auf dem Schönberg von Walther von Geroldseck als Stammburg der Herren von Geroldseck erbaut und bildete zwischen der Landesteilung 1277 und dem Ende der Geroldsecker Herrschaft 1634 den Mittelpunkt der „Oberen Herrschaft“ Hohengeroldseck. Das Gebiet der oberen Ortenau war seit 1277 in der Hand der Nachkommen Walthers von Geroldseck und umfasste die Herrschaften Lahr, Mahlberg, Schiltach und die Klöster Schuttern und Ettenheimmünster. Ebenfalls im Besitz der Herren von Geroldseck war die Landvogtei zu beiden Seiten des Rheins von Basel bis Seltz. Für 30.000 Gulden kaufte Markgraf Jakob I. von Baden 1442, von den Nachkommen Walthers von Geroldseck, die Hälfte der Herrschaft Lahr und Mahlberg. 1486 wurde die Burg von Pfalzgraf Philipp erobert und blieb bis 1534 bei der Kurpfalz. Der kurpfälzische Geschützmeister Martin Merz leitete seinerzeit die sechs Wochen andauernde Beschießung. 1599 verlegten die Geroldsecker ihre Residenz in das zum Renaissanceschloss umgebaute Schloss Dautenstein im nahen Seelbach.

Der Graf von Kronberg 1636–1692[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Kronberg

Anna Maria von Hohen-Geroldseck († 1649) war nach dem Tod ihres Vaters Jakob von Hohen-Geroldseck († 1634) die einzige Erbin derer von Geroldseck. Seit 1644 war sie mit Markgraf Friedrich V. von Baden-Durlach verheiratet. Die Habsburger betrachteten die ganze Herrschaft Hohengeroldseck als an sie zurückgefallenes Lehen. Sie ignorierten die Ansprüche der Erbin auf darin enthaltenes Allodialgut und belehnten 1636 den noch unmündigen Kraft Adolf Otto Graf von und zu Kronberg[1] mit Burg und Herrschaft, da Kaiser Ferdinand II. dessen Vater Adam Philipp das Lehen bereits 1620 zugesagt und 1630 bestätigt hatte, nachdem absehbar war, dass Jakob von Hohen-Geroldseck ohne männlichen Erben sterben würde. Ottos Mutter, Margarethe Sidonie von Daun, Gräfin von Falkenstein, handelte für ihren Sohn. 1650 wurde Otto für mündig erklärt und übernahm selbst die Herrschaft. 1653 heiratete er Maria Franziska von Oettingen-Baldern.[2] Dem Grafen gelang es, durch eine Hinhaltetaktik die Gerichte von einer Zuweisung des Allodialgutes an die Markgrafen von Baden-Durlach abzuhalten. Darüber hinaus begann er auch noch einen kleinen Grenzkrieg mit der unter baden-durlachischer Pfandherrschaft stehenden Herrschaft Lahr um die Landeshoheit über die zwischen Kuhbach und Lahr stehende Sägemühle.

Die Burg wurde im Pfälzischen Erbfolgekrieg im Januar 1689 durch französische Truppen zerstört.

Die Grafen von der Leyen seit 1697[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von der Leyen

Nach dem Tod des letzten Grafen von Kronberg (im Kronenstamm) im Jahre 1692, ließ Markgraf Friedrich Magnus den von seinem Großvater, Friedrich V., ererbten Anspruch auf die Herrschaft Hohengeroldseck wieder aufleben. Er nahm ein halbes Jahr nach dem Tod des Kronbergers die Herrschaft in Besitz. 1695 erhob Karl Kasper Franz von der Leyen seinerseits Ansprüche auf die Herrschaft, da die Habsburger ihm wiederum im Hinblick auf die fehlenden Erben des Lehensträgers, Kraft Adolf Otto Graf von und zu Kronberg, bereits Zusagen für dessen Nachfolge gemacht hatten, obwohl die badischen Ansprüche und deren rechtlicher Bestand bekannt waren.

Der österreichische Landvogt in der Ortenau, Karl II. von Neveu, ließ am 16. April 1697 ein 300 Mann starkes Militärkontingent einrücken, das die badischen Wappen entfernte, Schloss Dautenstein gewaltsam einnahm und die badischen Beamten vertrieb.[3] Von der Bevölkerung wurde verlangt, dass sie Karl Kasper von der Leyen huldigen sollte. Seither gehört die Burgruine dem Geschlecht der von der Leyen.

Historische Darstellungen der Burg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Darstellung von Grimmelshausen aus dem Jahr 1645 galt lange als älteste bekannte Darstellung. 2001 wurde die Hypothese publiziert, dass eine Darstellung im Kriegsbuch des Philipp Münch[4] von 1496 die Burg Hohengeroldseck während der Belagerung durch Philipp den Aufrichtigen im Jahre 1486 zeigt.[5]

historische Darstellungen der Burg
Hohengeroldseck 1496.jpg
Burg Hohengeroldseck 1486 während der Belagerung durch Philipp den Aufrichtigen
Hohengeroldseck Grimmelshausen 1645.jpg
Burg Hohengeroldseck 1645 (nach Grimmelshausen)

Erhaltung der Burgruine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ruine Hohengeroldseck ist heute Eigentum der Rechtsnachfolger der Herren von Geroldseck, der Fürsten von der Leyen und wird seit 1958 vom Verein zur Erhaltung der Burgruine Hohengeroldseck e. V.[6] betreut. Erste Instandhaltungsmaßnahmen erfolgten bereits 1883. „Zu Beginn der 1950er Jahre folgte der Einbau einer neuen Wendeltreppe in den Turm des hinteren Palas“.[7] Die Burgruine wurde 2005 vom Landesverein Badische Heimat als „Kulturerbe des Landes“ benannt und von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg zum Denkmal des Monats Juni 2010“ ernannt. 2011 und 2013 wurden umfangreiche Sanierungsmaßnahmen umgesetzt. Die Sanierungskosten betrugen seit 1996 etwa 824.544,94 €.

Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundriss der Burg Hohengeroldseck

Die Burg, von der die ca. 10 Meter hohen Außenmauern (Unterburg) sowie das Hauptgebäude (Oberburg) erhalten sind, stellt den Typus der turmlosen Turmhausburg dar und bildet vor allem vom Kinzigtal her einen markanten Blickfang.

Die Burg hatte ohne die Vorwerke eine Ausdehnung von 95 auf 50 Meter. Die Ringmauer hatte einen Wehrgang mit Schießscharten und war 2,10 Meter stark. Die beiden auf einem Porphyrfelsen errichteten Hauptgebäude waren etwa 50 Meter lang und maximal 20 Meter breit. Sie waren durch einen Hof getrennt. Die Fassade des Ritterhauses, eines viergeschossigen Palas, ist noch weitgehend erhalten. Im zweiten Obergeschoss befand sich ein 80 Quadratmeter großer Rittersaal.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hohengeroldseck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. * 29. Januar 1629, † 1. April 1692; s. Eintrag auf www.geneall.net; Julius Kindler von Knobloch: Oberbadisches Geschlechterbuch. Drei Bände. Carl Winter’s Universitätsbuchhandlung, Heidelberg 1898–1919. Hier Band 2, S. 386 online
  2. S. Kohler S.72-73.
  3. S. Johann Christian Sachs: Einleitung in die Geschichte der Marggravschaft und des marggrävlichen altfürstlichen Hauses Baden, Carlsruhe 1770, Vierter Theil, S. 582–584 in der Google-Buchsuche
  4. online bei der UB-Heidelberg
  5. S. Heiko Wagner: Odenwald oder Ortenau - die älteste Darstellung der Burg Hohengeroldseck?. In: Die Ortenau, 81. Jahresband, 2001, S. 649-657.
  6. Homepage des Vereins zur Erhaltung der Burgruine Hohengeroldseck
  7. S. EBIDAT